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Hüterin des Seelenkerns – Tuberose

20 Apr

Wenn sich die weißen Blüten der Nachthyazinthe öffnen, entströmt ihnen ein narkotischer, süßer und leicht würziger Duft mit einem Hauch von Zimt.

Die Tuberose agiert ähnlich wie Jasmin im Verborgenen, in der Nacht, im Urgrund der Seele. Mit ihr senkt sich der Schleier des narkotischen, tiefen Schlafes und geleitet die Seele durch die archaische Traumlandschaft – auch am Tag.

Mit Bestimmtheit dringt sie bis tief ins Innere vor bis an Orte, die man selbst nur selten besucht hat. Leise, geschmeidig, gleitend.

Über eine Woche hat der Duft der Tuberose Material aus meinen Seelentiefen geborgen und hat mir Zugang verschafft zu meinem emotionalen Gedächtnis. Sie hat eine Schleuse vom Herzen her geöffnet und verschiedene bedeutsame mit Herzblut vermischte Erinnerungen offenbart.

Im Beisein der Tuberose erinnert sich das Herz: gespeicherte Gefühle, die (noch immer) aus dem Unbewussten heraus das Leben im Hier und Jetzt zu beeinflussen wagen, werden aufgegriffen und gezeigt. Interessanterweise werden neben den größten Verlusten  und Enttäuschungen auch die größten Triumphe und Glücksmomente aus dem Seelenleben akquiriert. Die Süße neutralisiert die Bitterkeit!

Nach einigen Traumnächten mit Tuberose fühlt sich mein Unbewusstes plötzlich viel plastischer und vielschichtiger an. Es scheint als seien unter der normalen Traumlandschaft oder dem, was ich normalerweise als Unbewusstes wahrnehme, noch weitere, tiefere Schichten. Während ich tiefer sinke, glätten sich gleichzeitig die Wellen meiner emotionalen Seelenwelt, ein merkwürdiger Vorgang der Abstraktion setzt sich in Gang.

Es ist ein Schwellenbereich in mir, an dem die konkrete Wahrnehmung des Selbst ins Abstrakte übergeht, die Mündung, an der das Seelenschiff aufs offene Meer segelt, um in die unendliche Weite der Schöpfung einzutauchen.

Um mich herum wird es leer und leise, das ICH fühlt sich an wie eine kompakte pulsierende Kugel – mein Seelenkern. Dort spiegelt sich das eigene menschliche Sein in seiner hellsten und reinsten Form. Hüllenlos, bedingungslos, makellos, mühelos, unantastbar.

In den tiefsten Tiefen des Herzens glüht ein geheimer, ewiger Lebensfunke als Urform der eigenen Identität. Die Botschaft der Tuberose ist der Energieerhaltungssatz der Seele: alle Energie bleibt erhalten, nichts geht je verloren, alles wandelt sich und nimmt andere Formen an.

In der Duftlandschaft der Tuberose mag man sich verlieren, um sich am Ende wiederzufinden. Die als verloren geglaubten Splitter der Seele, können im neuem Gewand erkannt und wiedergefunden werden und das ist die zutiefst heilsame Erfahrung mit der Hüterin des Seelenkerns.

The pain of yesterday is the strength of today. Paulo Coelho

Affirmation: „Nichts geht je verloren, alles wandelt sich!“

Duft: Polianthes tuberosa, Indien

Verwendeter Pflanzenteil: Blüte

Gewinnung: Ölextraktion

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Heilerin der blauen Stunde – Schafgarbe

20 Mrz

Das tiefblaue Öl der Schafgarbe sieht aus wie ein Zauberelixier aus einer weit entfernten Galaxie, während der Geruch an den vertrauten Duft einer Wildkräuterwiese erinnert.

Der erste Dufteindruck ist sehr stark krautig und anhaltend. Erst nach einiger Zeit lässt der Aufforderungs-charakter nach und wird zunehmend sanfter und offener.

Ich folge dem Impuls, einen Tropfen des Öls in meine Handinnenfläche zu tropfen und entlang meiner Lebens-linien sickert der blaue Duft bis in die feinsten Falten meiner Handinnen-fläche ein bis sich schemenhaft eine Figur abzeichnet – eine archetypisch weibliche Erscheinung, eine blaue Göttin oder Schutzpatronin.

