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We are the dreamers of dreams – Düfte zum Träumen

28 Feb

serendipMeerjungfrau(en) ist mit Abstand der am häufigsten gesuchte Begriff, durch den Leser auf diesen Blog gelangen.

Ich hatte einmal einen Artikel zum Baden mit ätherischen Ölen metaphorisch mit Der Duft der Meerjungfrauen betitelt.

Seitdem erinnert mich die Meerjungfrau, dieses  eben-so liebreizende wie un-heimliche Fabelwesen, täglich daran, dass die Menschen da draußen allem Anschein nach auf der Suche nach dem Fabelhaften sind. Und zugegeben, ich bin es auch.

Es ist vielleicht die Sehnsucht nach dem Wunder, dem Unerklärlichen, dem Ungewöhnlichen, dem Märchen und den alten Geschichten, die als archetypische Repräsentationen in uns wohnen.

Es ist dieses Gefühl, dieser kurze Moment, in dem die Realität einen besonderen Glanz erhält, dieses Funkeln und Glitzern, verdichtet in einer symbolhaften Kreation.

Was passiert wenn dieser fantastische Funke doch irgendwie in die normale Realität überschlagen würde?

Dann träumen wir. Und wenn wir träumen, dann ist das Unmögliche möglich und wir sind unserer Seele ganz nah. Der Rahmen, in dem man sich normalerweise bewegt, löst sich auf und formt sich neu. Die Seele jongliert mit verschiedenen Elementen des Erlebten, setzt sie neu zusammen, lässt mal etwas fallen und fügt Neues hinzu.

Widersprüchliches kann nebeneinander existieren, wir entwickeln Kräfte, von denen wir nichts wussten, sprechen fremde Sprachen, die im richtigen Leben gar nicht existieren, üben Berufe aus, die wir nie erlernt haben, retten Leben, gehen unter, stehen wieder auf, sind reich oder arm, berühmt, Waisenkinder oder ein Tier, wir erleben Dimensionen des Seins, von deren Existenz wir im normalen Leben nichts wissen.

Und doch – leben alle diese Versionen von uns selbst tief im Inneren der Seele als Quelle der Kraft, als Ressourcen als Möglichkeit zu sich selbst zu finden. Immer wieder, jede Nacht aufs Neue.

In jedem Fall zeigt der Traum, dass wir viel mehr sind, als wir glauben, dass wir viel mehr können, als wir uns zutrauen und dass wir viel mehr wissen, als gedacht.

Düfte eignen sich hervorragend dazu, die Welt der Träume und gleichzeitig das Reich der Nachtseele zu erkunden. Mit der Anwendung ätherischer Öle habe ich immer wieder beobachtet, dass…

  • ich mich viel besser an meine Träume erinnern kann
  • die Träume farbiger, plastischer und ereignisreicher waren
  • die Träume oft ein bestimmtes Thema hatten (das sich manchmal über mehrere Traumnächte fortsetzte)
  • die Träume sich sehr echt anfühlten
  • die Erinnerung an Träume mit manchen Düften ganz ausblieb, kombiniert mit tiefer Regeneration

Die besten Erfahrungen habe ich mit Düften gemacht, bei denen subjektiv das Gefühl entsteht, dass der Körper tief in das Federbett einsinkt, während der Geist ganz leicht wird und in die entgegen gesetzte Richtung wie der Körper strebt:

Ein Sofa im Garten Eden – Römische Kamille

Miss Mille Fiori – Jasmin

Die Muse – Muskatellersalbei

Das alles sehende Auge – Osmanthus

Die Sternenprinzessin – Sternanis

Der Paradiesvogel – Tonka

Für den tiefen, regenerativen Schlaf:

Die Wurzelfrau – Vetiver

Ein Kurs in Wundern – Narde

Spiegel aus Holz – Zeder

Meister der Stille – Weihrauch

Als Massageöl, Bad oder Inhalation vor dem Schlafengehen.

Vor dem Schlafengehen sollte man sich fest vornehmen, sich am nächsten Morgen an den Traum zu erinnern. Am besten, man legt sich ein Traum-Tagebuch auf das Nachtkästchen und notiert sofort nach dem Aufwachen seine Eindrücke.

Bleibt nur noch die Frage: Träumen wir die Träume oder träumen sie uns?

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Ein Sofa im Garten Eden – Römische Kamille

12 Jan

Die römische Kamille ist ein duftendes Potpourri aus frischen Früchten der Saison, etwas Heu, randvoll mit aufgeblüh-ten Blumen, umrankt von wilden Girlanden von Beerensträuchern.

