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Vision Quest – Wacholderbeere

5 Okt

Es ist die Zeit der fallenden Blätter und im Duft der Wacholderbeere erwartet mich ein herb-holziges Ur-Wesen, das mich sodann in die Tiefen meiner Seelen-Landschaft eintreten lässt.

Die Imaginationen sind sehr plastisch und dabei klar, auf das Wesentliche reduziert.

Ich befinde mich auf einer weiten Ebene. Kein Mensch, kein Haus, kein Weg.

Mein Blick gleitet bis zum Horizont und in die Unendlichkeit dahinter. Ich stehe einfach nur da, auf einem Acker und werde gewahr, dass unter mir viele Schichten der Erde aus verschiedenen Zeitaltern liegen und dass vor meiner Zeit andere Menschen hier standen, um das Land fruchtbar zu machen.

Dieser Duft lässt im Inneren eine ganz eigene Melodie, einen fremdartigen Urgesang erklingen, der ein Ur-Wesen in mir anspricht, meine Seele.

Auf dieser weiten Ebene sind die Gefühle klar, gesammelt, windstill, reduziert und auf merkwürdige Weise abstrahiert, so als hätte ich sie am Rastplatz mit all dem anderen Reisegepäck zurück gelassen, wo sie auf mich warten, bis ich wieder komme.

Es gibt diese Momente der Wahrhaftigkeit, in denen man spürt, dass es kein Ausweichen gibt, keinen Aufschub,  kein Warten mehr.

Momente, in denen sich der Schritt verlangsamt bis man es endlich wagt in mutiger, gefasster Geistesgegenwart stehen zu bleiben, sich umzudrehen und dem eigenen Schatten ins Gesicht zu sehen. Stehenbleiben, weil man weiß, dass alles andere keinen Sinn mehr machen würde.

Dies ist das Feld der Desillusion. Ich kam hierher, um die Dinge ins rechte Licht zu rücken. Die weite Ebene dient mir als Spiegel. Einige Tage lang sah ich vor meinem inneren Auge mich selbst auf dieser weiten Ebene in der Begegnung  mit dem eigenen Schatten.

Beim Malen dieser Szene, entstand ganz entgegen meiner Intention eine Figur mit Flügeln auf dem Feld und in dem Moment wurde mir klar, dass die Schatten, die ich im Moment der Wahrhaftigkeit erlebt hatte, selbst die Illusion waren.

Die Dufterfahrung hatte in mir zunächst die Illusion der Schatten erweckt, um mir dann zu zeigen,  dass es eine weite Ebene gibt, auf der nur ich mit mir selbst zurück bleibe. Kein Mensch, kein Haus, kein Weg. Dafür ein paar Flügel – geschenkt.

Vom Duft der Wacholderbeere habe ich gelernt, dass der Meander-Weg der Seele über Illusionen und  Umwege führen kann, dass das, was man für wahr hält ebenfalls eine Illusion sein kann und man daran so lange festhalten darf wie man sie braucht. Jedoch in dem Wissen, dass die Wahrheit nur im Spiegel der individuellen Entwicklung existiert.

Ansonsten ist die Wahrheit eine weite Ebene, ohne Mensch, ohne Haus und ohne Weg. Dafür ein paar Flügel – geschenkt.

Affirmation: „Ich bleibe bei meiner Wahrheit nur so lange ich sie brauche!“ „Die Wahrheit ist eine weite Ebene!“

Duft: Juniperus communis, Bosnien

Verwendeter Pflanzenteil: Frucht

Gewinnung: Destillation

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Düfte der Erinnerung – Smell Workshop mit Junsoo Ban

21 Aug

Der Geruchssinn ist eng an persönlich(st)e Erinnerungen gekoppelt. Ein vertrauter Duft lässt lebendige Szenarien aus der Ver-gangenheit vor dem inneren Auge entstehen. Man ist plötzlich Teil eines holographischen Geschehens und detailreiche Eindrücke erwachen zu neuem Leben, als wäre es gerade erst gestern gewesen.

Anlässlich der Ausstellung Sensorium im  Mudam hatte ich das Glück am letzten Samstag am Smell Workshop mit dem Künstler Junsoo Ban teilzunehmen.

In dem Workshop ging es darum, eine bestimmte Erinnerung anhand von Gerüchen zu rekonstruieren. Die zentrale Frage lautete:

Wie kann ein Geruch Gestalt annehmen?

