Archiv | Heimkehr RSS feed for this section

Wildniswissen – Kreuzkümmel

10 Jul
Foto

Jeanswerbung Dr. Denim

Wer hat der zivilisierten Welt nur beigebracht so ängstlich und gleichzeitig so brav zu sein? Warum können wir nicht etwas wilder sein, die Schuhe ausziehen und einfach barfuß weitergehen, und im Kühlschrank nur das Essen für den nächsten Tag einlagern?

Vielleicht weil wir unser wildes Erbe, unser Wildniswissen vergessen haben. Im Grunde des Herzens oder vielleicht sogar darunter ist mit dem Duft des Kreuzkümmels ganz deutlich die wilde, animalische Natur des Menschseins zu spüren.

Die Reise zum wilden Teil scheint mir rückblickend wie ein langer Weg, den ich in kleinen Schritten zurücklegen musste. In dem Augenblick, als ich den Kreuzkümmel zum ersten Mal roch, machte sich in meinem Unbewussten ein Fährtensucher auf den Weg, um zu meiner Wildnis zu gelangen. Und im selben Moment dachte ich: „Oh mein Gott, das riecht wie Schweiß!“

Einmal ist es mir passiert, dass dieser Duft chamäleonartig seine Duftnoten geändert hat. Zuerst schwülstig schmalzig und sehr intensiv würzig, wenig später entströmte eine leichte Kirsch-Note, hin zu einer kompletten Wandlung zu kräftiger Minze gefolgt vom medizinischen Duft der Myrrhe.

Ich habe erlebt wie der Duft bis tief in die Gedärme vorgedrungen ist und vor dem inneren Auge ein lebhaftes Bild sich bewegender Darmwindungen des Dickdarms und Dünndarms entstanden ist. Der Geruch ist schwer auszuhalten, ein Anflug von Übelkeit streift die Wahrnehmung, im Kopf steigen sanfte Nebel auf. Benommen und übel, na toll.

Es war wie ein Verdauungsprozess, der in die Zeit hineinragte und mich Stück um Stück zum wilden Teil meiner selbst brachte, zu jenem Stück Garten, das man nie besucht und wo Gestrüpp und Unkraut das Regiment übernommen haben.

Die Wildnis hat ihre eigene Architektur und ihre eigenen Gesetze.

Wild zu sein bedeutet nicht, die Kontrolle zu verlieren. Nein, es bedeutet intuitiv kraftvoll zu sein und diese Kraft wird gespeist von dem Wissen, innere Ressourcen zu mobilisieren, von denen man bisher vermutet hat, dass sie da sind, aber es eben nicht genau wusste.

Es bedeutet mehr Bodenhaftung zu haben, mehr Mut, mehr Souveränität, mehr Fülle, mehr Vertrauen darin, sich zu helfen zu wissen.

Es ist das Wissen, dass wir einen Sinn für das Überleben haben, den wir zwar nicht mehr nutzen, weil es uns einfach in diesem Teil der Welt  so gut geht und wir so viele Annehmlichkeiten in unserem Leben haben, dass wir nie dazu kommen, es auszuprobieren. Dass wir nie wissen, was wir alles überleben können und infolgedessen haben wir Angst, es könnte uns etwas zustoßen.

An und für sich bin ich kein besonders ängstlicher und auch kein besonders angepasster Mensch, und doch, im Angesicht dieses Duftes kommt so etwas wie Wagemut hervor, die Lust, sich zu widersetzen, die Streitaxt auszupacken, wenn es notwendig ist. Und auch die Lust, die wilde Seele zu nähren, ein Feuer zu entzünden, Räucherwerk zu verbrennen, sich die Hände schmutzig zu machen, barfuß zu gehen, mit den Wölfen zu heulen, zu tanzen und aus voller Inbrunst zu lachen und noch so einiges anderes…

Inzwischen finde ich zwar immer noch, dass der Kreuzkümmel etwas Schwülstig-Schweißiges hat, aber die wilde und animalische Seite in mir wird mir dadurch jedes mal wieder stark bewusst. Die wilde, ungebremste, bodennahe Kraft, die dann zu spüren ist,  fühlt sich an als ob man von einer sehr langen Reise endlich Heim kommt – zum ältesten Ort, der in einem selbst existiert.

