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Oh Captain, mein Captain – Moschuskörner

19 Jan

moschus

Im Leben gibt es viele Wege –  zu Wasser, zu Lande oder in der Luft.

Wir bewegen uns auf diesen Wegen fort, mal schneller, mal langsamer, über Berg und Tal, über Umwege und Irrwege und kommen dann doch irgendwann wieder an einen Ort, der uns bekannt vorkommt, an einen Punkt, an dem wir vielleicht schon einmal waren oder es kommt uns nur so vor. Oder wir finden in der Fremde ein neues Zuhause, wo sich die Seele gerne niederlässt.

Sicher ist, dass man niemals dieselbe oder derselbe bleibt. Das Leben ist eine Reise und mit dem Duft der Moschuskörner gehe ich auf Entdeckung.

Sogleich entsteht in meiner Imagination das Bild eines Schiffes, dessen Segel aus Federn besteht, die zart im Wind flattern. Mein Schiff schwebt schwerelos auf hohen Wellen und in der Ferne sehe ich einen Fixpunkt in den Farben des Federkleides meiner gehissten Segel.

Mir wird klar, dass wir, mein Federboot und ich, dorthin in die Ferne segeln werden und dass dies auch ohne mein Zutun geschehen wird.

Ich weiß vielleicht nicht genau, wohin mein Schiff fährt, aber ich weiß ganz sicher, dass ich der Kapitän bin. Oh Captain, mein Captain!

Der Kapitän ist ein Symbol für den inneren Kompass, nun spüre ich ihn ganz deutlich. Eine trockene Note im Duft lässt immer wieder das Bild von trockenem Treibholz, das an einen paradiesischen Strand angespült wurde, entstehen. Mag sein, dass das Boot, zu dem das Treibholz gehörte, Schiffbruch erlitten hat oder es im Sturm an einem Felsen zerschellt ist. Aber dieses eine  Stück hat es doch bis ins Paradies geschafft.

Vielleicht ist es besser ein Stück Treibholz im Paradies zu sein, als ein ganzes Schiff im sicheren Hafen? Zahlreiche Gedanken zum Thema „Lebenswege“ gehen mir durch den Kopf. Der Duft hat auch etwas Fruchtig-Exotisches an sich und schenkt Mut, auch die ungewöhnlichen, speziellen, von der Norm abweichenden Lebensabschnitte zu würdigen.

Es wird immer Leute geben, die den eigenen Lebensweg nicht verstehen, die Zweifel säen oder versuchen, einem ihr eigenes Lebenskonzept überstülpen zu wollen. Da rascheln die Federn meines Zauberschiffes leise im Wind und flüstern: Oh Captain, mein Captain!

Und ja, ganz tief in mir selbst hallt das Echo dieser Worte nach und bringt etwas zum Schwingen. Es ist die Freiheit, den eigenen Weg zu wählen, Schritt für Schritt. Ich selbst kenne mich am besten und deswegen weiß ich auch am besten, wohin ich will.

Lebenswege gibt es viele, nicht nur einen einzigen. Und außerdem segelt mein Schiff sowieso ganz von allein meinem Fixstern entgegen. Ich konzentriere mich auf das Flüstern der bunten Federn im Wind….und lausche dem Echo tief im Inneren….und weiß, dass dies das Einzige ist, was zu tun ist.

Affirmation: „Oh Captain, mein Captain!“

Duft: Hibiscus abelmoschus

Verwendeter Pflanzenteil: Samen

Gewinnung: Wasserdampfdestillation

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Vision Quest – Wacholderbeere

5 Okt

Es ist die Zeit der fallenden Blätter und im Duft der Wacholderbeere erwartet mich ein herb-holziges Ur-Wesen, das mich sodann in die Tiefen meiner Seelen-Landschaft eintreten lässt.

Die Imaginationen sind sehr plastisch und dabei klar, auf das Wesentliche reduziert.

Ich befinde mich auf einer weiten Ebene. Kein Mensch, kein Haus, kein Weg.

Mein Blick gleitet bis zum Horizont und in die Unendlichkeit dahinter. Ich stehe einfach nur da, auf einem Acker und werde gewahr, dass unter mir viele Schichten der Erde aus verschiedenen Zeitaltern liegen und dass vor meiner Zeit andere Menschen hier standen, um das Land fruchtbar zu machen.

Dieser Duft lässt im Inneren eine ganz eigene Melodie, einen fremdartigen Urgesang erklingen, der ein Ur-Wesen in mir anspricht, meine Seele.