Junsoo Ban hat in seiner künstlerischen Auseinandersetzung ein Objekt entwickelt, mit dessen Hilfe sich duftende Erinnerungen materialisieren und räumlich anordnen lassen. Im Workshop durften alle TeilnehmerInnen so ein Objekt bauen und ihrer duftenden Erinnerung freien Lauf lassen.

  • Hierzu wurden zunächst Würfel aus festem Papier in verschiedenen Größen hergestellt.
  • Dann wurden die Würfel beduftet
  • und schließlich auf einem quadratischen oder rechteckigen Fundament aus fester Pappe angeordnet (siehe Bild oben)

Die verwendeten Düfte stammen aus der Fragrance Library. Hierbei handelt es sich um synthetische Düfte, die Düfte aus der realen Welt nachahmen.

Hier findet man viele originelle Duftkomponen-ten wieder, die Teil des alltäglichen Lebens sind und somit auch Teil einer Erinnerung sein können.

Für den Workshop standen 30 Düfte zur Auswahl, z.B. Gras, Heu, Lavagestein, Schmutz, Staub, Vinyl, Sattel, Seife, Pfeifentabak, Farbe, Apfelblüte, Kaugummi, Play-doh, Kleber, Babypuder, geputzte Fenster, Swimming Pool, Sonnencreme, Holy Water, Holy Smoke,  salzige Luft, Brot, Gewächshaus, Schnee oder Regen. Die meisten Düfte rochen sehr echt, einige zwar angenehm, aber nicht ganz authentisch.

Zum Abschluss durften alle TeilnehmerInnen die verschiedenen Objekte reihum erschnuppern. Beim Riechen verbanden sich die einzelnen Duftkomponenten zu einem ganz eigenen, charakteristischen Parfum.

Unter den entstandenen Werken waren Erinnerungen aus der Kindheit, der Duft geliebter Menschen, schöne Momente oder abstrakte Konzepte wie Freiheit.

Diese Methode hat mich sehr inspiriert und ich werde sie sicherlich schon bald mit ätherischen Ölen ausprobieren. Mir schwebt vor, die Düfte der Garrigue, Australiens oder Madagascars auf einem Duftkontinent à la Junsoo Ban zu vereinen.

Vom Haben zum Sein – in der Dufterfahrung

6 Feb

Was wir haben, das soll uns keiner mehr wegnehmen. Der Besitz spielt in unserer Kultur eine wichtige Rolle, so dass wir sogar unsere Krankheiten besitzen und indem wir das tun, distanzieren wir uns gleichzeitig von ihnen.

Der Psychoanalytiker Erich Fromm beschreibt dies in seinem Werk „Haben oder Sein“ so:

Abgesehen von Menschen gibt es eine endlose Reihe von Dingen und sogar Gefühlen, die als Eigentum erlebt wer-den, zum Beispiel Gesundheit und Krankheit.

Leute, die über ihre Gesundheit sprechen, tun es im Gefühl des Besitzes. Sie sprechen von ihren Krankheiten, ihren Operationen, ihren Behandlungen, ihrer Diät, ihren Medikamenten.

Damit die Krankheit aber wieder verschwindet, muss man in einen Prozess der Krankheitsverarbeitung und Krankheitsbewältigung eintreten. Dies bedeutet den Übergang vom Haben-Modus zum Sein-Modus und damit das Erleben verschiedener (möglicherweise unangenehmer) Zustände.

Der Sein-Modus ist am Lebendigen orientiert, an der schöpferischen Kraft im Menschen und mit Hilfe ätherischer Öle fällt es leichter, sich auf dem Weg vom „Haben“ zum „Sein“ zu machen.

Die Dufterfahrung bietet einen passenden Rahmen für Veränderungen und zudem die Möglichkeit, die Themen, von denen man sich bereits distanziert hat, näher kommen zu lassen, um dann erneut die Entscheidung treffen zu können, sie zu behalten oder sie loszulassen.

Die Düfte lenken die gesamte Aufmerksamkeit auf das Geschehen im Hier und Jetzt, im eigenen Selbst, im Körper, und fokussieren die Lebensenergie im Organismus darauf, Harmonie herzustellen. Im Zuge der Dufterfahrung erscheint das, was man zuvor als „Sicherheit“ behalten wollte vielleicht plötzlich als überflüssig.

