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Wildniswissen – Kreuzkümmel

10 Jul
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Jeanswerbung Dr. Denim

Wer hat der zivilisierten Welt nur beigebracht so ängstlich und gleichzeitig so brav zu sein? Warum können wir nicht etwas wilder sein, die Schuhe ausziehen und einfach barfuß weitergehen, und im Kühlschrank nur das Essen für den nächsten Tag einlagern?

Vielleicht weil wir unser wildes Erbe, unser Wildniswissen vergessen haben. Im Grunde des Herzens oder vielleicht sogar darunter ist mit dem Duft des Kreuzkümmels ganz deutlich die wilde, animalische Natur des Menschseins zu spüren.

Die Reise zum wilden Teil scheint mir rückblickend wie ein langer Weg, den ich in kleinen Schritten zurücklegen musste. In dem Augenblick, als ich den Kreuzkümmel zum ersten Mal roch, machte sich in meinem Unbewussten ein Fährtensucher auf den Weg, um zu meiner Wildnis zu gelangen. Und im selben Moment dachte ich: „Oh mein Gott, das riecht wie Schweiß!“

Einmal ist es mir passiert, dass dieser Duft chamäleonartig seine Duftnoten geändert hat. Zuerst schwülstig schmalzig und sehr intensiv würzig, wenig später entströmte eine leichte Kirsch-Note, hin zu einer kompletten Wandlung zu kräftiger Minze gefolgt vom medizinischen Duft der Myrrhe.

Ich habe erlebt wie der Duft bis tief in die Gedärme vorgedrungen ist und vor dem inneren Auge ein lebhaftes Bild sich bewegender Darmwindungen des Dickdarms und Dünndarms entstanden ist. Der Geruch ist schwer auszuhalten, ein Anflug von Übelkeit streift die Wahrnehmung, im Kopf steigen sanfte Nebel auf. Benommen und übel, na toll.

Es war wie ein Verdauungsprozess, der in die Zeit hineinragte und mich Stück um Stück zum wilden Teil meiner selbst brachte, zu jenem Stück Garten, das man nie besucht und wo Gestrüpp und Unkraut das Regiment übernommen haben.

Die Wildnis hat ihre eigene Architektur und ihre eigenen Gesetze.

Wild zu sein bedeutet nicht, die Kontrolle zu verlieren. Nein, es bedeutet intuitiv kraftvoll zu sein und diese Kraft wird gespeist von dem Wissen, innere Ressourcen zu mobilisieren, von denen man bisher vermutet hat, dass sie da sind, aber es eben nicht genau wusste.

Es bedeutet mehr Bodenhaftung zu haben, mehr Mut, mehr Souveränität, mehr Fülle, mehr Vertrauen darin, sich zu helfen zu wissen.

Es ist das Wissen, dass wir einen Sinn für das Überleben haben, den wir zwar nicht mehr nutzen, weil es uns einfach in diesem Teil der Welt  so gut geht und wir so viele Annehmlichkeiten in unserem Leben haben, dass wir nie dazu kommen, es auszuprobieren. Dass wir nie wissen, was wir alles überleben können und infolgedessen haben wir Angst, es könnte uns etwas zustoßen.

An und für sich bin ich kein besonders ängstlicher und auch kein besonders angepasster Mensch, und doch, im Angesicht dieses Duftes kommt so etwas wie Wagemut hervor, die Lust, sich zu widersetzen, die Streitaxt auszupacken, wenn es notwendig ist. Und auch die Lust, die wilde Seele zu nähren, ein Feuer zu entzünden, Räucherwerk zu verbrennen, sich die Hände schmutzig zu machen, barfuß zu gehen, mit den Wölfen zu heulen, zu tanzen und aus voller Inbrunst zu lachen und noch so einiges anderes…

Inzwischen finde ich zwar immer noch, dass der Kreuzkümmel etwas Schwülstig-Schweißiges hat, aber die wilde und animalische Seite in mir wird mir dadurch jedes mal wieder stark bewusst. Die wilde, ungebremste, bodennahe Kraft, die dann zu spüren ist,  fühlt sich an als ob man von einer sehr langen Reise endlich Heim kommt – zum ältesten Ort, der in einem selbst existiert.