Auf jeden Fall ist diese in sich ruhende Duftpersönlichkeit respekteinflößend und hinterlässt einen sehr starken Eindruck. Aufgrund ihrer Souveränität und Unerschütterlichkeit wirkt sie beinahe überirdisch, wie eine Botschafterin aus göttlichen Sphären.

Der uralte Name für die Schafgarbe ist „Heil aller Schäden“, denn sie weiß wie man Wunden heilt. Bereits Achilles soll seine verletzte Ferse mit Schafgarbe versorgt haben. Ihm folgten abertausende Soldaten auf verschiedenen Schlachtfeldern dieser Erde nach und versorgten auch ihre Wunden mit dem blauen Öl.

Während die Schafgarbe einerseits den Verwundeten und Leidenden unter ihrem Schutzmantel Obdach gewährt, gibt es da noch eine andere, transformierende Kraft, die einen antreibt, auf die Suche zu gehen. Dies geschieht, sobald nach Verletzung und Niederschlag wieder die ersten Kräfte mobilisiert werden.

Trotz aller Güte und wohlwollender Versorgung ist die Schafgarbe eine weise Duftgöttin, die den Weg der Konfrontation sucht. Es kommt zu einer Gegenüberstellung mit den eigenen Grauzonen, mit Fehlern, die nicht gemacht werden wollten, mit Gefühlen, die nicht gelebt werden wollten und mit Lebensaufgaben, die nicht angenommen werden wollten.

Dieser blaue Duft ermöglicht den übermenschlichen Schritt über Schwellen hinweg und durch die Tore der Selbsterkenntnis hindurch zu gehen und den prüfenden Blick der Sphinx zu überstehen.

Veränderung kann nur durch die Wahrnehmung der inneren Stimme geschehen.

Die Schafgarbe scheint zu sagen: „Vergiss deine Ratschläge und Meinungen und die der anderen, blende das Getöse der wirren und zweifelnden Gedanken aus deinem Bewusstsein aus und werde achtsam für das leise Flüstern deiner inneren Stimme, die bereits seit Urzeiten den richtigen Weg kennt.“

Im Seelenleben gibt es die blaue Stunde, die Zeit der Dämmerung bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, die Zeit, um das Licht des Neuen zu begrüßen oder sich in die Dunkelheit zu wagen.

Vor Anbruch dieser blauen Seelenstunde hat man meist selbst schon eine Ahnung, dass es Zeit ist, an sich zu arbeiten, sich auseinanderzusetzen und den eigenen Weg zum Urgrund fortzusetzen. Der Duft der Schafgarbe sorgt dafür, diese Veränderung als nährend und heilend zu erfahren!

Die heilende, weibliche und schützende Kraft spiegelt sich auch in der Marienverehrung (Schutzmantelmadonna) wieder. In vorchristlicher Zeit war Brigid die keltische Göttin des Herdfeuers, auch die Strahlende, die Helle oder die Streiterin. Anbei ein altes Gebet ihr zu Ehren:

Brigid vom Mantel, umgib uns.
Herrin der Lampe, beschütz uns.
Hüterin des Herdes, entzünde uns.
Unter dem Mantel vereine uns
und gib uns dem Gedächtnis wieder.
Mütter unserer Mütter, Vormütter stark,
führt mit eurer Hand die unsrige,
erinnert uns, das Herdfeuer zu entfachen,
es leuchtend hell zu halten, die Flamme zu hüten.
Eure Hände sind unsere, Tag und Nacht.
Brigids Mantel um uns
Brigids Gedächtnis in uns,
Brigids Schutz, uns vor Schaden zu bewahren,
vor Unwissenheit, vor Herzlosigkeit,
diesen Tag und diese Nacht,
vom Morgengrauen bis zum Dunkel,
vom Dunkel bis zum Morgengrauen.

