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Wildniswissen – Kreuzkümmel

10 Jul
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Jeanswerbung Dr. Denim

Wer hat der zivilisierten Welt nur beigebracht so ängstlich und gleichzeitig so brav zu sein? Warum können wir nicht etwas wilder sein, die Schuhe ausziehen und einfach barfuß weitergehen, und im Kühlschrank nur das Essen für den nächsten Tag einlagern?

Vielleicht weil wir unser wildes Erbe, unser Wildniswissen vergessen haben. Im Grunde des Herzens oder vielleicht sogar darunter ist mit dem Duft des Kreuzkümmels ganz deutlich die wilde, animalische Natur des Menschseins zu spüren.

Die Reise zum wilden Teil scheint mir rückblickend wie ein langer Weg, den ich in kleinen Schritten zurücklegen musste. In dem Augenblick, als ich den Kreuzkümmel zum ersten Mal roch, machte sich in meinem Unbewussten ein Fährtensucher auf den Weg, um zu meiner Wildnis zu gelangen. Und im selben Moment dachte ich: „Oh mein Gott, das riecht wie Schweiß!“

Einmal ist es mir passiert, dass dieser Duft chamäleonartig seine Duftnoten geändert hat. Zuerst schwülstig schmalzig und sehr intensiv würzig, wenig später entströmte eine leichte Kirsch-Note, hin zu einer kompletten Wandlung zu kräftiger Minze gefolgt vom medizinischen Duft der Myrrhe.

Ich habe erlebt wie der Duft bis tief in die Gedärme vorgedrungen ist und vor dem inneren Auge ein lebhaftes Bild sich bewegender Darmwindungen des Dickdarms und Dünndarms entstanden ist. Der Geruch ist schwer auszuhalten, ein Anflug von Übelkeit streift die Wahrnehmung, im Kopf steigen sanfte Nebel auf. Benommen und übel, na toll.

Es war wie ein Verdauungsprozess, der in die Zeit hineinragte und mich Stück um Stück zum wilden Teil meiner selbst brachte, zu jenem Stück Garten, das man nie besucht und wo Gestrüpp und Unkraut das Regiment übernommen haben.

Die Wildnis hat ihre eigene Architektur und ihre eigenen Gesetze.

Wild zu sein bedeutet nicht, die Kontrolle zu verlieren. Nein, es bedeutet intuitiv kraftvoll zu sein und diese Kraft wird gespeist von dem Wissen, innere Ressourcen zu mobilisieren, von denen man bisher vermutet hat, dass sie da sind, aber es eben nicht genau wusste.

Es bedeutet mehr Bodenhaftung zu haben, mehr Mut, mehr Souveränität, mehr Fülle, mehr Vertrauen darin, sich zu helfen zu wissen.

Es ist das Wissen, dass wir einen Sinn für das Überleben haben, den wir zwar nicht mehr nutzen, weil es uns einfach in diesem Teil der Welt  so gut geht und wir so viele Annehmlichkeiten in unserem Leben haben, dass wir nie dazu kommen, es auszuprobieren. Dass wir nie wissen, was wir alles überleben können und infolgedessen haben wir Angst, es könnte uns etwas zustoßen.

An und für sich bin ich kein besonders ängstlicher und auch kein besonders angepasster Mensch, und doch, im Angesicht dieses Duftes kommt so etwas wie Wagemut hervor, die Lust, sich zu widersetzen, die Streitaxt auszupacken, wenn es notwendig ist. Und auch die Lust, die wilde Seele zu nähren, ein Feuer zu entzünden, Räucherwerk zu verbrennen, sich die Hände schmutzig zu machen, barfuß zu gehen, mit den Wölfen zu heulen, zu tanzen und aus voller Inbrunst zu lachen und noch so einiges anderes…

Inzwischen finde ich zwar immer noch, dass der Kreuzkümmel etwas Schwülstig-Schweißiges hat, aber die wilde und animalische Seite in mir wird mir dadurch jedes mal wieder stark bewusst. Die wilde, ungebremste, bodennahe Kraft, die dann zu spüren ist,  fühlt sich an als ob man von einer sehr langen Reise endlich Heim kommt – zum ältesten Ort, der in einem selbst existiert.

