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Oh Captain, mein Captain – Moschuskörner

19 Jan

moschus

Im Leben gibt es viele Wege –  zu Wasser, zu Lande oder in der Luft.

Wir bewegen uns auf diesen Wegen fort, mal schneller, mal langsamer, über Berg und Tal, über Umwege und Irrwege und kommen dann doch irgendwann wieder an einen Ort, der uns bekannt vorkommt, an einen Punkt, an dem wir vielleicht schon einmal waren oder es kommt uns nur so vor. Oder wir finden in der Fremde ein neues Zuhause, wo sich die Seele gerne niederlässt.

Sicher ist, dass man niemals dieselbe oder derselbe bleibt. Das Leben ist eine Reise und mit dem Duft der Moschuskörner gehe ich auf Entdeckung.

Sogleich entsteht in meiner Imagination das Bild eines Schiffes, dessen Segel aus Federn besteht, die zart im Wind flattern. Mein Schiff schwebt schwerelos auf hohen Wellen und in der Ferne sehe ich einen Fixpunkt in den Farben des Federkleides meiner gehissten Segel.

Mir wird klar, dass wir, mein Federboot und ich, dorthin in die Ferne segeln werden und dass dies auch ohne mein Zutun geschehen wird.

Ich weiß vielleicht nicht genau, wohin mein Schiff fährt, aber ich weiß ganz sicher, dass ich der Kapitän bin. Oh Captain, mein Captain!

Der Kapitän ist ein Symbol für den inneren Kompass, nun spüre ich ihn ganz deutlich. Eine trockene Note im Duft lässt immer wieder das Bild von trockenem Treibholz, das an einen paradiesischen Strand angespült wurde, entstehen. Mag sein, dass das Boot, zu dem das Treibholz gehörte, Schiffbruch erlitten hat oder es im Sturm an einem Felsen zerschellt ist. Aber dieses eine  Stück hat es doch bis ins Paradies geschafft.

Vielleicht ist es besser ein Stück Treibholz im Paradies zu sein, als ein ganzes Schiff im sicheren Hafen? Zahlreiche Gedanken zum Thema “Lebenswege” gehen mir durch den Kopf. Der Duft hat auch etwas Fruchtig-Exotisches an sich und schenkt Mut, auch die ungewöhnlichen, speziellen, von der Norm abweichenden Lebensabschnitte zu würdigen.

Es wird immer Leute geben, die den eigenen Lebensweg nicht verstehen, die Zweifel säen oder versuchen, einem ihr eigenes Lebenskonzept überstülpen zu wollen. Da rascheln die Federn meines Zauberschiffes leise im Wind und flüstern: Oh Captain, mein Captain!

Und ja, ganz tief in mir selbst hallt das Echo dieser Worte nach und bringt etwas zum Schwingen. Es ist die Freiheit, den eigenen Weg zu wählen, Schritt für Schritt. Ich selbst kenne mich am besten und deswegen weiß ich auch am besten, wohin ich will.

Lebenswege gibt es viele, nicht nur einen einzigen. Und außerdem segelt mein Schiff sowieso ganz von allein meinem Fixstern entgegen. Ich konzentriere mich auf das Flüstern der bunten Federn im Wind….und lausche dem Echo tief im Inneren….und weiß, dass dies das Einzige ist, was zu tun ist.

Affirmation: “Oh Captain, mein Captain!”

Duft: Hibiscus abelmoschus

Verwendeter Pflanzenteil: Samen

Gewinnung: Wasserdampfdestillation

Vision Quest – Wacholderbeere

5 Okt

Es ist die Zeit der fallenden Blätter und im Duft der Wacholderbeere erwartet mich ein herb-holziges Ur-Wesen, das mich sodann in die Tiefen meiner Seelen-Landschaft eintreten lässt.

Die Imaginationen sind sehr plastisch und dabei klar, auf das Wesentliche reduziert.

Ich befinde mich auf einer weiten Ebene. Kein Mensch, kein Haus, kein Weg.