Affirmation: „Ich setze meinen Seelenweg fort!“ „Ich durchschreite die Tore!“

Duft: Achillea millefolium

Verwendeter Pflanzenteil: Blüte

Gewinnung: Destillation

Ein Sofa im Garten Eden – Römische Kamille

12 Jan

Die römische Kamille ist ein duftendes Potpourri aus frischen Früchten der Saison, etwas Heu, randvoll mit aufgeblüh-ten Blumen, umrankt von wilden Girlanden von Beerensträuchern.

Ein warmer, lauer Sommertag im Garten Eden.

Vor meinem inneren Auge taucht eine wilde Sommerwiese auf. Ein kleiner Pfad führt durch sie hindurch und mittendrin finde ich geschützt in einer Laube aus Kletterpflanzen und wilden Rosen ein riesiges Sofa wie aus dem Märchen, mit riesigen weichen Kissen.

Die voll aufgeblühten Rosen hängen bis auf die Polster herab, so als würden sie sich von ihrer schweren Last erholen wollen.

Die paradiesische Ruhe ist über eine Leiter zu erreichen. Oben angekommen lege ich mich auf das Sofa. Eine weiche dicke Zudecke breitet sich wie von Zauberhand über mir aus. So als sei dies ein Startsignal, sinke ich innerlich nach unten, meine Organe, meine Gliedmaßen, meine Gedanken, alles sinkt nach unten. Ich lasse los, gebe auf, werde weich.

Plötzlich ist alles still, alles gut, der Lärm der Strassen abgestellt, die Gedanken sind mollig warm eingehüllt und während mein Körper in der Weichheit der Matratze versinkt, schlüpft das Nervenkostüm in seinen Schlafanzug und ruht aus.

Dieser Duft hat die außergewöhnliche Eigenschaft, die Nerven zu streicheln, die Flut der Reize zu stoppen und das Hamsterrad anzuhalten. Es geschieht einfach.

Die römische Kamille singt die besten Schlaflieder und mit der Routine eines erfahrenen Hypnotiseurs erzeugt sie mit wenigen Worten diesen einfachen, schwebenden, fast naiven Ruhezustand, in dem man gleichzeitig aus der Fülle schöpft und die Ressourcen wieder auffüllen lernt. Die Fülle der römischen Kamille ist wie ein prall gefüllter Fruchtkorb, einladend, süß duftend und verlockend.

Im Garten Eden ist alles angenehm, dort blüht und gedeiht alles und die Luft ist erfüllt von der Energie der Herrlichkeit.

Die römische Kamille schenkt mir das Gefühl aus Kindertagen: nach einem Tag voller Spiel und Freude, geborgen in einem weichen Federbett einzusinken. Während ich einschlafe, nehme ich noch wahr, wie sich die Engel um mein Bett versammeln und über mich im Schlaf wachen.

Hier haben wir es mit einem sehr zärtlichen, wohlwollenden und umsorgenden Duft zu tun. Sie (der Duft fühlt sich weiblich an) nimmt die Spitzen und die Schärfe aus den Gedanken ebenso wie aus den Eingeweiden. Sie umhüllt aufgeriebene und blank liegende Nerven mit Fürsorge und dreht bei Bedarf ganz heimlich die Sicherung des zentralen Nervensystems heraus, bevor es zu einem Kurzschluss kommt.

Die römische Kamille ist in ihrer Natur freigiebig und besitzt die Kraft der Regeneration. Wer schon einmal auf einem Rasen aus römischer Kamille gelegen oder gestanden hat, wird schon einmal beobachtet haben, dass sich die niedergedrückten, dicht wachsenden Triebe der römischen Kamille zu ihrer ursprünglichen Form aufrichten, so als wäre nichts geschehen.  Nach ein paar Minuten findet man anstatt niedergetrampelter Halme wieder denselben einladend duftenden Rasenteppich vor.

Wenn schweres Gewicht auf der  Seele lastet, ist die römische Kamille daher die Beste, da sie weiß mit schweren Lasten umzugehen. Sie entschärft Situationen der Überreizung und Überforderung und bringt uns für eine gewisse Zeit in den Garten Eden, den Ort der paradiesischen Ruhe.

Dort werfen die Engel dann ihren himmlischen Staubsauger an, ziehen die heiß-glühenden Energien ab und wie im Schlaf verfliegen Stress, Sorgen und Ärger. So einfach geht das!