Affirmation: „Gute Mädchen/Jungs kommen in den Himmel, wilde Mädchen/Jungs kommen überall hin!“

Duft: Cuminum cyminum, Ägypten

Verwendeter Pflanzenteil: Samen

Gewinnung: Destillation

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Düfte der Erinnerung – Smell Workshop mit Junsoo Ban

21 Aug

Der Geruchssinn ist eng an persönlich(st)e Erinnerungen gekoppelt. Ein vertrauter Duft lässt lebendige Szenarien aus der Ver-gangenheit vor dem inneren Auge entstehen. Man ist plötzlich Teil eines holographischen Geschehens und detailreiche Eindrücke erwachen zu neuem Leben, als wäre es gerade erst gestern gewesen.

Anlässlich der Ausstellung Sensorium im  Mudam hatte ich das Glück am letzten Samstag am Smell Workshop mit dem Künstler Junsoo Ban teilzunehmen.

In dem Workshop ging es darum, eine bestimmte Erinnerung anhand von Gerüchen zu rekonstruieren. Die zentrale Frage lautete:

Wie kann ein Geruch Gestalt annehmen?

Junsoo Ban hat in seiner künstlerischen Auseinandersetzung ein Objekt entwickelt, mit dessen Hilfe sich duftende Erinnerungen materialisieren und räumlich anordnen lassen. Im Workshop durften alle TeilnehmerInnen so ein Objekt bauen und ihrer duftenden Erinnerung freien Lauf lassen.

  • Hierzu wurden zunächst Würfel aus festem Papier in verschiedenen Größen hergestellt.
  • Dann wurden die Würfel beduftet
  • und schließlich auf einem quadratischen oder rechteckigen Fundament aus fester Pappe angeordnet (siehe Bild oben)

Die verwendeten Düfte stammen aus der Fragrance Library. Hierbei handelt es sich um synthetische Düfte, die Düfte aus der realen Welt nachahmen.

Hier findet man viele originelle Duftkomponen-ten wieder, die Teil des alltäglichen Lebens sind und somit auch Teil einer Erinnerung sein können.

Für den Workshop standen 30 Düfte zur Auswahl, z.B. Gras, Heu, Lavagestein, Schmutz, Staub, Vinyl, Sattel, Seife, Pfeifentabak, Farbe, Apfelblüte, Kaugummi, Play-doh, Kleber, Babypuder, geputzte Fenster, Swimming Pool, Sonnencreme, Holy Water, Holy Smoke,  salzige Luft, Brot, Gewächshaus, Schnee oder Regen. Die meisten Düfte rochen sehr echt, einige zwar angenehm, aber nicht ganz authentisch.

Zum Abschluss durften alle TeilnehmerInnen die verschiedenen Objekte reihum erschnuppern. Beim Riechen verbanden sich die einzelnen Duftkomponenten zu einem ganz eigenen, charakteristischen Parfum.

Unter den entstandenen Werken waren Erinnerungen aus der Kindheit, der Duft geliebter Menschen, schöne Momente oder abstrakte Konzepte wie Freiheit.

Diese Methode hat mich sehr inspiriert und ich werde sie sicherlich schon bald mit ätherischen Ölen ausprobieren. Mir schwebt vor, die Düfte der Garrigue, Australiens oder Madagascars auf einem Duftkontinent à la Junsoo Ban zu vereinen.

Ceridwen’s Kessel – echter Salbei

30 Mai

Windstille des Herzens gepaart mit großer Achtsamkeit und Vitalität der Gedanken lassen mich in eine heilsame Höhle eintreten. Dort hängt der große, geheimnisvoll blubbernde Kessel Ceridwen’s über dem Feuer.

Einer keltischen Sage nach braute Ceridwen in ihrem magischen Kessel einen Trank, der ihren Sohn zum weisesten aller Wesen machen sollte.

Das Bild des nährenden Kessels, der Weisheit, Inspiration und Nahrung für die Seele schenkt, wird durch das ätherische Salbeiöl sehr schön aufgegriffen.

Der Geist ist angeregt, jedoch nicht aufgeregt, das Herz schlägt gleichmäßig und ist deutlich in der Mitte des Brustkorbs wahrnehmbar. Gedanken, Herzschlag und Atmung bilden eine starke, zentrierende Achse, eine Allianz der wachen Ruhe.

Im Salbeiöl sehe ich eine reife Frauengestalt, eine Heilerin und eine gute, wenn auch strenge und konsequente Lehrerin. Sie verkörpert das alte alchemistische Prinzip Solve et coagula – löse und binde!

Darunter verstehe ich die Analyse, Trennung und Auflösung einer Eigenschaft und das anschließende Zusammenfügen der einzelnen Teile zugunsten eines besseren Ergebnisses.