Die Existenzweise des „Sein“ beschreibt Erich Fromm wie folgt:

Es bedeutet, sich selbst zu erneuern, zu wachsen, sich zu verströmen, zu lieben, das Gefängnis des eigenen isolierten Ichs zu transzendieren, sich zu interessieren, zu lauschen, zu geben.

Reise ins Reich der Krafttiere – Räuchern mit Copal

7 Nov

Die Hochkulturen der Azteken, Maya und Inka brachten ihren Göttern Rauchopfer mit Copal dar. Das Copalharz galt als göttliches Geschenk der Lebensenergie an die Menschen und als Speise der Götter.

Die drei Arten des Copals (blanco, oro, negro) wurden den Menschen mythologisch betrachtet von drei verschiedenen Jaguaren gebracht.

Der Jaguar wurde als Krafttier besonders verehrt, da er mit der Kraft der Sonne assoziiert wurde und die Macht des höchsten Gottes Tezcatlipoca (=rauchender Spiegel) als Krafttier verkörperte, das heißt Mut, Stärke, Autorität und reine Lebensenergie.

Copal war und ist in Mittelamerika ebenso populär und verehrt wie bei uns der Weihrauch. Auch zu den alljährlichen mexikanischen Feierlichkeiten zu Ehren der Ahnen – dem Totenfest – wird in Häusern und auf Friedhöfen mit Copal geräuchert. Mit dem aufsteigenden Rauch werden die Herzens-Botschaften an die Götter geschickt.

Weiß und Schwarz – Tag und Nacht – Räuchern mit Copal (Protium copal)

Während meiner Duftübung mit Copal blanco und negro ist bei mir der Eindruck entstanden als handele es sich um zwei Seiten derselben Medaille.

Während der weiße Copal eine helle, nach oben strebende, leichte und luftige Energie versprüht, zeigt sich der schwarze Copal als balsamische, erdige, nach unten und innen führende, leicht süßliche und bergende Kraft. Nacheinander geräuchert ergänzen sich die beiden Düfte als Tag und Nacht zu einer Einheit.

Der Copal blanco eignet sich in seiner frischen Art gut zum Klären und Reinigen des Geistes und der Atmosphäre, während mich der Copal negro mehr zur inneren Einkehr und zum archaischen Teil meiner selbst führt. Beide Sorten nehme ich als wohltuende und heilende Impulse wahr.

vor meinem inneren Auge zeigt sich mit der Räucherung von Copal negro besonders ein Aspekt der aztekischen Mythologie.

Die Azteken glaubten, dass jeder Mensch vom Zeitpunkt seiner Geburt an von einem Krafttier auf seinem Lebensweg begleitet wird, dem sogenannten Nahualli. Dies bedeutet „Schattenseele“ und wurde als Totem, als tierisches Gegenstück zur Menschenseele aufgefasst. Dieser spirituelle Begleiter sollte den Menschen auf seinem Lebensweg unterstützen, ihm seine Kräfte leihen und ihn vor Gefahren schützen.

Das bekannteste Nahualli ist wohl der Jaguar, es gibt aber auch den Quetzal, die Ameise, den Kolibri, den Kojoten, den Falken, den Ozelot, den Wolf, den Truthahn, den Schmetterling, den Leguan und viele mehr…

Mit dem Duft des Copal habe ich eine Reise zu meinen Krafttieren gemacht, mich in sie verwandelt und aus ihren Augen in die Welt geschaut. Dies gibt Ruhe, Kraft und Zuversicht. Gerade wenn man bestimmte Bereiche seiner Persönlichkeit stärken möchte, kann es eine große Hilfe sein, sich bestimmte Eigenschaften und Fähigkeiten mit Hilfe eines Krafttieres bildlich vor Augen zu führen.

Wenn es gelingt, imaginär in die Haut des Nahualli zu schlüpfen wird manchmal ganz leicht aus einem „Ich kann nicht…“ ein „Ich mache es wie mein Nahualli…“ Den Krafttieren zu begegnen ist sehr inspirierend, spannend und erheiternd. You never walk alone…

PS: Copal oro hatte ich als Räucherharz nicht zur Hand und kommt deshalb im Artikel nicht vor.

Namen sind Schall und Rauch – das Dilemma des Duftvokabulars

27 Nov

Berichte aus der aromatherapeutischen Praxis unterstreichen immer wieder die außergewöhnlichen Wirkweisen ätherischer Öle auf  Körper, Geist und Seele des Menschen. Die Liste in der Aroma-Fachliteratur der positiven Wirkungen ist lang: harmonisierend, ausgleichend, angstlösend, stabilisierend, seelisch aufbauend, stimmungsaufhellend, entspannend, stresslösend, antidepressiv, ermutigend, modulierend und vieles mehr.