Affirmation: „Gute Mädchen/Jungs kommen in den Himmel, wilde Mädchen/Jungs kommen überall hin!“

Duft: Cuminum cyminum, Ägypten

Verwendeter Pflanzenteil: Samen

Gewinnung: Destillation

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Vanitas – Heu

24 Jul

Herman Herstenburgh, Still Life

Obwohl ich weiß, dass Heu gestorbenes, verwelktes Gras ist, hatte ich mir insgeheim den Duft von frisch geschnittenem Gras erhofft.

Stattdessen weicht meine Nase vor dem ersten Duftimpuls vehement zurück, zu intensiv und eindringlich. Ich muss mich langsam annähern.

Nach wenigen Minuten wird der Duft weicher, erdiger, tiefer. Er hält mich und umarmt mich ganz fest!

In mir entsteht ein Gefühl von Ausdehnung und Wachstum. Das Empfinden von Tiefe dehnt sich nicht nach unten, sondern  flächendeckend zur Seite hin aus. Plötzlich weiß ich, dass das, was sich dort ausbreitet, meine eigene Existenz ist. In völliger Transparenz werde ich zum gläsernen Menschen und betrachte.

Ich trete in den offenen Diskurs über das Werden und Vergehen, Leben und Tod, ein. Und da ist die Vergänglichkeit, Vanitas. Alles geht vorbei, verwelkt, zerfällt und stirbt. Es stört mich nicht. Es ist der natürliche Kreislauf der Welt, Leben und Tod gehören zusammen.

Vanitas, die Vergänglichkeit kann auch etwas Schönes und Befrei-endes haben, wenn man akzeptiert, dass es sie gibt.

Dieser eigentümliche Heu-Duft tut sein Bestes, einem die Angst vor dem Tod zu nehmen und diese mit einem Gefühl von Natürlichkeit zu ersetzen und sich im Rad des Lebens geborgen zu fühlen.

Damit das Leben seinen Lauf nehmen kann, brauchen wir die Vergänglichkeit ganz dringend. Sie ist es, die den Augenblick kostbar macht, Lebensmomente intensi-viert und uns lehrt das Geschenk des Lebens zu schätzen.

Die Integration der Idee des Todes rettet uns; statt uns zu einer Existenz des Schreckens oder des düsteren Pessimismus zu verurteilen, wirkt sie als Katalysator, damit wir in authentischere Modi des Lebens eintauchen können, und sie vergrößert unsere Freude am Leben.“

Irvin D. Yalom, Existentielle Psychotherapie

Die Heu-Essenz bietet einen hoch philosophischen Spaziergang auf dem Weg der großen Denker vor unserer Zeit an und hilft die Vergänglichkeit und den Tod im Alltäglichen zu akzeptieren und als Teil von sich selbst anzunehmen. Der Lohn ist eine tiefgründige und fundamentale Lebensfreude mit einer unvergleichlichen, köstlichen Qualität.

Affirmation: „Vanitas, ich grüße dich!“

Duft: Bergwiesenheu

Verwendeter Pflanzenteil: Kraut

Gewinnung: Co-Destillation

Hüterin des Seelenkerns – Tuberose

20 Apr

Wenn sich die weißen Blüten der Nachthyazinthe öffnen, entströmt ihnen ein narkotischer, süßer und leicht würziger Duft mit einem Hauch von Zimt.

Die Tuberose agiert ähnlich wie Jasmin im Verborgenen, in der Nacht, im Urgrund der Seele. Mit ihr senkt sich der Schleier des narkotischen, tiefen Schlafes und geleitet die Seele durch die archaische Traumlandschaft – auch am Tag.

Mit Bestimmtheit dringt sie bis tief ins Innere vor bis an Orte, die man selbst nur selten besucht hat. Leise, geschmeidig, gleitend.

Über eine Woche hat der Duft der Tuberose Material aus meinen Seelentiefen geborgen und hat mir Zugang verschafft zu meinem emotionalen Gedächtnis. Sie hat eine Schleuse vom Herzen her geöffnet und verschiedene bedeutsame mit Herzblut vermischte Erinnerungen offenbart.

