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Düfte der Erinnerung – Smell Workshop mit Junsoo Ban

21 Aug

Der Geruchssinn ist eng an persönlich(st)e Erinnerungen gekoppelt. Ein vertrauter Duft lässt lebendige Szenarien aus der Ver-gangenheit vor dem inneren Auge entstehen. Man ist plötzlich Teil eines holographischen Geschehens und detailreiche Eindrücke erwachen zu neuem Leben, als wäre es gerade erst gestern gewesen.

Anlässlich der Ausstellung Sensorium im  Mudam hatte ich das Glück am letzten Samstag am Smell Workshop mit dem Künstler Junsoo Ban teilzunehmen.

In dem Workshop ging es darum, eine bestimmte Erinnerung anhand von Gerüchen zu rekonstruieren. Die zentrale Frage lautete:

Wie kann ein Geruch Gestalt annehmen?

Junsoo Ban hat in seiner künstlerischen Auseinandersetzung ein Objekt entwickelt, mit dessen Hilfe sich duftende Erinnerungen materialisieren und räumlich anordnen lassen. Im Workshop durften alle TeilnehmerInnen so ein Objekt bauen und ihrer duftenden Erinnerung freien Lauf lassen.

  • Hierzu wurden zunächst Würfel aus festem Papier in verschiedenen Größen hergestellt.
  • Dann wurden die Würfel beduftet
  • und schließlich auf einem quadratischen oder rechteckigen Fundament aus fester Pappe angeordnet (siehe Bild oben)

Die verwendeten Düfte stammen aus der Fragrance Library. Hierbei handelt es sich um synthetische Düfte, die Düfte aus der realen Welt nachahmen.

Hier findet man viele originelle Duftkomponen-ten wieder, die Teil des alltäglichen Lebens sind und somit auch Teil einer Erinnerung sein können.

Für den Workshop standen 30 Düfte zur Auswahl, z.B. Gras, Heu, Lavagestein, Schmutz, Staub, Vinyl, Sattel, Seife, Pfeifentabak, Farbe, Apfelblüte, Kaugummi, Play-doh, Kleber, Babypuder, geputzte Fenster, Swimming Pool, Sonnencreme, Holy Water, Holy Smoke,  salzige Luft, Brot, Gewächshaus, Schnee oder Regen. Die meisten Düfte rochen sehr echt, einige zwar angenehm, aber nicht ganz authentisch.

Zum Abschluss durften alle TeilnehmerInnen die verschiedenen Objekte reihum erschnuppern. Beim Riechen verbanden sich die einzelnen Duftkomponenten zu einem ganz eigenen, charakteristischen Parfum.

Unter den entstandenen Werken waren Erinnerungen aus der Kindheit, der Duft geliebter Menschen, schöne Momente oder abstrakte Konzepte wie Freiheit.

Diese Methode hat mich sehr inspiriert und ich werde sie sicherlich schon bald mit ätherischen Ölen ausprobieren. Mir schwebt vor, die Düfte der Garrigue, Australiens oder Madagascars auf einem Duftkontinent à la Junsoo Ban zu vereinen.

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Widerstand in der Aromatherapie

25 Mrz

Wenn es um Veränder-ungsprozesse geht, ist ein interessantes Phänomen zu beobachten. Neben dem Wunsch nach Ver-änderung steht gleich-zeitig die Angst vor der eigenen Courage.

Das Wunderwerk Mensch hat für alles vorgesorgt und ist Überlebens-künstler. Dazu gehört auch, sich zu schützen, wenn etwas zu viel wird.

Wenn uns die Sonne blendet können wir die Augen schließen, bei Lärm können wir die Ohren zuhalten und bei Gestank signalisiert uns die Nase, dass wir schnell das Weite suchen sollen. Bei weniger üblen Gerüchen macht die Nase irgendwann dicht und wir „riechen nichts mehr“ (ganz so einfach ist es zwar nicht, aber lassen wir es für dieses Thema dabei).

