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Ein Sofa im Garten Eden – Römische Kamille

12 Jan

Die römische Kamille ist ein duftendes Potpourri aus frischen Früchten der Saison, etwas Heu, randvoll mit aufgeblüh-ten Blumen, umrankt von wilden Girlanden von Beerensträuchern.

Ein warmer, lauer Sommertag im Garten Eden.

Vor meinem inneren Auge taucht eine wilde Sommerwiese auf. Ein kleiner Pfad führt durch sie hindurch und mittendrin finde ich geschützt in einer Laube aus Kletterpflanzen und wilden Rosen ein riesiges Sofa wie aus dem Märchen, mit riesigen weichen Kissen.

Die voll aufgeblühten Rosen hängen bis auf die Polster herab, so als würden sie sich von ihrer schweren Last erholen wollen.

Die paradiesische Ruhe ist über eine Leiter zu erreichen. Oben angekommen lege ich mich auf das Sofa. Eine weiche dicke Zudecke breitet sich wie von Zauberhand über mir aus. So als sei dies ein Startsignal, sinke ich innerlich nach unten, meine Organe, meine Gliedmaßen, meine Gedanken, alles sinkt nach unten. Ich lasse los, gebe auf, werde weich.

Plötzlich ist alles still, alles gut, der Lärm der Strassen abgestellt, die Gedanken sind mollig warm eingehüllt und während mein Körper in der Weichheit der Matratze versinkt, schlüpft das Nervenkostüm in seinen Schlafanzug und ruht aus.

Dieser Duft hat die außergewöhnliche Eigenschaft, die Nerven zu streicheln, die Flut der Reize zu stoppen und das Hamsterrad anzuhalten. Es geschieht einfach.

Die römische Kamille singt die besten Schlaflieder und mit der Routine eines erfahrenen Hypnotiseurs erzeugt sie mit wenigen Worten diesen einfachen, schwebenden, fast naiven Ruhezustand, in dem man gleichzeitig aus der Fülle schöpft und die Ressourcen wieder auffüllen lernt. Die Fülle der römischen Kamille ist wie ein prall gefüllter Fruchtkorb, einladend, süß duftend und verlockend.

Im Garten Eden ist alles angenehm, dort blüht und gedeiht alles und die Luft ist erfüllt von der Energie der Herrlichkeit.

Die römische Kamille schenkt mir das Gefühl aus Kindertagen: nach einem Tag voller Spiel und Freude, geborgen in einem weichen Federbett einzusinken. Während ich einschlafe, nehme ich noch wahr, wie sich die Engel um mein Bett versammeln und über mich im Schlaf wachen.

Hier haben wir es mit einem sehr zärtlichen, wohlwollenden und umsorgenden Duft zu tun. Sie (der Duft fühlt sich weiblich an) nimmt die Spitzen und die Schärfe aus den Gedanken ebenso wie aus den Eingeweiden. Sie umhüllt aufgeriebene und blank liegende Nerven mit Fürsorge und dreht bei Bedarf ganz heimlich die Sicherung des zentralen Nervensystems heraus, bevor es zu einem Kurzschluss kommt.

Die römische Kamille ist in ihrer Natur freigiebig und besitzt die Kraft der Regeneration. Wer schon einmal auf einem Rasen aus römischer Kamille gelegen oder gestanden hat, wird schon einmal beobachtet haben, dass sich die niedergedrückten, dicht wachsenden Triebe der römischen Kamille zu ihrer ursprünglichen Form aufrichten, so als wäre nichts geschehen.  Nach ein paar Minuten findet man anstatt niedergetrampelter Halme wieder denselben einladend duftenden Rasenteppich vor.

Wenn schweres Gewicht auf der  Seele lastet, ist die römische Kamille daher die Beste, da sie weiß mit schweren Lasten umzugehen. Sie entschärft Situationen der Überreizung und Überforderung und bringt uns für eine gewisse Zeit in den Garten Eden, den Ort der paradiesischen Ruhe.

Dort werfen die Engel dann ihren himmlischen Staubsauger an, ziehen die heiß-glühenden Energien ab und wie im Schlaf verfliegen Stress, Sorgen und Ärger. So einfach geht das!