Ein warmer, lauer Sommertag im Garten Eden.

Vor meinem inneren Auge taucht eine wilde Sommerwiese auf. Ein kleiner Pfad führt durch sie hindurch und mittendrin finde ich geschützt in einer Laube aus Kletterpflanzen und wilden Rosen ein riesiges Sofa wie aus dem Märchen, mit riesigen weichen Kissen.

Die voll aufgeblühten Rosen hängen bis auf die Polster herab, so als würden sie sich von ihrer schweren Last erholen wollen.

Die paradiesische Ruhe ist über eine Leiter zu erreichen. Oben angekommen lege ich mich auf das Sofa. Eine weiche dicke Zudecke breitet sich wie von Zauberhand über mir aus. So als sei dies ein Startsignal, sinke ich innerlich nach unten, meine Organe, meine Gliedmaßen, meine Gedanken, alles sinkt nach unten. Ich lasse los, gebe auf, werde weich.

Plötzlich ist alles still, alles gut, der Lärm der Strassen abgestellt, die Gedanken sind mollig warm eingehüllt und während mein Körper in der Weichheit der Matratze versinkt, schlüpft das Nervenkostüm in seinen Schlafanzug und ruht aus.

Dieser Duft hat die außergewöhnliche Eigenschaft, die Nerven zu streicheln, die Flut der Reize zu stoppen und das Hamsterrad anzuhalten. Es geschieht einfach.

Die römische Kamille singt die besten Schlaflieder und mit der Routine eines erfahrenen Hypnotiseurs erzeugt sie mit wenigen Worten diesen einfachen, schwebenden, fast naiven Ruhezustand, in dem man gleichzeitig aus der Fülle schöpft und die Ressourcen wieder auffüllen lernt. Die Fülle der römischen Kamille ist wie ein prall gefüllter Fruchtkorb, einladend, süß duftend und verlockend.

Im Garten Eden ist alles angenehm, dort blüht und gedeiht alles und die Luft ist erfüllt von der Energie der Herrlichkeit.

Die römische Kamille schenkt mir das Gefühl aus Kindertagen: nach einem Tag voller Spiel und Freude, geborgen in einem weichen Federbett einzusinken. Während ich einschlafe, nehme ich noch wahr, wie sich die Engel um mein Bett versammeln und über mich im Schlaf wachen.

Hier haben wir es mit einem sehr zärtlichen, wohlwollenden und umsorgenden Duft zu tun. Sie (der Duft fühlt sich weiblich an) nimmt die Spitzen und die Schärfe aus den Gedanken ebenso wie aus den Eingeweiden. Sie umhüllt aufgeriebene und blank liegende Nerven mit Fürsorge und dreht bei Bedarf ganz heimlich die Sicherung des zentralen Nervensystems heraus, bevor es zu einem Kurzschluss kommt.

Die römische Kamille ist in ihrer Natur freigiebig und besitzt die Kraft der Regeneration. Wer schon einmal auf einem Rasen aus römischer Kamille gelegen oder gestanden hat, wird schon einmal beobachtet haben, dass sich die niedergedrückten, dicht wachsenden Triebe der römischen Kamille zu ihrer ursprünglichen Form aufrichten, so als wäre nichts geschehen.  Nach ein paar Minuten findet man anstatt niedergetrampelter Halme wieder denselben einladend duftenden Rasenteppich vor.

Wenn schweres Gewicht auf der  Seele lastet, ist die römische Kamille daher die Beste, da sie weiß mit schweren Lasten umzugehen. Sie entschärft Situationen der Überreizung und Überforderung und bringt uns für eine gewisse Zeit in den Garten Eden, den Ort der paradiesischen Ruhe.

Dort werfen die Engel dann ihren himmlischen Staubsauger an, ziehen die heiß-glühenden Energien ab und wie im Schlaf verfliegen Stress, Sorgen und Ärger. So einfach geht das!

Affirmation: „Ich sinke in friedvolle Geborgenheit!“

Duft: Chamaemelum nobile, Frankreich

Verwendeter Pflanzenteil: Blüten

Gewinnung: Destillation

Elementarteilchen des Glücks – Kakaobohne

10 Okt

Die Azteken bereiteten aus der Kakaobohne und Wasser das göttliche Getränk Xocólatl zu, was so viel bedeutet wie „Bitteres Wasser“.

