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Holy Smokes – Dufterfahrung zwischen Himmel und Erde

15 Jan

Räucher_zeremonieVom Duft durchdrungen, sichtbar, fühlbar, mit Haut und Haar, duftender Rauch im Raum. Die Atmosphäre füllt sich schnell mit meandernden, tanzenden Nebelschwaden.

Die Fingerspitzen riechen noch ein wenig nach Kohlestaub, während der Blick den tanzenden Mustern des Rauches folgt und der Geist sich in der Atmosphäre niederlässt.

Eine Räucherzeremonie ist eine sehr sinnliche Erfahrung. Der Duft wird sichtbar als Rauch, der nach oben steigt, der sich im Raum ausbreitet oder aus dem offenen Fenster in die kalte Winterluft entweicht.

Und in diesen Rauch und seine Bewegung lässt sich alles Mögliche hinein projizieren. Er wird zum Träger meiner Wünsche, meiner Gedanken und meiner Gefühle. Vielleicht lenkt er mich auch einfach vom Alltäglichen ab, vielleicht schaue ich ihm einfach nach und mache nichts.

Schon das Bereitstellen sämtlicher Utensilien und das Aufstellen meines kleinen Räucherkessels, die Auswahl des Räucherstoffes, das Entzünden der Kohle versetzt mich in eine feierliche Stimmung. Es markiert den Moment, in dem ich meine normale Form verlassen darf.

Ich blicke den Rauchkringeln hinterher und nutze die Symbolkraft des Rauches, mit dessen Hilfe ich mir Unsichtbares vor Augen führen kann und durch die sinnliche Berührung besser verstehen kann.

Das Symbol des duftenden Rauches hilft mir persönlich sehr gut bei folgenden Themen:

  • Wünsche formulieren
  • seelische Reinigung
  • Entspannung 
  • Loslassen und Abschied nehmen
  • Feste feiern

 Die Bedeutung erhält der Rauch durch das, was man selbst hinein gibt und was man sich dabei vorstellt. Daher macht es Sinn, sich für einen bestimmten Anlass sein eigenes Räucherritual auszudenken.

Die einen lieben es, die anderen hassen es. Eine Räucherung hat ihren ganz eigenen Charme. Ich persönlich liebe es, in dicken duftenden Nebelschwaden Verbindung zu jenem archaischen Ur-Menschen in mir aufzunehmen. Immerhin ist das Räuchern eine der ältesten Freizeitbeschäftigungen der Menschheit.

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Feenstaub und Engelskuss – Neroli Hydrolat

29 Nov

Leicht, süß und engelhaft rieselt der feine Nebel aus Orangenblüten auf mich nieder.

Wenn Feenstaub einen Duft hätte, dann wäre es bestimmt dieser und sein Klang wäre hell, klar und sphärisch wie Glöckchen, eine Harfe oder ein Xylophon.

Neroli ist ein sehr tröstlicher, heller Duft, als Hydrolat ist es an wohlwollender, einhüllender Zärtlichkeit kaum zu übertreffen – wie der Kuss eines Engels.

Mit dem Einatmen des Duftes entstehen Bilder einer friedvollen Atmosphäre, ein glitzernder, funkelnder, leuchtender feiner Nebel, der einen umgibt – ein Kleid aus lichtdurchfluteter Luft.

Mit dem wohlriechenden Neroli-Hydrolat geht alles ein bisschen leichter und die Welt sieht ein bisschen heller aus.

Es fühlt sich an, als bekäme man aus dem feinen hellen Nichts eine Hand gereicht, man legt die seine hinein und für einen Moment ist man eingehüllt und tröstlich gehalten in frei schwebender Leichtigkeit.

Am Ende bleibt das Gefühl zurück, dass alles gut ist wie es ist. Sehr einfach, sehr hell, fröhlich und konsequent wohltätig.

Das Engelhafte an diesem Duft ist womöglich die Erkenntnis, dass die unsichtbare Hilfe, die schützende Hand und die wohlwollende Zärtlichkeit aus dem eigenen Selbst herausströmen, einfach so.

Zum Weiterlesen hier der Beitrag zum ätherischen Öl Neroli

Affirmation: „Alles ist gut!“

Duft: Citrus aurantium amara, Hydrolat

Verwendeter Pflanzenteil: Blüten

Gewinnung: Wasserdampfdestillation

Ernte, was du säst – säe, was du erntest!