Ja, und wenn es unserer Psyche zu viel wird, wenn sie zu sehr überrascht oder erschreckt wird, wenn sie zu sehr herausgefordert wird und vor allem wenn es um das Loslassen und Verändern von Gewohnheiten geht, dann weiß auch sie sich zu schützen. Sie bäumt sich auf und holt ihr As aus dem Ärmel.

Das Aufbäumen ist der Widerstand. Das ist ein Moment, in dem die Psyche sagt: „Hey, Moment mal, was ist hier los?  Das geht mir alles ein bisschen schnell. So haben wir aber nicht gewettet!“ In Veränderungsprozessen kann dieser Widerstand überwunden werden. Er steht jedoch in direkter Relation zur Angst, die mit dem Eintreten der Veränderung verbunden ist.

Durch die Arbeit mit Düften entsteht eine besondere Situation, insofern als dass ein Duft das Unbewusste eines Menschen so stark ansprechen kann (siehe hierzu auch Heilimpulse der Düfte) , dass dieser sich plötzlich mit Gefühlen und Erinnerungen konfrontiert sieht, die er eigentlich verdrängt hat. Auch dieser Vorgang wird ihm nicht bewusst, denn bevor es dazu kommt, hat die Psyche schon ihren Colt gezogen und manchmal wird ganz schön scharf geschossen. Welche Gestalt Widerstände in der Aromatherapie annehmen können, habe ich im Folgenden einmal kurz zusammengefasst:

Psychische Widerstände

  • Ablehnung des Verfahren als Ganzes („Man muss halt dran glauben, damit es wirkt!“)
  • Zweifel an den Fähigkeiten des Therapeuten („Von Ihnen hätte ich schon etwas mehr erwartet!“)
  • Zweifel an der eigenen Sensibilität bezüglich der Duftwahrnehmung („Ich bin für Düfte nicht empfänglich!“)
  • Ausblenden der Duftwahrnehmung bei gleichzeitiger äußerlich beobachtbarer Reaktion z.B. Ekelmimik („Ich merk‘ nix“, „Es wirkt nicht“)
  • Verbale Äußerungen über das Missfallen bezüglich des Duftes/der Düfte („Ich dachte Aromatherapie hat was mit Wohlgeruch zu tun!“)
  • Trotzhaltung („Ich mache nicht mehr mit!“)
  • Schaffung von Nebenschauplätzen (z.B. Wehklagen, Sinnkrise)
  • Hinwendung zum Rationalen, Abwendung von der Herzebene („Ich bin halt eher der rationale Typ!“)

Körperliche Widerstände

  • Sofortiges Abwenden des Körpers beim Riechen
  • Ekelmimik und/oder Ekelgefühle
  • Kopfschmerzen, Übelkeit, allgemeines Unbehagen nachdem an einem Duft gerochen wurde
  • plötzlich von Müdigkeit überrollt werden (Gähnen)
  • Bewegungsdrang (Aufstehen, Umhergehen)
  • spontanes Lachen oder Weinen

Formale Widerstände

  • Fernbleiben vom Termin ohne Absprache
  • mehrmalige Absage eines Termins
  • Zuspätkommen
  • Diskussionen über die Höhe des Honorars
  • Kritik an Praxisräumen (zu kalt, zu ungemütlich etc…)

Es ist natürlich berechtigt, wenn ein Klient auf Missstände aufmerksam macht. Sollten diese jedoch plötzlich im Laufe der Behandlung auftreten, könnten kritische Äußerungen auch als Widerstand gedeutet werden, vor allem dann wenn der Klient in früheren Sitzungen  z.B. seine Zufriedenheit geäußert hat. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass der Klient eine Kritik schon von Anfang an anbringen wollte, sich aber nicht getraut hat. Aber auch hier gibt es dann Klärungsbedarf.  Normalerweise werden die Rahmenbedingungen ja vor Behandlungsbeginn abgeklärt.