Im Beisein der Tuberose erinnert sich das Herz: gespeicherte Gefühle, die (noch immer) aus dem Unbewussten heraus das Leben im Hier und Jetzt zu beeinflussen wagen, werden aufgegriffen und gezeigt. Interessanterweise werden neben den größten Verlusten  und Enttäuschungen auch die größten Triumphe und Glücksmomente aus dem Seelenleben akquiriert. Die Süße neutralisiert die Bitterkeit!

Nach einigen Traumnächten mit Tuberose fühlt sich mein Unbewusstes plötzlich viel plastischer und vielschichtiger an. Es scheint als seien unter der normalen Traumlandschaft oder dem, was ich normalerweise als Unbewusstes wahrnehme, noch weitere, tiefere Schichten. Während ich tiefer sinke, glätten sich gleichzeitig die Wellen meiner emotionalen Seelenwelt, ein merkwürdiger Vorgang der Abstraktion setzt sich in Gang.

Es ist ein Schwellenbereich in mir, an dem die konkrete Wahrnehmung des Selbst ins Abstrakte übergeht, die Mündung, an der das Seelenschiff aufs offene Meer segelt, um in die unendliche Weite der Schöpfung einzutauchen.

Um mich herum wird es leer und leise, das ICH fühlt sich an wie eine kompakte pulsierende Kugel – mein Seelenkern. Dort spiegelt sich das eigene menschliche Sein in seiner hellsten und reinsten Form. Hüllenlos, bedingungslos, makellos, mühelos, unantastbar.

In den tiefsten Tiefen des Herzens glüht ein geheimer, ewiger Lebensfunke als Urform der eigenen Identität. Die Botschaft der Tuberose ist der Energieerhaltungssatz der Seele: alle Energie bleibt erhalten, nichts geht je verloren, alles wandelt sich und nimmt andere Formen an.

In der Duftlandschaft der Tuberose mag man sich verlieren, um sich am Ende wiederzufinden. Die als verloren geglaubten Splitter der Seele, können im neuem Gewand erkannt und wiedergefunden werden und das ist die zutiefst heilsame Erfahrung mit der Hüterin des Seelenkerns.

The pain of yesterday is the strength of today. Paulo Coelho

Affirmation: „Nichts geht je verloren, alles wandelt sich!“

Duft: Polianthes tuberosa, Indien

Verwendeter Pflanzenteil: Blüte

Gewinnung: Ölextraktion

Los Dias de los Muertos

30 Okt

Catrinas 2In Mexiko werden zwischen dem 31. Oktober und dem 2. November „los Dias de los Muertos“ mit bunten Farben, wehenden Fahnen, Musik, Tanz und gutem Essen gefeiert.

Der Tod wird nach aztekischer Überlieferung als natürlicher Teil des Lebens angenommen und verdichtet sich symbolisch in der weiblichen (!) Figur der „Catrina“, der Gevatterin Tod.

Ursprünglich handelt es sich dabei um die Göttin Mictecacihuatl, die Herrin des Todes, die von den Azteken bereits seit über 500 Jahren in mehrwöchigen Feierlichkeiten verehrt wurde, bevor die spanischen Conquistadores in Mexiko eintrafen.

Nach altem aztekischem Glauben dürfen die Verstorbenen einmal im Jahr nach Hause zu ihren Verwandten zurückkehren und diese besuchen.

In der Nacht vom 31.Oktober auf den 1. November, dem Dia de los Angelitos, kehren die verstorbenen Kinder einer Familie heim, am darauffolgenden 2. November, dem Dia de los Muertos, kehren dann die erwachsenen verstorbenen Ahnen zurück.

Um die Ahnen gebührend zu empfangen, werden weder Kosten noch Mühen gescheut. Jede Familie errichtet einen Gedenk-Altar mit Fotos der Toten, mit Kerzen, Blumen und den Lieblingsspeisen der Verstorbenen, damit diese sich bei ihrer Ankunft daran laben und stärken können.