Auf dieser weiten Ebene sind die Gefühle klar, gesammelt, windstill, reduziert und auf merkwürdige Weise abstrahiert, so als hätte ich sie am Rastplatz mit all dem anderen Reisegepäck zurück gelassen, wo sie auf mich warten, bis ich wieder komme.

Es gibt diese Momente der Wahrhaftigkeit, in denen man spürt, dass es kein Ausweichen gibt, keinen Aufschub,  kein Warten mehr.

Momente, in denen sich der Schritt verlangsamt bis man es endlich wagt in mutiger, gefasster Geistesgegenwart stehen zu bleiben, sich umzudrehen und dem eigenen Schatten ins Gesicht zu sehen. Stehenbleiben, weil man weiß, dass alles andere keinen Sinn mehr machen würde.

Dies ist das Feld der Desillusion. Ich kam hierher, um die Dinge ins rechte Licht zu rücken. Die weite Ebene dient mir als Spiegel. Einige Tage lang sah ich vor meinem inneren Auge mich selbst auf dieser weiten Ebene in der Begegnung  mit dem eigenen Schatten.

Beim Malen dieser Szene, entstand ganz entgegen meiner Intention eine Figur mit Flügeln auf dem Feld und in dem Moment wurde mir klar, dass die Schatten, die ich im Moment der Wahrhaftigkeit erlebt hatte, selbst die Illusion waren.

Die Dufterfahrung hatte in mir zunächst die Illusion der Schatten erweckt, um mir dann zu zeigen,  dass es eine weite Ebene gibt, auf der nur ich mit mir selbst zurück bleibe. Kein Mensch, kein Haus, kein Weg. Dafür ein paar Flügel – geschenkt.

Vom Duft der Wacholderbeere habe ich gelernt, dass der Meander-Weg der Seele über Illusionen und  Umwege führen kann, dass das, was man für wahr hält ebenfalls eine Illusion sein kann und man daran so lange festhalten darf wie man sie braucht. Jedoch in dem Wissen, dass die Wahrheit nur im Spiegel der individuellen Entwicklung existiert.

Ansonsten ist die Wahrheit eine weite Ebene, ohne Mensch, ohne Haus und ohne Weg. Dafür ein paar Flügel – geschenkt.

Affirmation: „Ich bleibe bei meiner Wahrheit nur so lange ich sie brauche!“ „Die Wahrheit ist eine weite Ebene!“

Duft: Juniperus communis, Bosnien

Verwendeter Pflanzenteil: Frucht

Gewinnung: Destillation

Der weiße Baum – Cajeput

19 Sep

Die Atmung ist wie ein wertvolles Geschenk in einer unscheinbaren Verpackung.

Ein lebendiges Geheimnis, das sich circa 12 mal pro Minute immer aufs Neue selbst offenbart und doch bleibt es scheinbar unentdeckt. So selbst-verständlich wie die Luft zum atmen hält uns der Atem am Leben.

Mit dem Duft von Cajeput wird eine freischwebende Aufmerksamkeit auf die Atmung gelenkt.

Beim Atmen mit dem Duft spüre ich plötzlich genau wie weit mein Atem reicht. Eine frische Brise zieht durch meinen Brustkorb über den Bauch bis hin zum Steißbein. Der Atem passiert ohne Zutun.

Immer wieder kommen mir folgende Worte in den Sinn:

Atme einfach – einfach atmen!

Und so übe ich mit Cajeput die Kunst der Atmung. Ich bekomme eine sehr genaue Vorstellung der idealen Atmung. Sie ist fließend, strömt von selbst ein und aus und zwischen Ein- und Ausatmung gibt es eine kleine Pause.

Immer wenn ich mich zu sehr auf einzelne Etappen des Atemzuges konzentriere, bleibe ich irgendwo stecken. Dann lasse ich die Atmung wieder ihr Ding machen, einfach atmen.

Cajeput scheint den unsichtbaren Atemstrom wie ein Kontrastmittel erlebbar zu machen. Nach einigen Minuten hinterlässt der Duft auf der Achse der Wirbelsäule eine bleibende, leicht kühle und prickelnde Sensation.

In meiner Mitte, aus der Organlandschaft heraus wächst ein weißer, luzider Baum oder besser das Hologramm dieses Baumes. Mit jedem Atemzug kommen neue feine, leichte und leuchtende Äste hinzu.