Hört sich gut an. Doch in der Anwendung treten nicht nur bei angehenden AromatherapeutInnen bezüglich der Auswahl ätherischer Öle häufig Unsicherheiten auf.

Das Problem ist nämlich, dass unser Vokabular für Düfte nur sehr begrenzt ist und sich die Begriffe in verschiedenen Duftprofilen ständig wiederholen. Diese Beschreibungen werden den differenzierten Wirkweisen, Eigenschaften und der Originalität der Düfte leider nicht gerecht.  Es ist ein Dilemma, denn der Geruchssinn braucht die Sprache nicht, um seine Botschaft zu übermitteln, sondern löst lieber Emotionen aus, die viel schneller ankommen als ein gedachtes Wort. Der sprachliche Ausdruck wird also immer dem Erlebten hinterherhinken müssen.

So findet man zum Beispiel zu dem Label „stimmungsaufhellend“ in der Fachliteratur eine Reihe von sehr unterschiedlichen Düften (auch bezüglich der Biochemie): Anissamen, Bergamotte, Cistrose, Elemi, Grapefruit, Ingwer, Jasmin, Kreuzkümmel, Limette, Lorbeer, Mandarine, Mimose, Myrte marokkanisch, Narde,  Nelkenknospe, Neroli, Orange, Osmanthus, Patchouli, Petit Grain, Pfeffer schwarz, Rose, Rosmarin verbenon, Thymian linalool, Tonka, Vetiver, Weißtanne, Ylang Ylang, Zeder, Zitrone.

Ist es also egal welches dieser ätherischen Öle ich nun benutze, ob Jasmin, Ingwer, Zeder, Orange oder Narde? Oder doch eher Grapefruit?

Es ist nicht egal. Vielmehr gilt es zu überlegen wie der Duft das Thema „Stimmung aufhellen“ repräsentiert.

Ist es der feurige energetische Aspekt des Ingwer, der frische reinigende Wirbelwind der Grapefruit, die Lebensfreude der Orange oder die gediegene Stille der Zeder, die meine Stimmung verbessert? Welches Bedürfnis besteht aktuell? Was könnte jetzt wohltun?

Hier geht es darum, mehr Details zu sammeln, exakter zu sein, einen spezifischen Eindruck des Duftes zu bekommen. Dort, wo die Sprache endet, gibt es noch andere Möglichkeiten Informationen zu sammeln.

Jeder Duft hat sein eigenes Gesicht
Die Lösung dieses Sachverhaltes liegt für mich in der nonverbalen Auseinandersetzung und in der subjektiven Erfahrung der Düfte. Auch wenn die Eindrücke manchmal nur schwer zu fassen sind und individuell unterschiedlich sind, zeigt sich hier ein Informationsreichtum, der uns ansonsten durch die Lappen gehen würde.
Deutlich erlebbar in der Dufterfahrung sind Körperempfindungen, innere Bilder, Gefühle und Handlungsimpulse, Lust oder Unlustempfinden, spontane Erinnerungen, Formen und Farben und archetypische Repräsentationen, die einem helfen können, einen Duft genauer wahrzunehmen – ihm ein Gesicht zu geben.
Das Paradoxe daran ist, dass gerade die subjektive Herangehensweise oft als unwissenschaftlich angesehen wird und deshalb für ungültig erklärt wird. Dabei liefert gerade die eher subjektiv geprägte nonverbale Auseinandersetzung zusätzliche Informationen, den Charakter eines Duftes genauer zu erfassen.
Wer  sich rein sprachlich-kognitiv mit Düften auseinandersetzen möchte, stößt genau da, wo einem die Worte fehlen an seine Grenzen. Ebenso schwer haben es diejenigen, die sich vor eigenen Dufterfahrungen scheuen und nur aus dem Buch lernen. Denn bei jedem dritten Duft überschneiden sich die Begriffe wie etwa beruhigend, stresslösend, ausgleichend usw. Wie soll man da die einzelnen Düfte auseinander halten und den Überblick bewahren?
Da halte ich mich lieber an das alte Sprichwort:“Probieren geht über Studieren!“ Oder noch besser „Erst Probieren und dann Studieren!“