Im Spiegel höchster Konzentration kommt es zu einem inneren Klärungs- und Reinigungsprozess und zu einem ehrlichen Blick auf das eigene Spiegelbild. Salbei lässt keine Selbsttäuschung zu. Was man bekommt, ist die Wahrheit über sich selbst.

Negative Seelenzustände werden gelöst und erlöst, positive Seelenzustände werden anerkannt und eingeladen zu bleiben. Mit diesem Reifungsprozess stellt sich ein autarkes Gefühl der Souveränität, Authentizität und der inneren Stärke ein.

Mit Salbei lernt man, von sich selbst zu lernen und die eigene Wahrheit, die wie alles im Universum  stetiger Veränderung unterworfen ist, immer wieder im eigenen Spiegelbild zu erkennen.

Salbei ist ein Duft wie ein Fels in der Brandung mit einer sehr starken Duftpersönlichkeit. Nur ein einziger Tropfen reicht für ein ganzes Königreich der Inspiration.

Es ist kein Duft für den Alltag, sondern eher für bestimmte Momente und Phasen der Veränderung und des Lernens, in denen es nötig ist, die eigene Identität zu stärken und sich selbst zu erkennen und wiederzufinden.

Ebenso hilft der Duft, alte Narben endgültig zu heilen und zu erkennen, dass  mit bestimmten (schmerzhaften) Lebenserfahrungen eine Einladung zur Veränderung oder Umkehr ausgesprochen wird.

Der einschränkende, klärende und reduzierende Effekt von Salbei kann wohltuenden Durchblick bei unkontrollierbaren Gedanken- und Gefühlswellen bringen.

Affirmation: „Ich trinke aus der Quelle innerer Weisheit!“

Duft: Salvia officinalis, Portugal

Verwendeter Pflanzenteil: Kraut

Gewinnung: Destillation

Hinweise:

Obwohl ich die Eigenschaften von Salvia officinalis sehr schätze, muss auch ich an dieser Stelle zur Achtsamkeit im Umgang mit dem Duft mahnen. Der sehr hohe Monoterpenketongehalt (überwiegend Thujon) regt die Nerventätigkeit stark an und ist für Epileptiker, Kinder und Schwangere tabu.

Sogar und gerade in einer sehr geringen Dosierung (0.5%) kann Salbei seine wohltuenden und erkenntnisfördernden Eigenschaften vollkommen entfalten. In dieser geringen Dosierung sind keine Nebenwirkungen für gesunde Erwachsene bekannt.

Die Warnhinweise sind natürlich berechtigt, trotzdem finde ich es schade, dass dieser wundervolle Duft aufgrund einer undifferenzierten Betrachtungsweise vielerorts gar nicht zur Anwendung kommt.

Hüterin des Seelenkerns – Tuberose

20 Apr

Wenn sich die weißen Blüten der Nachthyazinthe öffnen, entströmt ihnen ein narkotischer, süßer und leicht würziger Duft mit einem Hauch von Zimt.

Die Tuberose agiert ähnlich wie Jasmin im Verborgenen, in der Nacht, im Urgrund der Seele. Mit ihr senkt sich der Schleier des narkotischen, tiefen Schlafes und geleitet die Seele durch die archaische Traumlandschaft – auch am Tag.

Mit Bestimmtheit dringt sie bis tief ins Innere vor bis an Orte, die man selbst nur selten besucht hat. Leise, geschmeidig, gleitend.

Über eine Woche hat der Duft der Tuberose Material aus meinen Seelentiefen geborgen und hat mir Zugang verschafft zu meinem emotionalen Gedächtnis. Sie hat eine Schleuse vom Herzen her geöffnet und verschiedene bedeutsame mit Herzblut vermischte Erinnerungen offenbart.

Im Beisein der Tuberose erinnert sich das Herz: gespeicherte Gefühle, die (noch immer) aus dem Unbewussten heraus das Leben im Hier und Jetzt zu beeinflussen wagen, werden aufgegriffen und gezeigt. Interessanterweise werden neben den größten Verlusten  und Enttäuschungen auch die größten Triumphe und Glücksmomente aus dem Seelenleben akquiriert. Die Süße neutralisiert die Bitterkeit!

