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Wildniswissen – Kreuzkümmel

10 Jul
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Jeanswerbung Dr. Denim

Wer hat der zivilisierten Welt nur beigebracht so ängstlich und gleichzeitig so brav zu sein? Warum können wir nicht etwas wilder sein, die Schuhe ausziehen und einfach barfuß weitergehen, und im Kühlschrank nur das Essen für den nächsten Tag einlagern?

Vielleicht weil wir unser wildes Erbe, unser Wildniswissen vergessen haben. Im Grunde des Herzens oder vielleicht sogar darunter ist mit dem Duft des Kreuzkümmels ganz deutlich die wilde, animalische Natur des Menschseins zu spüren.

Die Reise zum wilden Teil scheint mir rückblickend wie ein langer Weg, den ich in kleinen Schritten zurücklegen musste. In dem Augenblick, als ich den Kreuzkümmel zum ersten Mal roch, machte sich in meinem Unbewussten ein Fährtensucher auf den Weg, um zu meiner Wildnis zu gelangen. Und im selben Moment dachte ich: „Oh mein Gott, das riecht wie Schweiß!“

Einmal ist es mir passiert, dass dieser Duft chamäleonartig seine Duftnoten geändert hat. Zuerst schwülstig schmalzig und sehr intensiv würzig, wenig später entströmte eine leichte Kirsch-Note, hin zu einer kompletten Wandlung zu kräftiger Minze gefolgt vom medizinischen Duft der Myrrhe.

Ich habe erlebt wie der Duft bis tief in die Gedärme vorgedrungen ist und vor dem inneren Auge ein lebhaftes Bild sich bewegender Darmwindungen des Dickdarms und Dünndarms entstanden ist. Der Geruch ist schwer auszuhalten, ein Anflug von Übelkeit streift die Wahrnehmung, im Kopf steigen sanfte Nebel auf. Benommen und übel, na toll.

Es war wie ein Verdauungsprozess, der in die Zeit hineinragte und mich Stück um Stück zum wilden Teil meiner selbst brachte, zu jenem Stück Garten, das man nie besucht und wo Gestrüpp und Unkraut das Regiment übernommen haben.

Die Wildnis hat ihre eigene Architektur und ihre eigenen Gesetze.

Wild zu sein bedeutet nicht, die Kontrolle zu verlieren. Nein, es bedeutet intuitiv kraftvoll zu sein und diese Kraft wird gespeist von dem Wissen, innere Ressourcen zu mobilisieren, von denen man bisher vermutet hat, dass sie da sind, aber es eben nicht genau wusste.

Es bedeutet mehr Bodenhaftung zu haben, mehr Mut, mehr Souveränität, mehr Fülle, mehr Vertrauen darin, sich zu helfen zu wissen.

Es ist das Wissen, dass wir einen Sinn für das Überleben haben, den wir zwar nicht mehr nutzen, weil es uns einfach in diesem Teil der Welt  so gut geht und wir so viele Annehmlichkeiten in unserem Leben haben, dass wir nie dazu kommen, es auszuprobieren. Dass wir nie wissen, was wir alles überleben können und infolgedessen haben wir Angst, es könnte uns etwas zustoßen.

An und für sich bin ich kein besonders ängstlicher und auch kein besonders angepasster Mensch, und doch, im Angesicht dieses Duftes kommt so etwas wie Wagemut hervor, die Lust, sich zu widersetzen, die Streitaxt auszupacken, wenn es notwendig ist. Und auch die Lust, die wilde Seele zu nähren, ein Feuer zu entzünden, Räucherwerk zu verbrennen, sich die Hände schmutzig zu machen, barfuß zu gehen, mit den Wölfen zu heulen, zu tanzen und aus voller Inbrunst zu lachen und noch so einiges anderes…

Inzwischen finde ich zwar immer noch, dass der Kreuzkümmel etwas Schwülstig-Schweißiges hat, aber die wilde und animalische Seite in mir wird mir dadurch jedes mal wieder stark bewusst. Die wilde, ungebremste, bodennahe Kraft, die dann zu spüren ist,  fühlt sich an als ob man von einer sehr langen Reise endlich Heim kommt – zum ältesten Ort, der in einem selbst existiert.