Ich nehme an, diese Lichtinstallation, die weit über meine Grenzen hinaus strahlt, ist das Abbild meiner Lunge in diesem Moment. Der weiße helle Baum mit seinen feinen Zweigen, der mich leben lässt. Vielleicht ist die Atmung das größte Geschenk!

Der Atem kann überall hinströmen. Ich kann über die Körpervorderseite einatmen und über die Rückseite ausatmen, über die Füße, Hände, den Scheitel. Wie ich so herumspiele wird die Energie um mich herum immer schöner. Mit der Atmung gehe ich auf Wanderschaft.

Dabei gewinne ich die Einsicht, dass der Atem mit allem, was ich fühle und bin in Verbindung steht. Dabei komme ich auch an den Orten in meinem Innenraum vorbei, wo meine Atmung am liebsten anhalten will.

Dann sagt mein duftender Atemlehrer:

Atme einfach – einfach atmen.
Wenn du Angst hast, atme einfach!
Wenn du kraftlos bist, atme einfach!
wenn du dich leer fühlst, atme einfach!
Atme einfach – einfach atmen.
 

Affirmation: Atme einfach – einfach atmen!

Duft: Melaleuca cajeputi, Vietnam

Verwendeter Pflanzenteil: Blätter

Gewinnung: Destillation

Vanitas – Heu

24 Jul

Herman Herstenburgh, Still Life

Obwohl ich weiß, dass Heu gestorbenes, verwelktes Gras ist, hatte ich mir insgeheim den Duft von frisch geschnittenem Gras erhofft.

Stattdessen weicht meine Nase vor dem ersten Duftimpuls vehement zurück, zu intensiv und eindringlich. Ich muss mich langsam annähern.

Nach wenigen Minuten wird der Duft weicher, erdiger, tiefer. Er hält mich und umarmt mich ganz fest!

In mir entsteht ein Gefühl von Ausdehnung und Wachstum. Das Empfinden von Tiefe dehnt sich nicht nach unten, sondern  flächendeckend zur Seite hin aus. Plötzlich weiß ich, dass das, was sich dort ausbreitet, meine eigene Existenz ist. In völliger Transparenz werde ich zum gläsernen Menschen und betrachte.

Ich trete in den offenen Diskurs über das Werden und Vergehen, Leben und Tod, ein. Und da ist die Vergänglichkeit, Vanitas. Alles geht vorbei, verwelkt, zerfällt und stirbt. Es stört mich nicht. Es ist der natürliche Kreislauf der Welt, Leben und Tod gehören zusammen.

Vanitas, die Vergänglichkeit kann auch etwas Schönes und Befrei-endes haben, wenn man akzeptiert, dass es sie gibt.

Dieser eigentümliche Heu-Duft tut sein Bestes, einem die Angst vor dem Tod zu nehmen und diese mit einem Gefühl von Natürlichkeit zu ersetzen und sich im Rad des Lebens geborgen zu fühlen.

Damit das Leben seinen Lauf nehmen kann, brauchen wir die Vergänglichkeit ganz dringend. Sie ist es, die den Augenblick kostbar macht, Lebensmomente intensi-viert und uns lehrt das Geschenk des Lebens zu schätzen.

Die Integration der Idee des Todes rettet uns; statt uns zu einer Existenz des Schreckens oder des düsteren Pessimismus zu verurteilen, wirkt sie als Katalysator, damit wir in authentischere Modi des Lebens eintauchen können, und sie vergrößert unsere Freude am Leben.“

Irvin D. Yalom, Existentielle Psychotherapie

Die Heu-Essenz bietet einen hoch philosophischen Spaziergang auf dem Weg der großen Denker vor unserer Zeit an und hilft die Vergänglichkeit und den Tod im Alltäglichen zu akzeptieren und als Teil von sich selbst anzunehmen. Der Lohn ist eine tiefgründige und fundamentale Lebensfreude mit einer unvergleichlichen, köstlichen Qualität.

Affirmation: „Vanitas, ich grüße dich!“

Duft: Bergwiesenheu

Verwendeter Pflanzenteil: Kraut

Gewinnung: Co-Destillation

In Buddha’s Haus – Weihrauch indisch

21 Mai

Wenn man sich die Identität des Menschen als Haus vorstellt, dann sind die Lebensprinzipien tragende Balken in der Konstruktion, die eine gewisse Stabilität gewährleisten.

Einige dieser Prinzipien sind lebenslängliche und zuverlässige Begleiter und decken sich mit  den eigenen Werten und dem Selbstverständnis. Sie unterstützen die Entscheidungsfindung und schenken das gute Gefühl, der Mensch zu sein, der man sein möchte.

