Widerstand in der Aromatherapie

25 Mrz

Wenn es um Veränder-ungsprozesse geht, ist ein interessantes Phänomen zu beobachten. Neben dem Wunsch nach Ver-änderung steht gleich-zeitig die Angst vor der eigenen Courage.

Das Wunderwerk Mensch hat für alles vorgesorgt und ist Überlebens-künstler. Dazu gehört auch, sich zu schützen, wenn etwas zu viel wird.

Wenn uns die Sonne blendet können wir die Augen schließen, bei Lärm können wir die Ohren zuhalten und bei Gestank signalisiert uns die Nase, dass wir schnell das Weite suchen sollen. Bei weniger üblen Gerüchen macht die Nase irgendwann dicht und wir „riechen nichts mehr“ (ganz so einfach ist es zwar nicht, aber lassen wir es für dieses Thema dabei).

Ja, und wenn es unserer Psyche zu viel wird, wenn sie zu sehr überrascht oder erschreckt wird, wenn sie zu sehr herausgefordert wird und vor allem wenn es um das Loslassen und Verändern von Gewohnheiten geht, dann weiß auch sie sich zu schützen. Sie bäumt sich auf und holt ihr As aus dem Ärmel.

Das Aufbäumen ist der Widerstand. Das ist ein Moment, in dem die Psyche sagt: „Hey, Moment mal, was ist hier los?  Das geht mir alles ein bisschen schnell. So haben wir aber nicht gewettet!“ In Veränderungsprozessen kann dieser Widerstand überwunden werden. Er steht jedoch in direkter Relation zur Angst, die mit dem Eintreten der Veränderung verbunden ist.

Durch die Arbeit mit Düften entsteht eine besondere Situation, insofern als dass ein Duft das Unbewusste eines Menschen so stark ansprechen kann (siehe hierzu auch Heilimpulse der Düfte) , dass dieser sich plötzlich mit Gefühlen und Erinnerungen konfrontiert sieht, die er eigentlich verdrängt hat. Auch dieser Vorgang wird ihm nicht bewusst, denn bevor es dazu kommt, hat die Psyche schon ihren Colt gezogen und manchmal wird ganz schön scharf geschossen. Welche Gestalt Widerstände in der Aromatherapie annehmen können, habe ich im Folgenden einmal kurz zusammengefasst:

Psychische Widerstände

  • Ablehnung des Verfahren als Ganzes („Man muss halt dran glauben, damit es wirkt!“)
  • Zweifel an den Fähigkeiten des Therapeuten („Von Ihnen hätte ich schon etwas mehr erwartet!“)
  • Zweifel an der eigenen Sensibilität bezüglich der Duftwahrnehmung („Ich bin für Düfte nicht empfänglich!“)
  • Ausblenden der Duftwahrnehmung bei gleichzeitiger äußerlich beobachtbarer Reaktion z.B. Ekelmimik („Ich merk‘ nix“, „Es wirkt nicht“)
  • Verbale Äußerungen über das Missfallen bezüglich des Duftes/der Düfte („Ich dachte Aromatherapie hat was mit Wohlgeruch zu tun!“)
  • Trotzhaltung („Ich mache nicht mehr mit!“)
  • Schaffung von Nebenschauplätzen (z.B. Wehklagen, Sinnkrise)
  • Hinwendung zum Rationalen, Abwendung von der Herzebene („Ich bin halt eher der rationale Typ!“)

Körperliche Widerstände

  • Sofortiges Abwenden des Körpers beim Riechen
  • Ekelmimik und/oder Ekelgefühle
  • Kopfschmerzen, Übelkeit, allgemeines Unbehagen nachdem an einem Duft gerochen wurde
  • plötzlich von Müdigkeit überrollt werden (Gähnen)
  • Bewegungsdrang (Aufstehen, Umhergehen)
  • spontanes Lachen oder Weinen

Formale Widerstände

  • Fernbleiben vom Termin ohne Absprache
  • mehrmalige Absage eines Termins
  • Zuspätkommen
  • Diskussionen über die Höhe des Honorars
  • Kritik an Praxisräumen (zu kalt, zu ungemütlich etc…)

Es ist natürlich berechtigt, wenn ein Klient auf Missstände aufmerksam macht. Sollten diese jedoch plötzlich im Laufe der Behandlung auftreten, könnten kritische Äußerungen auch als Widerstand gedeutet werden, vor allem dann wenn der Klient in früheren Sitzungen  z.B. seine Zufriedenheit geäußert hat. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass der Klient eine Kritik schon von Anfang an anbringen wollte, sich aber nicht getraut hat. Aber auch hier gibt es dann Klärungsbedarf.  Normalerweise werden die Rahmenbedingungen ja vor Behandlungsbeginn abgeklärt.

Widerstände sind zum Schutz des Individuums da. Ein Widerstand führt zwangsläufig zu einem Stopp, zu einem Abkühlen der Intensität, zu einer Verschnaufpause. Es ist der Moment, der anzeigt, dass es „ums Eingemachte“ geht. Natürlich steht es jedem Menschen zu, selbst zu entscheiden, wie weit er gehen möchte und wo für ihn Schluss ist. Meistens braucht der Mensch einfach mehr Zeit, um sich an das aufgeworfene Thema heranzuwagen. Es sind natürlich genau diese Knackpunkte spannend, die Eisberge, die man gemeinsam umschiffen darf oder manchmal sogar direkt darauf zu steuern darf. Und gemeinsam ein Abenteuer zu bestehen, kann auch Vertrauen schaffen. Klar ist, dass man nicht mit jemandem in einer Nussschale aufs weite Meer hinaus fährt, auf den man sich nicht 100% verlassen kann.

In der Aromatherapie ist man zum Glück mit dieser Aufgabe als Therapeut nicht allein. Die Düfte üben ihre eigene Faszination aus, oftmals sind es genau die Düfte, die die größten Widerstände erzeugen, die einen am Ende aus der Reserve locken.

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