Affirmation: „Ich sinke in friedvolle Geborgenheit!“

Duft: Chamaemelum nobile, Frankreich

Verwendeter Pflanzenteil: Blüten

Gewinnung: Destillation

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Das Antiserum – Thymian linalool

15 Nov

Widerstand zu leisten kostet Kraft und gerade in Momenten, wo es wirklich darauf ankommt, zäh und hartnäckig zu bleiben, weiß man manchmal nicht mehr woher man die Energie nehmen soll.

Wenn einen z.B. ein Grippevirus befällt, kann man förmlich im Körper spüren wie sich der Virus ausbreitet und von ihm Besitz ergreift. Wie gierige Piranhas stürzen sich die Viren auf gesunde Wirtszellen, um ihre schädlichen Programme zu reproduzieren und sich zu vermehren.

Das fiese an der Sache ist, dass Viren lediglich bei einem geschwächten Immunsystem eine Chance haben einzudringen, und das eigene Körpersystem dann noch mehr geschwächt wird.

Ebenso wie man sich schädliche Viren vom Hals halten will, möchte man auch Energie-Vampire, sowie kleine und große Haie in Menschengestalt von sich fernhalten und all jene in ihre Schranken weisen, die fremde Lebensenergie verzehren, um daran zu wachsen.

Der Duft von Thymian linalool schiebt dieser Form schädlicher Fremdeinwirkung rigoros den Riegel vor und errichtet einen wirksamen Schutzwall aus kräftigen Farben.

Vor meinem inneren Auge schaut mich ein junger Mann mit blassem Teint und traurigen, ratlosen Augen an. Er scheint nicht mehr weiter zu wissen. Von außen zeigen graue, spitze Haifischzähne aus allen Richtungen auf ihn.

Aus Kopf, Herz und Bauch des jungen Mannes sprießen nun grüne organische Pipelines, die sich zu einem dynamischen Kreislauf um den jungen Mann herum zusammenschließen. Die Zwischenräume bilden kompakte Kammern, die sich nach und nach mit kräftigem Gelb, Orange, Grün, Blau und Lila füllen.

Dies ist die energetische Formation des gut organisierten kompakten Widerstandes, mobilisiert aus den Energiereserven, die durch den Thymianduft mit stoischer Ruhe und einem Hang zum Eigensinn akquiriert wurden.

Das Thema des Duftes ist die Sicherung der körperlichen, geistigen und seelischen Souveränität und Stabilität, besonders in Schwächemomenten, in Momenten der Traurigkeit und in Phasen der Überforderung, die subjektiv als Bedrohung wahrgenommen wird.

Es geht um defensive, friedliche und effektive Abgrenzung gegenüber Aggressoren, kurz um Selbstverteidigung. Gefahr erkannt – Gefahr gebannt!

Thymian linalool ist eine wunderbare Stütze in schweren Zeiten, um wieder in seine Kraft zu kommen. Indem schädliche Einflüsse neutralisiert werden, kann innerlich Klarheit entstehen und der Kreislauf der Niedergeschlagenheit durchbrochen werden.

Thymian linalool stößt genau wie ein Antiserum innere Prozesse der Immunisierung an, die die eigenen Kraftressourcen unmittelbar zugänglich machen und der (Rück-) Eroberung des rechtmäßigen persönlichen Freiraums dienen, in dem es nur einen Bestimmer geben kann, nämlich man selbst. Insofern eignet sich der Duft auch sehr gut, um Zweifel und Ängste aufzufangen, die beim Herauslösen aus Beziehungsmustern der Fremdbestimmung entstehen.

Selbstbestimmung statt Schwäche, Taten statt Worte, persönliches Wachstum statt Stagnation!

Affirmation: „In meinem Leben bestimme ich selbst!“

Duft: Thymian linalool, Spanien

Verwendeter Pflanzenteil: Kraut

Gewinnung: Destillation

Elementarteilchen des Glücks – Kakaobohne

10 Okt

Die Azteken bereiteten aus der Kakaobohne und Wasser das göttliche Getränk Xocólatl zu, was so viel bedeutet wie „Bitteres Wasser“.