Dementsprechend über-rascht der Duft der Kakaobohne mit einem herben, warmen und leicht animalischen Dufterlebnis, das mit dem süßen Aroma von Schokolade nichts zu tun hat, wohl aber mit dem Geheimnis eines archaischen Mythos, dem konzentrierten elementaren Glücksgefühl.

Die bittere Note im Duft weist auf das Überwinden von Bitterkeit hin. In den ersten Tagen der Dufterfahrung(en) passierte so manche bittere Pille aus vergangenen Tagen mein Bewusstsein. Durch die seelisch wärmenden Elemente des Duftes konnte ich mir alles ganz entspannt ansehen und gleichzeitig lernen, die Bitterkeit und das Herbe als lebendigen Impuls aufzufassen.

Als Antidot traten nun im Schlaf ganz elementare Kräfte, die in kleinen Samenkapseln im Urgrund meines Selbst gelagert waren, zu Tage. Kleine samtig braune Speicher voller Wärme, Sicherheit und Ur-Vertrauen, die  sich Nacht für Nacht im Traum öffneten. Wie feiner Goldstaub legten sich die darin enthaltenen Partikel auf meine Seelenlandschaft – die Elementarteilchen des Glücks.

Der Schlaf ist tief und fest, die Trauminhalte werden deutlich erinnert.

Immer wenn die archaischen Kräfte durch einen Duft angesprochen werden, habe ich subjektiv den Eindruck eine lange Reise durch sämtliche Bewusstseinsschichten  zu machen, bis ich endlich am Ziel angekommen bin. Nun (nach 2 Wochen) ist es so weit, dass dieses Ur-Selbst, das sich in lebhafter Bildersprache im Traum äußerte, auch am Tag spürbar ist.

Es ist als ob der archaische Teil der Persönlichkeit ganz deutlich hervortritt und die Instinktnatur die Rolle als Wegweiser übernimmt, ohne dabei die Organisation der Persönlichkeit zu beeinträchtigen. Es fühlt sich an, als hätte man ein zusätzliches fühlendes, nicht sehendes „Augenpaar“ hinzu bekommen, das direkt durch die Gedankenwelt, die Gefühlswelt, die Reize von außen hindurch blickt, bis auf den Grund der eigenen Realität und genau das Lebenswichtige vom Überflüssigen trennt.

Das kleine Glück, das sich pur in Momenten und kleinen Gesten zeigt, wird wie durch ein Vergrößerungsglas wahrgenommen. In einer warmen Mahlzeit, einem frisch gemachten, warmen Bett, einem Dach über dem Kopf, einer Umarmung oder einer Naturerfahrung.

Das Bedürfnis nach Nahrung, Wärme, Schutz, Obdach und Schlaf und die Würdigung des archaischen instinkthaften Wesens im Menschen findet mit Hilfe des Kakaoduftes  seine Erfüllung. Frei nach dem Motto: „Froh zu sein bedarf es wenig und wer froh ist, ist ein König.“

Der Kakaoduft führt vom Haben zum Sein, von der Bitterkeit zum elementaren Glücksgefühl der kleinen Gesten.

Affirmation: „Ich nehme das kleine Glück wahr!“ „Mein Ur-Selbst zeigt mir meinen Weg!“

Duft: Theobroma cacao, Peru

Verwendeter Pflanzenteil: Frucht

Gewinnung: Alkoholextraktion (der Duft braucht Zeit, um sich zu entfalten. Der Alkohol muss dazu erst verfliegen)

Miss Mille Fiori – Jasmin sambac

7 Jun

Sie ist eine jener Duftpersönlichkeiten, die es versteht, die Sinne mit ihrer narkotischen Süßigkeit zu benebeln. In ihrer Art, zum Entspannen, zum Loslassen, zum Genuss zu verführen, ist sie unvergleichlich und unver-wechselbar.

Wer eben noch dachte, der Duft sei eigentlich ein wenig zu süß, wird dies bereits im nächsten Moment schon wieder vergessen haben und sich sogleich in den Augenblick der Wonne hineinstürzen.

Aber Achtung, Jasmin wirkt tief ein!

Der Duft fühlt sich im ersten Moment an wie ein Bett aus tausenden Blüten, wie ein fliegender Teppich, der sanft hin und her schaukelt. Man möchte sich einfach nur hineinlegen.

Doch die Blüten bilden ein intelligentes Netzwerk und ermitteln per Scan meinen Happiness-Quotienten. Ich habe den Eindruck, dass Wehmut und Schmerz aus dem emotionalen Körper ausgeschleust werden und durch die Süße der Blüten neutralisiert werden.