Mein Blick gleitet bis zum Horizont und in die Unendlichkeit dahinter. Ich stehe einfach nur da, auf einem Acker und werde gewahr, dass unter mir viele Schichten der Erde aus verschiedenen Zeitaltern liegen und dass vor meiner Zeit andere Menschen hier standen, um das Land fruchtbar zu machen.

Dieser Duft lässt im Inneren eine ganz eigene Melodie, einen fremdartigen Urgesang erklingen, der ein Ur-Wesen in mir anspricht, meine Seele.

Auf dieser weiten Ebene sind die Gefühle klar, gesammelt, windstill, reduziert und auf merkwürdige Weise abstrahiert, so als hätte ich sie am Rastplatz mit all dem anderen Reisegepäck zurück gelassen, wo sie auf mich warten, bis ich wieder komme.

Es gibt diese Momente der Wahrhaftigkeit, in denen man spürt, dass es kein Ausweichen gibt, keinen Aufschub,  kein Warten mehr.

Momente, in denen sich der Schritt verlangsamt bis man es endlich wagt in mutiger, gefasster Geistesgegenwart stehen zu bleiben, sich umzudrehen und dem eigenen Schatten ins Gesicht zu sehen. Stehenbleiben, weil man weiß, dass alles andere keinen Sinn mehr machen würde.

Dies ist das Feld der Desillusion. Ich kam hierher, um die Dinge ins rechte Licht zu rücken. Die weite Ebene dient mir als Spiegel. Einige Tage lang sah ich vor meinem inneren Auge mich selbst auf dieser weiten Ebene in der Begegnung  mit dem eigenen Schatten.

Beim Malen dieser Szene, entstand ganz entgegen meiner Intention eine Figur mit Flügeln auf dem Feld und in dem Moment wurde mir klar, dass die Schatten, die ich im Moment der Wahrhaftigkeit erlebt hatte, selbst die Illusion waren.

Die Dufterfahrung hatte in mir zunächst die Illusion der Schatten erweckt, um mir dann zu zeigen,  dass es eine weite Ebene gibt, auf der nur ich mit mir selbst zurück bleibe. Kein Mensch, kein Haus, kein Weg. Dafür ein paar Flügel – geschenkt.

Vom Duft der Wacholderbeere habe ich gelernt, dass der Meander-Weg der Seele über Illusionen und  Umwege führen kann, dass das, was man für wahr hält ebenfalls eine Illusion sein kann und man daran so lange festhalten darf wie man sie braucht. Jedoch in dem Wissen, dass die Wahrheit nur im Spiegel der individuellen Entwicklung existiert.

Ansonsten ist die Wahrheit eine weite Ebene, ohne Mensch, ohne Haus und ohne Weg. Dafür ein paar Flügel – geschenkt.

Affirmation: “Ich bleibe bei meiner Wahrheit nur so lange ich sie brauche!” “Die Wahrheit ist eine weite Ebene!”

Duft: Juniperus communis, Bosnien

Verwendeter Pflanzenteil: Frucht

Gewinnung: Destillation

Die Wandersfrau – Myrte Anden

29 Jun

Von Myrte Anden geht ein angenehmes tiefes Aroma von herben Waldbeeren und dürren Ästen  aus. Dieser Duft behält seine tiefsten Geheimnisse für sich aber gerade deswegen fühlt man sich darin so geborgen, angekommen, fast beheimatet.

Immer wieder tauchen ganze Bildsequenzen vor meinem inneren Auge auf, in denen ich mich auf Wanderschaft befinde und gerade in dem Moment, in dem ich nicht mehr genau weiß wo ich hin muss, begegne ich auf dem Weg immer wieder einer leuchtenden Frauengestalt im bunten Gewand.

Ich frage sie nach dem Weg und immer wieder erhalte ich dieselbe Antwort:”Wenn du nicht mehr weiter weißt, dann kehre um und gehe bis zu dem Punkt, an dem du dich wieder auskennst. So wie man in das Labyrinth hineingeht, findet man auch wieder hinaus!”

Eine ganze Weile haben mich diese Sätze beschäftigt und ich denke das Thema von Myrte Anden ist die Umkehr, das Aufsuchen eines vertrauensvollen Zustandes bzw. der Rückzug zum Kern des Urvertauens, von dem aus man achtsam einen Schritt vor den anderen setzt. Ich glaube, die geheimnisvolle Wandersfrau am Wegesrand repräsentiert eine wegweisende Kraft, die der inneren Stimme Gestalt verleiht.