Widerstände sind zum Schutz des Individuums da. Ein Widerstand führt zwangsläufig zu einem Stopp, zu einem Abkühlen der Intensität, zu einer Verschnaufpause. Es ist der Moment, der anzeigt, dass es „ums Eingemachte“ geht. Natürlich steht es jedem Menschen zu, selbst zu entscheiden, wie weit er gehen möchte und wo für ihn Schluss ist. Meistens braucht der Mensch einfach mehr Zeit, um sich an das aufgeworfene Thema heranzuwagen. Es sind natürlich genau diese Knackpunkte spannend, die Eisberge, die man gemeinsam umschiffen darf oder manchmal sogar direkt darauf zu steuern darf. Und gemeinsam ein Abenteuer zu bestehen, kann auch Vertrauen schaffen. Klar ist, dass man nicht mit jemandem in einer Nussschale aufs weite Meer hinaus fährt, auf den man sich nicht 100% verlassen kann.

In der Aromatherapie ist man zum Glück mit dieser Aufgabe als Therapeut nicht allein. Die Düfte üben ihre eigene Faszination aus, oftmals sind es genau die Düfte, die die größten Widerstände erzeugen, die einen am Ende aus der Reserve locken.

Das Kaffeehaus Exempel

2 Mrz
typical scene in a Viennese "Kaffeehaus&q...

Image via Wikipedia

Cafes haben es so an sich, dass viele Menschen dort ein und aus gehen und für viele gibt es nichts Schöneres als die anderen Besucher zu beobachten und sich seinen Teil dabei zu denken.

Beobachten hat mit Wahrnehmung zu tun und die Wahrnehmung hat mit Aufmerksamkeit zu tun. Wohin sich meine Aufmerksamkeit zuerst richtet bestimmt wie ich die Person wahrnehme.

Wohin sich die Aufmerksamkeit richtet wird bestimmt durch meine Interessen, durch die Dinge, die mich beschäftigen, durch meine bisherigen Erfahrungen und durch meine Persönlichkeit. Ebenso spielt die Tagesform sowie der emotionale und körperliche Zustand eine Rolle.

Mein Blick richtet sich nur auf Personen, die mir interessant erscheinen. Logisch! Vielleicht weil sie genauso sind wie ich oder ganz anders, vielleicht weil sie bewundernswert sind oder abstoßend. Vielleicht kann ich es noch gar nicht so recht einordnen und kann den Blick trotzdem nicht von der Person am Tisch gegenüber wenden. (Zum Glück gibt es ja die geduldige Kaffeetasse, die man aus Verlegenheit anstarren kann, falls man erwischt wird.)

Die Dufterfahrung kann man sich ziemlich genau so vorstellen wie einen Besuch im Kaffeehaus. Wenn der Duft hereinkommt, erregt er meine Aufmerksamkeit nur in dem Moment, in dem er mein Interesse weckt.  Jeder Duft bringt meist nicht nur eine Wirkweise mit, sondern viele, genau wie jeder Mensch verschiedene Eigenschaften hat. Und doch gibt es eine Persönlichkeit, die all diese Gesichter in sich vereint.

Es kann sein, dass ein Besucher im Kaffeehaus sich für einen Aspekt des Duftes interessiert und ein anderer Besucher für einen anderen. Möglicherweise erinnert uns der wippende Gang eines Besuchers an unbeschwertes Umhertollen aus heiteren Kindertagen oder das Profil eines anderen Besuchers weckt schmerzliche Erinnerungen an eine verflossene Liebe.