Affirmation: „Gute Mädchen/Jungs kommen in den Himmel, wilde Mädchen/Jungs kommen überall hin!“

Duft: Cuminum cyminum, Ägypten

Verwendeter Pflanzenteil: Samen

Gewinnung: Destillation

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We are the dreamers of dreams – Düfte zum Träumen

28 Feb

serendipMeerjungfrau(en) ist mit Abstand der am häufigsten gesuchte Begriff, durch den Leser auf diesen Blog gelangen.

Ich hatte einmal einen Artikel zum Baden mit ätherischen Ölen metaphorisch mit Der Duft der Meerjungfrauen betitelt.

Seitdem erinnert mich die Meerjungfrau, dieses  eben-so liebreizende wie un-heimliche Fabelwesen, täglich daran, dass die Menschen da draußen allem Anschein nach auf der Suche nach dem Fabelhaften sind. Und zugegeben, ich bin es auch.

Es ist vielleicht die Sehnsucht nach dem Wunder, dem Unerklärlichen, dem Ungewöhnlichen, dem Märchen und den alten Geschichten, die als archetypische Repräsentationen in uns wohnen.

Es ist dieses Gefühl, dieser kurze Moment, in dem die Realität einen besonderen Glanz erhält, dieses Funkeln und Glitzern, verdichtet in einer symbolhaften Kreation.

Was passiert wenn dieser fantastische Funke doch irgendwie in die normale Realität überschlagen würde?

Dann träumen wir. Und wenn wir träumen, dann ist das Unmögliche möglich und wir sind unserer Seele ganz nah. Der Rahmen, in dem man sich normalerweise bewegt, löst sich auf und formt sich neu. Die Seele jongliert mit verschiedenen Elementen des Erlebten, setzt sie neu zusammen, lässt mal etwas fallen und fügt Neues hinzu.

Widersprüchliches kann nebeneinander existieren, wir entwickeln Kräfte, von denen wir nichts wussten, sprechen fremde Sprachen, die im richtigen Leben gar nicht existieren, üben Berufe aus, die wir nie erlernt haben, retten Leben, gehen unter, stehen wieder auf, sind reich oder arm, berühmt, Waisenkinder oder ein Tier, wir erleben Dimensionen des Seins, von deren Existenz wir im normalen Leben nichts wissen.

Und doch – leben alle diese Versionen von uns selbst tief im Inneren der Seele als Quelle der Kraft, als Ressourcen als Möglichkeit zu sich selbst zu finden. Immer wieder, jede Nacht aufs Neue.

In jedem Fall zeigt der Traum, dass wir viel mehr sind, als wir glauben, dass wir viel mehr können, als wir uns zutrauen und dass wir viel mehr wissen, als gedacht.

Düfte eignen sich hervorragend dazu, die Welt der Träume und gleichzeitig das Reich der Nachtseele zu erkunden. Mit der Anwendung ätherischer Öle habe ich immer wieder beobachtet, dass…

  • ich mich viel besser an meine Träume erinnern kann
  • die Träume farbiger, plastischer und ereignisreicher waren
  • die Träume oft ein bestimmtes Thema hatten (das sich manchmal über mehrere Traumnächte fortsetzte)
  • die Träume sich sehr echt anfühlten
  • die Erinnerung an Träume mit manchen Düften ganz ausblieb, kombiniert mit tiefer Regeneration

Die besten Erfahrungen habe ich mit Düften gemacht, bei denen subjektiv das Gefühl entsteht, dass der Körper tief in das Federbett einsinkt, während der Geist ganz leicht wird und in die entgegen gesetzte Richtung wie der Körper strebt:

Ein Sofa im Garten Eden – Römische Kamille

Miss Mille Fiori – Jasmin

Die Muse – Muskatellersalbei

Das alles sehende Auge – Osmanthus

Die Sternenprinzessin – Sternanis

Der Paradiesvogel – Tonka

Für den tiefen, regenerativen Schlaf:

Die Wurzelfrau – Vetiver

Ein Kurs in Wundern – Narde

Spiegel aus Holz – Zeder

Meister der Stille – Weihrauch

Als Massageöl, Bad oder Inhalation vor dem Schlafengehen.

Vor dem Schlafengehen sollte man sich fest vornehmen, sich am nächsten Morgen an den Traum zu erinnern. Am besten, man legt sich ein Traum-Tagebuch auf das Nachtkästchen und notiert sofort nach dem Aufwachen seine Eindrücke.

Bleibt nur noch die Frage: Träumen wir die Träume oder träumen sie uns?

Die Silberperlen Sensation – Wintergrün

15 Dez

Silberperlen ArtistWintergrün ist als Duft eigenartig, intensiv und expansiv und hat die Farbe Vintage-Rosa.