Manchmal gerät man ja trotz bester Vorsätze auf einen Weg, den man eigentlich gar nicht einschlagen wollte. Einige Wege führen auch in eine Sackgasse und viele Wege gehen wir trotz besseren Wissens weiter und zwar bis zum bitteren Ende. Dabei ist Myrte Anden nicht nur ein Duft für größere Irrfahrten, sondern auch für die kleineren Irrungen und Wirrungen der täglichen Kommunikation.

Myrte Anden schenkt der inneren Stimme einen klaren, lauten und suggestiven Klang, so dass man ihrem Ruf nicht widerstehen kann. Die Myrten-Frau am Wegesrand schenkt den Mut zur rechtzeitigen Umkehr, wenn man sich einmal verirrt hat oder auf einen unguten Pfad geraten ist. Umkehren, hört sich ganz einfach an: anhalten, umdrehen, zurück gehen und das, was gerade noch vor einem lag hinter sich lassen.

Tatsächlich ist ein Labyrinth im eigentlichen Sinn ein verschlungener Weg ohne Verzweigungen, der unter regelmäßigem Richtungswechsel zum Mittelpunkt führt. Es gibt nur einen einzigen Weg, auf dem man entweder vor oder zurück gehen kann, nur verlaufen kann man sich nicht.

Myrte Anden führt immer wieder zurück zur eigenen Mitte, erinnert an die eigene klare Linie und daran, dass der Weg zurück manchmal der bessere ist!

Affirmation: “So wie ich hinein gefunden habe, so finde ich auch wieder heraus!”

Duft: Myrtus communis, Peru

Verwendeter Pflanzenteil: Zweige

Gewinnung: Destillation

Aller Sinne mächtig – Myrte türkisch

26 Mär

Die fünf Sinne, Hans Makart

Um sich in der Umwelt zu orientieren und zurecht zu finden ist der Mensch von Natur aus mit Sinnesor-ganen und einem sehr feinen Spürsinn ausge-stattet.

Sehen, Hören, Tasten, Riechen und Schmecken sind bereits ein mehr als großzügiges Geschenk der Götter, aber damit nicht genug.

Zusätzlich verfügt der Mensch über Wärme- und Kälterezeptoren, Druck- und Schmerzrezeptoren, über den sogenannten Gleichgewichtssinn und über eine gewisse Tiefensensibilität, die zur Eigenwahrnehmung im Körperinneren dient. Rezeptoren in Gelenken, Muskeln und Sehnen geben Auskunft über die Stellung des Körpers im Raum, über die Spannkraft der Körpermuskulatur und  über die Bewegungsrichtung.

Zudem haben wir Menschen ein angeborenes System zur Produktion und Entschlüsselung von Affekten (Freude, Wut, Ekel, Furcht, Verachtung, Trauer und Überraschung), ein genaues Gefühl für Privatssphäre und neben unserem großen Gehirn im Kopf noch ein Bauchhirn, das Befindlichkeiten und die Energie, von der wir umgeben sind, wahrnimmt.

Bei all dieser sensorischen Luxus-Ausstattung frage ich mich, warum der moderne und zivilisierte Mensch seinen Sinnen oftmals nicht traut – sozusagen von Sinnen ist – und den Ratschlägen und Meinungen Dritter einen erheblich höheren Stellenwert beimisst und Manipulation und Einfluss von außen nicht nur duldet, sondern auch gut heißt.

Mit dem Duft der Myrte werde ich auf den Reichtum an Wahrnehmungen hingewiesen und wie von selbst fahren sich zahlreiche feine Antennen aus. Als multisensorisches Wesen bin ich nun in der Lage mit meinen fein getunten Sinneseindrücke zu jonglieren und damit ändert sich meine Wahrnehmung der Welt komplett.

Der Myrtenduft hält mir die Schönheit der Welt vor Augen, die Sonne scheint bis in unter die Haut und wärmt den Körper und alle seine Organe von innen.