Außerdem ist der Altar auch immer mit kleinen Totenköpfen aus Zucker, mit süßen Gebäck-Totenköpfen und Statuen kleiner Skelette, die die Ahnen in alltäglichen Situationen zeigen, dekoriert, die an Ständen überall zum Verkauf angeboten werden.

Die Blumen auf dem Altar symbolisieren die Vergänglichkeit des Lebens. Eine besondere Rolle spielt hier eine Vorfahrin der bei uns wenig beachteten Tagetes oder Studentenblume, die Cempasuchil (Tagetes errecta Linnaeus), was übersetzt „Blume der 400 Blüten“ bedeutet.

In Form von Girlanden, Kränzen oder Kreuzen weist ihr Duft und ihre gelbe Farbe als Symbol der Sonne den Verstorbenen den Weg nach hause.

Auch in der Naturheilkunde findet die „Flor de Muertos“ bei Verdauungsstörungen, Magenschmerzen, Husten, Grippe, Fieber und Bronchitis in Form von Abkochungen und Salben Verwendung.

Im Zuge der Christianisierung wurden die Feierlichkeiten mit Allerheiligen und Allerseelen zusammen gelegt, jedoch die fröhliche und bunte Art mit der Skelettdame Catrina zu feiern, ihr zuzuprosten, mit ihr zu tanzen und zu lachen und dem Sterben und der Vergänglichkeit dadurch den Schrecken zu nehmen, hat sich nach alter vor-christlicher Tradition durchgesetzt. Zum Glück!

Denn 2003 wurden „Los Dias de los Muertos“ sogar von der UNESCO als immaterielles Kulturgut in die „Meisterwerke des immateriellen und mündlichen Erbes der Menschheit“ aufgenommen, um diese Feierlichkeiten als Kulturerbe zu schützen und zu ehren.

Die klare Linie – Zypresse

17 Jul

Die Zypresse steht für sich selbst und das in kerzengerader Form. Sie ragt als klare Linie in den Himmel. Konsequent, aufrecht, folgerichtig. Sie ist bewundernswert diszipliniert, mini-malistisch und wesentlich. Mein Staunen über die klare Linie dauert nun schon seit über einer Woche an.

Für mich bilden die drei Hölzer Zeder, Sandelholz und Zypresse eine Art Trilogie der heiligen Hölzer. Die Zeder als Spiegel des wahren Selbst, Sandelholz als Hüter der Zeit und die Zypresse als Rahmen für die existenzielle Ordnung des Menschen.

Die wertvollste Eigenschaft dieses Duftes ist das Stiften von Ordnung. Für das eigene Lebensbild bietet die Zypresse bereitwillig ihre Hilfe an, den passenden Rahmen für sich zu finden. Aus den unendlich vielen Möglichkeiten, Prinzipien und Lebensweisen, die einem potenziell zur Verfügung stehen, wird der aktuell passende Entwurf in völliger Klarheit und Strukturiertheit skizziert.

Die Zypresse hilft eine grundlegende Lebensordnung zu entwerfen oder zu festigen. Sie ist das beste Heilmittel für chaotische Verwirrungen, für Sackgassen und komplizierte Verstrickungen. Plötzlich ist alles ganz einfach und man ist in der Lage sich aus dem Chaos zu befreien – wie der Phönix aus der Asche.

Die Welt befindet sich ja permanent im Wechselspiel von Ordnung und Chaos und wir Menschen bilden im Mikrokosmos eben diesen ewigen Gezeitenwechsel ab.

Mit der Zypresse habe ich gelernt, dass Ordnung unheimlich wohltuend sein kann. Es gibt eine natürliche Ordnung, einen Zustand, in dem alles seinen Platz hat und jedes Gefühl und jeder Gedanke gut aufgeräumt ist. Mit der Zypresse erkenne ich auch immer wieder den Wert der Wenigkeit und der Einfachheit. Im Umkreis der Zypresse existiert kein „Zuviel“ und kein „Über“, kein Überfließen, Überquellen, Überfordern, Übertreten. Keine Massen an Dingen, die man nicht braucht und auch keine Meinungen, nach denen man nicht gefragt hat.