Nach einigen Traumnächten mit Tuberose fühlt sich mein Unbewusstes plötzlich viel plastischer und vielschichtiger an. Es scheint als seien unter der normalen Traumlandschaft oder dem, was ich normalerweise als Unbewusstes wahrnehme, noch weitere, tiefere Schichten. Während ich tiefer sinke, glätten sich gleichzeitig die Wellen meiner emotionalen Seelenwelt, ein merkwürdiger Vorgang der Abstraktion setzt sich in Gang.

Es ist ein Schwellenbereich in mir, an dem die konkrete Wahrnehmung des Selbst ins Abstrakte übergeht, die Mündung, an der das Seelenschiff aufs offene Meer segelt, um in die unendliche Weite der Schöpfung einzutauchen.

Um mich herum wird es leer und leise, das ICH fühlt sich an wie eine kompakte pulsierende Kugel – mein Seelenkern. Dort spiegelt sich das eigene menschliche Sein in seiner hellsten und reinsten Form. Hüllenlos, bedingungslos, makellos, mühelos, unantastbar.

In den tiefsten Tiefen des Herzens glüht ein geheimer, ewiger Lebensfunke als Urform der eigenen Identität. Die Botschaft der Tuberose ist der Energieerhaltungssatz der Seele: alle Energie bleibt erhalten, nichts geht je verloren, alles wandelt sich und nimmt andere Formen an.

In der Duftlandschaft der Tuberose mag man sich verlieren, um sich am Ende wiederzufinden. Die als verloren geglaubten Splitter der Seele, können im neuem Gewand erkannt und wiedergefunden werden und das ist die zutiefst heilsame Erfahrung mit der Hüterin des Seelenkerns.

The pain of yesterday is the strength of today. Paulo Coelho

Affirmation: „Nichts geht je verloren, alles wandelt sich!“

Duft: Polianthes tuberosa, Indien

Verwendeter Pflanzenteil: Blüte

Gewinnung: Ölextraktion

Der Kuss des Feuervogels – Rosmarin cineol

29 Mrz

Als aus der Dunkelheit der Imagination der majestätische, hell leuchtende Feuervogel aufsteigt, rollt eine rote Welle aus Energie auf mich zu, die mich sofort in einen Zustand höchster Aktivität versetzt und ich weiß, dieser Duft lässt mich in meinem Element sein.

Die Lunge wird mit Gletscherluft durchströmt, der Lebensstrom saust wie eine Windböe durch den Körper, die Muskeln brennen wie Feuer, beide Beine stehen fest auf der Erde und nun will die Bewegung fließen wie ein wilder Gebirgsbach.

Power und Ausdauer, verbunden mit Zielstrebigkeit und einem sofortigen Handlungsimpuls – eine Erfolgsgarantie.

Rosmarin cineol ist der Pusher, der Auslöser, der Antreiber und durchbricht die Grenzen zwischen Imagination und Wirklichkeit.

Lass dich vom Feuervogel küssen und dich von seiner Tatkraft anstecken. Setze das, was du dir vorgenommen hast, in die Tat um und lass deine Ideen Wirklichkeit werden. Dies ist ein wunderbarer Duft, um aktiv und mit voller Energie die eigene Realität zu verändern, den nötigen Antrieb und die Motivation zu finden, „es“, was auch immer dies sein mag, endlich zu tun.

Die Muskulatur wird bei gleichzeitigem Anstieg des Blutdrucks geschmeidig und warm, der Körper wird aufgeweckt und darauf vorbereitet, Anstrengungen auf sich zu nehmen.

Entweder nutzt man diesen Energiekick, um sich körperlich zu betätigen oder um eine geistige Leistung zu erbringen. Nicht umsonst gilt Rosmarin cineol als der Duft, der dem Gedächtnis auf die Sprünge hilft.

Rosmarin cineol ist der Duft, der den Stein ins Rollen bringt und ist von höchstem Nutzen gerade dann wenn man bisher die nötige Energie oder den Mut nicht aufgebracht hat, seine Ideen und Vorhaben auf den Weg zu bringen.

Der Feuervogel unterstützt die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit und sorgt dafür, seine Ressourcen optimal auszuschöpfen und nicht schon frühzeitig aufzugeben, weil man sich selbst mental die Grenzen enger gesteckt hat.

Mit Rosmarin cineol will man einfach nur machen, ohne lange zu fackeln und dies kann am Ende des Tages sehr zufriedenstellend sein. Frei nach dem Ausspruch von Erich Kästner:“ Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“

Affirmation: „Ich mache meine Idee wahr!“ „Ich setze meinen Impuls in Handlung um!“

Duft: Rosmarinus officinalis cineol, Tunesien

Verwendeter Pflanzenteil: Kraut

Gewinnung: Destillation

Los Dias de los Muertos

30 Okt

Catrinas 2In Mexiko werden zwischen dem 31. Oktober und dem 2. November „los Dias de los Muertos“ mit bunten Farben, wehenden Fahnen, Musik, Tanz und gutem Essen gefeiert.