Mühelos gelange ich vom Groben zum Feinen und die eigene Sensibilität für das Unsichtbare erwacht. Ich entdecke Klarheit und Reinheit in den Zwischenräumen des subtilen Raums meines Energiekörpers.

Die wohl größte Leistung des Myrtenduftes ist es, die hauchzarten Schleier verbrauchter Energie zu entfernen und so einem negativen Seelenzustand vorzubeugen.

Beinahe habe ich den Eindruck, den Regenbogen zu sehen noch ehe das Licht gebrochen ist. Die Myrte zelebriert das vielschichtige Feine, das Zwischen-Menschliche und alles, was zwischen den Zeilen steht, scheint plötzlich leicht wahrnehmbar.

Diese Dufterfahrung zergeht wie ein Mille-Feuille auf der Zunge.  Es geht um Fingerspitzengefühl und Spürsinn, um die intensive Wahrnehmung und das Sich-an-Situationen-herantasten.

Einerseits kommt es zu einer energetischen Reinigung und der damit verbundenen Klarheit, andererseits aber auch zu einer Fülle an schwingenden, leichten, weißen Erkenntnissen.

Die daraus resultierenden Gefühle von Reichtum, Intensivierung des Lebensgefühls, Urvertrauen in das eigene Urteil und die eigenen Wahrnehmungen führen zu innerer Heilung und einer gesteigerten Lust, die Welt mit all ihren subtilen Schwingungen erleben zu wollen.

Affirmation: “Ich bin aller Sinne mächtig!” “Ich vertraue auf meine Wahrnehmung!”

Duft: Myrtus communis, Türkei

Verwendeter Pflanzenteil: Zweige

Gewinnung: Destillation

Die Sternenprinzessin – Sternanis

2 Jan

Einmal zu den Sternen und zurück. Dort oben am klaren Sternen-himmel, am Firmament aus dunkelblauem Samt, bestickt mit leuchtend funkelnden Diamanten stehen die Tore zum Unbekannten viele Lichtjahre entfernt unendlich weit offen.

Der Duft von Sternanis begleitet mich auf meiner Reise ins Reich der Sternenprinzessin.

Zunächst strömt der Sternanisduft mit der typischen Pastis-Note in Form einer intensiven rhyth-mischen Welle durch Nase und Rachen bis in die Magengrube ein.

Nach dem ersten fulminanten Höhepunkt nimmt die Duftintensität nach und nach ab, die Lakritznote verblasst langsam zugunsten einer leicht nussigen, süßen, exotischen und betörenden Duftnote.

Mit der leicht hypnotischen, gleichzeitig beruhigenden und entspannenden Wirkung auf den Körper geht eine wache Leichtigkeit des Geistes einher. Die Seele schillert in ihren natürlichen Farben des Regenbogens und schwebt mühelos empor.

Ebenso wie das Haar der Sternenprinzessin von Sternen und Federn bedeckt ist, so erhält auch mein Seelenkern ein Kleid aus bunten Federn und glänzenden Sternen. Offenen Herzens komme ich in der großen Weite des hell erleuchteten Sternenhimmels, im Raum der Welt an.

Ich breite meine Schwingen aus und gleite laut- und schwerelos über den Nachthimmel. Im scheinbaren Nichts des Weltalls findet sich alles, was die Seele einst auf ihrer Reise ins Menschsein vergessen hat.

Die Kraft der Kreativität entspringt der Schwerelosigkeit des eigenen Seelenkerns. Die laue Luft ist von der Kraft der Inspiration und der Imagination erfüllt.

Zärtlich gehalten im kosmischen Sternennetz stehe ich meinem schöpferischen Selbst im bunten Federkleid gegenüber und beginne mühelos zu erkennen und zu wissen, was für mich wichtig ist.

Die Antworten auf lang gestellte Fragen kommen erst, wenn man sich einmal ganz weit von der Problematik entfernt und den weisen Teil des Selbst aus dem Vogelkäfig und ihn dann fortfliegen lässt. Er wird schon wieder zurückkehren!