Dementsprechend über-rascht der Duft der Kakaobohne mit einem herben, warmen und leicht animalischen Dufterlebnis, das mit dem süßen Aroma von Schokolade nichts zu tun hat, wohl aber mit dem Geheimnis eines archaischen Mythos, dem konzentrierten elementaren Glücksgefühl.

Die bittere Note im Duft weist auf das Überwinden von Bitterkeit hin. In den ersten Tagen der Dufterfahrung(en) passierte so manche bittere Pille aus vergangenen Tagen mein Bewusstsein. Durch die seelisch wärmenden Elemente des Duftes konnte ich mir alles ganz entspannt ansehen und gleichzeitig lernen, die Bitterkeit und das Herbe als lebendigen Impuls aufzufassen.

Als Antidot traten nun im Schlaf ganz elementare Kräfte, die in kleinen Samenkapseln im Urgrund meines Selbst gelagert waren, zu Tage. Kleine samtig braune Speicher voller Wärme, Sicherheit und Ur-Vertrauen, die  sich Nacht für Nacht im Traum öffneten. Wie feiner Goldstaub legten sich die darin enthaltenen Partikel auf meine Seelenlandschaft – die Elementarteilchen des Glücks.

Der Schlaf ist tief und fest, die Trauminhalte werden deutlich erinnert.

Immer wenn die archaischen Kräfte durch einen Duft angesprochen werden, habe ich subjektiv den Eindruck eine lange Reise durch sämtliche Bewusstseinsschichten  zu machen, bis ich endlich am Ziel angekommen bin. Nun (nach 2 Wochen) ist es so weit, dass dieses Ur-Selbst, das sich in lebhafter Bildersprache im Traum äußerte, auch am Tag spürbar ist.

Es ist als ob der archaische Teil der Persönlichkeit ganz deutlich hervortritt und die Instinktnatur die Rolle als Wegweiser übernimmt, ohne dabei die Organisation der Persönlichkeit zu beeinträchtigen. Es fühlt sich an, als hätte man ein zusätzliches fühlendes, nicht sehendes „Augenpaar“ hinzu bekommen, das direkt durch die Gedankenwelt, die Gefühlswelt, die Reize von außen hindurch blickt, bis auf den Grund der eigenen Realität und genau das Lebenswichtige vom Überflüssigen trennt.

Das kleine Glück, das sich pur in Momenten und kleinen Gesten zeigt, wird wie durch ein Vergrößerungsglas wahrgenommen. In einer warmen Mahlzeit, einem frisch gemachten, warmen Bett, einem Dach über dem Kopf, einer Umarmung oder einer Naturerfahrung.

Das Bedürfnis nach Nahrung, Wärme, Schutz, Obdach und Schlaf und die Würdigung des archaischen instinkthaften Wesens im Menschen findet mit Hilfe des Kakaoduftes  seine Erfüllung. Frei nach dem Motto: „Froh zu sein bedarf es wenig und wer froh ist, ist ein König.“

Der Kakaoduft führt vom Haben zum Sein, von der Bitterkeit zum elementaren Glücksgefühl der kleinen Gesten.

Affirmation: „Ich nehme das kleine Glück wahr!“ „Mein Ur-Selbst zeigt mir meinen Weg!“

Duft: Theobroma cacao, Peru

Verwendeter Pflanzenteil: Frucht

Gewinnung: Alkoholextraktion (der Duft braucht Zeit, um sich zu entfalten. Der Alkohol muss dazu erst verfliegen)

Man on Wire – Zirbelkiefer (Arve)

27 Apr

Wer schon einmal aus großer Höhe in einen Abgrund geschaut hat, weiß wie verdammt tief es da hinuntergeht. Was dieser Abgrund sein mag, ist wahrscheinlich für jeden Menschen etwas anderes. Dunkelheit, Kälte, harter Boden, Schutt und Asche, das Nichts, die Tiefe, die Leere, Sinnlosigkeit, Verzweiflung, Angst, Burn-Out, Einsamkeit, Isolation, Kritik. Jeder hat sein eigenes Tal der Tränen.