Dieser Duft birgt das Abenteuer, sich auf die Süße des Lebens und die Erfüllung der eigenen Sehnsüchte einzulassen. Oder sich auf die Suche zu begeben, worin die eigenen Sehnsüchte eigentlich bestehen.

Sehnsucht – man sucht das, wonach man sich sehnt. Und dafür braucht es eine intensive Verbindung mit der eigenen Gefühlswelt, eine Erschütterung der Gewohnheit, einen Weckruf der archaischen Kräfte, die irgendwo im Urgrund des menschlichen Seins darauf warten, freigesetzt zu werden. Da wo sich die tiefste Quelle des Glückes befindet, sitzt oft auch der tiefste Schmerz.

Wie herrlich, dass es diesen wogenden einladenden Blütenteppich gibt, der das ganze Sein mit seinen Höhen und Tiefen mit seinem Duft einhüllt.

Affirmation:  Ich werde vom Duft der Blüten getragen! Die Süße nimmt den Schmerz!

Duft: Jasminum sambac, Indien

Verwendeter Pflanzenteil: Blüte

Gewinnung: Hexanextraktion

Die Wurzelfrau – Vetiver

10 Mai

Die warme, von der Sonne des Sommers aufgeladene Erde ist der Ort, an den mich dieser Duft führt. Sogleich fühle ich mich ruhig und geborgen, zuhause und gut aufgehoben. Heimatgefühle steigen in mir auf.

Vor meinem inneren Auge begegne ich einer Frauengestalt, ihr jugendliches Aussehen scheint sich über Jahrtausende nicht verändert zu haben.

Das Besondere an dieser Frau ist, dass sie mit Haut und Haar mit ihrer Umgebung verwurzelt ist. Ihre Wurzeln reichen ganz tief, ihr Haar ist aus Wurzeln, aber auch aus ihrer Haut reicht ein Wurzelgeflecht in den Raum und den Boden hinein. Die Wurzelfrau erscheint mir wie eine Erdgöttin. Paradoxerweise scheint sie über einem Urgrund aus Fragmenten zu schweben während sie von allen Seiten fest verwurzelt ist und damit gleichzeitig alles zusammenhält. Woher weiß die Frau nur wo sie sich am besten festhält ohne ihre Flexibilität zu verlieren?

Mein erster Gedanke ist, sich nur an den Erfahrungen, Erinnerungen, Orten und vor allem Menschen festzuhalten, die wirklich eine essentielle Bedeutung für das eigene Leben haben. Jeder Mensch hat Wurzeln, manche Menschen bleiben ihr Leben lang am selben Ort und haben im wahrsten Sinn des Wortes „Wurzeln geschlagen“, andere Menschen haben ihre Wurzeln durchtrennt und haben sich auf Wanderschaft begeben. Falls das Thema der eigenen Wurzeln mit Schmerz verbunden ist (Unklarheit, Zerrissenheit, Unzufriedenheit, „Nicht wissen, wo man hingehört“) ist die Wurzelfrau die Helferin der Wahl. Der Rastlose findet Geborgenheit, daher eignet sich der Duft auch sehr gut für die Behandlung bzw. Prävention von Burn-out.

Mein Eindruck ist, dass es sich bei diesem Duft um das „Gefühl der Wurzeln“ handelt. Fast spüre ich an meinen eigenen Füßen die Wurzeln, die gerade dabei sind in den Erdboden zu wachsen. Das ist natürlich nur eine Phantasie, aber damit verbunden ist ein großartiges Gefühl. Verankert, sicher, standhaft. Und natürlich bin ich mit der Erde verbunden und damit mit all ihren wundervollen Eigenschaften: haltend, nährend, heilend.

Sich zu verwurzeln ohne sich anzubinden, seine Wurzeln woandershin mitnehmen und sich neu verankern, das scheint mir eine gute Option um ein tragfähiges Fundament für das eigene Leben zu schaffen. Die eigenen Wurzeln gehören einem selbst, sie sind ein Teil der Persönlichkeit. Vetiver schafft eine kleine Höhle inmitten der Fragmente des eigenen Lebens, wo alles zusammen findet, was einem wichtig ist. Mit dem „Gefühl der Wurzeln“ nimmst du dein Zuhause überall mit hin. Home is where the heart is!