Viele geniale Wissenschaftler berichten, dass sie ihre größten Entdeckungen in einem Zustand der losgelösten Inspiration gemacht haben, wie etwa Friedrich August Kekulé, dem sich im Winter 1861 in einem Wachtraum vor dem Kaminfeuer die chemische Struktur des Benzolrings als tanzende Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt, offenbarte.

Auch Albert Einstein betonte immer wieder die Wichtigkeit der Imagination: “Die Logik bringt dich von A nach B, die Imagination bringt dich überall hin.”

Der Duft von Sternanis verbindet mit der Welt der eigenen Vorstellungskraft und den Wissensressourcen, die  ungenutzt in tieferen Schichten des Bewusstseins schlummern.

Außerdem hilft der Duft, sich von stereotypen Mustern der Problemlösung zu entfernen und Zusammenhänge zu erkennen, die zuvor der eigenen Aufmerksamkeit entgangen sind. Der Duft ist sehr gut für Phantasiereisen und Trancen geeignet. Sternanis öffnet den Geist für den Seelenflug und lädt zum Greifen nach den Sternen ein!

Affirmation: “Ich lasse meine Seele fliegen!”

Duft: Illicium verum, Vietnam

Verwendeter Pflanzenteil: Samen

Gewinnung: Destillation

Der Paradiesvogel – Tonkabohne

30 Aug

Der Duft der Tonkabohne lächelt mich geheimnisvoll an und erinnert mich an ein fernes Paradies.

Seit Tagen sammeln sich Eindrücke aus lebhaften Träumen, Sehnsüchten, Wünschen und Vorstellungen und nun sitze ich hier und versuche all das in Worte zu fassen.

Die Bilder und Träume, Gefühle und Stimmungen sind sehr klar erlebbar und doch scheinen mir die Worte dafür  immer wieder wie Sand durch die Finger zu rinnen.

Immer wieder finde ich mich jenseits meiner analytischen Seite, jenseits der Sprache, fernab meines Verstandes, der normalerweise rational und effektiv das Erlebte sinnhaft verdichtet und notiert.

Stattdessen sinke ich mit dem Tonka-Duft Nacht für Nacht in den tiefsten Schlaf, den ich kenne und reise, reise, reise…

Gefühlsmäßig habe ich innerhalb der letzten drei Tage im Traum schon mehrmals den Erdball umrundet.

Es scheint als habe ich im Schlaf mein eigenes Universum erkundet, sozusagen meinen eigenen Weltraum bereist und bin irgendwo da draußen in einer entfernten Galaxie, wo die Monde um die Planeten kreisen, den Anteilen meiner selbst begegnet, die ganz weit weg  von mir zu sein scheinen aber dennoch zu mir gehören.

Auf geheimnisvolle Weise fühlt sich die Ich-Identität durch die Arbeit mit dem Tonka-Duft komplett, ganz, integriert und gesammelt an. Es fühlt sich an, als wäre das Selbstbild plötzlich koloriert statt nur schwarz-weiß.

Immer wieder tauchen fragmentarisch Fetzen von einem idealen Leben auf, von Wünschen, die auf ihre Erfüllung warten, vom eigenen kleinen Paradies. Lauter bunte Perlen, die ich in mein Seelenkleid einwebe.

Gleichzeitig weiß ich natürlich, dass die größten Wünsche auch die größten Ängste in sich bergen, dass Paradies und Hölle ganz nah beieinander liegen. Und natürlich weiß ich, dass das sogenannte Paradies Ansichtssache ist. Ich weiß auch noch viel mehr, aber all dies geschieht durch meinen Verstand und der ist gerade ruhig gestellt bzw. tonkisiert.

Der Tonka-Duft ist wie ein Paradiesvogel, bunt, schillernd, exotisch, frei. Ich fühle mich eingeladen mitzufliegen und mein Universum zu überblicken. Besonders intensiv erlebe ich Gefühle, besonders plastisch tritt all das hervor, was ich mir wünsche, wonach ich mich sehne. Lauter kleine Juwelen, die mich schmücken.