Affirmation: „Gute Mädchen/Jungs kommen in den Himmel, wilde Mädchen/Jungs kommen überall hin!“

Duft: Cuminum cyminum, Ägypten

Verwendeter Pflanzenteil: Samen

Gewinnung: Destillation

Advertisements

Die Wandersfrau – Myrte Anden

29 Jun

Von Myrte Anden geht ein angenehmes tiefes Aroma von herben Waldbeeren und dürren Ästen  aus. Dieser Duft behält seine tiefsten Geheimnisse für sich aber gerade deswegen fühlt man sich darin so geborgen, angekommen, fast beheimatet.

Immer wieder tauchen ganze Bildsequenzen vor meinem inneren Auge auf, in denen ich mich auf Wanderschaft befinde und gerade in dem Moment, in dem ich nicht mehr genau weiß wo ich hin muss, begegne ich auf dem Weg immer wieder einer leuchtenden Frauengestalt im bunten Gewand.

Ich frage sie nach dem Weg und immer wieder erhalte ich dieselbe Antwort:“Wenn du nicht mehr weiter weißt, dann kehre um und gehe bis zu dem Punkt, an dem du dich wieder auskennst. So wie man in das Labyrinth hineingeht, findet man auch wieder hinaus!“

Eine ganze Weile haben mich diese Sätze beschäftigt und ich denke das Thema von Myrte Anden ist die Umkehr, das Aufsuchen eines vertrauensvollen Zustandes bzw. der Rückzug zum Kern des Urvertauens, von dem aus man achtsam einen Schritt vor den anderen setzt. Ich glaube, die geheimnisvolle Wandersfrau am Wegesrand repräsentiert eine wegweisende Kraft, die der inneren Stimme Gestalt verleiht.

Manchmal gerät man ja trotz bester Vorsätze auf einen Weg, den man eigentlich gar nicht einschlagen wollte. Einige Wege führen auch in eine Sackgasse und viele Wege gehen wir trotz besseren Wissens weiter und zwar bis zum bitteren Ende. Dabei ist Myrte Anden nicht nur ein Duft für größere Irrfahrten, sondern auch für die kleineren Irrungen und Wirrungen der täglichen Kommunikation.

Myrte Anden schenkt der inneren Stimme einen klaren, lauten und suggestiven Klang, so dass man ihrem Ruf nicht widerstehen kann. Die Myrten-Frau am Wegesrand schenkt den Mut zur rechtzeitigen Umkehr, wenn man sich einmal verirrt hat oder auf einen unguten Pfad geraten ist. Umkehren, hört sich ganz einfach an: anhalten, umdrehen, zurück gehen und das, was gerade noch vor einem lag hinter sich lassen.

Tatsächlich ist ein Labyrinth im eigentlichen Sinn ein verschlungener Weg ohne Verzweigungen, der unter regelmäßigem Richtungswechsel zum Mittelpunkt führt. Es gibt nur einen einzigen Weg, auf dem man entweder vor oder zurück gehen kann, nur verlaufen kann man sich nicht.

Myrte Anden führt immer wieder zurück zur eigenen Mitte, erinnert an die eigene klare Linie und daran, dass der Weg zurück manchmal der bessere ist!

Affirmation: „So wie ich hinein gefunden habe, so finde ich auch wieder heraus!“

Duft: Myrtus communis, Peru

Verwendeter Pflanzenteil: Zweige

Gewinnung: Destillation

Heilerin der blauen Stunde – Schafgarbe

20 Mrz

Das tiefblaue Öl der Schafgarbe sieht aus wie ein Zauberelixier aus einer weit entfernten Galaxie, während der Geruch an den vertrauten Duft einer Wildkräuterwiese erinnert.

Der erste Dufteindruck ist sehr stark krautig und anhaltend. Erst nach einiger Zeit lässt der Aufforderungs-charakter nach und wird zunehmend sanfter und offener.

Ich folge dem Impuls, einen Tropfen des Öls in meine Handinnenfläche zu tropfen und entlang meiner Lebens-linien sickert der blaue Duft bis in die feinsten Falten meiner Handinnen-fläche ein bis sich schemenhaft eine Figur abzeichnet – eine archetypisch weibliche Erscheinung, eine blaue Göttin oder Schutzpatronin.

Auf jeden Fall ist diese in sich ruhende Duftpersönlichkeit respekteinflößend und hinterlässt einen sehr starken Eindruck. Aufgrund ihrer Souveränität und Unerschütterlichkeit wirkt sie beinahe überirdisch, wie eine Botschafterin aus göttlichen Sphären.

Der uralte Name für die Schafgarbe ist „Heil aller Schäden“, denn sie weiß wie man Wunden heilt. Bereits Achilles soll seine verletzte Ferse mit Schafgarbe versorgt haben. Ihm folgten abertausende Soldaten auf verschiedenen Schlachtfeldern dieser Erde nach und versorgten auch ihre Wunden mit dem blauen Öl.