Mit meinem ersten inneren Bild wird mir klar: dieses Pflanzenwesen ist mit dem Abgrund vertraut. Über einer tiefen Schlucht sehe ich eine Figur oben am Abhang, die mit einer freien Geste beide Arme und ein Bein von sich in die Luft streckt und förmlich über jener tiefen Schlucht die Welt zu umarmen scheint. Die Sicherung übernimmt das zweite Bein, das mit tiefen Wurzeln fest im Boden des Abhangs verwurzelt ist.

In extremen Lebenssituationen taucht oft das Gefühl auf, nichts mehr verlieren zu können. Die volle Konzentration liegt auf dem Machbaren, den Chancen, der Herausforderung, der Rettung. Die besondere Qualität dieses Duftes liegt darin Sicherheit aus dem Nichts zu erlangen, um die eigenen Grenzen zu sprengen und einen Drahtseilakt vollziehen zu können. Oder vielleicht besser ausgedrückt: das Finden von Sicherheit in der Unsicherheit, das Gefühl von Wärme in einer kalten Umgebung, das Finden von Annehmlichkeit in Anwesenheit von Unanehmlichkeiten.

Mag sein, dass man freiwillig oder unfreiwillig auf das Drahtseil gelangt ist, alles was zählt ist, darüber zu gehen. Die Geistesgegenwart ist ein Moment höchster Konzentration auf das Wesentliche. Unwichtiges wird ausgeblendet, die eigene Kraft gebündelt. Das Überwinden der Schluchten, die sich manchmal im Leben auftun, und das Meistern schwieriger Situationen, wie z.B. eine lebensbedrohliche Krankheit, bleiben als Lebenszeichen in einem selbst verankert.

Das Suchen und Finden von Auswegen, die erfolgreiche Bewältigung schwerer Prüfungen, der Blick in den Abgrund ist eine Achterbahnfahrt, ein Cocktail aus Adrenalin und Glückshormonen, innerer Zuversicht und Zufriedenheit.

Ein Hochseilakrobat denkt nicht daran, dass er abstürzen könnte während er auf dem Seil balanciert. Er ist furchtlos, zweifellos, schwerelos.

So wie der Man on Wire, Philippe Petit, anbei der Trailer zum Dokumentarfilm, der mein Gefühl zum Duft sehr gut transportiert:

„Life should be lived on the edge. See every day as a true challenge and then you live your life on the tight walk.“ Philippe Petit – Man on wire

Affirmation: „Es gibt kein warum!“ „Ich bin sicher und voll konzentriert!“

Duft: Pinus cembra

Verwendeter Pflanzenteil: Zweige

Gewinnung: Destillation

Die Göttin des Vertrauens – Vanille

6 Mrz

Seit Jahren habe ich dieses kleine Fläschchen mit weit gereistem Inhalt – Vanille Absolue. Dieser Duft trägt etwas schweres und dichtes in sich, eine tiefe dunkle Wärme, gleichzeitig steigt ein sehr versöhnlicher süßer und charakteristischer Duft auf. Der erste Eindruck ist eher herb und wandelt sich dann erst in die charakteristische Note – nämlich eine ganz eigene Süße.

Obwohl der Duft für mich etwas zutiefst Mystisches ausstrahlt, so entdecke ich gleichzeitig eine sehr zugewandte und offene Seite.

Vor meinem inneren Auge begegne ich einer Frau mittleren Alters, sie hat dunkle samtig schimmernde Haut, dunkelbraune, fast schwarze Augen, bunten Perlenketten aus Ton und einen langen bunten Rock à la Frida Kahlo an .  Wie eine mexikanische Königin oder Göttin. Ihr Haar ist lang und glänzend schwarz mit vielen vielen  Zöpfen, die wild in alle Richtungen stehen – darin sind bunte Bänder geflochten. Sie erinnern mich an das Bild des Wunschbaums. In manchen Kulturen schreiben die Menschen an heiligen Tagen ihre Wünsche auf bunte Bänder und binden sie dann an die Äste.