4 Sep
Lavendel, Muskatellersalbei, Thai-Basilikum

Von links nach rechts: Lavendel, Muskatellersalbei, Thai-Basilikum

Manchmal liegt in den einfachsten, selbstver-ständlichsten Dingen in nächster Nähe das größte Wunder verborgen.

Zum Beispiel in einem Samenkorn.

Im Samenkorn ist alles, um neues Leben entstehen zu lassen.

Licht, Liebe, Energie, ein Wachstumsplan, Zuver-sicht und absolute Furchtlosigkeit.

Ist es nicht faszinierend, dass man in einer Streichholzschachtel einen ganzen Kräutergarten mitnehmen könnte? Vor Ort braucht man die Samen nur zu säen und sich um sie kümmern.

Jedes Jahr lasse ich einen Teil meiner Duftkräuter wachsen wie sie wollen. Wenn die Pflanzen zur Blüte kommen, stecken sie ihre ganze Kraft in die Kreation der Samenkörner, eine kluge Investition in die Zukunft. Sollte die Pflanze durch einen harten Winter sterben, wird sie im Frühjahr  durch die Fülle an Samen wie der Phönix aus der Asche in neuem Glanz erstrahlen.

Nun, da die Luft am Abend kühler wird, die Heuballen auf den Feldern liegen und es langsam Herbst wird, ist es Zeit zu ernten, was man gesät hat. Der Kreislauf des Lebens schließt sich. Im Frühjahr wird gesät, im Herbst geerntet.

In Gesprächen erfuhr ich des Öfteren, dass Leute nicht wussten, dass die Hagebutte die Frucht der Rose ist und in ihr Samen enthalten sind. Oder, dass in den Blütenständen der Lippenblütler wie Basilikum, Salbei, Pfefferminze oder Lavendel nach der Blüte Samen gebildet werden. Gerade, wenn die Stiele und Blütenstände schon ganz vertrocknet aussehen, sind die Samen am besten.

Die einfache Regel lautet: Wo vorher die Blüte war, ist hinterher das Samenkorn versteckt.

Natürlich ist die Ernte der Samen mit Arbeit verbunden. Für mich persönlich ist es eine hoch philosophische Tätigkeit. Während ich die Samen aus den Samenkapseln und Blütenständen befreie, regen mich bezaubernde Duftwolken zum Nachdenken an. Über den Kreislauf des Lebens, die Jahreszeiten, die Furchtlosigkeit der Pflanzen, den bevorstehenden Winter, die Überwindung der Dunkelheit, die Fülle und pralle Energie der Samenkörner.

Das ermutigende Fazit: wenn du all deine Energie in die Kreation deiner Ideen/Wünsche/Projekte steckst, dann wird dein Leben in voller Pracht erblühen.

Was kann man alles mit der eigenen Ernte anfangen?

  • Samenkörner verpacken und beschriften, im nächsten Frühjahr wieder aussäen
  • mit den Stielen und Blütenständen Zucker und Salz aromatisieren
  • eine eigene Räuchermischung herstellen und zum Erntedankfest verräuchern
  • ein Potpourri herstellen
  • ein Traumkissen anfertigen

Ich teile meine Ernte mit euch:

Dieses Jahr habe ich so viele Samenkörner geerntet, dass ein Teil davon in die große, weite Welt hinaus will. Wenn du also einen Samenkorn-Überraschungsbrief erhalten möchtest, sende mir eine Email mit deiner Adresse oder hinterlasse einen Kommentar auf Facebook. Dies ist ein Geschenk von mir an dich und kein Trick ,um an deine Adresse zu gelangen.

Es gibt Samen von verschiedenen Basilikumarten, weiße Zitronenmelisse, Muskatellersalbei, Lavendel, Gummibärchenblume uvm…

Düfte der Erinnerung – Smell Workshop mit Junsoo Ban

21 Aug

Der Geruchssinn ist eng an persönlich(st)e Erinnerungen gekoppelt. Ein vertrauter Duft lässt lebendige Szenarien aus der Ver-gangenheit vor dem inneren Auge entstehen. Man ist plötzlich Teil eines holographischen Geschehens und detailreiche Eindrücke erwachen zu neuem Leben, als wäre es gerade erst gestern gewesen.