Da der Mensch aber einem ständigen Wandlungsprozess unterworfen ist und sich durch innere Reifungsprozesse, durch Erfahrungen mit anderen Menschen und durch wichtige Lebensereignisse verändert, kann es passieren, dass sich das eigene Lebensgefühl plötzlich nicht mehr mit den Prinzipien deckt, die man über einen langen Zeitraum hinweg vertreten hat und anstatt in Kongruenz mit den eigenen Prinzipien zu leben, lebt man eher gegen sie an.

Das Festhalten an den überholten Prinzipien mag zwar vordergründig die Sicherheit der Seelenhaus-Konstruktion gewährleisten, führt aber letztlich zum Stillstand der persönlichen Entwicklung.

Tief im Inneren ist jedoch der Stein der Veränderung schon ins Rollen gekommen und bewegt sich nun unaufhaltsam auf die bewusste Wahrnehmung zu. Entweder man klammert sich nun noch mehr an die nicht mehr zeitgemäßen Fragmente der eigenen Identität und nimmt das damit einhergehende Unbehagen in Kauf oder man traut sich, die morschen Balken der Ich-Konstruktion gegen neue auszutauschen und riskiert damit zeitweilige Instabilität.

Dies ist der Moment, an dem der indische Weihrauch sein größtes Potenzial entfaltet. Er ist ein Mutduft im Dunkeln und verschafft Zugang zum inneren Tempel, zu Buddhas Haus im Herzen des Menschen.

Tief in sich selbst geborgen, findet man im Angesicht der Wandlung Stabilität und Anmut. In Buddhas Haus lerne ich: Veränderung tut nicht weh. Veränderung bedeutet Verstehen.

Der indische Weihrauch schenkt tief im Inneren zuversichtlichen Frieden. In diesem geborgenen Zustand fällt es leicht, sich die Erlaubnis zur Veränderung zu geben, die Erlaubnis zu hinterfragen, die Erlaubnis zu brauchen und zu dürfen und ein neuartiges Lebensgefühl für sich zu entdecken, das zuvor aufgrund überholter Prinzipien verwehrt blieb.

Die Reise mit indischem Weihrauch führt tief bis ans Fundament der eigenen Identität. Es ist ein Duft für Menschen, die selbst ihr strengster Richter sind. Auf kontemplative Weise kann man mit Weihrauch indisch das eigene Regelwerk korrigieren, von der Strenge zur Erlaubnis kommen und das Tor der Prinzipien als freier Mensch durchschreiten.

Es ist ein herrlicher Duft, um die eigenen Bedürfnisse in Phasen der Veränderung zu klären, mit einem neuen Lebensgefühl verbundene Werte zu formulieren und ein neues Lebenskonzept zu verwirklichen.

Affirmation: „Was lange verwehrt, wird endlich geehrt!“

Duft: Boswellia serrata, Indien

Verwendeter Pflanzenteil: Harz

Gewinnung: Destillation

Hüterin des Seelenkerns – Tuberose

20 Apr

Wenn sich die weißen Blüten der Nachthyazinthe öffnen, entströmt ihnen ein narkotischer, süßer und leicht würziger Duft mit einem Hauch von Zimt.

Die Tuberose agiert ähnlich wie Jasmin im Verborgenen, in der Nacht, im Urgrund der Seele. Mit ihr senkt sich der Schleier des narkotischen, tiefen Schlafes und geleitet die Seele durch die archaische Traumlandschaft – auch am Tag.

Mit Bestimmtheit dringt sie bis tief ins Innere vor bis an Orte, die man selbst nur selten besucht hat. Leise, geschmeidig, gleitend.

Über eine Woche hat der Duft der Tuberose Material aus meinen Seelentiefen geborgen und hat mir Zugang verschafft zu meinem emotionalen Gedächtnis. Sie hat eine Schleuse vom Herzen her geöffnet und verschiedene bedeutsame mit Herzblut vermischte Erinnerungen offenbart.

Im Beisein der Tuberose erinnert sich das Herz: gespeicherte Gefühle, die (noch immer) aus dem Unbewussten heraus das Leben im Hier und Jetzt zu beeinflussen wagen, werden aufgegriffen und gezeigt. Interessanterweise werden neben den größten Verlusten  und Enttäuschungen auch die größten Triumphe und Glücksmomente aus dem Seelenleben akquiriert. Die Süße neutralisiert die Bitterkeit!