Während die Schafgarbe einerseits den Verwundeten und Leidenden unter ihrem Schutzmantel Obdach gewährt, gibt es da noch eine andere, transformierende Kraft, die einen antreibt, auf die Suche zu gehen. Dies geschieht, sobald nach Verletzung und Niederschlag wieder die ersten Kräfte mobilisiert werden.

Trotz aller Güte und wohlwollender Versorgung ist die Schafgarbe eine weise Duftgöttin, die den Weg der Konfrontation sucht. Es kommt zu einer Gegenüberstellung mit den eigenen Grauzonen, mit Fehlern, die nicht gemacht werden wollten, mit Gefühlen, die nicht gelebt werden wollten und mit Lebensaufgaben, die nicht angenommen werden wollten.

Dieser blaue Duft ermöglicht den übermenschlichen Schritt über Schwellen hinweg und durch die Tore der Selbsterkenntnis hindurch zu gehen und den prüfenden Blick der Sphinx zu überstehen.

Veränderung kann nur durch die Wahrnehmung der inneren Stimme geschehen.

Die Schafgarbe scheint zu sagen: „Vergiss deine Ratschläge und Meinungen und die der anderen, blende das Getöse der wirren und zweifelnden Gedanken aus deinem Bewusstsein aus und werde achtsam für das leise Flüstern deiner inneren Stimme, die bereits seit Urzeiten den richtigen Weg kennt.“

Im Seelenleben gibt es die blaue Stunde, die Zeit der Dämmerung bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, die Zeit, um das Licht des Neuen zu begrüßen oder sich in die Dunkelheit zu wagen.

Vor Anbruch dieser blauen Seelenstunde hat man meist selbst schon eine Ahnung, dass es Zeit ist, an sich zu arbeiten, sich auseinanderzusetzen und den eigenen Weg zum Urgrund fortzusetzen. Der Duft der Schafgarbe sorgt dafür, diese Veränderung als nährend und heilend zu erfahren!

Die heilende, weibliche und schützende Kraft spiegelt sich auch in der Marienverehrung (Schutzmantelmadonna) wieder. In vorchristlicher Zeit war Brigid die keltische Göttin des Herdfeuers, auch die Strahlende, die Helle oder die Streiterin. Anbei ein altes Gebet ihr zu Ehren:

Brigid vom Mantel, umgib uns.
Herrin der Lampe, beschütz uns.
Hüterin des Herdes, entzünde uns.
Unter dem Mantel vereine uns
und gib uns dem Gedächtnis wieder.
Mütter unserer Mütter, Vormütter stark,
führt mit eurer Hand die unsrige,
erinnert uns, das Herdfeuer zu entfachen,
es leuchtend hell zu halten, die Flamme zu hüten.
Eure Hände sind unsere, Tag und Nacht.
Brigids Mantel um uns
Brigids Gedächtnis in uns,
Brigids Schutz, uns vor Schaden zu bewahren,
vor Unwissenheit, vor Herzlosigkeit,
diesen Tag und diese Nacht,
vom Morgengrauen bis zum Dunkel,
vom Dunkel bis zum Morgengrauen.

Affirmation: „Ich setze meinen Seelenweg fort!“ „Ich durchschreite die Tore!“

Duft: Achillea millefolium

Verwendeter Pflanzenteil: Blüte

Gewinnung: Destillation

Los Dias de los Muertos

30 Okt

Catrinas 2In Mexiko werden zwischen dem 31. Oktober und dem 2. November „los Dias de los Muertos“ mit bunten Farben, wehenden Fahnen, Musik, Tanz und gutem Essen gefeiert.

Der Tod wird nach aztekischer Überlieferung als natürlicher Teil des Lebens angenommen und verdichtet sich symbolisch in der weiblichen (!) Figur der „Catrina“, der Gevatterin Tod.

Ursprünglich handelt es sich dabei um die Göttin Mictecacihuatl, die Herrin des Todes, die von den Azteken bereits seit über 500 Jahren in mehrwöchigen Feierlichkeiten verehrt wurde, bevor die spanischen Conquistadores in Mexiko eintrafen.

Nach altem aztekischem Glauben dürfen die Verstorbenen einmal im Jahr nach Hause zu ihren Verwandten zurückkehren und diese besuchen.

In der Nacht vom 31.Oktober auf den 1. November, dem Dia de los Angelitos, kehren die verstorbenen Kinder einer Familie heim, am darauffolgenden 2. November, dem Dia de los Muertos, kehren dann die erwachsenen verstorbenen Ahnen zurück.