Der Tod wird nach aztekischer Überlieferung als natürlicher Teil des Lebens angenommen und verdichtet sich symbolisch in der weiblichen (!) Figur der „Catrina“, der Gevatterin Tod.

Ursprünglich handelt es sich dabei um die Göttin Mictecacihuatl, die Herrin des Todes, die von den Azteken bereits seit über 500 Jahren in mehrwöchigen Feierlichkeiten verehrt wurde, bevor die spanischen Conquistadores in Mexiko eintrafen.

Nach altem aztekischem Glauben dürfen die Verstorbenen einmal im Jahr nach Hause zu ihren Verwandten zurückkehren und diese besuchen.

In der Nacht vom 31.Oktober auf den 1. November, dem Dia de los Angelitos, kehren die verstorbenen Kinder einer Familie heim, am darauffolgenden 2. November, dem Dia de los Muertos, kehren dann die erwachsenen verstorbenen Ahnen zurück.

Um die Ahnen gebührend zu empfangen, werden weder Kosten noch Mühen gescheut. Jede Familie errichtet einen Gedenk-Altar mit Fotos der Toten, mit Kerzen, Blumen und den Lieblingsspeisen der Verstorbenen, damit diese sich bei ihrer Ankunft daran laben und stärken können.

Außerdem ist der Altar auch immer mit kleinen Totenköpfen aus Zucker, mit süßen Gebäck-Totenköpfen und Statuen kleiner Skelette, die die Ahnen in alltäglichen Situationen zeigen, dekoriert, die an Ständen überall zum Verkauf angeboten werden.

Die Blumen auf dem Altar symbolisieren die Vergänglichkeit des Lebens. Eine besondere Rolle spielt hier eine Vorfahrin der bei uns wenig beachteten Tagetes oder Studentenblume, die Cempasuchil (Tagetes errecta Linnaeus), was übersetzt „Blume der 400 Blüten“ bedeutet.

In Form von Girlanden, Kränzen oder Kreuzen weist ihr Duft und ihre gelbe Farbe als Symbol der Sonne den Verstorbenen den Weg nach hause.

Auch in der Naturheilkunde findet die „Flor de Muertos“ bei Verdauungsstörungen, Magenschmerzen, Husten, Grippe, Fieber und Bronchitis in Form von Abkochungen und Salben Verwendung.

Im Zuge der Christianisierung wurden die Feierlichkeiten mit Allerheiligen und Allerseelen zusammen gelegt, jedoch die fröhliche und bunte Art mit der Skelettdame Catrina zu feiern, ihr zuzuprosten, mit ihr zu tanzen und zu lachen und dem Sterben und der Vergänglichkeit dadurch den Schrecken zu nehmen, hat sich nach alter vor-christlicher Tradition durchgesetzt. Zum Glück!

Denn 2003 wurden „Los Dias de los Muertos“ sogar von der UNESCO als immaterielles Kulturgut in die „Meisterwerke des immateriellen und mündlichen Erbes der Menschheit“ aufgenommen, um diese Feierlichkeiten als Kulturerbe zu schützen und zu ehren.

Die Kraft des Kindes – Mandarine rot

25 Aug

Der Duft der Mandarine stimmt heiter, bisweilen übermütig und öffnet die Wahrnehmung für die großen Freuden an kleinen Dingen. Sie verkörpert die Kraft des Kindes.

Kinder haben ein reines Herz, sie sagen die Wahrheit, sind ganz sie selbst und können aus sich selbst heraus glücklich sein.

Sie können mühelos ihre Bedürfnisse und Befindlichkeiten erkennen, haben einen engen Kontakt zu ihrer Innenwelt und schöpfen reichlich aus ihrer Phantasie.

All dies macht das Leben eines Kindes unbeschwert, frei und aufrichtig und somit in höchstem Grade lebenswert. (Vorausgesetzt dem Kind wurde die Möglichkeit der freien Entfaltung im Elternhaus gegeben.)

Ein Ball, ein Eis an einem heißen Sommertag, im Schwimmbad die Wasserrutsche hinunter sausen und dann noch ein Eis, weil das erste so gut geschmeckt hat. La dolce Vita muss nicht viel kosten sondern ist mehr eine Frage der Zufriedenheit und Glückseligkeit im Augenblick.