Affirmation: „Ich sinke in friedvolle Geborgenheit!“

Duft: Chamaemelum nobile, Frankreich

Verwendeter Pflanzenteil: Blüten

Gewinnung: Destillation

Die Muse – Muskatellersalbei

26 Apr

Sie ist die Wunderbare, die Wandelbare, Paradiesvogel und Derwisch im drehenden, wirbelnden Tanz um sich selbst. Sie erfindet sich stets neu und bleibt doch in ihrer Mitte, es scheint als käme alle Wandlung aus der eigenen Mitte heraus und nur von da.

Sie ist die Prinzessin des Neubeginns, der Veränderung, des Betretens neuer Pfade. Manchmal fehlt nur ein kleiner Anstoß, eine verrückte Idee zum Umdenken und Andersmachen, manchmal müssen erst die Kraftreserven aufgefüllt werden bis die eigenen Grenzen überschritten werden können. Muskatellersalbei leistet Beistand auf jeder Position der Veränderungsskala – wohl wissend dass ohne innere Kraft keine Veränderung möglich ist und schon gar nicht andauern kann.

Jedes Bedürfnis nach Kraft und Ruhe wird erfüllt und ehe man es sich versieht ist man selbst dabei, bereits die ersten zaghaften Tanzschritte auszuführen im großen Tanz der verpassten und noch kommenden Möglichkeiten. Sie ist die Muse, sie leistet erste Hilfe für die eigenen Ideen und Wünsche, gibt Vertrauen und Mut und öffnet die Tore der Intuition.

Der erste Schritt ist meistens der schwerste, wenn es darum geht, sich etwas zu trauen und die ausgetrampelten Pfade zu verlassen. Loslassen ohne aufzugeben, den eigenen Freigeist aus seinem Schlaf wecken oder ihm im Schlaf begegnen. Scheinbar Widersprüchliches findet zusammen, die Essenz der eigenen Kreativität wird spürbar und genau dieses Gefühl lässt einen all die Argumente vergessen, die man sich fein säuberlich zurecht gelegt hatte. Warum es nicht geht, was vernünftig ist, was das Beste ist.

Das Unmögliche ist oft das Menschenmögliche, wovor man sich fürchtet. Schon vernehme ich ein leises Flüstern: „Komm mit, lass los! Lass uns tanzen! Das, wovor du dich fürchtest, wird wahrscheinlich nie eintreten!“

Manchmal sind es die kleinen mühevollen ersten Schritte, die den Eintritt in ein neues Universum bedeuten. Das Wissen um die eigenen Möglichkeiten kommt aus tiefstem Herzen. Lebe einfach und zögere nicht, hadere nicht mit dem Schicksal. In jedem Menschen steckt schöpferisches Potenzial, die Freude am Erschaffen und Erfinden – warum nicht sich selbst? Immer wieder neu.

Affirmation: „Ich erfinde mich neu!“

Duft: Salvia sclarea, Italien

Verwendeter Pflanzenteil: Kraut

Gewinnung: Destillation

Die Göttin des Vertrauens – Vanille

6 Mrz

Seit Jahren habe ich dieses kleine Fläschchen mit weit gereistem Inhalt – Vanille Absolue. Dieser Duft trägt etwas schweres und dichtes in sich, eine tiefe dunkle Wärme, gleichzeitig steigt ein sehr versöhnlicher süßer und charakteristischer Duft auf. Der erste Eindruck ist eher herb und wandelt sich dann erst in die charakteristische Note – nämlich eine ganz eigene Süße.

Obwohl der Duft für mich etwas zutiefst Mystisches ausstrahlt, so entdecke ich gleichzeitig eine sehr zugewandte und offene Seite.

Vor meinem inneren Auge begegne ich einer Frau mittleren Alters, sie hat dunkle samtig schimmernde Haut, dunkelbraune, fast schwarze Augen, bunten Perlenketten aus Ton und einen langen bunten Rock à la Frida Kahlo an .  Wie eine mexikanische Königin oder Göttin. Ihr Haar ist lang und glänzend schwarz mit vielen vielen  Zöpfen, die wild in alle Richtungen stehen – darin sind bunte Bänder geflochten. Sie erinnern mich an das Bild des Wunschbaums. In manchen Kulturen schreiben die Menschen an heiligen Tagen ihre Wünsche auf bunte Bänder und binden sie dann an die Äste.