Plädoyer für das Dufttagebuch

21 Dez
Jeder Duft hat zahlreiche Facetten. Es handelt sich bei den Düften um biochemische Mischungen aus vielen verschiedenen Einzelstoffen. Wenn ein Duft von einem Menschen aufgenommen wird, dann kommt es zu einer Interaktion zwischen Duft und Mensch. Der Duft wirkt nicht immer auf genau die gleiche Art und Weise wie man es z.B. von einer Schmerztablette erwarten würde, sondern stellt sich auf den Zustand des Menschen ein. Es hängt also von der Tagesform und dem momentanen gesundheitlichen Zustand des Menschen ab, auf welche Facetten des Duftes er gerade an dem Tag zu einer gewissen Stunde reagiert. Die Duftwahrnehmungen in diesem Blog sind solche Momentaufnahmen, die für sich allein genommen den Duft noch nicht charakterisieren. Erst nach circa 30 oder mehr solcher Duftwahrnehmungen zum selben Duft lässt sich allmählich ein Bild erkennen. Bestimmte Gedanken, Bilder, Impulse und Themen tauchen wieder und wieder auf. Spannend wird es auch, wenn mehrere Personen gleichzeitig und unabhängig voneinander solche Experimentalreihen durchführen.

Die Zusammenfassung gelingt aber nur, wenn man im Moment der Duftwahrnehmung oder kurz danach seine Eindrücke auch aufschreibt oder malt oder sonstwie festhält. Es ist unmöglich die einzelnen Episoden im Gedächtnis auseinander zu halten und die Eindrücke sind wie die Düfte flüchtig.

Indem man ein Dufttagebuch führt, lernt man in sich hineinzuhorchen, die eigenen Wahrnehmungen ernst zu nehmen, Gefühle zu benennen und unvoreingenommen zu sein. Vor allem lernt man dabei die Düfte sehr gut kennen. Das zu sehen, was ist, nicht mehr und nicht weniger ist die große Kunst dabei.

Diesen Prozess kann man sich so vorstellen, als würde man ein Musikinstrument erlernen. Wir sind das Insturment und die Düfte spielen auf uns!

Noch ein paar praktische Tipps:
  • Suche ein schönes Buch aus, in das du gerne hineinschreibst
  • Lege alle Schreib- und Malsachen in Griffweite
  • Es hat sich bewährt, auch nicht-sprachliche Eindrücke festzuhalten (Bild, Farbe, Symbol, Bewegung)
  • Versuche dich als Resonanzkörper anzubieten, in dem etwas geschehen kann
  • Lausche aufmerksam in dich hinein
  • Löse dich von der Kontrolle und der Bewertung
  • Es gibt weder Richtig noch Falsch
  • Wenn du einige Eindrücke gesammelt hast, notiere diese sofort
  • Oft ist es hilfreich, zuerst ein Bild zu malen, danach kommen oft weitere Eindrücke.
Bildnachweis: fotolia.de

Duftübung – Zufall als Methode

6 Jul

Entscheidungen trifft der Mensch am liebsten mit dem Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben.

Eigentlich ist es aber so, dass unser Körper eine Menge Entscheidungen für uns trifft, ohne dass diese Informationen ins Bewusstsein gelangen, um das tägliche Business am Laufen zu halten und um das Überleben zu sichern.

Über das Riechen werden zahlreiche Informationen zur Bewertung der Umgebung und zur Bewertung der eigenen Befindlichkeit unbewusst verarbeitet.

Mit Duftübungen und Duftmeditationen kann man lernen, diese Informationen für sich zugänglich zu machen und einen Zugang zur „unbewussten“ Weisheit des eigenen Körpers und der Psyche zu bekommen.

Zufall als Methode bedeutet in diesem Zusammenhang also nicht Gutdünken, sondern vielmehr das Hineingleiten in einen Zustand, der ähnlich wie die Freud’sche „freischwebende Aufmerksamkeit“ Dinge im Inneren einfach entstehen und geschehen lässt, ohne etwas Bestimmtes zu erwarten oder etwas zu lenken.