Nach einigen Traumnächten mit Tuberose fühlt sich mein Unbewusstes plötzlich viel plastischer und vielschichtiger an. Es scheint als seien unter der normalen Traumlandschaft oder dem, was ich normalerweise als Unbewusstes wahrnehme, noch weitere, tiefere Schichten. Während ich tiefer sinke, glätten sich gleichzeitig die Wellen meiner emotionalen Seelenwelt, ein merkwürdiger Vorgang der Abstraktion setzt sich in Gang.

Es ist ein Schwellenbereich in mir, an dem die konkrete Wahrnehmung des Selbst ins Abstrakte übergeht, die Mündung, an der das Seelenschiff aufs offene Meer segelt, um in die unendliche Weite der Schöpfung einzutauchen.

Um mich herum wird es leer und leise, das ICH fühlt sich an wie eine kompakte pulsierende Kugel – mein Seelenkern. Dort spiegelt sich das eigene menschliche Sein in seiner hellsten und reinsten Form. Hüllenlos, bedingungslos, makellos, mühelos, unantastbar.

In den tiefsten Tiefen des Herzens glüht ein geheimer, ewiger Lebensfunke als Urform der eigenen Identität. Die Botschaft der Tuberose ist der Energieerhaltungssatz der Seele: alle Energie bleibt erhalten, nichts geht je verloren, alles wandelt sich und nimmt andere Formen an.

In der Duftlandschaft der Tuberose mag man sich verlieren, um sich am Ende wiederzufinden. Die als verloren geglaubten Splitter der Seele, können im neuem Gewand erkannt und wiedergefunden werden und das ist die zutiefst heilsame Erfahrung mit der Hüterin des Seelenkerns.

The pain of yesterday is the strength of today. Paulo Coelho

Affirmation: „Nichts geht je verloren, alles wandelt sich!“

Duft: Polianthes tuberosa, Indien

Verwendeter Pflanzenteil: Blüte

Gewinnung: Ölextraktion

Heilerin der blauen Stunde – Schafgarbe

20 Mrz

Das tiefblaue Öl der Schafgarbe sieht aus wie ein Zauberelixier aus einer weit entfernten Galaxie, während der Geruch an den vertrauten Duft einer Wildkräuterwiese erinnert.

Der erste Dufteindruck ist sehr stark krautig und anhaltend. Erst nach einiger Zeit lässt der Aufforderungs-charakter nach und wird zunehmend sanfter und offener.

Ich folge dem Impuls, einen Tropfen des Öls in meine Handinnenfläche zu tropfen und entlang meiner Lebens-linien sickert der blaue Duft bis in die feinsten Falten meiner Handinnen-fläche ein bis sich schemenhaft eine Figur abzeichnet – eine archetypisch weibliche Erscheinung, eine blaue Göttin oder Schutzpatronin.

Auf jeden Fall ist diese in sich ruhende Duftpersönlichkeit respekteinflößend und hinterlässt einen sehr starken Eindruck. Aufgrund ihrer Souveränität und Unerschütterlichkeit wirkt sie beinahe überirdisch, wie eine Botschafterin aus göttlichen Sphären.

Der uralte Name für die Schafgarbe ist „Heil aller Schäden“, denn sie weiß wie man Wunden heilt. Bereits Achilles soll seine verletzte Ferse mit Schafgarbe versorgt haben. Ihm folgten abertausende Soldaten auf verschiedenen Schlachtfeldern dieser Erde nach und versorgten auch ihre Wunden mit dem blauen Öl.

Während die Schafgarbe einerseits den Verwundeten und Leidenden unter ihrem Schutzmantel Obdach gewährt, gibt es da noch eine andere, transformierende Kraft, die einen antreibt, auf die Suche zu gehen. Dies geschieht, sobald nach Verletzung und Niederschlag wieder die ersten Kräfte mobilisiert werden.

Trotz aller Güte und wohlwollender Versorgung ist die Schafgarbe eine weise Duftgöttin, die den Weg der Konfrontation sucht. Es kommt zu einer Gegenüberstellung mit den eigenen Grauzonen, mit Fehlern, die nicht gemacht werden wollten, mit Gefühlen, die nicht gelebt werden wollten und mit Lebensaufgaben, die nicht angenommen werden wollten.

Dieser blaue Duft ermöglicht den übermenschlichen Schritt über Schwellen hinweg und durch die Tore der Selbsterkenntnis hindurch zu gehen und den prüfenden Blick der Sphinx zu überstehen.

