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Wildniswissen – Kreuzkümmel

10 Jul
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Jeanswerbung Dr. Denim

Wer hat der zivilisierten Welt nur beigebracht so ängstlich und gleichzeitig so brav zu sein? Warum können wir nicht etwas wilder sein, die Schuhe ausziehen und einfach barfuß weitergehen, und im Kühlschrank nur das Essen für den nächsten Tag einlagern?

Vielleicht weil wir unser wildes Erbe, unser Wildniswissen vergessen haben. Im Grunde des Herzens oder vielleicht sogar darunter ist mit dem Duft des Kreuzkümmels ganz deutlich die wilde, animalische Natur des Menschseins zu spüren.

Die Reise zum wilden Teil scheint mir rückblickend wie ein langer Weg, den ich in kleinen Schritten zurücklegen musste. In dem Augenblick, als ich den Kreuzkümmel zum ersten Mal roch, machte sich in meinem Unbewussten ein Fährtensucher auf den Weg, um zu meiner Wildnis zu gelangen. Und im selben Moment dachte ich: „Oh mein Gott, das riecht wie Schweiß!“

Einmal ist es mir passiert, dass dieser Duft chamäleonartig seine Duftnoten geändert hat. Zuerst schwülstig schmalzig und sehr intensiv würzig, wenig später entströmte eine leichte Kirsch-Note, hin zu einer kompletten Wandlung zu kräftiger Minze gefolgt vom medizinischen Duft der Myrrhe.

Ich habe erlebt wie der Duft bis tief in die Gedärme vorgedrungen ist und vor dem inneren Auge ein lebhaftes Bild sich bewegender Darmwindungen des Dickdarms und Dünndarms entstanden ist. Der Geruch ist schwer auszuhalten, ein Anflug von Übelkeit streift die Wahrnehmung, im Kopf steigen sanfte Nebel auf. Benommen und übel, na toll.

Es war wie ein Verdauungsprozess, der in die Zeit hineinragte und mich Stück um Stück zum wilden Teil meiner selbst brachte, zu jenem Stück Garten, das man nie besucht und wo Gestrüpp und Unkraut das Regiment übernommen haben.

Die Wildnis hat ihre eigene Architektur und ihre eigenen Gesetze.

Wild zu sein bedeutet nicht, die Kontrolle zu verlieren. Nein, es bedeutet intuitiv kraftvoll zu sein und diese Kraft wird gespeist von dem Wissen, innere Ressourcen zu mobilisieren, von denen man bisher vermutet hat, dass sie da sind, aber es eben nicht genau wusste.

Es bedeutet mehr Bodenhaftung zu haben, mehr Mut, mehr Souveränität, mehr Fülle, mehr Vertrauen darin, sich zu helfen zu wissen.

Es ist das Wissen, dass wir einen Sinn für das Überleben haben, den wir zwar nicht mehr nutzen, weil es uns einfach in diesem Teil der Welt  so gut geht und wir so viele Annehmlichkeiten in unserem Leben haben, dass wir nie dazu kommen, es auszuprobieren. Dass wir nie wissen, was wir alles überleben können und infolgedessen haben wir Angst, es könnte uns etwas zustoßen.

An und für sich bin ich kein besonders ängstlicher und auch kein besonders angepasster Mensch, und doch, im Angesicht dieses Duftes kommt so etwas wie Wagemut hervor, die Lust, sich zu widersetzen, die Streitaxt auszupacken, wenn es notwendig ist. Und auch die Lust, die wilde Seele zu nähren, ein Feuer zu entzünden, Räucherwerk zu verbrennen, sich die Hände schmutzig zu machen, barfuß zu gehen, mit den Wölfen zu heulen, zu tanzen und aus voller Inbrunst zu lachen und noch so einiges anderes…

Inzwischen finde ich zwar immer noch, dass der Kreuzkümmel etwas Schwülstig-Schweißiges hat, aber die wilde und animalische Seite in mir wird mir dadurch jedes mal wieder stark bewusst. Die wilde, ungebremste, bodennahe Kraft, die dann zu spüren ist,  fühlt sich an als ob man von einer sehr langen Reise endlich Heim kommt – zum ältesten Ort, der in einem selbst existiert.

Affirmation: „Gute Mädchen/Jungs kommen in den Himmel, wilde Mädchen/Jungs kommen überall hin!“

Duft: Cuminum cyminum, Ägypten

Verwendeter Pflanzenteil: Samen

Gewinnung: Destillation

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Die Kraft der 1000 Sonnen – Tagetes

27 Apr

eine intensive und ein wenig fruchtige Würze strömt in mein Inneres und entfaltet dort  die geheimnisvolle Kraft der tausend Sonnen.

Es ist ein soghaftes Em-pfinden, dem man zwar Widerstand leisten könnte, es aber nicht möchte, denn das Charisma des Duftes ist überwältigend und über-rascht nach anfänglicher Nonchalance mit verführer-ischem Tiefgang.

Energisch, kraftvoll, ein wenig aufbrausend, lustvoll, euphorisierend – ein Sonnentanz.

Nicht im Geringsten hätte ich DAS diesem Duft nach dem ersten Geruchseindruck zugetraut und doch wollte ich wissen, was dahinter steckt.