Affirmation: „Ich trage meine Heimat in meinem Herzen!“ „Ich bin mit der Kraft der Erde verbunden!“

Duft: Vetiveria zizanoides, El Salvador

Verwendeter Pflanzenteil: Wurzeln

Gewinnung: Destillation

Spiegel aus Holz – Zeder

6 Apr

Spiegel aus Holz

Mit dem Duft kommt die tiefe Atmung.  Mit der tiefen Atmung kommt die Ruhe. Mit der Ruhe kommt die Kraft.  Ich sitze und atme, werde schwer und gleichzeitig richte ich mich innerlich auf.  Mit jedem Atemzug entferne ich mich ein wenig weiter von der normalen Zeitrechnung.

Jenseits vom allem, was ich normalerweise bin, ist ein Teil meiner selbst, der unveränderlich mein Fels in der Brandung ist. Mein Baum an den ich mich lehnen kann, in allen Lebenslagen. Es ist mein Seelenkern. Tatsächlich spüre ich für einen Moment in mir diesen unendlichen Anteil.  Stabilität in immerwährender Wandlung.

Mit diesem Gefühl sehe ich in meiner inneren Wahrnehmung, begleitet von tiefer selbstverständlicher Atmung, einen großen Holzrahmen. Es sieht aus wie ein Spiegel, aber auch die Fläche des Spiegels ist aus Holz. Ich blicke darauf aber nichts passiert. Als ich die Augen schließe, taucht derselbe Spiegel wieder auf. Nun sehe ich wie sich die Holzfläche langsam öffnet und sich in ein farbiges Meer aus pulsierenden Spiralen verwandelt.  Das ist der pulsierende Fluss der Lebensenergie. Das Leben ist in mir und umhüllt meinen Seelenkern.  Damit bin ich gekommen und damit werde ich wieder gehen.  Mit dem Öffnen der Augen steht nun wieder der Zauberspiegel mit glatter Holzfläche vor mir.

Ich verstehe, dass die Lebensachse, um die ich mich selbst drehe und die mir Stabilität und Kraft gibt, in mir selbst liegt und dass ich die Verbindung zu meinem Seelenkern nur mit dem Blick nach Innen herstellen kann. Nun weiß ich aber auch, dass ich diesen Seelenkern auch direkt ansprechen und um Unterstützung bitten kann.

Der Duft der Zeder versprüht die nötige Magie, um sich seiner eigenen Kraft bewusst zu werden und sich zu seiner vollen Größe aufzubauen.  Wir Menschen sind aufrechte Wesen, die sich zwischen Himmel und Erde ausrichten. Die Wirbelsäule dient als stützende Achse, der klare Geist als Wegweiser.  Ich blicke in den Spiegel der Zeder und sehe Respekt, Stabilität, Kraft, Ruhe, das Göttliche, die Unendlichkeit und sehe es im selben Augenblick tief in meinem Inneren, denn nur dort kannst du die Botschaft der Zeder empfangen.

„Es kann die Ehre dieser Welt
Dir keine Ehre geben.
Was dich in Wahrheit hebt und hält
Muss in dir selber leben.“                             Theodor Fontane

 