Mit dem Tonka-Duft lerne ich den Stoff, aus dem meine Träume sind, besser kennen. Wünsche, die eben noch Galaxien entfernt waren, kommen gefühlsmäßig ganz nah an meine Realität heran. Ferne Aspekte meiner selbst werden durch meinen Wesenskern  magnetisch angezogen bis ich ganz und gar vollständig und vollendet bin, bis sich der letzte zu mir gehörige Partikel an mich schmiegt.

Alle Wahrnehmung dieses Zustandes gelingt nur auf der Ebene der Gefühle, Instinkte und archaischen Kräfte. Was ich spüre ist ein Urbild meiner Seele, als diese absolut unversehrt und perfekt war und nur eine Sache tat – da sein.

Die Tonka-Fee lächelt vielsagend und geheimnisvoll. Wir werden uns also wiedersehen – in einem anderen Traum vom Paradies.

Affirmation: „Ich erträume mein Paradies!“

Duft: Dipteryx odorata, Brasilien

Verwendeter Pflanzenteil: Frucht

Gewinnung: Alkoholextraktion

Die klare Linie – Zypresse

17 Jul

Die Zypresse steht für sich selbst und das in kerzengerader Form. Sie ragt als klare Linie in den Himmel. Konsequent, aufrecht, folgerichtig. Sie ist bewundernswert diszipliniert, mini-malistisch und wesentlich. Mein Staunen über die klare Linie dauert nun schon seit über einer Woche an.

Für mich bilden die drei Hölzer Zeder, Sandelholz und Zypresse eine Art Trilogie der heiligen Hölzer. Die Zeder als Spiegel des wahren Selbst, Sandelholz als Hüter der Zeit und die Zypresse als Rahmen für die existenzielle Ordnung des Menschen.

Die wertvollste Eigenschaft dieses Duftes ist das Stiften von Ordnung. Für das eigene Lebensbild bietet die Zypresse bereitwillig ihre Hilfe an, den passenden Rahmen für sich zu finden. Aus den unendlich vielen Möglichkeiten, Prinzipien und Lebensweisen, die einem potenziell zur Verfügung stehen, wird der aktuell passende Entwurf in völliger Klarheit und Strukturiertheit skizziert.

Die Zypresse hilft eine grundlegende Lebensordnung zu entwerfen oder zu festigen. Sie ist das beste Heilmittel für chaotische Verwirrungen, für Sackgassen und komplizierte Verstrickungen. Plötzlich ist alles ganz einfach und man ist in der Lage sich aus dem Chaos zu befreien – wie der Phönix aus der Asche.

Die Welt befindet sich ja permanent im Wechselspiel von Ordnung und Chaos und wir Menschen bilden im Mikrokosmos eben diesen ewigen Gezeitenwechsel ab.

Mit der Zypresse habe ich gelernt, dass Ordnung unheimlich wohltuend sein kann. Es gibt eine natürliche Ordnung, einen Zustand, in dem alles seinen Platz hat und jedes Gefühl und jeder Gedanke gut aufgeräumt ist. Mit der Zypresse erkenne ich auch immer wieder den Wert der Wenigkeit und der Einfachheit. Im Umkreis der Zypresse existiert kein “Zuviel” und kein “Über”, kein Überfließen, Überquellen, Überfordern, Übertreten. Keine Massen an Dingen, die man nicht braucht und auch keine Meinungen, nach denen man nicht gefragt hat.

Durch die ordnenden Kräfte der Zypresse werden kleine Zwischenräume frei, die vorher nicht erkennbar waren. Es kann auch gesehen werden, was zwischen den Zeilen steht, der feine, aufmerksame Blick schweift nicht ab. Diese Zwischenräume stehen zu meiner Verfügung, sie verschaffen mir Luft und bilden Freiräume, wo vorher keine waren. Dies ist ein wahrer Segen!

Affirmation: “Ich habe eine klare Linie!”

Duft: Cupressus sempervirens

Verwendeter Pflanzenteil: Zweige

Gewinnung: Destillation

Ein Kurs in Wundern – Narde

15 Jun

Es muss nicht alles einen Sinn ergeben und man muss auch nicht alles verstehen. Dann gäbe es ja keinen Platz mehr für das Unerklärliche, das Wundersame und das Wunderbare.