Diese mexikanische Königin ist makellos, selbstsicher, stolz und vor allem temperamentvoll.  Sie ist von Natur aus so, sie hat sich nie von ihrem göttlichen und ursprünglichen Selbst entfernt. Und gerade deshalb ist ihr Blick warm und offen und in ihrem großen Herzen ist immer ein Platz frei. Dies weckt Vertrauen und schenkt Geborgenheit.  Es ist weniger die Süße als dieses deutlich spürbare und kostbare Urvertrauen, das einem selbst Mut macht.  Zu spüren, wie es sich anfühlt, im Moment eins mit sich  zu sein.

Von der mexikanischen Königin erfahre ich, dass die echte Geborgenheit und Liebe, die man anderen Menschen schenkt,  immer aus tiefstem Herzen kommen sollte. Dann tue sie auch am besten und könne Wunder bewirken.

Allzu schnell geschehe es jedoch, dass man aus Mitleid oder Verantwortungsbewusstsein einen geliebten Menschen trösten und ihm Sicherheit schenken möchte. Doch so manches Mal brauche man auch selbst Zeit für sich und eine starke Schulter.

Es geht also auch um das Thema der Abgrenzung und die eigenen Bedürfnisse. Gerade Menschen mit großem Herzen denken oft als letztes an sich selbst. Dies kann sogar selbstzerstörerische Züge annehmen.  Die Vanille mit ihrer Weichheit und Durchsetzungskraft kann helfen ohne schlechtes Gewissen für das eigene Wohlbefinden zu sorgen.

Vollkommen zu sein heißt ganz man selbst zu sein.  Bei sich zuhause zu sein, sich liebevoll zu betrachten und offen in die Welt zu schauen.  Zu sich selbst gut zu sein ist die Voraussetzung auch zu anderen gut zu sein. Genau dies verkörpert die Vanille. Sie ist eine stille Heldin.

Die Beschäftigung mit diesem Duft streift viele Themen, die mit dem eigenen Selbstwert, Selbstsicherheit, Urvertrauen und Selbstakzeptanz zu haben. In der Interaktion mit anderen Menschen geht es darum die Balance von Geben und Nehmen zu finden, so dass die Bedürfnisse nach Unterstützung, Sicherheit und Zärtlichkeit für alle erfüllt werden. Um diesen Zustand herzustellen kann es auch einmal zum einen oder anderen Konflikt kommen.

Auf der Suche nach der mexikanischen Gottheit habe ich diese Dame getroffen. Chantico, die Göttin des Herdfeuers, die alles, was zu ihr gehört, verteidigt.

Affirmation:  Ich sorge gut für mich! Ich bleibe mir treu!

Duft: Vanilla planifolia

Verwendete Pflanzenteile: Schoten

Gewinnung: Alkoholextraktion, Absolue

Ein Seelenkleid aus Sonnenlicht – Neroli

24 Nov

Nach einem frischen Auftakt verströmt sich eine Süße, die alle Aufmerksamkeit auf sich zieht und dann etwas sehr Weiches und Sanftes zurücklässt.
Mit jedem Atemzug sauge ich Freundlichkeit, Milde und Sanftmut ein. Auch ohne konkreten Anlass fühle ich mich auf universale Weise zutiefst getröstet.

Oft visualisiere ich Gestalten, die mit dem jeweiligen Duft auftauchen, aber diesmal scheine ich selbst die Person zu sein, die im Mittelpunkt steht und was ich bekomme sind verschiedene sehr brauchbare Accessoires für mein Seelenkleid.

Zunächst sehe ich mich in einen Mantel gehüllt, der aus funkelnden leuchtenden gelben Sonnen besteht, die wie Edelsteine funkeln, dazu schmiegt sich ein Hut um meinen Kopf aus kleinen weißen, gelben und hellroten Blüten, von denen jede einzelne von einem sanften hellen Lichtschein umgeben ist. Mein Haar duftet nach Orangenblüte.