Wenn ich nun nach längerer Zeit wieder demselben Duft-Besucher  in meinem Café begegne, kann es sein, dass auch ich mich dann für andere Aspekte interessiere als noch vor einem Jahr. Oder dass sich meine Aufmerksamkeit plötzlich an einen neuen Besucher heftet. Dies hängt alles ganz allein von mir selbst ab. Habe ich mich inzwischen verändert, bestimmte Probleme lösen können oder neue Interessen gefunden…

Mehrere interessante Überlegungen lassen sich aus diesem Gedankenspiel bezüglich der Duftwahrnehmung ableiten.

  • Düfte sind durch ihre Zusammensetzung sehr komplex. Es kann also gut sein, dass bei verschiedenen Personen zu verschiedenen Zeiten immer andere Aspekte des Duftes aktiv wirken.
  • Die Wirkweise von Düften ist direkt abhängig von den Bedürfnissen des Klienten. Was für ihn nicht interessant ist, wird als Information nicht abgerufen.
  • Die Duftwahrnehmung kann sich abhängig von der persönlichen Entwicklung des Klienten über die Zeit hinweg verändern
  • Aussagen wie „irgendwie“, „ich kann nicht genau sagen warum, aber…“, „es lässt sich nicht begründen, aber…“ deuten darauf hin, dass der Mensch auf seiner unbewussten Seite durch den Duft angesprochen wurde.

Der wichtigste Punkt, der sich hieraus ergibt ist, dass die Duftwahrnehmung eine Interaktion von einem bestimmten Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt darstellt und von daher dynamisch und nicht statisch ist. Die Beschreibungen, die sich in der Literatur über ätherische Öle finden sind von daher Sammlungen vieler Erfahrungen mit vielen Menschen zu vielen verschiedenen Zeitpunkten.

Um nochmals auf das Kaffeehaus zurück zu kommen würde dies bedeuten, dass die Aromatherapeuten jahrelang in ihrem Lieblingscafé herumhängen, Leute beobachten und viele viele Latte machiatos trinken müssen um am Ende eine annähernd allgemeine Aussage über einzelne Besucher treffen zu können.

In der Aromatherapie werde ich immer besonders aufmerksam, wenn…

…ein Duft als sehr angenehm empfunden wird

…ein Duft als sehr unangenehm empfunden wird

…ein Duft eine spontane emotionale Regung hervorruft

…ein Duft als interessant empfunden wird ohne genau sagen zu können warum (dies wird meist spontan geäußert, ohne Nachfrage meinerseits)

…ein Duft als uninteressant empfunden wird ohne genau sagen zu können warum (dies wird meist spontan geäußert ohne Nachfrage meinerseits)

Namen sind Schall und Rauch – das Dilemma des Duftvokabulars

27 Nov

Berichte aus der aromatherapeutischen Praxis unterstreichen immer wieder die außergewöhnlichen Wirkweisen ätherischer Öle auf  Körper, Geist und Seele des Menschen. Die Liste in der Aroma-Fachliteratur der positiven Wirkungen ist lang: harmonisierend, ausgleichend, angstlösend, stabilisierend, seelisch aufbauend, stimmungsaufhellend, entspannend, stresslösend, antidepressiv, ermutigend, modulierend und vieles mehr.

Hört sich gut an. Doch in der Anwendung treten nicht nur bei angehenden AromatherapeutInnen bezüglich der Auswahl ätherischer Öle häufig Unsicherheiten auf.

Das Problem ist nämlich, dass unser Vokabular für Düfte nur sehr begrenzt ist und sich die Begriffe in verschiedenen Duftprofilen ständig wiederholen. Diese Beschreibungen werden den differenzierten Wirkweisen, Eigenschaften und der Originalität der Düfte leider nicht gerecht.  Es ist ein Dilemma, denn der Geruchssinn braucht die Sprache nicht, um seine Botschaft zu übermitteln, sondern löst lieber Emotionen aus, die viel schneller ankommen als ein gedachtes Wort. Der sprachliche Ausdruck wird also immer dem Erlebten hinterherhinken müssen.