Durch die ordnenden Kräfte der Zypresse werden kleine Zwischenräume frei, die vorher nicht erkennbar waren. Es kann auch gesehen werden, was zwischen den Zeilen steht, der feine, aufmerksame Blick schweift nicht ab. Diese Zwischenräume stehen zu meiner Verfügung, sie verschaffen mir Luft und bilden Freiräume, wo vorher keine waren. Dies ist ein wahrer Segen!

Affirmation: „Ich habe eine klare Linie!“

Duft: Cupressus sempervirens

Verwendeter Pflanzenteil: Zweige

Gewinnung: Destillation

Ein Kurs in Wundern – Narde

15 Jun

Es muss nicht alles einen Sinn ergeben und man muss auch nicht alles verstehen. Dann gäbe es ja keinen Platz mehr für das Unerklärliche, das Wundersame und das Wunderbare.

Für die wichtigsten persönlichen Angelegenheiten im Leben braucht man sowieso keine Beweise. Der Mensch ist mit sehr feinen Antennen ausgestattet, was die Wahrnehmung seiner Umwelt, seiner Mitmenschen und seiner selbst angeht.  Diese Art der Wahrnehmung scheint beinahe wie ein altes Handwerk auszusterben.

Die Narde führt mich in den ältesten Teil meiner Selbst.  Dorthin wo es keine Gegensätze gibt, wo es keine Zeit gibt,  wo es keine Welt gibt und auch keine Ablenkung.

Es ist der Ort, von dem aus ich meine Beschränkungen betrachten kann und die Illusionen, die meine Gewohnheiten tragen. Vor allem scheint es um die Gewohnheiten der Wahrnehmung zu gehen, um jene allzu menschlichen Automatismen, die zwar das alltägliche Leben vereinfachen und eine gewisse Ordnung herstellen, die aber auch den Blick auf die Realität normieren und eichen. Meine Wahrnehmung erschafft meine innere Welt und meine innere Welt erschafft meine Wahrnehmung.

Vor meinem inneren Auge bewege ich mich auf eine Landschaft zu, eine Gebirgsformation, aus der mehrere Berge aufragen, die gigantisch hoch sind.  Mit einem Satz befinde ich mich plötzlich auf einem der Gipfel. Die Luft, die ich atme, scheint mit Lebensweisheiten durchtränkt zu sein. Ich blicke hinab vom Dach der Welt.

Die Matrix, in der ich mich normalerweise bewege, liegt ausgebreitet vor mir und neben allem, was mich ausmacht und was ich bisher erlebt habe, sind da die Tore, die ich nicht durchschritten habe, die Mauern, die ich nicht eingerissen habe, die Wunder, die an mir vorbei gezogen sind.

Mir wird deutlich, dass es die Tore und Mauern nur in meiner eigenen Wahrnehmung gibt und dass die Wunder in mir und um mich herum existieren und dies schon immer getan haben. Es ist also noch alles da, was für mich vorgesehen ist. Ich habe nichts versäumt. Diese Erkenntnis zaubert ein Lächeln auf mein Gesicht.

Ich komme zu dem Schluss, dass ein Wunder lediglich die Wahrnehmung einer Möglichkeit auf einer höheren Bewusstseinsebene darstellt. Auf dem Dach der Welt eben!

Affirmation: „Meine Wahrnehmung weitet sich!“ „Ich bin von Wundern umgeben!“

Duft: Nardostachys jatamansi, Nepal

Verwendeter Pflanzenteil: Wurzel

Gewinnung: Destillation

Die Königin der Herzen – Rose

16 Mai

Sie ist die Königin der Blumen, Sinnbild der Mystik, die Anmutige, die Schöne, die Erblühende.

In ihrer Art, sich zu entfalten, zu erblühen, sich zu verströmen, sich hinzugeben, sich zu ver-ausgaben, ist sie kom-promisslos einzigartig.

Als Königin der Herzen hat sie die weichen Herzen stark gemacht und die harten Herzen weich. Bisher hat sie noch jedes Herz geöffnet.

Ihr Thema ist die Liebe als Grundmotiv jeglichen menschlichen Empfindens und Handelns.