Um die Ahnen gebührend zu empfangen, werden weder Kosten noch Mühen gescheut. Jede Familie errichtet einen Gedenk-Altar mit Fotos der Toten, mit Kerzen, Blumen und den Lieblingsspeisen der Verstorbenen, damit diese sich bei ihrer Ankunft daran laben und stärken können.

Außerdem ist der Altar auch immer mit kleinen Totenköpfen aus Zucker, mit süßen Gebäck-Totenköpfen und Statuen kleiner Skelette, die die Ahnen in alltäglichen Situationen zeigen, dekoriert, die an Ständen überall zum Verkauf angeboten werden.

Die Blumen auf dem Altar symbolisieren die Vergänglichkeit des Lebens. Eine besondere Rolle spielt hier eine Vorfahrin der bei uns wenig beachteten Tagetes oder Studentenblume, die Cempasuchil (Tagetes errecta Linnaeus), was übersetzt „Blume der 400 Blüten“ bedeutet.

In Form von Girlanden, Kränzen oder Kreuzen weist ihr Duft und ihre gelbe Farbe als Symbol der Sonne den Verstorbenen den Weg nach hause.

Auch in der Naturheilkunde findet die „Flor de Muertos“ bei Verdauungsstörungen, Magenschmerzen, Husten, Grippe, Fieber und Bronchitis in Form von Abkochungen und Salben Verwendung.

Im Zuge der Christianisierung wurden die Feierlichkeiten mit Allerheiligen und Allerseelen zusammen gelegt, jedoch die fröhliche und bunte Art mit der Skelettdame Catrina zu feiern, ihr zuzuprosten, mit ihr zu tanzen und zu lachen und dem Sterben und der Vergänglichkeit dadurch den Schrecken zu nehmen, hat sich nach alter vor-christlicher Tradition durchgesetzt. Zum Glück!

Denn 2003 wurden „Los Dias de los Muertos“ sogar von der UNESCO als immaterielles Kulturgut in die „Meisterwerke des immateriellen und mündlichen Erbes der Menschheit“ aufgenommen, um diese Feierlichkeiten als Kulturerbe zu schützen und zu ehren.

Sesam öffne dich – Elemi

28 Okt

Aus dem Nichts heraus stehe ich plötzlich barfuß in einem wilden, tropi-schen Urwald mit Flechten, Orchideen und viel Grün.

In der ersten Milli-sekunde bewurzeln sich die Fußsohlen fest im Erdboden, so als würde man einen Sicherheits-gurt anschnallen, im nächsten Moment löst sich wie von Zauberhand eine kreisrunde Erdscholle im Radius von 3 Metern um mich herum, um dann wenig später um 180 Grad um die eigene Achse zu wirbeln. Mit einem dumpfen Geräusch schließt sich die Erdoberfläche wieder und alles ist still.

Nur, dass der oberirdische Teil des Urwaldstückes, auf dem ich stand, plötzlich unterirdisch ist und umgekehrt. Meine Welt steht auf den Kopf und ich mit ihr.

Ich fühle mich als wäre ich durch eine geheime Falltür in eine versteckte Schatzhöhle gefallen. Habe ich etwa ohne es zu wissen eine geheime Formel gesprochen, das Sesam-öffne-dich?

Ich nehme an, es handelt sich um eine nonverbale Formel, ein Anschwellen innerer Bereitschaft, sich nach innen zu wenden, für sich zu sein, abzuschalten, sich zu sammeln und nachzusinnen. Und Elemi ist mein Reiseelixier à la Alice im Wunderland.

Meinen inneren Raum habe ich mir immer als Garten vorgestellt und je öfter ich dort war, umso vertrauter wurde der Ort für mich. Und überdies gestaltete ich mir meinen inneren Garten genau so wie ich es wollte, mit üppiger Vegetation, alten Bäumen, bunten Blumen und einem gemütlichen alten Korbsessel mit einer warmen Wolldecke für kühlere Tage. Manchmal gestaltete sich der Garten auch selbst, eigenwillig, und manchmal bekam ich dort auch Besuch.

Der innere Garten wurde zu meinem Wohnzimmer, zu einem Refugium, einem vertrauten Ort, der immer auf mich wartet und den ich immer dabei habe.

Ich glaube, dass es vielen Menschen nicht bewusst ist, dass man in seinem Inneren eine Wohnung einrichten kann, genau wie in der äußeren Welt.

