Der Pilger – Waldkiefer

10 Mrz

Dieser Duft hat einen ganz eindeutigen Aufforderungscharakter. Hier geht es um den Aufbruch. Es gibt immer wieder Momente, in denen weiß man, jetzt muss ich einfach losgehen, ich muss einen Weg beschreiten und auf diesem Weg werde ich bestimmte Erfahrungen sammeln. Lebenswege haben es außerdem an sich, dass man oft nicht genau weiß wo man am Ende ankommt und wo das Ziel ist. Die Hauptsache ist, die Richtung stimmt und es fühlt sich richtig an.

Gleichzeitig sind diese Momente auch geprägt von Unsicherheit und Zweifel. Und man braucht einfach einen, der einem sagt, dass alles sich gut entwickeln wird. Und dieser Duft hält dir den Rücken frei, er weiß wie man überlebt ohne Schaden zu nehmen. Ich rieche immer eine trockene Note aus dem Duft heraus, egal wie oft ich ihn zur Nase führe. Und das bedeutet für mich, hier ist ein Dach, unter das ich mich stellen kann, wenn das Leben auf mich einprasselt.

Ich assoziiere mit diesem Duft einen Waldläufer, einen der sich im Wald auskennt, der Nahrung findet, der aus dem Nichts heraus Feuer machen kann und der aus Blättern und Ästen ein Zelt bauen kann – einen Überlebenskünstler. Er kennt den Weg, ohne voranzugehen. Und so hat man am Ende selbst das Gefühl, den Weg gefunden zu haben.  So etwas nenne ich einen edlen Begleiter.

Als inneres Bild türmt sich sogleich ein endlos langer Weg vor mir auf. Aha, so einfach scheint es dann doch nicht zu sein. Das ist mein Weg und den soll ich bis zum Ende gehen? Ich bin beunruhigt. So ein langer Weg und auch noch bergauf ? Angenommen der Weg stellt mein Leben dar, dann wäre es ja gar nicht so schlecht, wenn ich mir ein wenig Zeit lassen könnte bis ich oben am Häuschen angekommen bin. Nun beginne ich zu verstehen, dass es hier nicht darum geht, möglichst schnell voran zu kommen, sondern möglichst von jedem einzelnen Schritt auf dem Weg zu profitieren. Und zu leben, auch wenn oder gerade weil es einmal rasant in die Kurve geht.

Auf dem Weg sein heißt nicht stehen zu bleiben. Auf dem Weg sein heißt Entdecken und Wandlung jeden Tag, indem man auch einmal schaut, was rechts und links ist. Aber zu allererst geht es um den Moment, sich auf den Weg zu machen, sich zu entscheiden, loszugehen.

Der Pilger macht sich auf den Weg, um zu Gott zu finden oder um dem Göttlichen in sich selbst näher zu kommen oder um Gott zu ehren, indem er ihm seine Zeit opfert. Auf dem Pilgerweg kommt es zur Vereinfachung, zur Reduktion auf das Wesentliche, zur Entweltlichung. Und trotzdem ist es einfach: man muss nur einen Schritt vor den anderen setzen.

Ebenso einfach ist es sich 10 Minuten am Tag für die innere Einkehr zu sichern. Wenn da nicht die ganzen Ziele wären, die Termine und der Alltag. Nachdem der Pilger im Morgengrauen das Feuer gelöscht hat, klopft er mir bestimmt auf die Schulter und sagt: „Es ist Zeit. Wir müssen jetzt aufbrechen…“

Affirmation: „Ich mache mich auf den für mich bestimmten Weg!“

Duft: Waldkiefer, Pinus silvestris, Frankreich

Verwendete Pflanzenteile: Zweige

Gewinnung: Destillation

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2 Antworten to “Der Pilger – Waldkiefer”

  1. Nitya 11. März 2011 um 9:13 #

    Liebe Melanie,

    das ist wirklich spannend, was du da schreibst. Mein Leben lang scheiterte jeder Versuch, mich irgendwo dauerhaft niederzulassen – an den Umständen oder mehr noch an mir selbst. Jemand hat mal gesagt: „Suche deine Heimat in der Heimatlosigkeit.“ Das traf es exakt. Als ich sah, dass mir das am meisten entsprach, interpretierte ich mein angebliches Scheitern nicht mehr als Scheitern, sondern als Ausdruck meines Wesens und konnte mich genau damit wohlfühlen.

    Es wird dich nicht überraschen, wenn ich dir sage, dass mein Lieblingsbaum die Waldkiefer ist und ich ganz verrückt nach ihrem Duft bin.

    Einen herzlichen Gruß
    Nitya

    • Aroma Journal 11. März 2011 um 9:13 #

      Lieber Nitya,
      du hast recht. Das überrascht mich wirklich nicht. Ich habe schon oft diese Übereinstimmung zwischen Pflanzenseele und Menschenseele erlebt und beobachtet. Das ist die Essenz der Aromatherapie. Wenn ich die Pflanzenwelt beobachte, dann sehe ich Bewegung im Rhythmus von Verfall und Erneuerung. Wir Menschen streben nach Halt und Ordnung, es gibt uns Sicherheit, zu wissen wo wir hingehören. Je mehr ein Mensch bei sich selbst zuhause ist, umso heimatloser kann er wahrscheinlich sein.
      Liebe Grüße Melanie

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