Das alles sehende Auge – Osmanthus

16 Jul

Beim Einatmen des Duftes kommen mir ganz wider-sprüchliche Assoziationen, die sich dann aber wie selbstverständlich in mei-nem Innenleben harmo-nisch vereinen.

Zum einen kommt mir der Duft penetrant und stark vor, im nächsten Moment eingänglich, fast lieb-kosend.

Ich habe den Eindruck der Duft dringt in meine verborgendsten Gehirnwindungen vor, aber nicht mit der Frische einer Pfefferminze oder des Rosmarin cineol, sondern langsam, schleichend, konspirativ und gleichzeitig traumhaft paradiesisch bunt.

Mein Kopf fühlt sich an wie ein langer Flur, in dem eine Windböe sämtliche Tore und Türen aufschlägt. Die Tore und Türen sind ganz unterschiedlich, manche alt und manche neu, farbig gestrichen, aus Metall, Holz, Papier, manche mit eingerosteten Schlössern, aber das ist ganz egal.

Osmanthus schlägt sie alle auf und mein Schädel wird durchlüftet, geflutet mit einem puliserenden Etwas, einer Energie die größer ist als ich selbst. So muss sich die Freiheit der Gedanken anfühlen.

Fast habe ich den Eindruck, der Duft spottet mir und ich verstehe auch sofort: Wie konnte ich mir nur einbilden, da sitzend mit meinem gespitzten Bleistift und Notitzblöckchen, ich könnte einfach alle Eindrücke aufschreiben wie beim Diktat.

Dieser Duft ist älter als die Sprache, Zeit ist relativ, eine Maßeinheit für Veränderungen, weiter nichts. Also male ich ein Bild, einfach drauf los und merke dabei wie mich die Sprache (wieder) verlässt:

Es kristallisiert sich ein paradiesisches Auge heraus, das alles sieht, alle Möglichkeiten, alle Gefühle, alle Ideen, alle Schatten, denen es mit seiner farbenfrohen Gestalt zu widerstehen weiß.

Gleichzeitig scheint es eine Art Südseeinsel zu sein, die von zwei Löwen oder zumindest zwei tierischen Gestalten umschlungen ist.

Ich habe Respekt, gleichzeitig Mut und will auch mit dem magischen Auge sehen. Dazu muss ich in die Traumzeit gehen und mir meine inneren Bilder anschauen. Natürlich werde ich mich dazu etwas anstrengen müssen, werde Ehrlichkeit aufbringen müssen, werde Schmerz ertragen müssen, werde mit ein bißchen Glück am Ende Inspiration und Freiheit ernten dürfen.

Dieser Duft ist eine Bereicherung für die innere Bilderwelt, ein Eingang zur nichtsprachlichen Welt, zur Traumwelt, die in Bildern spricht, die ihren eigenen Parametern folgen. Auf einer oberflächlichen Ebene, fördert der Duft sicherlich die Kreativität, das künstlerische Schaffen und die Inspiration, der Kuss der Muse.

Dieser Duft kann aber auch ganz schnell eine innere Achterbahnfahrt verursachen.

Um Osmanthus langsam näher zu kommen, nehme man sich Zeit, unendlich viel Zeit!

Affirmation: Sicher durchschreite ich meine inneren Tore!

Ich sehe alles, wozu ich bereit bin!

Duft: Osmanthus Absolue, Australien
Verwendete Pflanzenteile: Blüte
Gewinnung: Hexanextraktion

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Eine Antwort to “Das alles sehende Auge – Osmanthus”

Trackbacks/Pingbacks

  1. We are the dreamers of dreams – Düfte zum Träumen | Aroma Journal - 28. Februar 2013

    […] Das alles sehende Auge – Osmanthus […]

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