Seit einiger Zeit trage ich das Fläschchen in meiner Handtasche mit herum, in der Wintergrün dann ungefragt diverse Zeitschriften und andere Objekte dezent beduftet hat und überdies hinaus immer wieder aus der Tasche „heraus roch“. Und das alles bei geschlossenem Deckel.

Diese sehr gerade und zielstrebige Art auf sich aufmerksam zu machen, spiegelt sich auch in der körperlichen Wirkung wieder, die ich immer wieder ähnlich erlebt habe.

Einfach ausgedrückt nimmt Wintergrün den Schmerz, beseitigt Müdigkeit und Erschöpfung und lässt die Last, die man gerade zu tragen hat, irgendwie leichter erscheinen als zuvor. Oder umgekehrt lässt es erkennen, dass eine Last da war, die man selbst gar nicht so wahrgenommen hat. Schultern und Nacken waren tatsächlich auch die intuitiv gewählten Körperbereiche, die ich mit dem Wintergrünöl behandelt habe.

Wenn das Öl beginnt, durch die Hautschichten zu wandern, fühlt sich dies an wie kühles Silber.  Beim Hineinspüren in meinen Körper hatte ich den Eindruck von Silberperlen, die  langsam in geraden Bahnen kühlend und prickelnd durch die Schichten im Gewebe gleiten und eine prickelnde Gänsehaut- Sensation auslösen.

Es sind Mikroimpulse, die im Gewebe einiges in Bewegung bringen, die im ganz Kleinen verhärtete Strukturen aufbrechen und sich Platz machen, um weiter in die Tiefe zu gleiten. Die Silberperlen sind glatt und geschmeidig und sind von hellem Mondschein umgeben.

So fühlt sich also die berühmte schmerzlindernde Wirkung dieses Duftes an. Eine aufputschende Wirkung konnte ich persönlich nicht feststellen. Auch die Anwendung vor dem Einschlafen habe ich als sehr angenehm empfunden.

Wintergrün ist in meiner Wahrnehmung wie ein schattiger Platz in der Hitze des Hochsommers, wie ein Bad im sanften Licht des Mondes oder das Eintauchen in die Silberperlen-Sensation. Kraftvoll und sanftmütig zugleich.

Hinweis: Da das Öl sehr kühlend wirkt, ist es nichts für Leute, die schnell frieren. Auch bei  Salicylat-Unverträglichkeit unbedingt meiden. Obwohl die Pflanze Wintergrün heißt ist sie vielleicht eher etwas für den Sommer.

Affirmation: „Wohltuende Kühle durchströmt mich!“

Duft: Gaultheria fragrantissima

Verwendeter Pflanzenteil: Blätter

Gewinnung: Wasserdampfdestillation

Ernte, was du säst – säe, was du erntest!

4 Sep
Lavendel, Muskatellersalbei, Thai-Basilikum

Von links nach rechts: Lavendel, Muskatellersalbei, Thai-Basilikum

Manchmal liegt in den einfachsten, selbstver-ständlichsten Dingen in nächster Nähe das größte Wunder verborgen.

Zum Beispiel in einem Samenkorn.

Im Samenkorn ist alles, um neues Leben entstehen zu lassen.

Licht, Liebe, Energie, ein Wachstumsplan, Zuver-sicht und absolute Furchtlosigkeit.

Ist es nicht faszinierend, dass man in einer Streichholzschachtel einen ganzen Kräutergarten mitnehmen könnte? Vor Ort braucht man die Samen nur zu säen und sich um sie kümmern.

Jedes Jahr lasse ich einen Teil meiner Duftkräuter wachsen wie sie wollen. Wenn die Pflanzen zur Blüte kommen, stecken sie ihre ganze Kraft in die Kreation der Samenkörner, eine kluge Investition in die Zukunft. Sollte die Pflanze durch einen harten Winter sterben, wird sie im Frühjahr  durch die Fülle an Samen wie der Phönix aus der Asche in neuem Glanz erstrahlen.

Nun, da die Luft am Abend kühler wird, die Heuballen auf den Feldern liegen und es langsam Herbst wird, ist es Zeit zu ernten, was man gesät hat. Der Kreislauf des Lebens schließt sich. Im Frühjahr wird gesät, im Herbst geerntet.