Dieses Gefühl vermittelt die Mandarine, das unbeschwerte Leben in vollen Zügen genießen. Keine Verantwortung, keine Verpflichtung, keine Konflikte.

Trotz aller Heiterkeit hat der Duft der Mandarine auch eine ganz stille und beschauliche Seite. Sie kann auch eine sehr tiefe Entspannung herbei führen, die Aufmerksamkeit ganz zum inneren Kern lenken und einem das Gefühl vermitteln, dass alles gut ist wie es ist. Sie verbindet mit der Kraft des inneren Kindes, das in jedem Menschen wohnt.

Möglicherweise hat sich dieses Kind Dinge getraut oder gekonnt, derer man heute gar nicht mehr fähig zu sein scheint. Da tut es gut, sich zu erinnern, dass vieles nicht so kompliziert ist wie man vielleicht glaubt, sondern viel einfacher.

Im Ernst des Lebens, in einem Leben mit vollem Terminkalender, Meetings, Machtkämpfen um den ersten Platz, Verantwortung für sich und andere tut es bisweilen gut, sich die Kraft des Kindes zunutze zu machen. Eine Stunde voller Heiterkeit oder tiefer innerer Angstlosigkeit kann manchmal Wunder wirken.

Mandarine rot zaubert aus ihrem Hut das unangefochtene Selbstwertgefühl kindlicher Naivität gepaart mit dem Glauben, dass es auf der Welt nur Gutes gibt. Dieser Duft ist wie Urlaub!

Affirmation: „Ich blicke mit den Augen meines inneren Kindes in die Welt!“

Duft: Citrus reticulata, Italien

Verwendeter Pflanzenteil: Schale

Gewinnung: Kaltpressung

Grüne Flügel – Nanaminze

13 Aug

Duft und Erinnerung

Dieser Duft weckt sofort eine bestimmte Erinner-ung, die mein Bewusst-sein ausfüllt und zunächst alle anderen Wahrnehmungen überdeckt.

Der Geruch erinnert mich so sehr an einen schönen minzigen Kaugummi, dessen Geschmack sich genüsslich im Mund- und Rachenraum ausbreitet. Kurz nachdem man ihn in den Mund geschoben hat, auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Erfrischungsagent. Darauf folgen weitere Erinnerungen mit mir als Kaugummi-kauender Protagonistin.

Es gibt einige Düfte, die sofort Erinnerungen wachrufen, weil man ihnen in der Vergangenheit bereits häufig begegnet ist. Dies kann z.B. eine Wohnung, ein Haus oder ein Garten mit einem charakteristischen Duft sein, ein Lebens- oder Genussmittel, Bettwäsche, Kosmetikprodukte oder der Körpergeruch einer bestimmten Person. In diesem Fall ist es ein bestimmter Kaugummi, den ich vor allem als Jugendliche häufig konsumiert habe.

Die Verknüpfung zwischen Duft und Erinnerung ist so stark, dass es mir schwer fällt, die Erinnerungen aus meinem Bewusstsein zu schieben, um zu erspüren, welche Wahrnehmungen der Duft im Hier und Jetzt auslöst. Aber irgendwo befindet sich die Tür, die vom Hinterzimmer zur Empfangshalle des Duftes führt. Nach ein paar Tagen Geduld haben sich dann die Erinnerungen ausgetobt und es wird tatsächlich immer leerer in mir.

Grüne Flügel – Nanaminze

Der Duft erscheint mir als ein guter Begleiter, die Nana-Minze riecht voll, süß und würzig, natürlich auch minzig aber nicht stechend. Vielmehr strömt der Duft ein, weitet innerlich den Brustraum und fließt weiter in Schultern, Oberarme, Nacken, Hals und Hinterkopf.

Ein herrlich leichtes Gefühl stellt sich ein, eine vollständige Lockerung und Befreiung.

Ich versinke in einen Tagtraum.  Ich habe das merkwürdige Gefühl, dass sich an meinen Schulterblättern etwas verändert. Es gibt einen heftigen Ruck und mit einem Mal entfalten sich ein Paar grüne Flügel aus hell leuchtenden Minzblättern, die ungefähr doppelt so lang wie meine Arme sind. Diese wundersame Vorstellung versetzt mich in einen schwebenden Zustand, zieht mich nach oben, stimmt mich heiter und erwartungsvoll.