Siehe auch Besuch einer Libanon-Zeder

Affirmation: „Ich spüre meinen Seelenkern!“ „Alle Kraft kommt aus mir selbst!“

Duft: Cedrus atlantica, Marokko

Verwendeter Pflanzenteil: Holz

Gewinnung: Destillation

Tänzer in der Nacht – Patchouli

18 Nov
Duftwahrnehmungen zusammengefasst aus mehreren Tagen und Nächten:
Dunkelheit – normalerweise habe ich im Dunkeln immer den Impuls Licht zu machen. Aber heute nicht. Vielmehr scheint sich das innere Auge an die Dunkelheit zu gewöhnen und das gibt Sicherheit. Eine ganz neue Handlungsfreiheit tut sich beim Riechen im Inneren auf. Und das innere Auge beginnt zu erblicken, was sich in der eigenen Dunkelheit eigentlich abspielt. Die Farben der Nacht werden erfahrbar und sichtbar. Real äußern sich diese inneren Farben in einem Farbenrausch, den ich übermütig zu Papier bringe. Als ich auf mein Papier blicke ist dieses Bild plötzlich fertig, welches sich später noch weiter verändern wird.
Neben der Dunkelheit gibt es noch eine weitere sehr erfahrbare Qualität, nämlich eine bestimmte Art von Wärme, die sich gezielt und nach einem bestimmten Muster im Körper ausbreitet (dies war für mich an 3 aufeinander folgenden Tagen immer wieder dieselbe Erfahrung). Sie ist orange-rot und pulsierend, dynamisch, kräftig und scheint aus einem glühenden Kern im Inneren zu entstehen. Die Wärme expandiert bis hin zur Körpergrenze und strahlt ca. 2 cm über diese hinaus. Und das gibt Sicherheit.
Mit der Dunkelheit verbunden ist auch die Nacht, die ihre eigenen Qualitäten und Gesetze hat. Im Dunkeln sind die wunderschönen Sterne am Himmel zu sehen, die Atmosphäre klärt sich und weil die meisten Menschen in der Nacht schlafen, herrscht auch eine ganz andere Art von Ruhe als tagsüber an ruhigen Orten. Viele Nachtarbeiter werden bestätigen, dass in der Nacht mehr Raum für die eigenen Gedanken vorhanden zu sein scheint und mehr Raum für sich beansprucht werden kann, weil er nicht schon von anderen Menschen besetzt ist. Es stellt sich das befreiende Gefühl ein, sich in voller Konsequenz frei entfalten zu können in der unendlich scheinenden Dunkelheit.
Dies sind heilige und andächtige Momente: in der Dunkelheit geborgen und schöpferisch tätig zu sein. Und mit diesem Duft können wir zu jeder Zeit in dieses Gefühl eintauchen, wenn wir wollen.
Zu dieser Assoziation der Nacht hat sich das obere bunte Bild in dieses verwandelt:
Bei einem weiteren Duftexperiment finde ich wieder neue Aspekte des Duftes. Die Quintessenz aus einer Reihe von Assoziationen ist, dass ich nur dann ganz Ich sein kann, wenn ich auch meine dunklen, mir lästigen und ungeliebten Seiten annehme und sie mir zum Freund mache. Wenn das nur nicht immer so eine ernste Angelegenheit wäre…
In meiner Imagination visualisiere ich dann diese bunte Szene: Der Tänzer in der Nacht, wie ich den Duft für mich benannt habe, tänzelt leichtfüßig um meine ungeliebten Makel, Fehler und Sorgen herum, die sich als größere und kleinere Felsformationen auf einer weiten Ebene zeigen. In seinem Tanz verwandeln sie sich in bunte exotische Tücher und Vögel, die fortan mit dem Tänzer synchron durch die Luft wirbeln. Ein wundervolles Spektakel wie ein Feuerwerk – all meine Sorgen fliegen als bunte Paradiesvögel durch die Nacht!  Wohoo!
Nun wird mir der spielerische Aspekt von Wandlung sehr deutlich. Diese Wandlung findet in einem freudigen Tanz statt. Tue Dinge, die dir Freude machen, gerate dabei auch einmal außer dich und deine Sorgen fliegen als Paradiesvögel davon. Diese Form der Lebensenergie kann jeder Mensch gut brauchen, um sich besonders, einzigartig und geschätzt zu fühlen.
Durch Spiegelung und Aneinanderreihen des ersten Bildes wurde nach dieser Dufterfahrung dann dieses Bild.
Vor dem Einschlafen habe ich den Duft besonders gerne gerochen: die pulsierende Wärme, dazu das Gefühl, in einer geschützten Höhle zu liegen und anstatt der Schäfchen, die über einen Zaun springen folgte mein Geist den hypnotisierenden, mandalaartigen Flugformationen der bunten Vögel am Nachthimmel….
Affirmation: In der Dunkelheit sehe ich meine Farben! Mein Freudentanz verwandelt mich!

 

Duft: Pogostemon cablin, Indonesien
Verwendete Pflanzenteile: Blatt
Gewinnung: Destillation