Der Duft der Rose vermag es, die Angst vor Enttäuschung und Verletzung zu neutralisieren und eine wahre Öffnung des Herzens herbei zu führen. Die Liebe braucht keinen Grund und kein Hindernis, sie ist einfach.

Die Rose in voller Blüte verströmt ihren Duft als gäbe es kein Morgen. Ihre Botschaft lautet daher: „Liebe als wäre es dein letzter Tag!“ Die Liebe zu sich selbst und anderen ist der Grundbaustein der menschlichen Existenz. Lieben kostet nichts und jeder kann es von Natur aus.

Begleitet vom Duft der Rose ist schon so manches komplizierte Gerüst aus Verdrängung, Selbstschutz und falschem Stolz in sich zusammen gestürzt. Das Konstrukt der Liebe oder was man dafür gehalten hat wird ersetzt durch das einfache wahre Gefühl, das schwer zu beschreiben aber deutlich zu fühlen ist.

Das Geben und Nehmen von Liebe ist ein Grundbedürfnis des Menschen und daher universell verständlich. Herz ist Trumpf. Auch wenn manche Menschen etwas anderes behaupten, so wissen sie doch in ihrem Inneren, dass die Liebe die größte Kraft besitzt, dass sie Berge versetzen kann und den besten Schutz bietet.

Die Liebe in allen ihren Facetten, ob leidenschaftlich, zwischen-menschlich, freundschaftlich, mystisch oder spirituell besitzt die stärkste transformierende Kraft, die wir selbst erzeugen können.

Die Energie der Rose kennt keine Dualität, in ihrer Gegenwart lösen sich die Gegensätze in der göttlichen Einheit auf. Daher ist sie wehrhaft und sanft, hingebungsvoll und stolz, sich verströmend und innerlich gesammelt. Sie erstrahlt in vollem Glanz und vergeht bereits im selben Augenblick wie ein Moment des Glücks.

Daß die Rose dir zum Beispiel werde!
Sonne, Tau und süßen Wind von Osten
Allen Glanz und alles Glück der Erde
Weiß sie frei und unbesorgt zu kosten.
Des Propheten Weisheit braucht sie nicht
Denn sie lebt ja so, wie jener spricht.
 
von Hafis
 

Wissenswertes und Literarisches zur Rose:

Welt der Rosen Die Autoren haben sich große Mühe gemacht, allerhand rund um das Thema Rosen zusammen zu tragen.

Buchtipp: „Die Rose“ insel Taschenbuch, Gedichte und Geschichten zur Rose

Affirmation: „Mein Herz ist voller Liebe!“

Duft: Rosa damascena, Türkei

Verwendeter Pflanzenteil: Blüten

Gewinnung: Destillation

 

Meister der Stille – Weihrauch arabisch

19 Apr

Kumbhaka wird im Yoga der Moment zwischen Einatmung und Ausatmung genannt, eine natürliche Atempause, ein kurzer Stillstand in regelmäßigem Rhythmus im großen sich endlos drehenden Rad des Lebens.

Es heißt, wer Kumbhaka meistert, meistert auch sein Leben in Vollkommenheit. Dabei geht es darum, diesen kurzen Moment der Stille beim Atmen auszudehnen ohne den natürlichen Fluss der Atmung zu verlassen und ohne den Atem bewusst kontrollieren zu wollen.

Die Stille mit allen Facetten ist das Thema des arabischen Weihrauchs, das ich seit Tagen immer wieder wahrnehme. Beim Riechen stellt sich sogleich eine tiefe innerliche Ruhe ein und des öfteren habe ich feierlich die Stille genossen – dieses merkwürdige Wesen.

Nichts hören, nichts sehen, nichts sprechen und doch ist da etwas. Geräusche und Empfindungen. Mein Atem, mein Herzschlag, meine innere Stimme, manchmal nichts.  Nur dieser große weite Raum voller Erholung, diese Stille ist heilsam.

Wenn es einfach nur still im Inneren wird bis zur Regungslosigkeit. Still sein und sonst nichts. Kein Bild, keine Gedanken, keine Assoziationen, einfach nur Stille. Es ist ein Gefühl der Schwerelosigkeit, frei flottierend.  Doch diese Momente sind kostbar und dauern nur kurz.