Anlässlich der Ausstellung Sensorium im  Mudam hatte ich das Glück am letzten Samstag am Smell Workshop mit dem Künstler Junsoo Ban teilzunehmen.

In dem Workshop ging es darum, eine bestimmte Erinnerung anhand von Gerüchen zu rekonstruieren. Die zentrale Frage lautete:

Wie kann ein Geruch Gestalt annehmen?

Junsoo Ban hat in seiner künstlerischen Auseinandersetzung ein Objekt entwickelt, mit dessen Hilfe sich duftende Erinnerungen materialisieren und räumlich anordnen lassen. Im Workshop durften alle TeilnehmerInnen so ein Objekt bauen und ihrer duftenden Erinnerung freien Lauf lassen.

  • Hierzu wurden zunächst Würfel aus festem Papier in verschiedenen Größen hergestellt.
  • Dann wurden die Würfel beduftet
  • und schließlich auf einem quadratischen oder rechteckigen Fundament aus fester Pappe angeordnet (siehe Bild oben)

Die verwendeten Düfte stammen aus der Fragrance Library. Hierbei handelt es sich um synthetische Düfte, die Düfte aus der realen Welt nachahmen.

Hier findet man viele originelle Duftkomponen-ten wieder, die Teil des alltäglichen Lebens sind und somit auch Teil einer Erinnerung sein können.

Für den Workshop standen 30 Düfte zur Auswahl, z.B. Gras, Heu, Lavagestein, Schmutz, Staub, Vinyl, Sattel, Seife, Pfeifentabak, Farbe, Apfelblüte, Kaugummi, Play-doh, Kleber, Babypuder, geputzte Fenster, Swimming Pool, Sonnencreme, Holy Water, Holy Smoke,  salzige Luft, Brot, Gewächshaus, Schnee oder Regen. Die meisten Düfte rochen sehr echt, einige zwar angenehm, aber nicht ganz authentisch.

Zum Abschluss durften alle TeilnehmerInnen die verschiedenen Objekte reihum erschnuppern. Beim Riechen verbanden sich die einzelnen Duftkomponenten zu einem ganz eigenen, charakteristischen Parfum.

Unter den entstandenen Werken waren Erinnerungen aus der Kindheit, der Duft geliebter Menschen, schöne Momente oder abstrakte Konzepte wie Freiheit.

Diese Methode hat mich sehr inspiriert und ich werde sie sicherlich schon bald mit ätherischen Ölen ausprobieren. Mir schwebt vor, die Düfte der Garrigue, Australiens oder Madagascars auf einem Duftkontinent à la Junsoo Ban zu vereinen.

Vom Haben zum Sein – in der Dufterfahrung

6 Feb

Was wir haben, das soll uns keiner mehr wegnehmen. Der Besitz spielt in unserer Kultur eine wichtige Rolle, so dass wir sogar unsere Krankheiten besitzen und indem wir das tun, distanzieren wir uns gleichzeitig von ihnen.

Der Psychoanalytiker Erich Fromm beschreibt dies in seinem Werk „Haben oder Sein“ so:

Abgesehen von Menschen gibt es eine endlose Reihe von Dingen und sogar Gefühlen, die als Eigentum erlebt wer-den, zum Beispiel Gesundheit und Krankheit.

Leute, die über ihre Gesundheit sprechen, tun es im Gefühl des Besitzes. Sie sprechen von ihren Krankheiten, ihren Operationen, ihren Behandlungen, ihrer Diät, ihren Medikamenten.

Damit die Krankheit aber wieder verschwindet, muss man in einen Prozess der Krankheitsverarbeitung und Krankheitsbewältigung eintreten. Dies bedeutet den Übergang vom Haben-Modus zum Sein-Modus und damit das Erleben verschiedener (möglicherweise unangenehmer) Zustände.

Der Sein-Modus ist am Lebendigen orientiert, an der schöpferischen Kraft im Menschen und mit Hilfe ätherischer Öle fällt es leichter, sich auf dem Weg vom „Haben“ zum „Sein“ zu machen.