Meister Hora – Sandelholz

1 Okt

Hier ein Tag und dort ein Jahr

Meine Erfahrung mit Sandelholz begann vor ca. 9 Monaten genau wie alle anderen hier beschriebenen Dufterfahrungen auch. Ich zog einen Duft aus meiner Schatzkiste und ließ ihn meditativ einwirken. Zahlreiche Assoziationen fluteten mein Herz oder besser mein Alles, mein ganzes Sein wurde durchdrungen von goldener Wärme. An jenem Tag und noch oft danach hatte ich den Eindruck, dass mein Herz ganz warm wird, der Herzschlag sich verlangsamt und das Herz nach unten in Richtung der Wirbelsäule sinkt. Gleichzeitig hatte ich immer das Gefühl in einem hellen Schutzraum, etwas entfernt vom Alltag, zu sein. Das Licht war immer gelb, gold, hell. Oft hatte ich die Vorstellung von gelbem Wüstensand unter gleißendem Sonnenschein und der Farbe Gold. Es war mir klar, dass mit dem Gold nicht etwa materieller Reichtum gemeint war, sondern es verwies auf etwas, das größer ist als der Mensch selbst. Etwas ungeheuer Wertvolles, das höchste Gut, die edelste Gesinnung, vielleicht das Gute an sich.
Ich kam mit diesem Duft nicht zum Abschluss, für die ganzheitlich mein Selbst umfassenden Gefühle ließ sich kein Bild finden. Jegliche Abbildung, die ich für das abstrakte Gold aus meiner Vorstellung als Zeichnung, Foto oder Objekt heranzog, schien mir ungenügend. Also wartete ich ab.
Nach mehreren Monaten tauchte dann das Bild des Meister Hora vor meinem inneren Auge auf, der Hüter der Zeit. Im Nirgend-Haus in der Niemals-Gasse teilt er jedem Menschen seine Zeit zu, dort wachsen die Stundenblumen, die sich in den herrlichsten Farben öffnen und wieder vergehen und jede scheint noch herrlicher als die zuvor gesehene zu sein. Was die Menschen mit ihrer Zeit machen, müssen sie selbst bestimmen und sie müssen sie auch selbst verteidigen. Meister Hora sagt: „Denn jeder Mensch hat seine Zeit. Und nur so lange sie wirklich die seine ist, bleibt sie lebendig.“ Und „Denn so wie ihr Augen habt, um das Licht zu sehen, und Ohren, um Klänge zu hören, so habt ihr ein Herz, um damit die Zeit wahrzunehmen. Und alle Zeit, die nicht mit dem Herzen wahrgenommen wird, ist so verloren wie die Farben des Regenbogens für einen Blinden oder das Lied eines Vogels für einen Tauben.“
Der Meister der Zeit führt einen direkt in das eigene Herz, die eigene goldene Mitte und lässt uns die Musik unseres eigenen Herzens hören. Die Botschaft des Duftes wurde mir nun plötzlich sehr deutlich. Lasse dir deine Zeit nicht von denen wegnehmen, die dir Angst machen. Deine Zeit gehört dir, fange etwas mit ihr an, das dein Herz berührt und sei auf diese Weise lebendig.
Die Zeit in diesem Sinn, hat keinen Anfang und kein Ende, sie ist unendlich. Und so könnte ich mit dem Sandelholz sicher noch weitere Monate zubringen. Sandelholz ist ein treuer Begleiter, Träger des goldenen Lichts, das im Herzen wohnt, zeitlos im Hintergrund wartend.
Das 12. Kapitel des Märchen-Romans MOMO von Michael Ende bildet verblüffend genau ab, wie ich innerlich den Duft erfahren habe. Das Kapitel heißt „Momo kommt hin, wo die Zeit herkommt.“ Die Zitate oben stammen ebenfalls aus dem Kapitel.
Das wichtigste was ich von diesem Duft gelernt habe, ist , dass die Zeit lediglich ein Maß für Veränderung ist. Wenn man einmal in die eigene Zeit im Mittelpunkt des Herzens eingetaucht ist, wird es ganz still für einen Moment während alle Uhren aufhören zu ticken.

Affirmation: Meine Zeit ist lebendig! Meine Zeit ist heilig!

Duft: Santalum album

Verwendete Pflanzenteile: Holz

Gewinnung: Wasserdampfdestillation

Die große Erdmutter – Galbanum

23 Aug

Einmal eingeatmet und im nächsten Moment bin ich in Mittelerde. Der Geruch von feuchter, fruchtbarer und nährender Erde umfängt mich und hüllt mich ein.

Ich habe das Gefühl in einem unterirdischen Erdgang zu sein, der direkt zum Mittelpunkt der Erde führt. Es scheint zunächst sehr leicht zu sein, nach innen vorzudringen, das Innen zu erkunden. Warme, geschützte und gesicherte Erdhöhle.

Aber mit der Zeit scheint der Weg weit, wie lange muss ich noch durch diesen Erdgang wandern? Alle Organe im Körper scheinen in Richtung Erde nach unten zu sinken, sogar unter den mich tragenden Boden: Schwere, fast unerträglich!

Gerade als ich gegen die Schwere der Glieder aufbegehre, kommt die Überraschung. Urplötzlich wandelt sich das Erdaroma hin zu einem vielschichtigen, zitronigen, würzigen und sanften Aroma. Ich gehe von der Schwere hin zur Leichtigkeit und sehe, dass der Erdgang mich an einen hellen, warmen und freundlichen Ort geführt hat. Fast kommt es mir so vor, als hätte der Duft meine Toleranzgrenze ausgetestet, im letzten Moment kam die Erlösung.