So findet man zum Beispiel zu dem Label „stimmungsaufhellend“ in der Fachliteratur eine Reihe von sehr unterschiedlichen Düften (auch bezüglich der Biochemie): Anissamen, Bergamotte, Cistrose, Elemi, Grapefruit, Ingwer, Jasmin, Kreuzkümmel, Limette, Lorbeer, Mandarine, Mimose, Myrte marokkanisch, Narde,  Nelkenknospe, Neroli, Orange, Osmanthus, Patchouli, Petit Grain, Pfeffer schwarz, Rose, Rosmarin verbenon, Thymian linalool, Tonka, Vetiver, Weißtanne, Ylang Ylang, Zeder, Zitrone.

Ist es also egal welches dieser ätherischen Öle ich nun benutze, ob Jasmin, Ingwer, Zeder, Orange oder Narde? Oder doch eher Grapefruit?

Es ist nicht egal. Vielmehr gilt es zu überlegen wie der Duft das Thema „Stimmung aufhellen“ repräsentiert.

Ist es der feurige energetische Aspekt des Ingwer, der frische reinigende Wirbelwind der Grapefruit, die Lebensfreude der Orange oder die gediegene Stille der Zeder, die meine Stimmung verbessert? Welches Bedürfnis besteht aktuell? Was könnte jetzt wohltun?

Hier geht es darum, mehr Details zu sammeln, exakter zu sein, einen spezifischen Eindruck des Duftes zu bekommen. Dort, wo die Sprache endet, gibt es noch andere Möglichkeiten Informationen zu sammeln.

Jeder Duft hat sein eigenes Gesicht
Die Lösung dieses Sachverhaltes liegt für mich in der nonverbalen Auseinandersetzung und in der subjektiven Erfahrung der Düfte. Auch wenn die Eindrücke manchmal nur schwer zu fassen sind und individuell unterschiedlich sind, zeigt sich hier ein Informationsreichtum, der uns ansonsten durch die Lappen gehen würde.
Deutlich erlebbar in der Dufterfahrung sind Körperempfindungen, innere Bilder, Gefühle und Handlungsimpulse, Lust oder Unlustempfinden, spontane Erinnerungen, Formen und Farben und archetypische Repräsentationen, die einem helfen können, einen Duft genauer wahrzunehmen – ihm ein Gesicht zu geben.
Das Paradoxe daran ist, dass gerade die subjektive Herangehensweise oft als unwissenschaftlich angesehen wird und deshalb für ungültig erklärt wird. Dabei liefert gerade die eher subjektiv geprägte nonverbale Auseinandersetzung zusätzliche Informationen, den Charakter eines Duftes genauer zu erfassen.
Wer  sich rein sprachlich-kognitiv mit Düften auseinandersetzen möchte, stößt genau da, wo einem die Worte fehlen an seine Grenzen. Ebenso schwer haben es diejenigen, die sich vor eigenen Dufterfahrungen scheuen und nur aus dem Buch lernen. Denn bei jedem dritten Duft überschneiden sich die Begriffe wie etwa beruhigend, stresslösend, ausgleichend usw. Wie soll man da die einzelnen Düfte auseinander halten und den Überblick bewahren?
Da halte ich mich lieber an das alte Sprichwort:“Probieren geht über Studieren!“ Oder noch besser „Erst Probieren und dann Studieren!“