Mit dem starken Duftimpuls von Tagetes beginnt sich die galaktische Kraft der Sonne in ihrer mächtigen Urform im Inneren auszubreiten. Im Gehirn fühlt es sich an wie eine Dopaminspritze, eine Neurotransmitterflut, ein gigantischer Energieschub wie eine Sonnenexplosion, die das eigene Universum mit einem überirdisch hellen Schein imprägniert und mich in die nächste Dimension katapultiert!

Vollkommen umgeben und versunken von und in diesem psychodelischen Sonnentanz beginnt man, seelisch immer durchlässiger zu werden. Die eigenen Konturen verbinden sich hingebungsvoll mit dem orange-gelben Sonnenteppich. Die Ich-Strukturen lockern sich und werden wie ein Biscuit von diesen mächtigen Löwenkräften durchtränkt.

Dies ist ein Duft, der eine intensive Euphorie erzeugen kann, der grenzüberschreitend ist und dabei gleichzeitig in einer Welle aus Hochgefühl die schöpferischen Kräfte erweckt. Während der Dufterfahrung scheint ein Teil in mir, der ohne Alter zu sein scheint, im Reigen der tausend pulsierenden Sonnen beleuchtet zu werden.

Die Tagetes-Erfahrung ist ein verrückter, hochenergetischer Trip, der die einzigartige Möglichkeit bietet, sich mit dem zentralen Lebensthema der Lust zu beschäftigen. Lust als Ergebnis von hoher Lebensenergie, gepaart mit Neugier, Durchlässigkeit und Hingabe an einen Menschen oder ein Thema. Der Duft vermittelt die Weisheit des Instinkts als Quelle der Inspiration und kann die kurzfristige Desintegration des Selbst zugunsten einer intensiven Eigenerfahrung bewirken.

Ich möchte an dieser Stelle zu bedenken geben, dass der Duftimpuls psychisch sehr hohe Wellen schlägt, wenn man sich voll darauf einlässt, und eine gewisse psychische Stabilität voraussetzt.

Affimation: „Ich tanze mit der Kraft der 1000 Sonnen!“

Duft: Tagetes minuta, Ägypten

Verwendeter Pflanzenteil: Kraut

Gewinnung: Destillation

Tanz auf dem Vulkan – Pfeffer schwarz

24 Aug

Trotz seines würzig-warmen Charakters überrascht der Duft des schwarzen Pfeffers mit einem milden wohl-tätigen Auftritt. Die vielschichtige Würze entfacht eine kleine lodernde Flamme in rot und orange, die eine wohltuende, lösende, medizinische Wärme im Körper erzeugt. Der Duftimpuls des schwarzen Pfeffers verkörpert die reinigende Wirkung des Feuers.

Mit diesem Duft assoziiere ich einen aktiven, feuerspuckenden Vulkan. Die Lava fließt in glühenden Strömen über den Krater des Vulkans. Auf ihrem Weg kühlt die Lava mehr und mehr aus, um dann schließlich zu erkalten und zu versteinern. In diesem Prozess gestaltet der Vulkan seine Umgebung vollkommen um.

Genau wie die Lava wälzt sich der Pfefferduft gemächlich aber mit großer Energie durch den Körper und bringt Aktivität, Wachheit und Initiative mit sich. Der Duft regt an, sich mit der Energie des Feuers zu verbinden und sich dessen kathartischer Reinigung hinzugeben. Unkontrollierte Hitze wird gebündelt, in den Lavastrom aufgenommen und schließlich zum Abkühlen gebracht.

Heißes und Hitziges staut sich manchmal in Körper, Geist und Seele an. Man möchte es am liebsten ausspucken wie der kraftvolle Vulkan. Emotional kommt es bei manchen Menschen regelrecht zum Vulkanausbruch, wenn sich Wut, Zorn oder Neid über einen längeren Zeitraum aufgestaut haben. Auf der körperlichen Ebene äußert sich zu große Hitze in Entzündungsprozessen oder Schmerzzuständen. Der Ort an dem die Entzündung sich zeigt wird ja auch Entzündungsherd genannt und deutet linguistisch betrachtet auf eine Verbindung zu Feuer und Hitze hin.

Der Pfefferduft nimmt die überschüssige Hitze in sich auf, kühlt sie ab und wirkt so der Entzündung entgegen. Gleichzeitig kann der Duft aber die Hitze auch steigern um Keime und Bakterien unschädlich zu machen.

Auf der psychischen Ebene transportiert der Pfefferduft „heiße“ Emotionen nach außen, befreit von Aggressionen und negativen Spannungen und hilft die angestaute Energie in eine kreative Kraft zu verwandeln, so dass alte Strukturen neu gestaltet werden können.

Wo aber zu wenig Energie und Antrieb vorhanden ist, kann der Duft Leidenschaft und Faszination wecken, das innere Feuer entfachen und die Adern mit Lava füllen.

Der vielschichtige Duft bringt Würze ins Leben und in die Partnerschaft, fördert Mut, Selbstvertrauen, Durchsetzungsvermögen und steigert generell die Aktivität und Vitalität. All diese wertvollen Eigenschaften bieten eine gute Grundlage, sich etwas zu trauen, unbekanntes Terrain zu begehen, ein überschaubares Risiko einzugehen und am Ende seinen Erfahrungsschatz zu bereichern.

Affirmation: „Ich tanze auf dem Vulkan!“ „Das Feuer reinigt mich!“

Duft: Piper nigrum, Sri Lanka

Verwendeter Pflanzenteil: Frucht

Gewinnung: Destillation

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