Die Dufterfahrung bietet einen passenden Rahmen für Veränderungen und zudem die Möglichkeit, die Themen, von denen man sich bereits distanziert hat, näher kommen zu lassen, um dann erneut die Entscheidung treffen zu können, sie zu behalten oder sie loszulassen.

Die Düfte lenken die gesamte Aufmerksamkeit auf das Geschehen im Hier und Jetzt, im eigenen Selbst, im Körper, und fokussieren die Lebensenergie im Organismus darauf, Harmonie herzustellen. Im Zuge der Dufterfahrung erscheint das, was man zuvor als „Sicherheit“ behalten wollte vielleicht plötzlich als überflüssig.

Die Existenzweise des „Sein“ beschreibt Erich Fromm wie folgt:

Es bedeutet, sich selbst zu erneuern, zu wachsen, sich zu verströmen, zu lieben, das Gefängnis des eigenen isolierten Ichs zu transzendieren, sich zu interessieren, zu lauschen, zu geben.

Geruch – der Sinn der subjektiven Bewertung

5 Jan

Die Nase sitzt mitten im Gesicht und ragt in den Raum hinein.

Evolutionsbiologisch be-trachtet kommt damit dem Riechen eine zentrale Rolle in der menschlichen Wahr-nehmung von Aussenreizen zu.

Während der Geruchssinn in der menschlichen Ana-tomie in den ältesten Gehirnstrukturen fest verankert ist und unbeeindruckt nach wie vor seine Arbeit tut, wird dem Riechen im Zeitalter der IPhonisierung keine so große Bedeutung mehr beigemessen. Ist dies der Informationsflut zuzuschreiben? Oder eine Zivilisationskrankheit?

Das Riechen verbindet uns mit unserem archaischen Teil, mit dem Urmenschen in uns, der seinen Instinkten folgt, um das Überleben zu sichern. Der Geruchssinn ist gleichzeitig auch der Sinn der Intimität, des Sozialen und Zwischenmenschlichen. Das Riechen begleitet uns von der ersten bis zur letzten Sekunde unseres Lebens.

Mit Hilfe des Geruchssinns prüfen wir aus sicherer Entfernung und entscheiden zwischen „gut“ und „schlecht“, ein „vielleicht“ gibt es nicht.

Das Riechsystem arbeitet schnell, effektiv und entschieden, es zweifelt nicht, hadert nicht und filtert schädliche Einflüsse von außen noch ehe diese sich uns nähern oder wir sie uns einverleiben können.

Über das Riechen prüfen wir die Nahrung, die anschließend in den Körper gelangt ebenso wie den potentiellen Lebens- und Sexualpartner, dem wir dann näherkommen, wenn sie/er die Geruchsprüfung bestanden hat.

Wir riechen Gefahr, Angst, den genetischen Code einer Person, Krankheiten, die Familienzugehörigkeit und genau genommen saugen wir zu jeder Zeit, in jeder Situation, in jedem Raum den Duft der Umgebung und der darin befindlichen Menschen auf und – bewerten.

Wohlriechend/ übelriechend,  angenehm/unangenehm, sympathisch/ unsympathisch, genießbar/ungenießbar, ja oder nein. Was uns besonders positiv oder besonders negativ auffällt, merken wir uns ganz genau.

Die Evolution hat uns mit dem Riechen ausgestattet, um chemische Reize aus der Umwelt wahrzunehmen und zu analysieren und bei Bedarf Alarm zu schlagen.

Das sogenannte Bauchgefühl bzw. gefühlsmäßige Botschaften, von denen man nicht weiß, woher sie kommen, sind häufig das Resultat einer Geruchswahrnehmung. Was oft als „nur so ein Gefühl“ bezeichnet wird ist in Wahrheit eigentlich das Ergebnis verschiedener sehr präziser chemischer Analysen der (sozialen) Umweltbedingungen.

Das Riechen zeigt uns, wo wir willkommen sind, wo wir uns zugehörig fühlen, wo wir geborgen sind ,was uns gut tut, was uns schmeckt und was wir brauchen.

Wir müssen nur die Nase in die Luft strecken und horchen, was die Düfte der großen weiten und kleinen nahen Welt uns erzählen.