In Gesprächen erfuhr ich des Öfteren, dass Leute nicht wussten, dass die Hagebutte die Frucht der Rose ist und in ihr Samen enthalten sind. Oder, dass in den Blütenständen der Lippenblütler wie Basilikum, Salbei, Pfefferminze oder Lavendel nach der Blüte Samen gebildet werden. Gerade, wenn die Stiele und Blütenstände schon ganz vertrocknet aussehen, sind die Samen am besten.

Die einfache Regel lautet: Wo vorher die Blüte war, ist hinterher das Samenkorn versteckt.

Natürlich ist die Ernte der Samen mit Arbeit verbunden. Für mich persönlich ist es eine hoch philosophische Tätigkeit. Während ich die Samen aus den Samenkapseln und Blütenständen befreie, regen mich bezaubernde Duftwolken zum Nachdenken an. Über den Kreislauf des Lebens, die Jahreszeiten, die Furchtlosigkeit der Pflanzen, den bevorstehenden Winter, die Überwindung der Dunkelheit, die Fülle und pralle Energie der Samenkörner.

Das ermutigende Fazit: wenn du all deine Energie in die Kreation deiner Ideen/Wünsche/Projekte steckst, dann wird dein Leben in voller Pracht erblühen.

Was kann man alles mit der eigenen Ernte anfangen?

  • Samenkörner verpacken und beschriften, im nächsten Frühjahr wieder aussäen
  • mit den Stielen und Blütenständen Zucker und Salz aromatisieren
  • eine eigene Räuchermischung herstellen und zum Erntedankfest verräuchern
  • ein Potpourri herstellen
  • ein Traumkissen anfertigen

Ich teile meine Ernte mit euch:

Dieses Jahr habe ich so viele Samenkörner geerntet, dass ein Teil davon in die große, weite Welt hinaus will. Wenn du also einen Samenkorn-Überraschungsbrief erhalten möchtest, sende mir eine Email mit deiner Adresse oder hinterlasse einen Kommentar auf Facebook. Dies ist ein Geschenk von mir an dich und kein Trick ,um an deine Adresse zu gelangen.

Es gibt Samen von verschiedenen Basilikumarten, weiße Zitronenmelisse, Muskatellersalbei, Lavendel, Gummibärchenblume uvm…

Düfte der Erinnerung – Smell Workshop mit Junsoo Ban

21 Aug

Der Geruchssinn ist eng an persönlich(st)e Erinnerungen gekoppelt. Ein vertrauter Duft lässt lebendige Szenarien aus der Ver-gangenheit vor dem inneren Auge entstehen. Man ist plötzlich Teil eines holographischen Geschehens und detailreiche Eindrücke erwachen zu neuem Leben, als wäre es gerade erst gestern gewesen.

Anlässlich der Ausstellung Sensorium im  Mudam hatte ich das Glück am letzten Samstag am Smell Workshop mit dem Künstler Junsoo Ban teilzunehmen.

In dem Workshop ging es darum, eine bestimmte Erinnerung anhand von Gerüchen zu rekonstruieren. Die zentrale Frage lautete:

Wie kann ein Geruch Gestalt annehmen?

Junsoo Ban hat in seiner künstlerischen Auseinandersetzung ein Objekt entwickelt, mit dessen Hilfe sich duftende Erinnerungen materialisieren und räumlich anordnen lassen. Im Workshop durften alle TeilnehmerInnen so ein Objekt bauen und ihrer duftenden Erinnerung freien Lauf lassen.

  • Hierzu wurden zunächst Würfel aus festem Papier in verschiedenen Größen hergestellt.
  • Dann wurden die Würfel beduftet
  • und schließlich auf einem quadratischen oder rechteckigen Fundament aus fester Pappe angeordnet (siehe Bild oben)

Die verwendeten Düfte stammen aus der Fragrance Library. Hierbei handelt es sich um synthetische Düfte, die Düfte aus der realen Welt nachahmen.

Hier findet man viele originelle Duftkomponen-ten wieder, die Teil des alltäglichen Lebens sind und somit auch Teil einer Erinnerung sein können.

Für den Workshop standen 30 Düfte zur Auswahl, z.B. Gras, Heu, Lavagestein, Schmutz, Staub, Vinyl, Sattel, Seife, Pfeifentabak, Farbe, Apfelblüte, Kaugummi, Play-doh, Kleber, Babypuder, geputzte Fenster, Swimming Pool, Sonnencreme, Holy Water, Holy Smoke,  salzige Luft, Brot, Gewächshaus, Schnee oder Regen. Die meisten Düfte rochen sehr echt, einige zwar angenehm, aber nicht ganz authentisch.