Die Botschaft des Elemiduftes ist, den inneren Raum wahrzunehmen, ihn sich zu eigen zu machen, ihn auszufüllen und zu bewohnen, um sich am Ende darin wohl zu fühlen, Geborgenheit und Schutz und eine Heimat für seine Ideen und Visionen zu finden.

Elemi hilft in einen meditativen Ruhezustand zu gelangen und innere Bilder entstehen zu lassen. Ähnlich wie beim Weihrauch gibt der regelmäßige Atem die Struktur vor, an die man sich halten kann, solange die Bilder im inneren Raum noch kurzlebig und verschwommen sind.

Es ist eine Frage der Übung, bis man die Konzentration so lange halten kann, dass das innere Bild konstant bestehen bleibt. Elemi bereichert die Vorstellungskraft und schenkt Mut und Geduld, die inneren Welten zu erforschen.

Man fragt sich, was dies nun mit der Realität zu tun hat? Und warum sollte man seine kostbare Zeit ausgerechnet damit verbringen, einen imaginären Raum zu erschaffen?

Die Antwort ist ganz einfach: Weil man sich dann auch andere Dinge leichter vorstellen kann, Szenarien vor dem inneren Auge durchspielen kann und damit das visionäre Denken fördert. Der Duft von Elemi katapultiert dich in die Welt, die du innerlich erschaffen willst und ist damit ein toller Duft um auf Visionssuche zu gehen. Und was im Innen lebt kann sich im Außen manifestieren.

If you can dream it you can do it!

Darüber hinaus eignet sich Elemi hervorragend, sich zurück zu ziehen, den Zugang zu den inneren Ressourcen herzustellen, neue Kraft zu tanken und sich in relativ kurzer Zeit zu regenerieren.

Affirmation: „Ich erschließe meinen inneren Raum !“ „Ich baue ein Refugium!“

Duft: Canarium luzonicum, Philippinen

Verwendeter Pflanzenteil: Harz

Gewinnung: Destillation

Die Mediatorin – Rosengeranie

19 Sep

Manchmal fliegen Kleinigkeiten wie Speer-spitzen durch den zwischenmenschlichen Raum und treffen genau da, wo es am meisten weh tut – mitten ins Herz.

Ein Witz unter Freunden oder Arbeitskollegen, ein unüberlegter Ausspruch oder ein abschätziger Blick, leider jedoch stets ein paar Millimeter unter der Gürtellinie.

Eigentlich sollte man ja über solchen Dingen stehen und um Gottes Willen doch bloß nicht so empfindlich sein, schließlich war es doch gar nicht so gemeint.

Trotz aller (eigenen) Beschwichtigungsversuche gehen die Gedanken und Gefühle im negativen Gefühlsspektrum vor Anker. Dies kann durch die Tagesform bedingt sein, kann aber auch eine durchaus angemessene Reaktion auf eine langfristige Belastung (z.B. Mobbing) sein.

Wenn man es nur schaffen könnte, diesen Unmut abzuschütteln. Aber die schlechte Laune erfasst einen wie eine starke Strömung und zieht einen nach unten. Manchmal auch für länger…

Schlechte Stimmung, dicke Luft, Launenhaftigkeit, Stimmungs-schwankungen, seelische Verletzungen, Konfliktpotenzial, Disharmonie, Ehe- oder Familienkrisen, das sind die bevorzugten Einsatzbereiche der Rosengeranie.

Die Rosengeranie nebelt einen mit ihrem rosa Dunst ein, macht alles weicher, sanfter und nimmt einem das gewetzte Messer aus der Hand. Sie schafft Waffenruhe und bewirkt, dass man seine Deckung sinken lässt und hinter den Barrikaden hervortritt, um sich aufrichtig zu begegnen – natürlich auch sich selbst.

Beim Einatmen des Duftes der Rosengeranie fühlt man sich von Sekunde zu Sekunde besser, sie packt einen am Schopf und zieht einen wieder nach oben, die Löcher der Souveränität schließen sich wieder, das Herz weitet sich, der Ärger verpufft. Die innere und äußere Harmonie stellt sich wieder her.

Trotzdem verwandelt man sich durch die Arbeit mit diesem Duft nicht in ein weich gespültes rosarotes Kaninchen – im Gegenteil.

Beziehungsarbeit wird möglich. Die gelassene Souveränität und die ärgerfreie Wahrnehmung führen im Idealfall zu gewaltloser Kommunikation als Grundlage für gegenseitiges Verständnis oder um sich gegebenenfalls mit Leichtigkeit abzugrenzen.