Duftende Helfer für Meditation und Innenschau

13 Dez

Ein stilles Plätzchen im botanischen Garten, Berlin, unweit der Schwarzkiefern

Jeder Duft erzählt seine eigene Geschichte, man muss nur aufmerksam lauschen.

Es sind Geschichten ohne Worte, magische Erlebnis-Pakete voller Gefühl, Bilder, Stimmung, Szenarien manchmal jenseits von Zeit und Raum, volle intensive, sinnliche Erfahrungen.

Das Besondere an der Meditation mit Düften ist, dass die Aufmerksamkeit auf bestimmte Themen gelenkt wird, die der jeweilige Duft vermittelt.

Deswegen eignet sich die Innenschau mit Düften besonders, wenn man sich mit einem bestimmten Thema intensiv beschäftigen möchte oder die Meditation energetisch mit einer bestimmten Qualität aufladen möchte. Dies können z.B. die Themen Liebe, Kraft, Schutz oder Freiheit sein.

Die nonverbale Duftbotschaft eignet sich auch wunderbar als Ergänzung zur Rezitation eines Gebets, Segensspruches oder Mantras oder für bewegte Formen der Meditation (Yoga, Geh-Meditation).

Auch die körperlichen Funktionen wie z.B. Blutdruck und Atmung werden durch Düfte ebenso beeinflusst wie der Gehirnstoffwechsel. So kann mit Hilfe verschiedener Düfte der Alltag verlassen und die meditative Entspannung leichter erreicht werden.

In der Stille, wenn man in sich selbst ein großes weites Feld aufmacht und Platz geschaffen hat, dann zeigen sich die Duftpersönlichkeiten in all ihrer Pracht und fungieren häufig als Begleiter, Lehrer und Informationsträger.

Eine Duftmeditation ist im Prinzip mit jedem Duft möglich, es gibt aber einige wunderschöne Düfte, die Ruhe, Weisheit, Kontemplation und Stille fördern und die Verbindung zum eigenen Wesenskern  unterstützen.

Eine kleine Auswahl  habe ich hier exemplarisch aufgelistet. Die Links führen zu den jeweiligen Einträgen im Aroma Journal:

Angelikawurzel: ist das ewige Licht in der Dunkelheit, erhellt Seele und Körper, agiert in der Meditation als Fackelträger, schenkt Mut, Kraft, bietet Schutz und macht Mut.

Vetiver: hilft sich im gegenwärtigen Augenblick fest mit der haltenden Erdenergie zu verbinden, sich zu verwurzeln, um dann nach oben wachsen zu können. Vetiver schenkt das Ur-Vertrauen, die Räume des eigenen Bewusstseins zu erkunden und dort seine Heimat zu finden.

Zeder: zentriert, macht die eigene tragende Achse spürbar, hilft, sich zu seiner vollen Größe aufzurichten und über sich selbst hinaus zu wachsen. Bietet Stabilität im Spiel der Wandlung und dient als fester Bezugspunkt für die wandernde Seele. Vertieft die Atmung, schenkt Ruhe und Umsicht.

Sandelholz: vergoldet das Herz, macht die Herzqualität erfahrbar, schafft Bewusstsein für die eigene Zeit und Zeitlosigkeit, sanfte Stütze auf dem spirituellen Weg, hält seine schützende Hand über den spirituell Suchenden, verbindet mit dem höheren Selbst und dem göttlichen Funken.

Rose: öffnet das Herz, weitet das Bewusstsein für die universelle Liebe, für Miteinander, Mitgefühl und Nächstenliebe, schenkt Herzenswärme, verbindet das eigene Selbst mit dem Kosmos und dem großen energetischen Netzwerk zwischen allen Lebewesen.

Weihrauch: führt in die Stille, befreit vom Lärm der Gedanken, beruhigt und vertieft die Atmung, lenkt Aufmerksamkeit auf die Atempausen, Ruhe dehnt sich aus, tiefes Vordringen zum eigenen Wesenskern möglich.

Narde: weitet die Wahrnehmung, unterstützt Sinnsuche, Auflösung von Dualität, Erfahrung des „All-Ein-Sein“, Spiel mit Raum und Zeit.