Ich glaube ich habe eine Idee davon bekommen, was mit der Meisterschaft von Kumbhaka gemeint ist und welche Botschaft mir der Duft des Weihrauchs damit überbringen möchte. Es geht um die Ausdehnung der existenziellen Stille und das Wahrnehmen des eigenen Wesens bis man auch dieses hinter sich lassen kann und einfach nur Teil des Lebensflusses ist.

Ein kurzer Moment der Stille ist für viele Menschen noch gut auszuhalten, obwohl ich auch Menschen erlebt habe, die schon bei der Aufforderung, die Augen für einen Moment zu schließen, einen Kontrollverlust erlitten haben. Je länger man in der Stille ist, umso anspruchsvoller wird es – energetisch, emotional, körperlich. Weihrauch stellt immer wieder den Bezug zur Atmung her, als Wegweiser und Fortbewegungsmittel auf dem Pfad der Stille.

Das Ausdehnen der Ruhe und der Stille führt am Ende zum eigenen Wesen und im besten Fall zu einem tiefen und fundamentalen Identiätsgefühl –  dem Einssein mit sich und der Welt.

Affirmation: „Ich mache mich auf den Weg zu meinem Wesenskern!“ „Ich lausche der Stille!“

Duft: Boswellia sacra, Somalia

Verwendeter Pflanzenteil: Harz

Gewinnung: Destillation

Spiegel aus Holz – Zeder

6 Apr

Spiegel aus Holz

Mit dem Duft kommt die tiefe Atmung.  Mit der tiefen Atmung kommt die Ruhe. Mit der Ruhe kommt die Kraft.  Ich sitze und atme, werde schwer und gleichzeitig richte ich mich innerlich auf.  Mit jedem Atemzug entferne ich mich ein wenig weiter von der normalen Zeitrechnung.

Jenseits vom allem, was ich normalerweise bin, ist ein Teil meiner selbst, der unveränderlich mein Fels in der Brandung ist. Mein Baum an den ich mich lehnen kann, in allen Lebenslagen. Es ist mein Seelenkern. Tatsächlich spüre ich für einen Moment in mir diesen unendlichen Anteil.  Stabilität in immerwährender Wandlung.

Mit diesem Gefühl sehe ich in meiner inneren Wahrnehmung, begleitet von tiefer selbstverständlicher Atmung, einen großen Holzrahmen. Es sieht aus wie ein Spiegel, aber auch die Fläche des Spiegels ist aus Holz. Ich blicke darauf aber nichts passiert. Als ich die Augen schließe, taucht derselbe Spiegel wieder auf. Nun sehe ich wie sich die Holzfläche langsam öffnet und sich in ein farbiges Meer aus pulsierenden Spiralen verwandelt.  Das ist der pulsierende Fluss der Lebensenergie. Das Leben ist in mir und umhüllt meinen Seelenkern.  Damit bin ich gekommen und damit werde ich wieder gehen.  Mit dem Öffnen der Augen steht nun wieder der Zauberspiegel mit glatter Holzfläche vor mir.

Ich verstehe, dass die Lebensachse, um die ich mich selbst drehe und die mir Stabilität und Kraft gibt, in mir selbst liegt und dass ich die Verbindung zu meinem Seelenkern nur mit dem Blick nach Innen herstellen kann. Nun weiß ich aber auch, dass ich diesen Seelenkern auch direkt ansprechen und um Unterstützung bitten kann.

Der Duft der Zeder versprüht die nötige Magie, um sich seiner eigenen Kraft bewusst zu werden und sich zu seiner vollen Größe aufzubauen.  Wir Menschen sind aufrechte Wesen, die sich zwischen Himmel und Erde ausrichten. Die Wirbelsäule dient als stützende Achse, der klare Geist als Wegweiser.  Ich blicke in den Spiegel der Zeder und sehe Respekt, Stabilität, Kraft, Ruhe, das Göttliche, die Unendlichkeit und sehe es im selben Augenblick tief in meinem Inneren, denn nur dort kannst du die Botschaft der Zeder empfangen.