Für meine Duftübungen schaffe ich mir folgendes angenehme Umfeld:

  • Yogamatte auf dem Boden
  • Meditationskissen
  • evtl. eine Wolldecke
  • Tagebuch
  • Zeichenblock und Kreiden/Stifte/Farben
  • Ein Ankerobjekt (zur Zeit eine alte Laterne vom Flohmarkt)

Bevor ich mit dem ganzen Prozedere beginne, etabliere ich meinen Anker. Dieser Anker sollte ein positiv besetztes Objekt sein, bei mir ist es eine alte Laterne, es kann aber auch ein Stein oder eine Figur sein…

Ich zünde ein Licht in der Laterne an und stelle mir vor, dass dieses Licht mich aus meiner Innenwelt sofort zurückholt wenn ich die Augen öffne. Es ist gut einen Fixationspunkt im Außen zu haben, falls man einmal schnell von einer Phantasiereise zurück kehren möchte. Dabei ist die Imagination wichtiger als das Objekt selbst.

Die Düfte, dich ich näher kennen lernen will, befinden sich in einer kleinen Duftschatzkiste. Zufällig ziehe ich einen Duft mit geschlossenen Augen heraus und rieche daran. Ich gebe mir und dem Duft Zeit sich zu entfalten.

Ich lege oder setze mich bequem und mit geschlossenen Augen hin, atme regelmäßig und tief und komme in meiner inneren Welt an. Ich warte auf Gedanken, Gefühle, Empfindungen und verbleibe so bis ich genügend Eindrücke gesammelt habe. Manchmal muss ich auch mehrmals riechen.

Dann öffne ich die Augen und schreibe alles auf und fertige eine Zeichnung an, manchmal sind es auch nur Farbassoziationen. Meistens formuliere ich eine Affirmation oder eine Art Leitsatz. Dies tue ich möglichst ohne nachzudenken.

(Manchmal will sich ein Duft nicht so recht mitteilen, auch das notiere ich mir.)
Zum Abschluß schaue ich auf das Etikett um den Duft zu identifizieren.

Diese Übung mache ich jeden Tag, meistens am Abend. Nach einigen Wochen schaue ich mir an, was ich alles zu den Düften gefunden habe und fasse meine Ergebnisse zusammen. Dabei achte ich z.B. auch darauf, welchen Duft ich öfter gezogen habe…und welcher Duft unter Umständen gar nicht an die Reihe kam.

Erst nach vielen Wochen gehe ich dann verstandesorientiert-analytisch an die Sache heran und stöbere in der Fachliteratur herum und ergänze meine Wahrnehmungen. Ich verlgeiche meine Eindrücke mit den Erkenntnissen, die andere vor mir gesammelt haben.

Wie bitte spricht ein Duft?

5 Jul
Es hört sich schon etwas merkwürdig an, dass Düfte sprechen können sollen. Manchmal hört man die Leute von Duftbotschaften sprechen. Was passiert eigentlich genau bei einer Duftwahrnehmung?

Eines ist sicher: in dem Moment da sich Duft und Mensch treffen geschieht etwas. Der Duft wirkt auf uns auch wenn wir das nicht immer gleich bemerken. Vielleicht ändert sich die Stimmung, ein inneres Bild taucht auf oder ein Gefühl oder gleich mehrere. Oder es kommt mir ein Lebensmotto in den Sinn oder mein Körper reagiert, vielleicht wird mir wärmer oder ich bemerke, dass ein Bedürfnis nicht gestillt ist wie z.B. das Bedürfnis nach Nahrung oder Schlaf.

Die Begegnung mit einem Duft ist immer eine Begegnung mit sich selbst. Je besser meine Wahrnehmung für mich selbst, für mein Innenleben ist und je offener ich für all die Dinge bin, die in mir vorgehen umso einfacher wird es die Eindrücke die ein Duft mir schenkt in den Tiefen meiner selbst einzusammeln und sie mir anzuschauen.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Innenschau einem gelegentlich auch die Schattenseiten seiner selbst vor Augen führen kann. Andererseits findet sich bestimmt auch das eine oder andere unentdeckte Kleinod.

Die Sprache der Düfte besteht also aus Eindrücken, die in uns vorgehen. Was wir denken, fühlen und träumen. Dabei spielt der Verstand und das ehrgeizige Wollen eine Nebenrolle. Je mehr ich den Duft analytisch erfassen will umso mehr entzieht er sich. Daher ist es das Einfachste, aufmerksam zu warten und dem Duft zu lauschen. Und dann muss ich mich nur noch auf meine Intuition und mein Gefühl verlassen und mich von dem Gedanken verabschieden, dies alles sei pure Einbildung – vielmehr ist es ein Bild, eine Momentaufnahme.

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