Zum Abschluss durften alle TeilnehmerInnen die verschiedenen Objekte reihum erschnuppern. Beim Riechen verbanden sich die einzelnen Duftkomponenten zu einem ganz eigenen, charakteristischen Parfum.

Unter den entstandenen Werken waren Erinnerungen aus der Kindheit, der Duft geliebter Menschen, schöne Momente oder abstrakte Konzepte wie Freiheit.

Diese Methode hat mich sehr inspiriert und ich werde sie sicherlich schon bald mit ätherischen Ölen ausprobieren. Mir schwebt vor, die Düfte der Garrigue, Australiens oder Madagascars auf einem Duftkontinent à la Junsoo Ban zu vereinen.

Die Wandersfrau – Myrte Anden

29 Jun

Von Myrte Anden geht ein angenehmes tiefes Aroma von herben Waldbeeren und dürren Ästen  aus. Dieser Duft behält seine tiefsten Geheimnisse für sich aber gerade deswegen fühlt man sich darin so geborgen, angekommen, fast beheimatet.

Immer wieder tauchen ganze Bildsequenzen vor meinem inneren Auge auf, in denen ich mich auf Wanderschaft befinde und gerade in dem Moment, in dem ich nicht mehr genau weiß wo ich hin muss, begegne ich auf dem Weg immer wieder einer leuchtenden Frauengestalt im bunten Gewand.

Ich frage sie nach dem Weg und immer wieder erhalte ich dieselbe Antwort:“Wenn du nicht mehr weiter weißt, dann kehre um und gehe bis zu dem Punkt, an dem du dich wieder auskennst. So wie man in das Labyrinth hineingeht, findet man auch wieder hinaus!“

Eine ganze Weile haben mich diese Sätze beschäftigt und ich denke das Thema von Myrte Anden ist die Umkehr, das Aufsuchen eines vertrauensvollen Zustandes bzw. der Rückzug zum Kern des Urvertauens, von dem aus man achtsam einen Schritt vor den anderen setzt. Ich glaube, die geheimnisvolle Wandersfrau am Wegesrand repräsentiert eine wegweisende Kraft, die der inneren Stimme Gestalt verleiht.

Manchmal gerät man ja trotz bester Vorsätze auf einen Weg, den man eigentlich gar nicht einschlagen wollte. Einige Wege führen auch in eine Sackgasse und viele Wege gehen wir trotz besseren Wissens weiter und zwar bis zum bitteren Ende. Dabei ist Myrte Anden nicht nur ein Duft für größere Irrfahrten, sondern auch für die kleineren Irrungen und Wirrungen der täglichen Kommunikation.

Myrte Anden schenkt der inneren Stimme einen klaren, lauten und suggestiven Klang, so dass man ihrem Ruf nicht widerstehen kann. Die Myrten-Frau am Wegesrand schenkt den Mut zur rechtzeitigen Umkehr, wenn man sich einmal verirrt hat oder auf einen unguten Pfad geraten ist. Umkehren, hört sich ganz einfach an: anhalten, umdrehen, zurück gehen und das, was gerade noch vor einem lag hinter sich lassen.

Tatsächlich ist ein Labyrinth im eigentlichen Sinn ein verschlungener Weg ohne Verzweigungen, der unter regelmäßigem Richtungswechsel zum Mittelpunkt führt. Es gibt nur einen einzigen Weg, auf dem man entweder vor oder zurück gehen kann, nur verlaufen kann man sich nicht.

Myrte Anden führt immer wieder zurück zur eigenen Mitte, erinnert an die eigene klare Linie und daran, dass der Weg zurück manchmal der bessere ist!

Affirmation: „So wie ich hinein gefunden habe, so finde ich auch wieder heraus!“

Duft: Myrtus communis, Peru

Verwendeter Pflanzenteil: Zweige

Gewinnung: Destillation

Ceridwen’s Kessel – echter Salbei

30 Mai

Windstille des Herzens gepaart mit großer Achtsamkeit und Vitalität der Gedanken lassen mich in eine heilsame Höhle eintreten. Dort hängt der große, geheimnisvoll blubbernde Kessel Ceridwen’s über dem Feuer.

Einer keltischen Sage nach braute Ceridwen in ihrem magischen Kessel einen Trank, der ihren Sohn zum weisesten aller Wesen machen sollte.