Plädoyer für das Dufttagebuch

21 Dez
Jeder Duft hat zahlreiche Facetten. Es handelt sich bei den Düften um biochemische Mischungen aus vielen verschiedenen Einzelstoffen. Wenn ein Duft von einem Menschen aufgenommen wird, dann kommt es zu einer Interaktion zwischen Duft und Mensch. Der Duft wirkt nicht immer auf genau die gleiche Art und Weise wie man es z.B. von einer Schmerztablette erwarten würde, sondern stellt sich auf den Zustand des Menschen ein. Es hängt also von der Tagesform und dem momentanen gesundheitlichen Zustand des Menschen ab, auf welche Facetten des Duftes er gerade an dem Tag zu einer gewissen Stunde reagiert. Die Duftwahrnehmungen in diesem Blog sind solche Momentaufnahmen, die für sich allein genommen den Duft noch nicht charakterisieren. Erst nach circa 30 oder mehr solcher Duftwahrnehmungen zum selben Duft lässt sich allmählich ein Bild erkennen. Bestimmte Gedanken, Bilder, Impulse und Themen tauchen wieder und wieder auf. Spannend wird es auch, wenn mehrere Personen gleichzeitig und unabhängig voneinander solche Experimentalreihen durchführen.

Die Zusammenfassung gelingt aber nur, wenn man im Moment der Duftwahrnehmung oder kurz danach seine Eindrücke auch aufschreibt oder malt oder sonstwie festhält. Es ist unmöglich die einzelnen Episoden im Gedächtnis auseinander zu halten und die Eindrücke sind wie die Düfte flüchtig.

Indem man ein Dufttagebuch führt, lernt man in sich hineinzuhorchen, die eigenen Wahrnehmungen ernst zu nehmen, Gefühle zu benennen und unvoreingenommen zu sein. Vor allem lernt man dabei die Düfte sehr gut kennen. Das zu sehen, was ist, nicht mehr und nicht weniger ist die große Kunst dabei.

Diesen Prozess kann man sich so vorstellen, als würde man ein Musikinstrument erlernen. Wir sind das Insturment und die Düfte spielen auf uns!

Noch ein paar praktische Tipps:
  • Suche ein schönes Buch aus, in das du gerne hineinschreibst
  • Lege alle Schreib- und Malsachen in Griffweite
  • Es hat sich bewährt, auch nicht-sprachliche Eindrücke festzuhalten (Bild, Farbe, Symbol, Bewegung)
  • Versuche dich als Resonanzkörper anzubieten, in dem etwas geschehen kann
  • Lausche aufmerksam in dich hinein
  • Löse dich von der Kontrolle und der Bewertung
  • Es gibt weder Richtig noch Falsch
  • Wenn du einige Eindrücke gesammelt hast, notiere diese sofort
  • Oft ist es hilfreich, zuerst ein Bild zu malen, danach kommen oft weitere Eindrücke.
Bildnachweis: fotolia.de

Duftschätze im aromatischen Ozean

28 Jul

Um einen Duft richtig gut kennen zu lernen braucht man Zeit, Re-spekt vor den Duftwesen und Geduld mit sich selbst.

Dabei gibt es verschie-dene Herangehenswei-sen, sich einem Duft zu nähern. Ich stelle mir einen Duft mit seinen vielen Facetten und Fähigkeiten wie ein Mosaik vor, das aus verschiedenen kleinen Bausteinen besteht. Dabei ist kein Steinchen besser oder schlechter als das andere.

Neben der Biochemie, der Kenntnis der Aroma-Pflanzen, der genauen Kenntnis der Wirkweisen der ätherischen Öle (körperlich, psychisch und seelisch), der Anwendungsgebiete einzelner ätherischer Öle, Dosierung und Kontraindikationen ätherischer Öle gibt es ein Mosaik-Steinchen, das mich besonders interessiert: die psychologische Wirkung ätherischer Öle und die damit verbundene subjektive Duft-wahrnehmung.

Öfter werde ich gefragt, was bei (m)einer Duftwahrnehmung eigentlich genau passiert?

Am besten lässt sich die Erfahrung mit einer Schatzsuche im tiefen Ozean vergleichen.