Die Beschreibung enthält eine selektive Auswahl einiger, jedoch lange nicht aller Eigenschaften der genannten Düfte, die aus meiner eigenen Erfahrung heraus bei der Duftmeditation eine Rolle spielen. Es kann durchaus sein, dass sich die Duftthemen bei anderen Meditierenden aufgrund der Wahrnehmung und des Lebenshintergrundes etwas anders zeigen, jedoch wird das archetypische Grundthema bestehen bleiben.

Für die Duftmeditation 3-5 Tropfen in die Duftlampe geben und den Duft in Meditationshaltung bewusst einatmen oder einen Tropfen des ätherischen Öls auf einen Wattebausch oder direkt auf die Handflächen geben, diese vor Mund und Nase halten und mehrmals tief einatmen.

 Duftmeditation in Stichworten…

Den Alltag verlassen – eine bequeme Sitz- oder Liegeposition einnehmen – die Augen schließen – ruhig und gleichmäßig (den Duft) einatmen – Sich öffnen – abwarten ohne zu erwarten – konzentriert bei sich bleiben – erleben.

Der Paradiesvogel – Tonkabohne

30 Aug

Der Duft der Tonkabohne lächelt mich geheimnisvoll an und erinnert mich an ein fernes Paradies.

Seit Tagen sammeln sich Eindrücke aus lebhaften Träumen, Sehnsüchten, Wünschen und Vorstellungen und nun sitze ich hier und versuche all das in Worte zu fassen.

Die Bilder und Träume, Gefühle und Stimmungen sind sehr klar erlebbar und doch scheinen mir die Worte dafür  immer wieder wie Sand durch die Finger zu rinnen.

Immer wieder finde ich mich jenseits meiner analytischen Seite, jenseits der Sprache, fernab meines Verstandes, der normalerweise rational und effektiv das Erlebte sinnhaft verdichtet und notiert.

Stattdessen sinke ich mit dem Tonka-Duft Nacht für Nacht in den tiefsten Schlaf, den ich kenne und reise, reise, reise…

Gefühlsmäßig habe ich innerhalb der letzten drei Tage im Traum schon mehrmals den Erdball umrundet.

Es scheint als habe ich im Schlaf mein eigenes Universum erkundet, sozusagen meinen eigenen Weltraum bereist und bin irgendwo da draußen in einer entfernten Galaxie, wo die Monde um die Planeten kreisen, den Anteilen meiner selbst begegnet, die ganz weit weg  von mir zu sein scheinen aber dennoch zu mir gehören.

Auf geheimnisvolle Weise fühlt sich die Ich-Identität durch die Arbeit mit dem Tonka-Duft komplett, ganz, integriert und gesammelt an. Es fühlt sich an, als wäre das Selbstbild plötzlich koloriert statt nur schwarz-weiß.

Immer wieder tauchen fragmentarisch Fetzen von einem idealen Leben auf, von Wünschen, die auf ihre Erfüllung warten, vom eigenen kleinen Paradies. Lauter bunte Perlen, die ich in mein Seelenkleid einwebe.

Gleichzeitig weiß ich natürlich, dass die größten Wünsche auch die größten Ängste in sich bergen, dass Paradies und Hölle ganz nah beieinander liegen. Und natürlich weiß ich, dass das sogenannte Paradies Ansichtssache ist. Ich weiß auch noch viel mehr, aber all dies geschieht durch meinen Verstand und der ist gerade ruhig gestellt bzw. tonkisiert.

Der Tonka-Duft ist wie ein Paradiesvogel, bunt, schillernd, exotisch, frei. Ich fühle mich eingeladen mitzufliegen und mein Universum zu überblicken. Besonders intensiv erlebe ich Gefühle, besonders plastisch tritt all das hervor, was ich mir wünsche, wonach ich mich sehne. Lauter kleine Juwelen, die mich schmücken.

Mit dem Tonka-Duft lerne ich den Stoff, aus dem meine Träume sind, besser kennen. Wünsche, die eben noch Galaxien entfernt waren, kommen gefühlsmäßig ganz nah an meine Realität heran. Ferne Aspekte meiner selbst werden durch meinen Wesenskern  magnetisch angezogen bis ich ganz und gar vollständig und vollendet bin, bis sich der letzte zu mir gehörige Partikel an mich schmiegt.