Für die wichtigsten persönlichen Angelegenheiten im Leben braucht man sowieso keine Beweise. Der Mensch ist mit sehr feinen Antennen ausgestattet, was die Wahrnehmung seiner Umwelt, seiner Mitmenschen und seiner selbst angeht.  Diese Art der Wahrnehmung scheint beinahe wie ein altes Handwerk auszusterben.

Die Narde führt mich in den ältesten Teil meiner Selbst.  Dorthin wo es keine Gegensätze gibt, wo es keine Zeit gibt,  wo es keine Welt gibt und auch keine Ablenkung.

Es ist der Ort, von dem aus ich meine Beschränkungen betrachten kann und die Illusionen, die meine Gewohnheiten tragen. Vor allem scheint es um die Gewohnheiten der Wahrnehmung zu gehen, um jene allzu menschlichen Automatismen, die zwar das alltägliche Leben vereinfachen und eine gewisse Ordnung herstellen, die aber auch den Blick auf die Realität normieren und eichen. Meine Wahrnehmung erschafft meine innere Welt und meine innere Welt erschafft meine Wahrnehmung.

Vor meinem inneren Auge bewege ich mich auf eine Landschaft zu, eine Gebirgsformation, aus der mehrere Berge aufragen, die gigantisch hoch sind.  Mit einem Satz befinde ich mich plötzlich auf einem der Gipfel. Die Luft, die ich atme, scheint mit Lebensweisheiten durchtränkt zu sein. Ich blicke hinab vom Dach der Welt.

Die Matrix, in der ich mich normalerweise bewege, liegt ausgebreitet vor mir und neben allem, was mich ausmacht und was ich bisher erlebt habe, sind da die Tore, die ich nicht durchschritten habe, die Mauern, die ich nicht eingerissen habe, die Wunder, die an mir vorbei gezogen sind.

Mir wird deutlich, dass es die Tore und Mauern nur in meiner eigenen Wahrnehmung gibt und dass die Wunder in mir und um mich herum existieren und dies schon immer getan haben. Es ist also noch alles da, was für mich vorgesehen ist. Ich habe nichts versäumt. Diese Erkenntnis zaubert ein Lächeln auf mein Gesicht.

Ich komme zu dem Schluss, dass ein Wunder lediglich die Wahrnehmung einer Möglichkeit auf einer höheren Bewusstseinsebene darstellt. Auf dem Dach der Welt eben!

Affirmation: “Meine Wahrnehmung weitet sich!” “Ich bin von Wundern umgeben!”

Duft: Nardostachys jatamansi, Nepal

Verwendeter Pflanzenteil: Wurzel

Gewinnung: Destillation

Die Muse – Muskatellersalbei

26 Apr

Sie ist die Wunderbare, die Wandelbare, Paradiesvogel und Derwisch im drehenden, wirbelnden Tanz um sich selbst. Sie erfindet sich stets neu und bleibt doch in ihrer Mitte, es scheint als käme alle Wandlung aus der eigenen Mitte heraus und nur von da.

Sie ist die Prinzessin des Neubeginns, der Veränderung, des Betretens neuer Pfade. Manchmal fehlt nur ein kleiner Anstoß, eine verrückte Idee zum Umdenken und Andersmachen, manchmal müssen erst die Kraftreserven aufgefüllt werden bis die eigenen Grenzen überschritten werden können. Muskatellersalbei leistet Beistand auf jeder Position der Veränderungsskala – wohl wissend dass ohne innere Kraft keine Veränderung möglich ist und schon gar nicht andauern kann.

Jedes Bedürfnis nach Kraft und Ruhe wird erfüllt und ehe man es sich versieht ist man selbst dabei, bereits die ersten zaghaften Tanzschritte auszuführen im großen Tanz der verpassten und noch kommenden Möglichkeiten. Sie ist die Muse, sie leistet erste Hilfe für die eigenen Ideen und Wünsche, gibt Vertrauen und Mut und öffnet die Tore der Intuition.