Ich habe den Eindruck, als würde ich einige Zentimeter über dem Boden schweben können, aber auch zwischen mir und meiner Umgebung hat sich ein unsichtbarer Zwischenraum von wenigen Zentimetern aufgetan.

Ich verstehe, dass mir die grünen Flügel nicht die Fähigkeit zum fliegen verleihen, sondern dass sie es mir erlauben, mich ein klein wenig über mich selbst zu erheben, um abgesehen von einem herrlich verrückten Gefühl der Schwerelosigkeit ein bisschen Distanz zu erlangen, welche dazu dient, sich leicht, befreit und flexibel zu fühlen.

In meiner Vorstellung legen sich die grünen Flügel nun um meinen Körper und ich spüre eine erfrischende Klarheit. Sämtliche negative Micro-Fasern werden von meiner Projektionsfläche abgestaubt. Und das ist eine Menge Wert. Wer keine Angriffsfläche für Konflikte bietet, wird in Frieden gelassen.

Manche Begebenheiten im Leben werden oft erst in dem Moment zum Problem, in dem man sie als Hindernis oder Problem identifiziert hat. Der Duft der Nana-Minze lehrt mich, diesen Begebenheiten mit mehr Leichtigkeit und Distanz zu begegnen und mit etwas Übung einfach darauf los und darüber hinweg zu schweben.

Affirmation: „Ich fühle mich leicht und frei!“ „Ich überschwebe jedes Problem!“

Duft: Mentha viridis var. nanah, Marokko

Verwendeter Pflanzenteil: Blätter

Gewinnung: Destillation

Der Chief – Kampher

27 Jun

Zu diesem Duft entstand zuerst ein Bild. Es zeigt einen Indianerhäuptling, der katzenhafte Züge und einen Kopfputz aus kunstvoll geflochtenem Haar und Federn trägt. Er hat in jeder Hinsicht lediglich das, was er zum Leben braucht und er weiß um die größeren Zusammenhänge zwischen Himmel und Erde und wo das Glück zu finden ist. Sein Schritt ist federnd, leicht und geschmeidig.

Er weiß jede Situation, in die er gerät, weise und richtig einzuschätzen. Wenn sich ihm ein Hindernis in den Weg stellt, so überspringt er dieses mit einem geschmeidigen Satz wie eine Raubkatze. Wenn er sich doch einmal irrt, so stellt er sich blitzschnell auf die neue Situation ein.

Diese Leichtfüßigkeit und Flexibilität ist nur möglich, weil der Chief keinen Ballast mit sich trägt. Hier geht es hauptsächlich um Gefühle, die man mit sich herum trägt, die einen nach unten ziehen, wenn man gerade eben zum Sprung ansetzt…

Sich mit der eigenen Gefühlswelt auseinander zu setzen, bedeutet dem Schmerz ins Auge zu sehen und ihm zu begegnen. Unangenehme wie angenehme Gefühle brauchen eine Ordnung, damit diese ihren Platz im Raum der Tränen, im Raum der eigenen Wahrheit, im Raum der Vergebung oder im Raum des schönsten Tages finden können.

Sich von den eigenen Gefühlen zu distanzieren, so dass diese einfach aus der eigenen Wahrnehmung verschwinden, ist dauerhaft die schlechteste Lösung. Denn der Versuch, die Gefühlswelt mental so kontrollieren zu wollen, verwandelt sich in das genaue Gegenteil.

Die abgespaltenen Emotions-Asteroiden kreisen auf  ihrer Umlaufbahn irgendwo in einer Galaxie fernab des Sonnensystems im menschlichen Körper. Die Weigerung, sich psychisch mit den eigenen Gefühlen zu beschäftigen, führt dazu, dass Energien dieser Art im Endlager abgeladen werden, nämlich im eigenen Körper. Die Folge sind Entzündungen, Verhärtungen, Stoffwechselstörungen oder andere beliebige Symptome, mit deren Hilfe sich der Körper empört aufbäumt um auf sich aufmerksam zu machen.

Mit dem Chief geht es auf die Reise ins Irgendwo und Nirgendwo im eigenen Selbst, in jene Galaxien, in denen die verstoßenen Gefühle wohnen. Wer bis hierhin gekommen ist, dem schenkt der Chief etwas von seiner geschmeidigen Raubkatzenenergie.