1. Eintauchen in den inneren Ozean (Innenwelt/das Unbewusste/die Bilderwelt. Die Tiefe ist meist nicht abzuschätzen, je tiefer man taucht umso dunkler wird es jedenfalls und man braucht länger um wieder aufzutauchen)

2. Sich unter Wasser aufmerksam umsehen ohne Ziel oder Plan (je stärker der Wille/die Erwartung umso schwerer wird es)

3. Hier und da funkeln die Schätze, man schwimmt vorbei und sammelt alle ein, die man mitnehmen möchte. Manches lässt man auch zurück (Eindrücke/Erinnerungen/Gefühle)

4. Man schwimmt wieder an die Oberfläche (das rationale Tagesbewusstsein)

5. Schaut sich die Schätze an, sortiert sie, katalogisiert sie, bevor sie einem wieder aus den Händen gleiten und zurück ins Wasser fallen. (Wenn man die Eindrücke nicht gleich festhält entgleiten sie einem schnell wieder)

6. Man analysiert und interpretiert seinen Fang, versucht eine Zusammenfassung und ein Thema zu formulieren.

7. Dann segelt man an Land und sieht zu, dass man wieder festen Boden unter den Füßen gewinnt. (in die Gegenwart zurückkehren, sich erden)

8. Ergebnisse in Aroma-Blog eintragen 🙂

Eine entscheidende Rolle spielt auch wie gut man sich in der eigenen Innenwelt auskennt und wie gut die Eigenwahrnehmung ist. Beim erfassen/erriechen/erspüren der Düfte ist man selbst das wichtigste Werkzeug und innerer Kompass zugleich! Je besser man aufsteigende Gefühle, Bilder und Körperempfindungen ernst- und wahrzunehmen und dann zu deuten vermag umso reicher die Dufterfahrung.

Hier braucht man den Mut, ernsthaft nach innen blicken zu wollen und regelmäßige Übung zwischen den Zuständen der frei flottierenden Absichtslosigkeit und bewusster Analyse und Zusammenfassung hin und her zu wandern.

 Dabei sollte man sich langsam in die Tiefe wagen…ein Taucher fängt ja auch erst einmal mit dem Schnorcheln an bevor er zum Tiefseetaucher wird!

Duftübung – Zufall als Methode

6 Jul

Entscheidungen trifft der Mensch am liebsten mit dem Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben.

Eigentlich ist es aber so, dass unser Körper eine Menge Entscheidungen für uns trifft, ohne dass diese Informationen ins Bewusstsein gelangen, um das tägliche Business am Laufen zu halten und um das Überleben zu sichern.

Über das Riechen werden zahlreiche Informationen zur Bewertung der Umgebung und zur Bewertung der eigenen Befindlichkeit unbewusst verarbeitet.

Mit Duftübungen und Duftmeditationen kann man lernen, diese Informationen für sich zugänglich zu machen und einen Zugang zur „unbewussten“ Weisheit des eigenen Körpers und der Psyche zu bekommen.

Zufall als Methode bedeutet in diesem Zusammenhang also nicht Gutdünken, sondern vielmehr das Hineingleiten in einen Zustand, der ähnlich wie die Freud’sche „freischwebende Aufmerksamkeit“ Dinge im Inneren einfach entstehen und geschehen lässt, ohne etwas Bestimmtes zu erwarten oder etwas zu lenken.

Für meine Duftübungen schaffe ich mir folgendes angenehme Umfeld:

  • Yogamatte auf dem Boden
  • Meditationskissen
  • evtl. eine Wolldecke
  • Tagebuch
  • Zeichenblock und Kreiden/Stifte/Farben
  • Ein Ankerobjekt (zur Zeit eine alte Laterne vom Flohmarkt)

Bevor ich mit dem ganzen Prozedere beginne, etabliere ich meinen Anker. Dieser Anker sollte ein positiv besetztes Objekt sein, bei mir ist es eine alte Laterne, es kann aber auch ein Stein oder eine Figur sein…

Ich zünde ein Licht in der Laterne an und stelle mir vor, dass dieses Licht mich aus meiner Innenwelt sofort zurückholt wenn ich die Augen öffne. Es ist gut einen Fixationspunkt im Außen zu haben, falls man einmal schnell von einer Phantasiereise zurück kehren möchte. Dabei ist die Imagination wichtiger als das Objekt selbst.