Das Bild des nährenden Kessels, der Weisheit, Inspiration und Nahrung für die Seele schenkt, wird durch das ätherische Salbeiöl sehr schön aufgegriffen.

Der Geist ist angeregt, jedoch nicht aufgeregt, das Herz schlägt gleichmäßig und ist deutlich in der Mitte des Brustkorbs wahrnehmbar. Gedanken, Herzschlag und Atmung bilden eine starke, zentrierende Achse, eine Allianz der wachen Ruhe.

Im Salbeiöl sehe ich eine reife Frauengestalt, eine Heilerin und eine gute, wenn auch strenge und konsequente Lehrerin. Sie verkörpert das alte alchemistische Prinzip Solve et coagula – löse und binde!

Darunter verstehe ich die Analyse, Trennung und Auflösung einer Eigenschaft und das anschließende Zusammenfügen der einzelnen Teile zugunsten eines besseren Ergebnisses.

Im Spiegel höchster Konzentration kommt es zu einem inneren Klärungs- und Reinigungsprozess und zu einem ehrlichen Blick auf das eigene Spiegelbild. Salbei lässt keine Selbsttäuschung zu. Was man bekommt, ist die Wahrheit über sich selbst.

Negative Seelenzustände werden gelöst und erlöst, positive Seelenzustände werden anerkannt und eingeladen zu bleiben. Mit diesem Reifungsprozess stellt sich ein autarkes Gefühl der Souveränität, Authentizität und der inneren Stärke ein.

Mit Salbei lernt man, von sich selbst zu lernen und die eigene Wahrheit, die wie alles im Universum  stetiger Veränderung unterworfen ist, immer wieder im eigenen Spiegelbild zu erkennen.

Salbei ist ein Duft wie ein Fels in der Brandung mit einer sehr starken Duftpersönlichkeit. Nur ein einziger Tropfen reicht für ein ganzes Königreich der Inspiration.

Es ist kein Duft für den Alltag, sondern eher für bestimmte Momente und Phasen der Veränderung und des Lernens, in denen es nötig ist, die eigene Identität zu stärken und sich selbst zu erkennen und wiederzufinden.

Ebenso hilft der Duft, alte Narben endgültig zu heilen und zu erkennen, dass  mit bestimmten (schmerzhaften) Lebenserfahrungen eine Einladung zur Veränderung oder Umkehr ausgesprochen wird.

Der einschränkende, klärende und reduzierende Effekt von Salbei kann wohltuenden Durchblick bei unkontrollierbaren Gedanken- und Gefühlswellen bringen.

Affirmation: „Ich trinke aus der Quelle innerer Weisheit!“

Duft: Salvia officinalis, Portugal

Verwendeter Pflanzenteil: Kraut

Gewinnung: Destillation

Hinweise:

Obwohl ich die Eigenschaften von Salvia officinalis sehr schätze, muss auch ich an dieser Stelle zur Achtsamkeit im Umgang mit dem Duft mahnen. Der sehr hohe Monoterpenketongehalt (überwiegend Thujon) regt die Nerventätigkeit stark an und ist für Epileptiker, Kinder und Schwangere tabu.

Sogar und gerade in einer sehr geringen Dosierung (0.5%) kann Salbei seine wohltuenden und erkenntnisfördernden Eigenschaften vollkommen entfalten. In dieser geringen Dosierung sind keine Nebenwirkungen für gesunde Erwachsene bekannt.

Die Warnhinweise sind natürlich berechtigt, trotzdem finde ich es schade, dass dieser wundervolle Duft aufgrund einer undifferenzierten Betrachtungsweise vielerorts gar nicht zur Anwendung kommt.

Fleurs de Sel – Duftende Peelings mit Meersalz

16 Mai

Peelings von links nach rechts, hintere Reihe Mystery (lila), Waldzauber (grün), Happy Hour (Orange). Vorne Kickstart (gelb).

Eine der wundervollsten Anwendungen mit ätheri-schen Ölen sind für mich die Peelings.

Die Vielfalt der Rezepturen ist grenzenlos, die Her-stellung simpel und die erzielten Effekte reichen von A wie atemberaubend bis Z wie zarte Haut.

Peelings sind erfrischend, erneuernd und belebend. Ideal für den frühen Mor-gen oder für den frühen Abend nach einem anstrengenden Tag, für Reinigungsrituale und zur Hautpflege. Je nach Stimmung lässt sich eine passende Duftmischung zaubern.