Alle Wahrnehmung dieses Zustandes gelingt nur auf der Ebene der Gefühle, Instinkte und archaischen Kräfte. Was ich spüre ist ein Urbild meiner Seele, als diese absolut unversehrt und perfekt war und nur eine Sache tat – da sein.

Die Tonka-Fee lächelt vielsagend und geheimnisvoll. Wir werden uns also wiedersehen – in einem anderen Traum vom Paradies.

Affirmation: „Ich erträume mein Paradies!“

Duft: Dipteryx odorata, Brasilien

Verwendeter Pflanzenteil: Frucht

Gewinnung: Alkoholextraktion

Grüne Flügel – Nanaminze

13 Aug

Duft und Erinnerung

Dieser Duft weckt sofort eine bestimmte Erinner-ung, die mein Bewusst-sein ausfüllt und zunächst alle anderen Wahrnehmungen überdeckt.

Der Geruch erinnert mich so sehr an einen schönen minzigen Kaugummi, dessen Geschmack sich genüsslich im Mund- und Rachenraum ausbreitet. Kurz nachdem man ihn in den Mund geschoben hat, auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Erfrischungsagent. Darauf folgen weitere Erinnerungen mit mir als Kaugummi-kauender Protagonistin.

Es gibt einige Düfte, die sofort Erinnerungen wachrufen, weil man ihnen in der Vergangenheit bereits häufig begegnet ist. Dies kann z.B. eine Wohnung, ein Haus oder ein Garten mit einem charakteristischen Duft sein, ein Lebens- oder Genussmittel, Bettwäsche, Kosmetikprodukte oder der Körpergeruch einer bestimmten Person. In diesem Fall ist es ein bestimmter Kaugummi, den ich vor allem als Jugendliche häufig konsumiert habe.

Die Verknüpfung zwischen Duft und Erinnerung ist so stark, dass es mir schwer fällt, die Erinnerungen aus meinem Bewusstsein zu schieben, um zu erspüren, welche Wahrnehmungen der Duft im Hier und Jetzt auslöst. Aber irgendwo befindet sich die Tür, die vom Hinterzimmer zur Empfangshalle des Duftes führt. Nach ein paar Tagen Geduld haben sich dann die Erinnerungen ausgetobt und es wird tatsächlich immer leerer in mir.

Grüne Flügel – Nanaminze

Der Duft erscheint mir als ein guter Begleiter, die Nana-Minze riecht voll, süß und würzig, natürlich auch minzig aber nicht stechend. Vielmehr strömt der Duft ein, weitet innerlich den Brustraum und fließt weiter in Schultern, Oberarme, Nacken, Hals und Hinterkopf.

Ein herrlich leichtes Gefühl stellt sich ein, eine vollständige Lockerung und Befreiung.

Ich versinke in einen Tagtraum.  Ich habe das merkwürdige Gefühl, dass sich an meinen Schulterblättern etwas verändert. Es gibt einen heftigen Ruck und mit einem Mal entfalten sich ein Paar grüne Flügel aus hell leuchtenden Minzblättern, die ungefähr doppelt so lang wie meine Arme sind. Diese wundersame Vorstellung versetzt mich in einen schwebenden Zustand, zieht mich nach oben, stimmt mich heiter und erwartungsvoll.

Ich habe den Eindruck, als würde ich einige Zentimeter über dem Boden schweben können, aber auch zwischen mir und meiner Umgebung hat sich ein unsichtbarer Zwischenraum von wenigen Zentimetern aufgetan.

Ich verstehe, dass mir die grünen Flügel nicht die Fähigkeit zum fliegen verleihen, sondern dass sie es mir erlauben, mich ein klein wenig über mich selbst zu erheben, um abgesehen von einem herrlich verrückten Gefühl der Schwerelosigkeit ein bisschen Distanz zu erlangen, welche dazu dient, sich leicht, befreit und flexibel zu fühlen.

In meiner Vorstellung legen sich die grünen Flügel nun um meinen Körper und ich spüre eine erfrischende Klarheit. Sämtliche negative Micro-Fasern werden von meiner Projektionsfläche abgestaubt. Und das ist eine Menge Wert. Wer keine Angriffsfläche für Konflikte bietet, wird in Frieden gelassen.