Diese mexikanische Königin ist makellos, selbstsicher, stolz und vor allem temperamentvoll.  Sie ist von Natur aus so, sie hat sich nie von ihrem göttlichen und ursprünglichen Selbst entfernt. Und gerade deshalb ist ihr Blick warm und offen und in ihrem großen Herzen ist immer ein Platz frei. Dies weckt Vertrauen und schenkt Geborgenheit.  Es ist weniger die Süße als dieses deutlich spürbare und kostbare Urvertrauen, das einem selbst Mut macht.  Zu spüren, wie es sich anfühlt, im Moment eins mit sich  zu sein.

Von der mexikanischen Königin erfahre ich, dass die echte Geborgenheit und Liebe, die man anderen Menschen schenkt,  immer aus tiefstem Herzen kommen sollte. Dann tue sie auch am besten und könne Wunder bewirken.

Allzu schnell geschehe es jedoch, dass man aus Mitleid oder Verantwortungsbewusstsein einen geliebten Menschen trösten und ihm Sicherheit schenken möchte. Doch so manches Mal brauche man auch selbst Zeit für sich und eine starke Schulter.

Es geht also auch um das Thema der Abgrenzung und die eigenen Bedürfnisse. Gerade Menschen mit großem Herzen denken oft als letztes an sich selbst. Dies kann sogar selbstzerstörerische Züge annehmen.  Die Vanille mit ihrer Weichheit und Durchsetzungskraft kann helfen ohne schlechtes Gewissen für das eigene Wohlbefinden zu sorgen.

Vollkommen zu sein heißt ganz man selbst zu sein.  Bei sich zuhause zu sein, sich liebevoll zu betrachten und offen in die Welt zu schauen.  Zu sich selbst gut zu sein ist die Voraussetzung auch zu anderen gut zu sein. Genau dies verkörpert die Vanille. Sie ist eine stille Heldin.

Die Beschäftigung mit diesem Duft streift viele Themen, die mit dem eigenen Selbstwert, Selbstsicherheit, Urvertrauen und Selbstakzeptanz zu haben. In der Interaktion mit anderen Menschen geht es darum die Balance von Geben und Nehmen zu finden, so dass die Bedürfnisse nach Unterstützung, Sicherheit und Zärtlichkeit für alle erfüllt werden. Um diesen Zustand herzustellen kann es auch einmal zum einen oder anderen Konflikt kommen.

Auf der Suche nach der mexikanischen Gottheit habe ich diese Dame getroffen. Chantico, die Göttin des Herdfeuers, die alles, was zu ihr gehört, verteidigt.

Affirmation:  Ich sorge gut für mich! Ich bleibe mir treu!

Duft: Vanilla planifolia

Verwendete Pflanzenteile: Schoten

Gewinnung: Alkoholextraktion, Absolue

Die große Erdmutter – Galbanum

23 Aug

Einmal eingeatmet und im nächsten Moment bin ich in Mittelerde. Der Geruch von feuchter, fruchtbarer und nährender Erde umfängt mich und hüllt mich ein.

Ich habe das Gefühl in einem unterirdischen Erdgang zu sein, der direkt zum Mittelpunkt der Erde führt. Es scheint zunächst sehr leicht zu sein, nach innen vorzudringen, das Innen zu erkunden. Warme, geschützte und gesicherte Erdhöhle.

Aber mit der Zeit scheint der Weg weit, wie lange muss ich noch durch diesen Erdgang wandern? Alle Organe im Körper scheinen in Richtung Erde nach unten zu sinken, sogar unter den mich tragenden Boden: Schwere, fast unerträglich!

