Dem Duft lauschen – Koh-do

1 Dez

Dem Duft lauschen – in der Aromawelt gibt es wohl keine schönere Bezeichnung für den Umgang mit Düften. Was hat es mit dieser Redewendung  auf sich?

Courtesan listening to incense,
Choshun Miyagawa, 18.Jh

Dieser Ausdruck für die feine Duftwahrnehmung stammt aus Japan. Erstmals Erwähnung findet das begehrte Duftholz „jinkoh“  im Jahr 594 nachChristus in der Nihonshoki-Chronik. Der Weg des Duftes (Koh-Do) wird später im 7./8. Jahrhundert durch buddhistische Mönche, die aus China nach Japan kamen, etabliert. Als Teil der religiösen Verehrung Buddhas brachten sie Meditationen und Gebete, die durch Düfte begleitet wurden, mit – ebenso die Redewendung „dem Duft lauschen“.Die Wurzeln dieses Ausdrucks lassen sich bis in die buddhistischen Mahayana-Sutras zurückverfolgen. Dort steht geschrieben, dass in Buddhas Welt alles duftet, auch das Wort Buddhas. Folglich bedeutet „dem Duft lauschen“ den Worten Buddhas zu lauschen.In Japan fand man am Hofe des Shoguns auch außerhalb der religiösen Zeremonien Gefallen an edlen Duftstoffen, vor allem an seltenen und teuren Dufthölzern wie z.B. dem Aloeholz oder Adlerholz (=jinkoh). Die Krieger und Aristokraten der Oberschicht widmeten sich der Duftzeremonie mit Räucherstoffen, um sich zu entspannen, sich geistig zu sammeln und die Sinne zu verfeinern und zu schulen. Die Damen der feinen Gesellschaft parfümierten Kimonos, Wäsche, Haar und Haut und ihre Schlafzimmer mit edlen Düften.

Während der Regentschaft von Shogun Ashikaga Yoshimasa (1449-1473) entwickelten sich unter den Meistern Shino Soshin und Sanjonishi Sanetaka zwei große Strömungen: die Shino Schule, die strenge Regeln, spirituelles Training und geistige Reinigung mit Hilfe der Duftübungen für Krieger vorsah und die Oie Schule, die aus Duftzeremonien  und Duftspielen bei Hofe entstanden ist und sich eher der poetischen, geselligen Seite der Düfte zuwendet.

Ab dem 16. Jahrhundert etablierten sich Koh-do Schulen und die Zeremonie der Duftwahrnehmung wurde zur Kunstform erhoben. Dabei erlernten die Schüler von ihrem Meister Techniken, Düfte zu bestimmen, voneinander zu unterscheiden, spirituelle Techniken zur Sammlung des Geistes und  Meditationstechniken sowie dem Duft zu lauschen und das Erlebte wiederzugeben. Die Unterweisungen wurden in mündlicher Form vom Meister an seine Schüler weitergegeben. Der Weg des Duftes fungierte hier auch als Lebensschule, um die Innenwelt besser kennen zu lernen und zu beherrschen und die Persönlichkeit weiter zu entwickeln.

Vom Zauber dieser Duftwelten sind heute zahlreiche erlesene Duftkreationen überliefert. Eine Besonderheit ist z.B. auf die Jahreszeiten abgestimmtes Räucherwerk. Heute genießt das japanische Räucherwerk einen hervorragenden Ruf. Besonders zu erwähnen ist die kunstvolle und ästhetisch anspruchsvolle Darreichung der Duftstoffe in der Duftzeremonie, sowohl was die verwendeten Utensilien als auch die Technik der Darreichung der Düfte betrifft.

Weitere Ausführungen zum Weg des Duftes würden nun den Rahmen sprengen. Unten habe ich noch einige interessante Links und Buchtipps zusammengestellt.

„Die 10 Tugenden des Koh“ – der wohl am meisten zitierte Text
http://www.nipponkodo.com/de/culture/virtues.html

Erläuterungen zu „10 Tugenden des Koh“ englisch
http://www.floracopeia.com/content/aromatherapy/24

Ablauf der Zeremonie, Vorbereiten des Räuchergefässes
http://www.nipponkodo.com/de/culture/ceremony.html

weiterer interessanter Blogeintrag zu Duftspielen
http://japancutters.blogspot.com/2009/12/genji-mon-und-koh-do.html

Hersteller japanischer Räucherwaren
http://www.shoyeido.com/
http://www.baieido.co.jp/english/index.html
http://www.nipponkodo.com

Lesenswerte Literatur:
The Book of Incense von Kiyoko Morita
Botschaft an den Himmel von Susanne Fischer-Rizzi, sie hat dem Thema ein ganzes Kapitel gewidmet

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4 Antworten to “Dem Duft lauschen – Koh-do”

  1. Nitya 3. Dezember 2010 um 9:13 #

    „Dort steht geschrieben, dass in Buddhas Welt alles duftet, auch das Wort Buddhas. Folglich bedeutet ‚dem Duft lauschen‘ den Worten Buddhas zu lauschen.“

    Das ist wunderschön gesagt. Der Begriff „Lauschen“ steht einfach für ein vollkommen rezeptives Sein. Der Begriff „Riechen“ würde hier hingegen einen ganz anderen Sinn vermitteln.

    Dass wir Düfte und Gerüche mit der Qualität von Erscheinungen bzw. dem Geist dieser Erscheinungen verbinden, zeigt sich auch im Negativen, etwa in einem „Du stinkst mir“.

    Andererseits erleben wir, dass Menschen, Worte, die Natur, … einen ganz besonderen Duft haben. Ihm zu lauschen ist reine Andacht.

    • Aroma Journal 4. Dezember 2010 um 9:13 #

      Hallo Nitya,

      danke für deinen Kommentar. Dein Blog gefällt mir sehr gut. Ich bin erst vor ein paar Tagen von Blogger nach WordPress umgezogen und bist mein erster Kommentar auf der neuen Platform 🙂 Herzliche Grüße sendet dir Melanie

  2. Nitya 4. Dezember 2010 um 9:13 #

    Liebe Melanie.

    6.Juli 2009: „Ich gebe mir und dem Duft Zeit sich zu entfalten. Ich lege oder setze mich bequem und mit geschlossenen Augen hin, atme regelmäßig und tief und komme in meiner inneren Welt an. Ich warte auf Gedanken, Gefühle, Empfindungen und verbleibe so bis ich genügend Eindrücke gesammelt habe.“ (Melanie am 6. Juli 2009)

    Das zieht sich wie ein roter Faden durch alle deine Beiträge, diese hingebungsvolle und geduldige Rezeptivität und Achtsamkeit. Allein das Lesen deiner Beschreibungen ist schon heilsam und wohltuend. Ganz herzlichen Dank dafür.

    Ich bin auch erst vor ein paar Tagen nach WordPress umgezogen und freue mich sehr, dich in deinem Blog entdeckt zu haben. Einen herzlichen Gruß zurück und alles Liebe

    Nitya

Trackbacks/Pingbacks

  1. satyamnitya - 4. Dezember 2010

    […] der Stille“ – alles hilflose Versuche, das Unsagbare anzudeuten. Gestern habe ich hier einen wunderschönen Ausdruck gefunden: „dem Duft lauschen“. Das hat mir wirklich gut […]

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