Die, die nicht frühzeitig aufgeben nach innen zu gehen, werden also von diesem Duft belohnt!

Der Ort ist heilig, die große Erdmutter ist dort zuhause. Sie schützt, nährt und heilt diejenigen, die den beschwerlichen Weg zu ihr nicht scheuen. Wieder habe ich das Gefühl von Innen, aber auch von einer engen Begrenzung, einer Erdkuhle, die für mich reserviert ist, für meine Verwandlung. Ob ich mich tatsächlich dort hinein lege steht auf einem anderen Blatt.

Zusammenfassend habe ich den Eindruck dieser Duft geht nach Innen, also auch unter die Haut und will etwas zum Besseren transformieren.

Der Duft hat Zeit und kann sich sicherlich auch um lange zurück liegende Ereignisse kümmern, die vom tiefsten Inneren nach Außen kommen müssen, um zur Heilung beizutragen.

Erlebnisse, die längst vergessen schienen, haben tiefsitzende Wunden oder nicht heilende Wunden geschlagen, die bereits vergessen schienen. Die große Erdmutter kennt alle Wunden und wohnt im tiefsten Inneren, also in nächster Nähe.

Affirmation: Ich trete die Reise zum Mittelpunkt meiner selbst an!

Duft: Galbanum, Ferula galbaniflua, Iran
Verwendete Pflanzenteile: Harz
Gewinnung: Destillation

Geniale Erholung – Ho-Blätter

18 Jul

Zunächst tauchen Libellen mit regenbogenfarbig-schillernden Flügeln in einem Sumpfgebiet vor meinem inneren Auge auf, sie schweben über einer dunkel-braunen Landschaft im eisblauen Himmel umher, manchmal scheinen sie in der Luft still zu stehen ohne abzustürzen.

Vielleicht ist das genau die Botschaft des Duftes: Stillstand ohne Absturz.

Während meiner Wahrnehmung wandelt sich der Duft und zeigt mir verschiedene Facetten von sich: zunächst rosig-holzig, dann zitronig, dann würzig, dann wieder rieche ich blasses Treibholz, dann kommt der blumige Aspekt wieder hervor.

Durch dieses Duftspiel abgelenkt befinde ich mich nun in einem sehr tiefen Entspannungszustand, bin unmerklich dort hineingeraten.

Interessanterweise hatte ich mich zu Beginn etwas belebt gefühlt. Nun fühlt sich mein Körper sehr schwer und warm an und ich möchte eigentlich am liebsten auf der Stelle einschlafen. Ich fühle mich sediert, nahezu ruhig gestellt. Und es fällt mir schwer, wieder aufzustehen. Heute ist Samstag und ich habe bereits ausschlafen dürfen, an fehlendem Schlaf kann diese Empfindung also nicht liegen.

Daher vermute ich, dass dieser Duft die Qualität besitzt, einen Menschen in den Heilschlaf zu führen. Dort kann Beschwerliches umhergewälzt und verarbeitet werden. Beim Aufwachen fühlt man sich deutlich entlastet und erneuert.

Nun darf ich stehenbleiben und innehalten und darf den Moment der Erholung genießen. Genial an diesem Duft ist, dass er sämtliche Besucher des stillen Moments wie die täglichen To Dos, das „Ich hätte..“, „Ich muss noch…“ und „Ich sollte..“ abweist. Diese Besucher werden freundlich gebeten, draußen zu warten.

Diese Duftpersönlichkeit hat eine bestimmte und doch sehr liebenswürdige Art, Zugang zu den eigenen Kraftquellen aufzuzeigen. Bei Bedarf sorgt dieser Duft in seinem belebenden Aspekt für Ausgeglichenheit und heitere Gelassenheit.

Der Ho-Blätter Duft eignet sich auch gut für eine Duftmeditation, als Einschlafhilfe und als Klärungshilfe und begleitet in Phasen persönlicher Weiterentwicklung. Dies ist sicher auch ein guter Begleitduft für die Arbeit mit Sorgenpüppchen (aus Guatemala).

Auf der Haut fühlt sich das Öl sehr samtig an, zum Schluss bleibt als Souvenir ein feiner holziger Duft.

Affirmation: Ich halte inne und erhole mich! Im Schlaf erfahre ich Heilung!

Duft: Ho-Blätter, Cinnamomum camphora Sieb, Taiwan

Verwendete Pflanzenteile: Blatt
Gewinnung: Destillation
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