Gerade als ich gegen die Schwere der Glieder aufbegehre, kommt die Überraschung. Urplötzlich wandelt sich das Erdaroma hin zu einem vielschichtigen, zitronigen, würzigen und sanften Aroma. Ich gehe von der Schwere hin zur Leichtigkeit und sehe, dass der Erdgang mich an einen hellen, warmen und freundlichen Ort geführt hat. Fast kommt es mir so vor, als hätte der Duft meine Toleranzgrenze ausgetestet, im letzten Moment kam die Erlösung.

Die, die nicht frühzeitig aufgeben nach innen zu gehen, werden also von diesem Duft belohnt!

Der Ort ist heilig, die große Erdmutter ist dort zuhause. Sie schützt, nährt und heilt diejenigen, die den beschwerlichen Weg zu ihr nicht scheuen. Wieder habe ich das Gefühl von Innen, aber auch von einer engen Begrenzung, einer Erdkuhle, die für mich reserviert ist, für meine Verwandlung. Ob ich mich tatsächlich dort hinein lege steht auf einem anderen Blatt.

Zusammenfassend habe ich den Eindruck dieser Duft geht nach Innen, also auch unter die Haut und will etwas zum Besseren transformieren.

Der Duft hat Zeit und kann sich sicherlich auch um lange zurück liegende Ereignisse kümmern, die vom tiefsten Inneren nach Außen kommen müssen, um zur Heilung beizutragen.

Erlebnisse, die längst vergessen schienen, haben tiefsitzende Wunden oder nicht heilende Wunden geschlagen, die bereits vergessen schienen. Die große Erdmutter kennt alle Wunden und wohnt im tiefsten Inneren, also in nächster Nähe.

Affirmation: Ich trete die Reise zum Mittelpunkt meiner selbst an!

Duft: Galbanum, Ferula galbaniflua, Iran
Verwendete Pflanzenteile: Harz
Gewinnung: Destillation

Die grüne Mitte – Fichtennadeln sibirisch

30 Jul

Unmittelbar nach dem ersten Geruchseindruck werde ich direkt in die Mitte eines unüberschaubar großen un-glaublich grünen Waldes gebeamt.

Wahrscheinlich gab es hier überhaupt noch nie einen menschlichen Besucher. Hier gelten die Gesetze der uralten Wälder.

Die grüne Energie mit all ihren Facetten durchdringt mich, das friedvolle Grün, das erfri-schende Grün, das giftige Grün und das tiefdunkle geheimnisvolle Grün. Grün, grün, grün sind alle meine Wälder…und nun bin es auch ich.

Meine Atmung vertieft sich und mein Herz empfindet zeitlosen Frieden und Kraft. Ich bin umringt von den Baumpersönlichkeiten und obwohl ich mutterseelenallein in einem riesigen Wald bin und eigentlich auch keinen Schimmer habe wie ich da wieder herauskomme fühle ich mich furchtlos.

Hier bin ich genau richtig – die Geister des Waldes haben mich in ihrer Mitte aufgenommen. Ich bin ein Teil des Waldes und der Wald ist ein Teil von mir. Die Bäume sind meine Zeugen, sie sind meine Freunde und sie sind stark.

Und nun verstehe ich das Ganze auch: ich bin nicht etwa im tiefsten Wald weil ich mich verirrt habe sondern weil ich hier geschützt bin und mich eine ganze Legion von Baumsoldaten bewacht.

Diese grüne Pflanzenseele tut sicher allen Menschen gut, die das Gefühl haben allein, verlassen, ausgeliefert, ohnmächtig und verzweifelt zu sein. Dieser Duft führt aus der Stagnation heraus und wandelt den menschlichen Irrgarten in einen offenen Wald mit vielen lichten Pfaden.

Welchen Weg auch immer wir einschlagen – wir dürfen heimkehren. Dieser Duft bietet sich als Zeuge an: das Geleistete wertzuschätzen, das Selbst wahrzunehmen, das Individuum als Teil des Kosmos zu begreifen, dem Staubkörnchen Mensch (s)eine Bedeutung und Lebensberechtigung zu geben.

Im körperlichen Bereich erleichtert der Duft die Atmung löst Spannungen, die durch Furcht und Angst entstanden sind. Auch als Kräftigungsmittel zur Rekonvaleszenz nach Krankheit geeignet.