Der erste Schritt ist meistens der schwerste, wenn es darum geht, sich etwas zu trauen und die ausgetrampelten Pfade zu verlassen. Loslassen ohne aufzugeben, den eigenen Freigeist aus seinem Schlaf wecken oder ihm im Schlaf begegnen. Scheinbar Widersprüchliches findet zusammen, die Essenz der eigenen Kreativität wird spürbar und genau dieses Gefühl lässt einen all die Argumente vergessen, die man sich fein säuberlich zurecht gelegt hatte. Warum es nicht geht, was vernünftig ist, was das Beste ist.

Das Unmögliche ist oft das Menschenmögliche, wovor man sich fürchtet. Schon vernehme ich ein leises Flüstern: “Komm mit, lass los! Lass uns tanzen! Das, wovor du dich fürchtest, wird wahrscheinlich nie eintreten!”

Manchmal sind es die kleinen mühevollen ersten Schritte, die den Eintritt in ein neues Universum bedeuten. Das Wissen um die eigenen Möglichkeiten kommt aus tiefstem Herzen. Lebe einfach und zögere nicht, hadere nicht mit dem Schicksal. In jedem Menschen steckt schöpferisches Potenzial, die Freude am Erschaffen und Erfinden – warum nicht sich selbst? Immer wieder neu.

Affirmation: “Ich erfinde mich neu!”

Duft: Salvia sclarea, Italien

Verwendeter Pflanzenteil: Kraut

Gewinnung: Destillation

Der Narr – Zitronenbasilikum

12 Mär

Wie der Name schon sagt, handelt es sich um Zitrone und Basilikum in einem.

Zunächst dominiert das Zi-tronige und darunter liegt der würzige Duft von Basilikum. Nach einiger Zeit dreht sich das Verhältnis um und es bleibt das typische krautig-herbe Ba-silikum Aroma übrig, mit einem Hauch Zitrone hier und da.

Während ich mich zu Beginn fragte, wo nun der Basilikum-Anteil steckt, fragte ich mich später wo der zitronige Duftanteil steckt. Mir scheint, als wolle mich der Duft ein wenig foppen, dieses doppelköpfige Wesen.

Zeigt sein Gesicht und im nächsten Moment ist es wieder verschwunden und ein anderes erscheint. Heiterkeit und Ernst, die Wahrheit verpackt im Witz.

Der Narr spricht die (unangenehme) Wahrheit aus und bedient sich dabei des Spiels, des Reimes, des Humors. Und doch ist man betroffen, denn was er sagt ist auch so gemeint.

Dieser Narr hat ein lachendes und ein weinendes Auge, er verschließt sich nicht vor der Bitterkeit des Lebens. So gelingt es mit diesem Duft schwere Lebenslagen und knifflige Situationen trotz Belastungen mit Humor und Selbstironie zu überstehen.

In der Kontemplation erscheinen mir die “zwei Seiten” auf abstrakte Weise, Licht und Schatten, Fülle und Leere, Yin und Yang. Jedoch scheinen beide Seiten zu oszillieren. Es gibt also kein “entweder oder” sondern nur ein großes Konzept mit einem Plus- und einem Minus- Pol. Es scheint, als sei dies ein Duft, der zum Philosophieren einlädt. Zum Nachdenken über die ganz großen Zusammenhänge ohne dabei die Auswirkungen auf das eigene Dasein aus den Augen zu verlieren.

Eine feine pulsierende Energie geht von dem Duft aus. Der Körper entspannt, der Geist ist wach. Die Energie wird nach Innen gezogen und Außenreize werden gefiltert. Eine gute Voraussetzung um sich selbst die größten Fragen zu stellen.

An dieser Stelle sei festgehalten, dass sich dieser Duft nicht gerade für den Dauergebrauch eignet. Seit gestern Abend bin ich “zitronenbasilikiert” und merke nun nach einer lebhaften traumerfüllten Nacht und einem diskussionsbeladenen Morgen, dass es jetzt auch wieder Zeit wird, Abschied zu nehmen. Good bye, lieber Narr, bis zum nächsten Wahrheitsspiel!

Affirmation: “Ich trinke aus dem Brunnen der Wahrheit!”

Duft: Ocimum basilicum, Ägypten

Verwendete Pflanzenteile: Blätter

Gewinnung: Destillation

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