Dieser freundliche Duft muntert auf, baut Spannungen ab, gibt neuen Schwung, hilft den Alltagsstress hinter sich zu lassen, sorgt für Ausgleich, Gelassenheit und inneres Gleichgewicht. Anti-Stress pur.

Affirmation: „Gutes wie Schlechtes zieht vorüber wie die Wolken am Himmel!“

Duft: Pelargonium graveolens, Ägypten

Verwendeter Pflanzenteil: Blätter

Gewinnung: Destillation

Der Seidenkokon – Benzoe Siam

22 Aug

Dieser Duft riecht wie ein Versprechen nach einem flauschig weichen Kokon aus Samt und Seide, nach einem Gefühl der Geborgen-heit, die aus einhüllender Weichheit besteht.

Genauer gesagt geht es um die weiche, sanfte Berührung und Zärtlichkeit, um das Gefühl der Zartheit wenn hauchdünner Stoff oder Fingerspitzen über nackte Haut gleiten.

Im weiteren Sinne geht es um Berührung, die nur zusammen mit aufrichtiger Zuneigung und Vertrauen ihre spezielle einzigartig zarte Qualität erlangt.

Nur wer vertraut, kann innerlich berührt werden. Nur wer aufrichtig ist, kann andere wirklich berühren.

Was für ein herrliches Gefühl, wenn in einem gemütlichen, liebevollen Zuhause, ein großen Sofa, ein Turm kuscheliger Decken  und unzählige Kissen auf einen warten.  Man muss nur noch Anlauf nehmen und hineinspringen, sich einkuscheln und das süße Gefühl der weich gebetteten Entspannung genießen. Dies ist in etwa mein inneres Bild für den Duft von Benzoe Siam. Es ist der Duft nach süßem Gebäck eines Sonntagnachmittags.

Auf zuversichtliche Weise fühlt man sich bewahrt und gehalten von abertausenden hauchdünnen Fäden, die zu einem rosa-lila Kokon verwoben sind. In Zärtlichkeit gehüllt, die feinen zarten Fäden, sie scheinen unverwüstlich.

Benzoe Siam weist auf die tiefe Sehnsucht nach Zärtlichkeit, Gehalten sein, Urvertrauen und inniger, aufrichtiger Nähe hin. Das Gefühl, durch zärtlichen Kontakt innerlich berührt zu werden ist ein tiefes menschliches Bedürfnis, ein Lebenselixier der kleinen Gesten der Menschlichkeit. Dies kann eine Umarmung, ein liebevoller Blick, Streicheln, Kuscheln oder im Arm halten sein.

Benzoe Siam lehrt Berührung als Kommunikationsmittel für sich (wieder neu) zu entdecken, sich bewusst der körperlichen Geste und Zeichensprache zu bedienen und Zartheit,Sanftheit, Zärtlichkeit und Fingerspitzengefühl für sich und seine Liebsten in das Leben einzuladen.

Affirmation: „Ich lade die Zärtlichkeit in mein Leben ein!“

Duft: Styrax tonkinensis, Laos

Verwendeter Pflanzenteil: Harz

Gewinnung: Alkoholextraktion

Der Chief – Kampher

27 Jun

Zu diesem Duft entstand zuerst ein Bild. Es zeigt einen Indianerhäuptling, der katzenhafte Züge und einen Kopfputz aus kunstvoll geflochtenem Haar und Federn trägt. Er hat in jeder Hinsicht lediglich das, was er zum Leben braucht und er weiß um die größeren Zusammenhänge zwischen Himmel und Erde und wo das Glück zu finden ist. Sein Schritt ist federnd, leicht und geschmeidig.

Er weiß jede Situation, in die er gerät, weise und richtig einzuschätzen. Wenn sich ihm ein Hindernis in den Weg stellt, so überspringt er dieses mit einem geschmeidigen Satz wie eine Raubkatze. Wenn er sich doch einmal irrt, so stellt er sich blitzschnell auf die neue Situation ein.

Diese Leichtfüßigkeit und Flexibilität ist nur möglich, weil der Chief keinen Ballast mit sich trägt. Hier geht es hauptsächlich um Gefühle, die man mit sich herum trägt, die einen nach unten ziehen, wenn man gerade eben zum Sprung ansetzt…

Sich mit der eigenen Gefühlswelt auseinander zu setzen, bedeutet dem Schmerz ins Auge zu sehen und ihm zu begegnen. Unangenehme wie angenehme Gefühle brauchen eine Ordnung, damit diese ihren Platz im Raum der Tränen, im Raum der eigenen Wahrheit, im Raum der Vergebung oder im Raum des schönsten Tages finden können.