Veränderung kann nur durch die Wahrnehmung der inneren Stimme geschehen.

Die Schafgarbe scheint zu sagen: „Vergiss deine Ratschläge und Meinungen und die der anderen, blende das Getöse der wirren und zweifelnden Gedanken aus deinem Bewusstsein aus und werde achtsam für das leise Flüstern deiner inneren Stimme, die bereits seit Urzeiten den richtigen Weg kennt.“

Im Seelenleben gibt es die blaue Stunde, die Zeit der Dämmerung bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, die Zeit, um das Licht des Neuen zu begrüßen oder sich in die Dunkelheit zu wagen.

Vor Anbruch dieser blauen Seelenstunde hat man meist selbst schon eine Ahnung, dass es Zeit ist, an sich zu arbeiten, sich auseinanderzusetzen und den eigenen Weg zum Urgrund fortzusetzen. Der Duft der Schafgarbe sorgt dafür, diese Veränderung als nährend und heilend zu erfahren!

Die heilende, weibliche und schützende Kraft spiegelt sich auch in der Marienverehrung (Schutzmantelmadonna) wieder. In vorchristlicher Zeit war Brigid die keltische Göttin des Herdfeuers, auch die Strahlende, die Helle oder die Streiterin. Anbei ein altes Gebet ihr zu Ehren:

Brigid vom Mantel, umgib uns.
Herrin der Lampe, beschütz uns.
Hüterin des Herdes, entzünde uns.
Unter dem Mantel vereine uns
und gib uns dem Gedächtnis wieder.
Mütter unserer Mütter, Vormütter stark,
führt mit eurer Hand die unsrige,
erinnert uns, das Herdfeuer zu entfachen,
es leuchtend hell zu halten, die Flamme zu hüten.
Eure Hände sind unsere, Tag und Nacht.
Brigids Mantel um uns
Brigids Gedächtnis in uns,
Brigids Schutz, uns vor Schaden zu bewahren,
vor Unwissenheit, vor Herzlosigkeit,
diesen Tag und diese Nacht,
vom Morgengrauen bis zum Dunkel,
vom Dunkel bis zum Morgengrauen.

Affirmation: „Ich setze meinen Seelenweg fort!“ „Ich durchschreite die Tore!“

Duft: Achillea millefolium

Verwendeter Pflanzenteil: Blüte

Gewinnung: Destillation

Vom Haben zum Sein – in der Dufterfahrung

6 Feb

Was wir haben, das soll uns keiner mehr wegnehmen. Der Besitz spielt in unserer Kultur eine wichtige Rolle, so dass wir sogar unsere Krankheiten besitzen und indem wir das tun, distanzieren wir uns gleichzeitig von ihnen.

Der Psychoanalytiker Erich Fromm beschreibt dies in seinem Werk „Haben oder Sein“ so:

Abgesehen von Menschen gibt es eine endlose Reihe von Dingen und sogar Gefühlen, die als Eigentum erlebt wer-den, zum Beispiel Gesundheit und Krankheit.

Leute, die über ihre Gesundheit sprechen, tun es im Gefühl des Besitzes. Sie sprechen von ihren Krankheiten, ihren Operationen, ihren Behandlungen, ihrer Diät, ihren Medikamenten.

Damit die Krankheit aber wieder verschwindet, muss man in einen Prozess der Krankheitsverarbeitung und Krankheitsbewältigung eintreten. Dies bedeutet den Übergang vom Haben-Modus zum Sein-Modus und damit das Erleben verschiedener (möglicherweise unangenehmer) Zustände.

Der Sein-Modus ist am Lebendigen orientiert, an der schöpferischen Kraft im Menschen und mit Hilfe ätherischer Öle fällt es leichter, sich auf dem Weg vom „Haben“ zum „Sein“ zu machen.

Die Dufterfahrung bietet einen passenden Rahmen für Veränderungen und zudem die Möglichkeit, die Themen, von denen man sich bereits distanziert hat, näher kommen zu lassen, um dann erneut die Entscheidung treffen zu können, sie zu behalten oder sie loszulassen.

Die Düfte lenken die gesamte Aufmerksamkeit auf das Geschehen im Hier und Jetzt, im eigenen Selbst, im Körper, und fokussieren die Lebensenergie im Organismus darauf, Harmonie herzustellen. Im Zuge der Dufterfahrung erscheint das, was man zuvor als „Sicherheit“ behalten wollte vielleicht plötzlich als überflüssig.