Die Düfte, dich ich näher kennen lernen will, befinden sich in einer kleinen Duftschatzkiste. Zufällig ziehe ich einen Duft mit geschlossenen Augen heraus und rieche daran. Ich gebe mir und dem Duft Zeit sich zu entfalten.

Ich lege oder setze mich bequem und mit geschlossenen Augen hin, atme regelmäßig und tief und komme in meiner inneren Welt an. Ich warte auf Gedanken, Gefühle, Empfindungen und verbleibe so bis ich genügend Eindrücke gesammelt habe. Manchmal muss ich auch mehrmals riechen.

Dann öffne ich die Augen und schreibe alles auf und fertige eine Zeichnung an, manchmal sind es auch nur Farbassoziationen. Meistens formuliere ich eine Affirmation oder eine Art Leitsatz. Dies tue ich möglichst ohne nachzudenken.

(Manchmal will sich ein Duft nicht so recht mitteilen, auch das notiere ich mir.)
Zum Abschluß schaue ich auf das Etikett um den Duft zu identifizieren.

Diese Übung mache ich jeden Tag, meistens am Abend. Nach einigen Wochen schaue ich mir an, was ich alles zu den Düften gefunden habe und fasse meine Ergebnisse zusammen. Dabei achte ich z.B. auch darauf, welchen Duft ich öfter gezogen habe…und welcher Duft unter Umständen gar nicht an die Reihe kam.

Erst nach vielen Wochen gehe ich dann verstandesorientiert-analytisch an die Sache heran und stöbere in der Fachliteratur herum und ergänze meine Wahrnehmungen. Ich verlgeiche meine Eindrücke mit den Erkenntnissen, die andere vor mir gesammelt haben.

Wie bitte spricht ein Duft?

5 Jul
Es hört sich schon etwas merkwürdig an, dass Düfte sprechen können sollen. Manchmal hört man die Leute von Duftbotschaften sprechen. Was passiert eigentlich genau bei einer Duftwahrnehmung?

Eines ist sicher: in dem Moment da sich Duft und Mensch treffen geschieht etwas. Der Duft wirkt auf uns auch wenn wir das nicht immer gleich bemerken. Vielleicht ändert sich die Stimmung, ein inneres Bild taucht auf oder ein Gefühl oder gleich mehrere. Oder es kommt mir ein Lebensmotto in den Sinn oder mein Körper reagiert, vielleicht wird mir wärmer oder ich bemerke, dass ein Bedürfnis nicht gestillt ist wie z.B. das Bedürfnis nach Nahrung oder Schlaf.

Die Begegnung mit einem Duft ist immer eine Begegnung mit sich selbst. Je besser meine Wahrnehmung für mich selbst, für mein Innenleben ist und je offener ich für all die Dinge bin, die in mir vorgehen umso einfacher wird es die Eindrücke die ein Duft mir schenkt in den Tiefen meiner selbst einzusammeln und sie mir anzuschauen.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Innenschau einem gelegentlich auch die Schattenseiten seiner selbst vor Augen führen kann. Andererseits findet sich bestimmt auch das eine oder andere unentdeckte Kleinod.

Die Sprache der Düfte besteht also aus Eindrücken, die in uns vorgehen. Was wir denken, fühlen und träumen. Dabei spielt der Verstand und das ehrgeizige Wollen eine Nebenrolle. Je mehr ich den Duft analytisch erfassen will umso mehr entzieht er sich. Daher ist es das Einfachste, aufmerksam zu warten und dem Duft zu lauschen. Und dann muss ich mich nur noch auf meine Intuition und mein Gefühl verlassen und mich von dem Gedanken verabschieden, dies alles sei pure Einbildung – vielmehr ist es ein Bild, eine Momentaufnahme.

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