Ich persönlich liebe die klärende Kraft des Meersalzes in Kombination mit pflegenden, pflanzlichen Ölen als Körperpeeling. Für ein Gesichtspeeling eignet sich brauner Zucker sehr gut.

Als weitere Zutaten eignen sich Honig, Heilerde, im Mörser pulverisierte Blätter von Duftpflanzen, Weizenkleie, Haferschrot, Kichererbsenmehl uvm.

Als pflanzliche Öle eignen sich Mandelöl, leichtes Olivenöl, Jojobaöl, Sonnenblumenöl

Aber wie gesagt, der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt…

Rezepte für duftende Meersalzpeelings

Grundrezept: je 1 EL Meersalz und 1 EL pflanzliches Öl.

Nach der Herstellung in Gläser abfüllen. Die Peelingmischungen halten sich mehrere Wochen.

Happy Hour            

stimmungsaufhellend, energetisierend, durchblutungsfördernd                        

  • 6 EL Meersalz
  • 6 EL Olivenöl
  • 4 Tr. Ingwer
  • 12 Tr. Orange
  • Lebensmittelfarbe gelb und rot

Herstellung: Das Meersalz in eine Schüssel geben, dann das pflanzliche Öl zugeben und gut mischen. Dann die Düfte zugeben und gut mischen. Zum Färben Lebensmittelfarbe nach Belieben zugeben.

  Kickstart

von 0 auf 100

  • 6 EL Meersalz
  • 6 EL Olivenöl
  • 3 Tr. Lorbeer
  • 3 Tr. Rosmarin cineol
  • 8 Tr. Zitrone

Herstellung: Das Meersalz in eine Schüssel geben, dann das pflanzliche Öl zugeben und gut mischen. Dann die Düfte zugeben und gut mischen.

Waldzauber

erfrischend, wie ein Waldspaziergang

  • 6 EL Meersalz
  • 6 EL Olivenöl
  • 11 Tr. Waldkiefer
  •  3 Tr. Sibirische Fichte
  • 7 Tr. Grapefruit
  • Lebensmittelfarbe grün

Herstellung: Das Meersalz in eine Schüssel geben, dann das pflanzliche Öl zugeben und gut mischen. Dann die Düfte zugeben und gut mischen. Zum Färben Lebensmittelfarbe nach Belieben zugeben.

Mystery

beruhigend, einhüllend, geheimnisvoll

  • 6 EL Meersalz
  • 6 EL Olivenöl
  • 3 Tr. Sandelholz
  • 4 Tr. Tolubalsam
  • 1 Tr. Vetiver
  • Lebensmittelfarbe blau und rot

Herstellung: Das Meersalz in eine Schüssel geben, dann das pflanzliche Öl zugeben und gut mischen. Dann die Düfte zugeben und gut mischen. Zum Färben Lebensmittelfarbe nach Belieben zugeben.

Wie wird das fertige Peeling verwendet?

Die Haut kurz abduschen. Das Peeling auf die nasse Haut auftragen und einmassieren, dann alles gut abduschen und nach dem Duschen gut abtrocknen. Durch das beigefügte Pflanzenöl bleibt ein rundum gepflegtes Gefühl auf der Haut zurück.

Das Aroma Journal wünscht viel Freude bei der Zubereitung und viel Spaß bei der Anwendung!

Vom Haben zum Sein – in der Dufterfahrung

6 Feb

Was wir haben, das soll uns keiner mehr wegnehmen. Der Besitz spielt in unserer Kultur eine wichtige Rolle, so dass wir sogar unsere Krankheiten besitzen und indem wir das tun, distanzieren wir uns gleichzeitig von ihnen.

Der Psychoanalytiker Erich Fromm beschreibt dies in seinem Werk „Haben oder Sein“ so:

Abgesehen von Menschen gibt es eine endlose Reihe von Dingen und sogar Gefühlen, die als Eigentum erlebt wer-den, zum Beispiel Gesundheit und Krankheit.

Leute, die über ihre Gesundheit sprechen, tun es im Gefühl des Besitzes. Sie sprechen von ihren Krankheiten, ihren Operationen, ihren Behandlungen, ihrer Diät, ihren Medikamenten.

Damit die Krankheit aber wieder verschwindet, muss man in einen Prozess der Krankheitsverarbeitung und Krankheitsbewältigung eintreten. Dies bedeutet den Übergang vom Haben-Modus zum Sein-Modus und damit das Erleben verschiedener (möglicherweise unangenehmer) Zustände.