Die Existenzweise des „Sein“ beschreibt Erich Fromm wie folgt:

Es bedeutet, sich selbst zu erneuern, zu wachsen, sich zu verströmen, zu lieben, das Gefängnis des eigenen isolierten Ichs zu transzendieren, sich zu interessieren, zu lauschen, zu geben.

Duftende Helfer für Meditation und Innenschau

13 Dez

Ein stilles Plätzchen im botanischen Garten, Berlin, unweit der Schwarzkiefern

Jeder Duft erzählt seine eigene Geschichte, man muss nur aufmerksam lauschen.

Es sind Geschichten ohne Worte, magische Erlebnis-Pakete voller Gefühl, Bilder, Stimmung, Szenarien manchmal jenseits von Zeit und Raum, volle intensive, sinnliche Erfahrungen.

Das Besondere an der Meditation mit Düften ist, dass die Aufmerksamkeit auf bestimmte Themen gelenkt wird, die der jeweilige Duft vermittelt.

Deswegen eignet sich die Innenschau mit Düften besonders, wenn man sich mit einem bestimmten Thema intensiv beschäftigen möchte oder die Meditation energetisch mit einer bestimmten Qualität aufladen möchte. Dies können z.B. die Themen Liebe, Kraft, Schutz oder Freiheit sein.

Die nonverbale Duftbotschaft eignet sich auch wunderbar als Ergänzung zur Rezitation eines Gebets, Segensspruches oder Mantras oder für bewegte Formen der Meditation (Yoga, Geh-Meditation).

Auch die körperlichen Funktionen wie z.B. Blutdruck und Atmung werden durch Düfte ebenso beeinflusst wie der Gehirnstoffwechsel. So kann mit Hilfe verschiedener Düfte der Alltag verlassen und die meditative Entspannung leichter erreicht werden.

In der Stille, wenn man in sich selbst ein großes weites Feld aufmacht und Platz geschaffen hat, dann zeigen sich die Duftpersönlichkeiten in all ihrer Pracht und fungieren häufig als Begleiter, Lehrer und Informationsträger.

Eine Duftmeditation ist im Prinzip mit jedem Duft möglich, es gibt aber einige wunderschöne Düfte, die Ruhe, Weisheit, Kontemplation und Stille fördern und die Verbindung zum eigenen Wesenskern  unterstützen.

Eine kleine Auswahl  habe ich hier exemplarisch aufgelistet. Die Links führen zu den jeweiligen Einträgen im Aroma Journal:

Angelikawurzel: ist das ewige Licht in der Dunkelheit, erhellt Seele und Körper, agiert in der Meditation als Fackelträger, schenkt Mut, Kraft, bietet Schutz und macht Mut.

Vetiver: hilft sich im gegenwärtigen Augenblick fest mit der haltenden Erdenergie zu verbinden, sich zu verwurzeln, um dann nach oben wachsen zu können. Vetiver schenkt das Ur-Vertrauen, die Räume des eigenen Bewusstseins zu erkunden und dort seine Heimat zu finden.

Zeder: zentriert, macht die eigene tragende Achse spürbar, hilft, sich zu seiner vollen Größe aufzurichten und über sich selbst hinaus zu wachsen. Bietet Stabilität im Spiel der Wandlung und dient als fester Bezugspunkt für die wandernde Seele. Vertieft die Atmung, schenkt Ruhe und Umsicht.

Sandelholz: vergoldet das Herz, macht die Herzqualität erfahrbar, schafft Bewusstsein für die eigene Zeit und Zeitlosigkeit, sanfte Stütze auf dem spirituellen Weg, hält seine schützende Hand über den spirituell Suchenden, verbindet mit dem höheren Selbst und dem göttlichen Funken.

Rose: öffnet das Herz, weitet das Bewusstsein für die universelle Liebe, für Miteinander, Mitgefühl und Nächstenliebe, schenkt Herzenswärme, verbindet das eigene Selbst mit dem Kosmos und dem großen energetischen Netzwerk zwischen allen Lebewesen.

Weihrauch: führt in die Stille, befreit vom Lärm der Gedanken, beruhigt und vertieft die Atmung, lenkt Aufmerksamkeit auf die Atempausen, Ruhe dehnt sich aus, tiefes Vordringen zum eigenen Wesenskern möglich.

Narde: weitet die Wahrnehmung, unterstützt Sinnsuche, Auflösung von Dualität, Erfahrung des „All-Ein-Sein“, Spiel mit Raum und Zeit.