Affirmation: Die Geister des Waldes nehmen mich in ihrer Mitte auf!

Duft: Fichtennadeln sibirisch, Russland, Picea obovata

Verwendeter Pflanzenteil: Zweige

Gewinnung: Destillation

Die Heilkundige – Karottensamen

21 Jul

Geruchlich ist der Duft von Karottensamen ein bißchen ge-wöhnungsbedürftig. Man kann sich den Duft etwa so vorstellen: eine Frau betritt einen Raum und sie zieht alle Blicke auf sich.
Und das nicht weil sie so außergewöhnlich schön ist, son-dern weil sie ein starkes Charisma hat. Höchstwahrscheinlich hat diese Dame meist Wichtigeres zu tun. Sie hat eine Aufgabe, eine Mission.
Substanz und Fürsorge sind die Eigenschaften, die mir dabei einfallen. Auf ganz wohlwollende Art bietet sich dieser Duft als Regenerationshilfe an, besonders im körperlichen Bereich.
Während der Duftmeditation wandert meine Aufmerk-samkeit immer wieder zur Haut, ich betaste meine Gesichtshaut, wandere über die Augenbrauen und Nase. Ich spüre förmlich wie ich in meiner Haut stecke, ein interessantes Gefühl.
Gleichzeitig habe ich das Bild vor Augen, wie Zellen sich teilen und das ist ja der Inbegriff der Erneuerung und Regeneration.

Dies ist ein benevolenter, heilbringender und fürsorglicher Duft, der die Regeneration des Körpers fördert. Schäden jeglicher Art versucht dieser Duft sofort zu beheben.

Im psychischen Bereich fördert dieser Duft die innere Weichheit, wohl wissend, dass Aggression und Wut den Körper von innen auffressen. Auch hier werden heftige Gefühle zum Wohle des Körpers abgepuffert.

Haß oder Groll den man lange mit sich herum trägt, schlägt sich irgendwann im Körperlichen nieder, mit negativen Gefühlen gegenüber anderen schadet man auf Dauer sich selbst am meisten, wenn die Gefühle nicht verarbeitet werden können.

Vor allem die Haut dient oft als Gefühlsbarometer und drückt aus, was nicht ausgesprochen und verarbeitet werden kann. Zur Regeneration und Erneuerung stelle ich mir diesen Duft daher unterstützend beim Loslassen, Verzeihen und Vergeben vor.

Affirmation: Ich bin mit Fürsorge gesegnet!

Duft: Daucus carota, Frankreich

Verwendete Pflanzenteile: Samen

Gewinnung: Destillation

Sonne im Herzen – Safran Attar

17 Jul

An diesem heftigen Gewittertag ist folgender Duft zu mir gelangt:

Dieser Duft schafft Verbindung und das auf eine ganz zuverlässige ruhige und unspektakuläre Art. Wohliges Ankommen im eigenen Körper und Entspannung der Körpermitte, des Bauchraums, des eigenen Zentrums. Dieser Duft erinnert mich an Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang, die Farben ocker, gelb, orange und ein warmes Gefühl steigen in mir auf.
Die Reise geht weiter zum Mittelpunkt meines Herzens, je weiter ich komme um so wärmer wird es, wie bei der Reise zum Mittelpunkt der Erde von Jules Verne. Im Zentrum herrscht absolute Stille, angenehme und oft ersehnte Ruhe des Herzens ist mit diesem Duft ganz leicht zu erfahren – eine Selbstverständlichkeit.
Die warme Stille lädt ein zu Kontemplation, Einkehr, Einsicht, da sein.
Mich beeindruckt die Bescheidenheit und die Einfachheit des Duftes – ja, alles ist im Grunde ganz einfach – ich atme, ich lebe, ich bin, mein Herz schlägt und ich spüre das Leben in meinen Adern und das Glück in meinem Herzen. Eine Quelle für zuverlässige Ruhe und Einkehr – Stille.

Affirmation: Ich kehre heim! Mein Herz ist warm und weich! 

Duft: Safran Attar Santalum album/ Crocus sativus Indien
Verwendete Pflanzenteile: Holz/Narbe
Gewinnung: Destillation

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