Sich von den eigenen Gefühlen zu distanzieren, so dass diese einfach aus der eigenen Wahrnehmung verschwinden, ist dauerhaft die schlechteste Lösung. Denn der Versuch, die Gefühlswelt mental so kontrollieren zu wollen, verwandelt sich in das genaue Gegenteil.

Die abgespaltenen Emotions-Asteroiden kreisen auf  ihrer Umlaufbahn irgendwo in einer Galaxie fernab des Sonnensystems im menschlichen Körper. Die Weigerung, sich psychisch mit den eigenen Gefühlen zu beschäftigen, führt dazu, dass Energien dieser Art im Endlager abgeladen werden, nämlich im eigenen Körper. Die Folge sind Entzündungen, Verhärtungen, Stoffwechselstörungen oder andere beliebige Symptome, mit deren Hilfe sich der Körper empört aufbäumt um auf sich aufmerksam zu machen.

Mit dem Chief geht es auf die Reise ins Irgendwo und Nirgendwo im eigenen Selbst, in jene Galaxien, in denen die verstoßenen Gefühle wohnen. Wer bis hierhin gekommen ist, dem schenkt der Chief etwas von seiner geschmeidigen Raubkatzenenergie.

Die Blockaden und Panzerungen im Körper werden lokalisiert, der Innenraum starrer Grenzen mit Wärme gefüllt und die Blockade von innen heraus zum schmelzen gebracht. Dies gilt zum Beispiel für Muskeln oder Muskelgruppen, die sich über einen längeren Zeitraum zum Körperpanzer formiert haben.

Gleichzeitig kommen die unterdrückten Gefühle zum Vorschein, es gibt nochmals einen Ruck im Herzen, der Schmerzensmoment, dann ist das Gefühl wieder ein Teil des Selbst und findet seinen Platz.

Affirmation: „Ich bin bereit,  meine verlorenen Gefühle zu finden!“

Duft: Cinnamomum camphora, China

Verwendeter Pflanzenteil: Blatt, Holz

Gewinnung: Destillation

Die Wurzelfrau – Vetiver

10 Mai

Die warme, von der Sonne des Sommers aufgeladene Erde ist der Ort, an den mich dieser Duft führt. Sogleich fühle ich mich ruhig und geborgen, zuhause und gut aufgehoben. Heimatgefühle steigen in mir auf.

Vor meinem inneren Auge begegne ich einer Frauengestalt, ihr jugendliches Aussehen scheint sich über Jahrtausende nicht verändert zu haben.

Das Besondere an dieser Frau ist, dass sie mit Haut und Haar mit ihrer Umgebung verwurzelt ist. Ihre Wurzeln reichen ganz tief, ihr Haar ist aus Wurzeln, aber auch aus ihrer Haut reicht ein Wurzelgeflecht in den Raum und den Boden hinein. Die Wurzelfrau erscheint mir wie eine Erdgöttin. Paradoxerweise scheint sie über einem Urgrund aus Fragmenten zu schweben während sie von allen Seiten fest verwurzelt ist und damit gleichzeitig alles zusammenhält. Woher weiß die Frau nur wo sie sich am besten festhält ohne ihre Flexibilität zu verlieren?

Mein erster Gedanke ist, sich nur an den Erfahrungen, Erinnerungen, Orten und vor allem Menschen festzuhalten, die wirklich eine essentielle Bedeutung für das eigene Leben haben. Jeder Mensch hat Wurzeln, manche Menschen bleiben ihr Leben lang am selben Ort und haben im wahrsten Sinn des Wortes „Wurzeln geschlagen“, andere Menschen haben ihre Wurzeln durchtrennt und haben sich auf Wanderschaft begeben. Falls das Thema der eigenen Wurzeln mit Schmerz verbunden ist (Unklarheit, Zerrissenheit, Unzufriedenheit, „Nicht wissen, wo man hingehört“) ist die Wurzelfrau die Helferin der Wahl. Der Rastlose findet Geborgenheit, daher eignet sich der Duft auch sehr gut für die Behandlung bzw. Prävention von Burn-out.

Mein Eindruck ist, dass es sich bei diesem Duft um das „Gefühl der Wurzeln“ handelt. Fast spüre ich an meinen eigenen Füßen die Wurzeln, die gerade dabei sind in den Erdboden zu wachsen. Das ist natürlich nur eine Phantasie, aber damit verbunden ist ein großartiges Gefühl. Verankert, sicher, standhaft. Und natürlich bin ich mit der Erde verbunden und damit mit all ihren wundervollen Eigenschaften: haltend, nährend, heilend.