Die Beschreibung enthält eine selektive Auswahl einiger, jedoch lange nicht aller Eigenschaften der genannten Düfte, die aus meiner eigenen Erfahrung heraus bei der Duftmeditation eine Rolle spielen. Es kann durchaus sein, dass sich die Duftthemen bei anderen Meditierenden aufgrund der Wahrnehmung und des Lebenshintergrundes etwas anders zeigen, jedoch wird das archetypische Grundthema bestehen bleiben.

Für die Duftmeditation 3-5 Tropfen in die Duftlampe geben und den Duft in Meditationshaltung bewusst einatmen oder einen Tropfen des ätherischen Öls auf einen Wattebausch oder direkt auf die Handflächen geben, diese vor Mund und Nase halten und mehrmals tief einatmen.

 Duftmeditation in Stichworten…

Den Alltag verlassen – eine bequeme Sitz- oder Liegeposition einnehmen – die Augen schließen – ruhig und gleichmäßig (den Duft) einatmen – Sich öffnen – abwarten ohne zu erwarten – konzentriert bei sich bleiben – erleben.

Los Dias de los Muertos

30 Okt

Catrinas 2In Mexiko werden zwischen dem 31. Oktober und dem 2. November „los Dias de los Muertos“ mit bunten Farben, wehenden Fahnen, Musik, Tanz und gutem Essen gefeiert.

Der Tod wird nach aztekischer Überlieferung als natürlicher Teil des Lebens angenommen und verdichtet sich symbolisch in der weiblichen (!) Figur der „Catrina“, der Gevatterin Tod.

Ursprünglich handelt es sich dabei um die Göttin Mictecacihuatl, die Herrin des Todes, die von den Azteken bereits seit über 500 Jahren in mehrwöchigen Feierlichkeiten verehrt wurde, bevor die spanischen Conquistadores in Mexiko eintrafen.

Nach altem aztekischem Glauben dürfen die Verstorbenen einmal im Jahr nach Hause zu ihren Verwandten zurückkehren und diese besuchen.

In der Nacht vom 31.Oktober auf den 1. November, dem Dia de los Angelitos, kehren die verstorbenen Kinder einer Familie heim, am darauffolgenden 2. November, dem Dia de los Muertos, kehren dann die erwachsenen verstorbenen Ahnen zurück.

Um die Ahnen gebührend zu empfangen, werden weder Kosten noch Mühen gescheut. Jede Familie errichtet einen Gedenk-Altar mit Fotos der Toten, mit Kerzen, Blumen und den Lieblingsspeisen der Verstorbenen, damit diese sich bei ihrer Ankunft daran laben und stärken können.

Außerdem ist der Altar auch immer mit kleinen Totenköpfen aus Zucker, mit süßen Gebäck-Totenköpfen und Statuen kleiner Skelette, die die Ahnen in alltäglichen Situationen zeigen, dekoriert, die an Ständen überall zum Verkauf angeboten werden.

Die Blumen auf dem Altar symbolisieren die Vergänglichkeit des Lebens. Eine besondere Rolle spielt hier eine Vorfahrin der bei uns wenig beachteten Tagetes oder Studentenblume, die Cempasuchil (Tagetes errecta Linnaeus), was übersetzt „Blume der 400 Blüten“ bedeutet.

In Form von Girlanden, Kränzen oder Kreuzen weist ihr Duft und ihre gelbe Farbe als Symbol der Sonne den Verstorbenen den Weg nach hause.

Auch in der Naturheilkunde findet die „Flor de Muertos“ bei Verdauungsstörungen, Magenschmerzen, Husten, Grippe, Fieber und Bronchitis in Form von Abkochungen und Salben Verwendung.

Im Zuge der Christianisierung wurden die Feierlichkeiten mit Allerheiligen und Allerseelen zusammen gelegt, jedoch die fröhliche und bunte Art mit der Skelettdame Catrina zu feiern, ihr zuzuprosten, mit ihr zu tanzen und zu lachen und dem Sterben und der Vergänglichkeit dadurch den Schrecken zu nehmen, hat sich nach alter vor-christlicher Tradition durchgesetzt. Zum Glück!

Denn 2003 wurden „Los Dias de los Muertos“ sogar von der UNESCO als immaterielles Kulturgut in die „Meisterwerke des immateriellen und mündlichen Erbes der Menschheit“ aufgenommen, um diese Feierlichkeiten als Kulturerbe zu schützen und zu ehren.

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