„Es kann die Ehre dieser Welt
Dir keine Ehre geben.
Was dich in Wahrheit hebt und hält
Muss in dir selber leben.“                             Theodor Fontane

 

Siehe auch Besuch einer Libanon-Zeder

Affirmation: „Ich spüre meinen Seelenkern!“ „Alle Kraft kommt aus mir selbst!“

Duft: Cedrus atlantica, Marokko

Verwendeter Pflanzenteil: Holz

Gewinnung: Destillation

Der Erlöser – Oud

23 Mrz

Ich rieche und schon weiß ich genau wie bereits einige Male zuvor es geht in die Tiefe. Damit ist weniger eine Abwärtsbewegung gemeint wie bei vielen erdenden Düften, sondern mehr eine Bewegung nach Innen und von da aus in die große Weite der Existenz. Was ist am Ende wichtig, wenn eines Tages der Film meines Lebens vor meinem inneren Auge abläuft oder wenn mein Herz zum letzten Mal gewogen wird?

Es werden die Momente sein, die mir am meisten bedeuten und die Menschen, die ich am meisten liebe und die mich lieben. Im Idealfall.

Unvorteilhaft wäre es, wenn mir Versäumnisse, tiefe Verletzungen oder ungelöste Konflikte begegnen würden.  Erlebnisse und Erinnerungen, die unveränderbar erscheinen, die immer wieder kommen, in Träumen oder am Tag, plötzlich tauchen sie wie alte Bekannte wieder auf. Und sie sind unangenehm, diese Schuldeneintreiber.

Es reicht nicht, einfach darüber nachzudenken, sich eine rationale Erklärung zu suchen.  Es muss eine Lösung auf allen Ebenen des Menschseins stattfinden. Hilfreich dabei ist, dass man selbst von diesem Duft ein wenig weggetragen wird, ein wenig losgelöst wird. Der krampfhafte Griff des leidenden Herzens wird gelockert. Und Lockerung kommt vor Loslassen.

Mit diesem Duft kommt mir eine große Kraft in den Sinn, nämlich die Kraft der Vergebung, entweder anderen oder sich selbst gegenüber.  Vergebung bedeutet persönliche Freiheit denn durch sie wird das scheinbar Unlösbare beeinflussbar. In sich selbst ist unabhängig von äußeren Umständen immer eine Änderung möglich. Wie es in uralten Schriften gelehrt wird, ist die Vergebung vor allem anderen ein großmütiger Akt sich selbst gegenüber. Es hat nichts mit Schwäche zu tun. Vergeben heißt nicht vergessen. Es bedeutet lediglich unangenehme Erfahrungen und zerstörerische Gefühle an eine höhere Macht zu übergeben. Und gleichzeitig bedeutet es, diese aus sich selbst zu entfernen und damit die Grundlage für unerwünschte Resonanzen zu entziehen.

Dieser Duft erinnert mich an jene Menschen, die erhaben sind.  Sie sind durch ihren Glauben, ihre Lebenseinstellung oder ihre Art, mit der Welt zu interagieren, immer und überall im Reinen. Fast mag man sich fragen ob es sich um einen Menschen handelt oder eher um ein göttliches Wesen in menschlicher Gestalt. Und doch gibt es sie.

Mit diesem Duft kommt man der Erlösung ein kleines Stückchen näher, indem man Freiheit durch Vergebung erlangt. Auch wenn dieses Gefühl nur wenige Momente andauern sollte, so wird mit dem Akt der Vergebung ein Moment der Furchtlosigkeit geschaffen. Denn man kann dem eigenen Groll, der Wut, der Schuld, der Scham, der Qual, dem Leiden liebevoll begegnen.

Und während ich dies schreibe, weiß ich, dass diese Assoziationen nur ein Thema von vielen wiederspiegeln. Oud ist ein weiterer Duft für die Ewigkeit. Ich darf also gespannt sein…

Affirmation: „Ich vergebe mir!“ „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!“

Duft: Oud, Aquilaria agallocha, Kambodscha

Verwendeter Pflanzenteil: Holz

Gewinnung: Destillation

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