Sich zu verwurzeln ohne sich anzubinden, seine Wurzeln woandershin mitnehmen und sich neu verankern, das scheint mir eine gute Option um ein tragfähiges Fundament für das eigene Leben zu schaffen. Die eigenen Wurzeln gehören einem selbst, sie sind ein Teil der Persönlichkeit. Vetiver schafft eine kleine Höhle inmitten der Fragmente des eigenen Lebens, wo alles zusammen findet, was einem wichtig ist. Mit dem „Gefühl der Wurzeln“ nimmst du dein Zuhause überall mit hin. Home is where the heart is!

Affirmation: „Ich trage meine Heimat in meinem Herzen!“ „Ich bin mit der Kraft der Erde verbunden!“

Duft: Vetiveria zizanoides, El Salvador

Verwendeter Pflanzenteil: Wurzeln

Gewinnung: Destillation

Der Erlöser – Oud

23 Mrz

Ich rieche und schon weiß ich genau wie bereits einige Male zuvor es geht in die Tiefe. Damit ist weniger eine Abwärtsbewegung gemeint wie bei vielen erdenden Düften, sondern mehr eine Bewegung nach Innen und von da aus in die große Weite der Existenz. Was ist am Ende wichtig, wenn eines Tages der Film meines Lebens vor meinem inneren Auge abläuft oder wenn mein Herz zum letzten Mal gewogen wird?

Es werden die Momente sein, die mir am meisten bedeuten und die Menschen, die ich am meisten liebe und die mich lieben. Im Idealfall.

Unvorteilhaft wäre es, wenn mir Versäumnisse, tiefe Verletzungen oder ungelöste Konflikte begegnen würden.  Erlebnisse und Erinnerungen, die unveränderbar erscheinen, die immer wieder kommen, in Träumen oder am Tag, plötzlich tauchen sie wie alte Bekannte wieder auf. Und sie sind unangenehm, diese Schuldeneintreiber.

Es reicht nicht, einfach darüber nachzudenken, sich eine rationale Erklärung zu suchen.  Es muss eine Lösung auf allen Ebenen des Menschseins stattfinden. Hilfreich dabei ist, dass man selbst von diesem Duft ein wenig weggetragen wird, ein wenig losgelöst wird. Der krampfhafte Griff des leidenden Herzens wird gelockert. Und Lockerung kommt vor Loslassen.

Mit diesem Duft kommt mir eine große Kraft in den Sinn, nämlich die Kraft der Vergebung, entweder anderen oder sich selbst gegenüber.  Vergebung bedeutet persönliche Freiheit denn durch sie wird das scheinbar Unlösbare beeinflussbar. In sich selbst ist unabhängig von äußeren Umständen immer eine Änderung möglich. Wie es in uralten Schriften gelehrt wird, ist die Vergebung vor allem anderen ein großmütiger Akt sich selbst gegenüber. Es hat nichts mit Schwäche zu tun. Vergeben heißt nicht vergessen. Es bedeutet lediglich unangenehme Erfahrungen und zerstörerische Gefühle an eine höhere Macht zu übergeben. Und gleichzeitig bedeutet es, diese aus sich selbst zu entfernen und damit die Grundlage für unerwünschte Resonanzen zu entziehen.

Dieser Duft erinnert mich an jene Menschen, die erhaben sind.  Sie sind durch ihren Glauben, ihre Lebenseinstellung oder ihre Art, mit der Welt zu interagieren, immer und überall im Reinen. Fast mag man sich fragen ob es sich um einen Menschen handelt oder eher um ein göttliches Wesen in menschlicher Gestalt. Und doch gibt es sie.

Mit diesem Duft kommt man der Erlösung ein kleines Stückchen näher, indem man Freiheit durch Vergebung erlangt. Auch wenn dieses Gefühl nur wenige Momente andauern sollte, so wird mit dem Akt der Vergebung ein Moment der Furchtlosigkeit geschaffen. Denn man kann dem eigenen Groll, der Wut, der Schuld, der Scham, der Qual, dem Leiden liebevoll begegnen.

Und während ich dies schreibe, weiß ich, dass diese Assoziationen nur ein Thema von vielen wiederspiegeln. Oud ist ein weiterer Duft für die Ewigkeit. Ich darf also gespannt sein…

Affirmation: „Ich vergebe mir!“ „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!“

Duft: Oud, Aquilaria agallocha, Kambodscha

Verwendeter Pflanzenteil: Holz

Gewinnung: Destillation

%d Bloggern gefällt das: