Man on Wire – Zirbelkiefer (Arve)

27 Apr

Wer schon einmal aus großer Höhe in einen Abgrund geschaut hat, weiß wie verdammt tief es da hinuntergeht. Was dieser Abgrund sein mag, ist wahrscheinlich für jeden Menschen etwas anderes. Dunkelheit, Kälte, harter Boden, Schutt und Asche, das Nichts, die Tiefe, die Leere, Sinnlosigkeit, Verzweiflung, Angst, Burn-Out, Einsamkeit, Isolation, Kritik. Jeder hat sein eigenes Tal der Tränen.

Mit meinem ersten inneren Bild wird mir klar: dieses Pflanzenwesen ist mit dem Abgrund vertraut. Über einer tiefen Schlucht sehe ich eine Figur oben am Abhang, die mit einer freien Geste beide Arme und ein Bein von sich in die Luft streckt und förmlich über jener tiefen Schlucht die Welt zu umarmen scheint. Die Sicherung übernimmt das zweite Bein, das mit tiefen Wurzeln fest im Boden des Abhangs verwurzelt ist.

In extremen Lebenssituationen taucht oft das Gefühl auf, nichts mehr verlieren zu können. Die volle Konzentration liegt auf dem Machbaren, den Chancen, der Herausforderung, der Rettung. Die besondere Qualität dieses Duftes liegt darin Sicherheit aus dem Nichts zu erlangen, um die eigenen Grenzen zu sprengen und einen Drahtseilakt vollziehen zu können. Oder vielleicht besser ausgedrückt: das Finden von Sicherheit in der Unsicherheit, das Gefühl von Wärme in einer kalten Umgebung, das Finden von Annehmlichkeit in Anwesenheit von Unanehmlichkeiten.

Mag sein, dass man freiwillig oder unfreiwillig auf das Drahtseil gelangt ist, alles was zählt ist, darüber zu gehen. Die Geistesgegenwart ist ein Moment höchster Konzentration auf das Wesentliche. Unwichtiges wird ausgeblendet, die eigene Kraft gebündelt. Das Überwinden der Schluchten, die sich manchmal im Leben auftun, und das Meistern schwieriger Situationen, wie z.B. eine lebensbedrohliche Krankheit, bleiben als Lebenszeichen in einem selbst verankert.

Das Suchen und Finden von Auswegen, die erfolgreiche Bewältigung schwerer Prüfungen, der Blick in den Abgrund ist eine Achterbahnfahrt, ein Cocktail aus Adrenalin und Glückshormonen, innerer Zuversicht und Zufriedenheit.

Ein Hochseilakrobat denkt nicht daran, dass er abstürzen könnte während er auf dem Seil balanciert. Er ist furchtlos, zweifellos, schwerelos.

So wie der Man on Wire, Philippe Petit, anbei der Trailer zum Dokumentarfilm, der mein Gefühl zum Duft sehr gut transportiert:

„Life should be lived on the edge. See every day as a true challenge and then you live your life on the tight walk.“ Philippe Petit – Man on wire

Affirmation: „Es gibt kein warum!“ „Ich bin sicher und voll konzentriert!“

Duft: Pinus cembra

Verwendeter Pflanzenteil: Zweige

Gewinnung: Destillation

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