Der Sein-Modus ist am Lebendigen orientiert, an der schöpferischen Kraft im Menschen und mit Hilfe ätherischer Öle fällt es leichter, sich auf dem Weg vom „Haben“ zum „Sein“ zu machen.

Die Dufterfahrung bietet einen passenden Rahmen für Veränderungen und zudem die Möglichkeit, die Themen, von denen man sich bereits distanziert hat, näher kommen zu lassen, um dann erneut die Entscheidung treffen zu können, sie zu behalten oder sie loszulassen.

Die Düfte lenken die gesamte Aufmerksamkeit auf das Geschehen im Hier und Jetzt, im eigenen Selbst, im Körper, und fokussieren die Lebensenergie im Organismus darauf, Harmonie herzustellen. Im Zuge der Dufterfahrung erscheint das, was man zuvor als „Sicherheit“ behalten wollte vielleicht plötzlich als überflüssig.

Die Existenzweise des „Sein“ beschreibt Erich Fromm wie folgt:

Es bedeutet, sich selbst zu erneuern, zu wachsen, sich zu verströmen, zu lieben, das Gefängnis des eigenen isolierten Ichs zu transzendieren, sich zu interessieren, zu lauschen, zu geben.

Geruch – der Sinn der subjektiven Bewertung

5 Jan

Die Nase sitzt mitten im Gesicht und ragt in den Raum hinein.

Evolutionsbiologisch be-trachtet kommt damit dem Riechen eine zentrale Rolle in der menschlichen Wahr-nehmung von Aussenreizen zu.

Während der Geruchssinn in der menschlichen Ana-tomie in den ältesten Gehirnstrukturen fest verankert ist und unbeeindruckt nach wie vor seine Arbeit tut, wird dem Riechen im Zeitalter der IPhonisierung keine so große Bedeutung mehr beigemessen. Ist dies der Informationsflut zuzuschreiben? Oder eine Zivilisationskrankheit?

Das Riechen verbindet uns mit unserem archaischen Teil, mit dem Urmenschen in uns, der seinen Instinkten folgt, um das Überleben zu sichern. Der Geruchssinn ist gleichzeitig auch der Sinn der Intimität, des Sozialen und Zwischenmenschlichen. Das Riechen begleitet uns von der ersten bis zur letzten Sekunde unseres Lebens.

Mit Hilfe des Geruchssinns prüfen wir aus sicherer Entfernung und entscheiden zwischen „gut“ und „schlecht“, ein „vielleicht“ gibt es nicht.

Das Riechsystem arbeitet schnell, effektiv und entschieden, es zweifelt nicht, hadert nicht und filtert schädliche Einflüsse von außen noch ehe diese sich uns nähern oder wir sie uns einverleiben können.

Über das Riechen prüfen wir die Nahrung, die anschließend in den Körper gelangt ebenso wie den potentiellen Lebens- und Sexualpartner, dem wir dann näherkommen, wenn sie/er die Geruchsprüfung bestanden hat.

Wir riechen Gefahr, Angst, den genetischen Code einer Person, Krankheiten, die Familienzugehörigkeit und genau genommen saugen wir zu jeder Zeit, in jeder Situation, in jedem Raum den Duft der Umgebung und der darin befindlichen Menschen auf und – bewerten.

Wohlriechend/ übelriechend,  angenehm/unangenehm, sympathisch/ unsympathisch, genießbar/ungenießbar, ja oder nein. Was uns besonders positiv oder besonders negativ auffällt, merken wir uns ganz genau.

Die Evolution hat uns mit dem Riechen ausgestattet, um chemische Reize aus der Umwelt wahrzunehmen und zu analysieren und bei Bedarf Alarm zu schlagen.

Das sogenannte Bauchgefühl bzw. gefühlsmäßige Botschaften, von denen man nicht weiß, woher sie kommen, sind häufig das Resultat einer Geruchswahrnehmung. Was oft als „nur so ein Gefühl“ bezeichnet wird ist in Wahrheit eigentlich das Ergebnis verschiedener sehr präziser chemischer Analysen der (sozialen) Umweltbedingungen.

Das Riechen zeigt uns, wo wir willkommen sind, wo wir uns zugehörig fühlen, wo wir geborgen sind ,was uns gut tut, was uns schmeckt und was wir brauchen.

Wir müssen nur die Nase in die Luft strecken und horchen, was die Düfte der großen weiten und kleinen nahen Welt uns erzählen.

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