Die Blockaden und Panzerungen im Körper werden lokalisiert, der Innenraum starrer Grenzen mit Wärme gefüllt und die Blockade von innen heraus zum schmelzen gebracht. Dies gilt zum Beispiel für Muskeln oder Muskelgruppen, die sich über einen längeren Zeitraum zum Körperpanzer formiert haben.

Gleichzeitig kommen die unterdrückten Gefühle zum Vorschein, es gibt nochmals einen Ruck im Herzen, der Schmerzensmoment, dann ist das Gefühl wieder ein Teil des Selbst und findet seinen Platz.

Affirmation: „Ich bin bereit,  meine verlorenen Gefühle zu finden!“

Duft: Cinnamomum camphora, China

Verwendeter Pflanzenteil: Blatt, Holz

Gewinnung: Destillation

König der Wahrheit – Basilikum

31 Mai

Der Traum ist der Königsweg zur Seele. Die Tore zur Traumwelt stehen jedoch nicht jederzeit offen. Der Duft von Basilikum ist der Schlüssel zu einem Bewusstseinszustand, der normalerweise von Abwehrmecha-nismen der Psyche kontrolliert wird.

Der Duft führt nach innen und lenkt die Aufmerksamkeit direkt auf die Bauchgegend, wo sich das Sonnen-geflecht mit seinem Energiezentrum dem Solarplexus befindet. Eine Reise zum Mittelpunkt des Körpers, zum eigenen Bauchgefühl, zu der Welt, in der man Zugriff auf die eigene Wahrheit hat, direkt aber auch ungeschönt.

Denn, was im Bauchhirn als Tatsache feststeht kommt in unserem Bewusstsein meist nur noch als vage Ahnung an. Die Kraft der Intuition und die damit verbundene Entscheidungsgewalt wird einem wieder vollkommen bewusst und vor allem kann man lernen sich ihrer zu bedienen. Die feinen Antennen werden wieder aktiviert und die Sensibilität für Wahrheit, Echtheit und Authentizität nimmt deutlich zu.

Die Basilikumerfahrung kann sehr inspirierend sein, denn sie zeigt dem Bewusstsein Themen auf, die die eigene Aufrichtigkeit, die Authentizität, die eigenen Ideale betreffen. Im weiteren Sinne geht es um das Übereinbringen des idealisierten Selbst mit dem gelebten Selbst.

Der Basilikumduft spricht sehr ich-nahe Themen an. Die eigene Wahrheit unter die Lupe zu nehmen, wirft oft existenzielle Fragen auf und stimmt ernsthaft. Unter Umständen kann Basilikum ein flaues Gefühl im Magen hervorrufen, falls man sich von der eigenen Wahrheit, dem eigenen Selbstbild zu weit entfernt hat oder falls dieses fremdbestimmt ist.

Auch wenn es in meinen Augen die absolute für jeden gültige Wahrheit nicht gibt, so gibt es doch für jeden einzelnen Menschen eine persönliche individuelle Wahrheit, mit der man im Idealfall gut leben kann.

Dissonanzen zwischen Idealvorstellung und Wirklichkeit müssen in einer Lösung münden, andernfalls werden sie aus ökonomischen Gründen von der Psyche verstaut und für später aufgehoben. Oftmals werden diese mit dem eigenen Ich nicht zu vereinbarenden Inhalte dann zum Geheimnis. Das Verstecken und Verbergen führt dazu, dass sich die betreffende Person von ihrem Wesenskern entfernt.

Die fehlende Integration dieser Inhalte macht sie zu Sperrmüll, der sich im Bauchraum als unverarbeitete und unverdaute Körpererinnerung ablagert.

Das außerordentlich heilende Moment und der große Verdienst von Basilikum ist es, diese unverdauten Brocken aufzuspüren und sie sichtbar zu machen, um sie damit unschädlich zu machen. Basilikum hilft also all das zu verdauen, was einem über kurz oder lang sprichwörtlich im Magen liegen geblieben ist. Auf diese Art von Entgiftung und Entlastung des Organismus führe ich die stark angstlösende Wirkung des Duftes zurück.

Basilikum fördert einen von Träumen bevölkerten Heilschlaf. Wer das Gefühl hat, sich von sich selbst entfernt zu haben oder wer meint, sich selbst nicht mehr im Spiegel ansehen zu können, dem rate ich gemeinsam mit Basilikum eine Lösung zu erträumen.

Affirmation: Ich betrete den Königsweg zu meinem wahren Selbst!

Duft: Ocimum basilicum, Ägypten

Verwendeter Pflanzenteil: Kraut

Gewinnung: Destillation

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