Das Kaffeehaus Exempel

2 Mrz
typical scene in a Viennese "Kaffeehaus&q...

Image via Wikipedia

Cafes haben es so an sich, dass viele Menschen dort ein und aus gehen und für viele gibt es nichts Schöneres als die anderen Besucher zu beobachten und sich seinen Teil dabei zu denken.

Beobachten hat mit Wahrnehmung zu tun und die Wahrnehmung hat mit Aufmerksamkeit zu tun. Wohin sich meine Aufmerksamkeit zuerst richtet bestimmt wie ich die Person wahrnehme.

Wohin sich die Aufmerksamkeit richtet wird bestimmt durch meine Interessen, durch die Dinge, die mich beschäftigen, durch meine bisherigen Erfahrungen und durch meine Persönlichkeit. Ebenso spielt die Tagesform sowie der emotionale und körperliche Zustand eine Rolle.

Mein Blick richtet sich nur auf Personen, die mir interessant erscheinen. Logisch! Vielleicht weil sie genauso sind wie ich oder ganz anders, vielleicht weil sie bewundernswert sind oder abstoßend. Vielleicht kann ich es noch gar nicht so recht einordnen und kann den Blick trotzdem nicht von der Person am Tisch gegenüber wenden. (Zum Glück gibt es ja die geduldige Kaffeetasse, die man aus Verlegenheit anstarren kann, falls man erwischt wird.)

Die Dufterfahrung kann man sich ziemlich genau so vorstellen wie einen Besuch im Kaffeehaus. Wenn der Duft hereinkommt, erregt er meine Aufmerksamkeit nur in dem Moment, in dem er mein Interesse weckt.  Jeder Duft bringt meist nicht nur eine Wirkweise mit, sondern viele, genau wie jeder Mensch verschiedene Eigenschaften hat. Und doch gibt es eine Persönlichkeit, die all diese Gesichter in sich vereint.

Es kann sein, dass ein Besucher im Kaffeehaus sich für einen Aspekt des Duftes interessiert und ein anderer Besucher für einen anderen. Möglicherweise erinnert uns der wippende Gang eines Besuchers an unbeschwertes Umhertollen aus heiteren Kindertagen oder das Profil eines anderen Besuchers weckt schmerzliche Erinnerungen an eine verflossene Liebe.

Wenn ich nun nach längerer Zeit wieder demselben Duft-Besucher  in meinem Café begegne, kann es sein, dass auch ich mich dann für andere Aspekte interessiere als noch vor einem Jahr. Oder dass sich meine Aufmerksamkeit plötzlich an einen neuen Besucher heftet. Dies hängt alles ganz allein von mir selbst ab. Habe ich mich inzwischen verändert, bestimmte Probleme lösen können oder neue Interessen gefunden…

Mehrere interessante Überlegungen lassen sich aus diesem Gedankenspiel bezüglich der Duftwahrnehmung ableiten.

  • Düfte sind durch ihre Zusammensetzung sehr komplex. Es kann also gut sein, dass bei verschiedenen Personen zu verschiedenen Zeiten immer andere Aspekte des Duftes aktiv wirken.
  • Die Wirkweise von Düften ist direkt abhängig von den Bedürfnissen des Klienten. Was für ihn nicht interessant ist, wird als Information nicht abgerufen.
  • Die Duftwahrnehmung kann sich abhängig von der persönlichen Entwicklung des Klienten über die Zeit hinweg verändern
  • Aussagen wie „irgendwie“, „ich kann nicht genau sagen warum, aber…“, „es lässt sich nicht begründen, aber…“ deuten darauf hin, dass der Mensch auf seiner unbewussten Seite durch den Duft angesprochen wurde.

Der wichtigste Punkt, der sich hieraus ergibt ist, dass die Duftwahrnehmung eine Interaktion von einem bestimmten Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt darstellt und von daher dynamisch und nicht statisch ist. Die Beschreibungen, die sich in der Literatur über ätherische Öle finden sind von daher Sammlungen vieler Erfahrungen mit vielen Menschen zu vielen verschiedenen Zeitpunkten.

Um nochmals auf das Kaffeehaus zurück zu kommen würde dies bedeuten, dass die Aromatherapeuten jahrelang in ihrem Lieblingscafé herumhängen, Leute beobachten und viele viele Latte machiatos trinken müssen um am Ende eine annähernd allgemeine Aussage über einzelne Besucher treffen zu können.

In der Aromatherapie werde ich immer besonders aufmerksam, wenn…

…ein Duft als sehr angenehm empfunden wird

…ein Duft als sehr unangenehm empfunden wird

…ein Duft eine spontane emotionale Regung hervorruft

…ein Duft als interessant empfunden wird ohne genau sagen zu können warum (dies wird meist spontan geäußert, ohne Nachfrage meinerseits)

…ein Duft als uninteressant empfunden wird ohne genau sagen zu können warum (dies wird meist spontan geäußert ohne Nachfrage meinerseits)

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2 Antworten to “Das Kaffeehaus Exempel”

  1. Nitya 2. März 2011 um 9:13 #

    „Die Beschreibungen, die sich in der Literatur über ätherische Öle finden sind von daher Sammlungen vieler Erfahrungen mit vielen Menschen zu vielen verschiedenen Zeitpunkten.“

    Liebe Melanie,

    als ich deinen spannenden Artikel über die Immortelle gelesen hatte, war mein erster Impuls, mir sofort diese Essenz zu besorgen. Eine Entgiftung wäre gerade genau das Richtige. Da war aber so ein Zögern in mir. Nun lese ich deinen neuen Artikel zum Kaffeehaus Exempel und mir war klar, was mich zögern ließ:

    „Die Wirkweise von Düften ist direkt abhängig von den Bedürfnissen des Klienten. Was für ihn nicht interessant ist, wird als Information nicht abgerufen.“

    Genau das ist es: Die Beschreibung in der Literatur, die Erfahrung vieler Menschen bedeuten nicht unbedingt, dass sie auch für mich Gültigkeit haben. Insofern macht das wohl keinen Sinn, eine Essenz einfach mal so übers Internet zu bestellen. Man muss da wohl schon mal sein eigenes Riechorgan bemühen, um das Richtige herauszufinden.

    Einen herzlichen Gruß
    Nitya

    • Aroma Journal 6. März 2011 um 9:13 #

      Lieber Nitya, Düfte wirken immer individuell, die Immortelle ist ein Duft, der sehr tief einwirken kann, von daher ist es eher ein Duft für „Aroma-Fortgeschrittene“. Er wird unter anderem auch zur Behandlung von psychischen Traumata eingesetzt. Zur Entgiftung gibt es mehrere Alternativen. Vielleicht schreibe ich da mal demnächst einen Beitrag drüber 🙂 Liebe Grüße Melanie

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