Manche Begebenheiten im Leben werden oft erst in dem Moment zum Problem, in dem man sie als Hindernis oder Problem identifiziert hat. Der Duft der Nana-Minze lehrt mich, diesen Begebenheiten mit mehr Leichtigkeit und Distanz zu begegnen und mit etwas Übung einfach darauf los und darüber hinweg zu schweben.

Affirmation: „Ich fühle mich leicht und frei!“ „Ich überschwebe jedes Problem!“

Duft: Mentha viridis var. nanah, Marokko

Verwendeter Pflanzenteil: Blätter

Gewinnung: Destillation

Ein Rosengarten hat auch Dornen

1 Aug

Die Arbeit mit Düften bietet unzählige Möglichkeiten sich selbst besser kennen zu lernen und sich persönlich weiterzuentwickeln.

Je weiter man das Fenster zur Innenwelt aufmacht, je mehr man dem Duft von sich als Reflexionsfläche zur Verfügung stellt, umso intensiver wird die Erfah-rung  und umso größer die Erkenntnis.

Die Wahrscheinlichkeit auf die Quelle starker Emotionen zu stoßen steigt direkt proportional mit der eigenen Bereitschaft, sich zu öffnen und der Lockerung der eigenen psychischen Abwehrprozesse, die als Schutzwall dienen.

Man könnte fast sagen, es handelt sich um ein Spiel zwischen Duft und Mensch, manchmal auch um ein Ringen, in jedem Fall aber um eine dynamische Interaktion, die am Ende zu einer Lösung führt. Das Besondere daran ist, dass der Duft den Menschen zwar oft an den Rand seiner Toleranzgrenze bringt, jedoch niemals darüber hinaus.

Manchmal ist man über die gewonnenen Einsichten jedoch alles andere als begeistert. Ein Grund dafür ist, dass man plötzlich mit einem Thema konfrontiert wird, das man bisher erfolgreich verdrängt hatte oder glaubte, dieses bereits abgeschlossen zu haben. Manchmal ist man erschrocken darüber, welche Gefühle und Bilder aus dem Unbewussten auftauchen können. Und manchmal ist man sprachlos in Anbetracht der Transparenz und Plastizität, in der einem eine eigene Problematik vor Augen geführt wird.

Für mich ist es immer wieder faszinierend wie solche Knackpunkte bzw. Dreh- und Angelpunkte der Psyche zielsicher durch Riechübungen mit ätherischen Ölen aufgespürt und aufgedeckt werden. Dies ist in der Regel eine Arbeit, die die Düfte für einen übernehmen. Aber dann kann es ganz schön anstrengend werden.

Denn die praktische Umsetzung der neu gewonnenen Erkenntnisse bleibt uns selbst in unserem eigenen Leben und in unserem eigenen Alltag überlassen. Kurz, die Drecksarbeit müssen wir selbst erledigen!

So mancher, der sich nur an dem betörenden Duft der Rose laben wollte, hatte hinterher eine Grundsatzdebatte über Beziehungsangst am Hals. Ein Rosengarten hat eben auch Dornen.

Nur dass es diese Dornen sind, die wir aus unserem Fleisch ziehen müssen und dass es diese Dornen sind, die oft schon viel zu lange fest stecken. Oft denkt man sich, warum muss nun ausgerechnet dieser Dorn auftauchen, im denkbar unpassendsten Moment?

Ich glaube die Antwort ist, dass man bereits angefangen hat, nach einer Lösung zu suchen, dies jedoch noch nicht in das Bewusstsein gelangt ist. Mit Hilfe der Düfte wird sowohl der Dorn erkannt aber gleichzeitig auch die Bereitschaft zur Lösung.

Aber noch wichtiger ist das Gefühl, dass man in seinem Lösungsprozess durch die Anwendung ätherischer Öle das Gefühl bekommt, es jetzt wirklich schaffen zu können, da sich der eigene Mut mit den Kräften des Duftes verbindet.

Die Arbeit mit Düften kann stark in die Tiefe gehen aber ebenso gut oberflächlich bleiben, dies entscheidet jeder im Moment des Riechens automatisch für sich.

Der eine geht in den Rosengarten, um zu schnuppern, der andere geht hin, um beherzt in die Dornen zu greifen.

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