Und schließlich ein großes Tuch aus Sonnenlicht, ich hülle mich darin ein und bin im Licht geborgen. Ich denke bei mir: „Wer in Licht gehüllt ist, ist unantastbar.“
Zartheit, Weichheit und Güte als Schutzschild und als Seelenkleid. Was für eine Entdeckung auch ohne schwere Rüstung geschützt und geborgen zu sein. Ausgestattet mit den Insignien des Lichtes beruhigt sich die Seele, wird weich, sanft und leicht.
Dieser Duft scheint die Kräfte des Lichtes herbeizurufen und ich erinnere mich plötzlich wieder daran wie kraftvoll und reinigend die Vorstellung von Licht ist und an die schönen Farben des Regenbogens wenn sich ein Sonnenstrahl  im Spiegel eines Kristalls bricht. Und ich erinnere mich, dass diese helle, freundliche, gütige, lichte Art zu SEIN mir und einem jeden Menschen von Geburt an zusteht!

Affirmation: Meine Seele ist in Licht gekleidet!

Duft: Citrus aurantium ssp. aur.

Verwendete Pflanzenteile: Blüte

Gewinnung: Destillation

Meister Hora – Sandelholz

1 Okt

Hier ein Tag und dort ein Jahr

Meine Erfahrung mit Sandelholz begann vor ca. 9 Monaten genau wie alle anderen hier beschriebenen Dufterfahrungen auch. Ich zog einen Duft aus meiner Schatzkiste und ließ ihn meditativ einwirken. Zahlreiche Assoziationen fluteten mein Herz oder besser mein Alles, mein ganzes Sein wurde durchdrungen von goldener Wärme. An jenem Tag und noch oft danach hatte ich den Eindruck, dass mein Herz ganz warm wird, der Herzschlag sich verlangsamt und das Herz nach unten in Richtung der Wirbelsäule sinkt. Gleichzeitig hatte ich immer das Gefühl in einem hellen Schutzraum, etwas entfernt vom Alltag, zu sein. Das Licht war immer gelb, gold, hell. Oft hatte ich die Vorstellung von gelbem Wüstensand unter gleißendem Sonnenschein und der Farbe Gold. Es war mir klar, dass mit dem Gold nicht etwa materieller Reichtum gemeint war, sondern es verwies auf etwas, das größer ist als der Mensch selbst. Etwas ungeheuer Wertvolles, das höchste Gut, die edelste Gesinnung, vielleicht das Gute an sich.
Ich kam mit diesem Duft nicht zum Abschluss, für die ganzheitlich mein Selbst umfassenden Gefühle ließ sich kein Bild finden. Jegliche Abbildung, die ich für das abstrakte Gold aus meiner Vorstellung als Zeichnung, Foto oder Objekt heranzog, schien mir ungenügend. Also wartete ich ab.
Nach mehreren Monaten tauchte dann das Bild des Meister Hora vor meinem inneren Auge auf, der Hüter der Zeit. Im Nirgend-Haus in der Niemals-Gasse teilt er jedem Menschen seine Zeit zu, dort wachsen die Stundenblumen, die sich in den herrlichsten Farben öffnen und wieder vergehen und jede scheint noch herrlicher als die zuvor gesehene zu sein. Was die Menschen mit ihrer Zeit machen, müssen sie selbst bestimmen und sie müssen sie auch selbst verteidigen. Meister Hora sagt: „Denn jeder Mensch hat seine Zeit. Und nur so lange sie wirklich die seine ist, bleibt sie lebendig.“ Und „Denn so wie ihr Augen habt, um das Licht zu sehen, und Ohren, um Klänge zu hören, so habt ihr ein Herz, um damit die Zeit wahrzunehmen. Und alle Zeit, die nicht mit dem Herzen wahrgenommen wird, ist so verloren wie die Farben des Regenbogens für einen Blinden oder das Lied eines Vogels für einen Tauben.“
Der Meister der Zeit führt einen direkt in das eigene Herz, die eigene goldene Mitte und lässt uns die Musik unseres eigenen Herzens hören. Die Botschaft des Duftes wurde mir nun plötzlich sehr deutlich. Lasse dir deine Zeit nicht von denen wegnehmen, die dir Angst machen. Deine Zeit gehört dir, fange etwas mit ihr an, das dein Herz berührt und sei auf diese Weise lebendig.
Die Zeit in diesem Sinn, hat keinen Anfang und kein Ende, sie ist unendlich. Und so könnte ich mit dem Sandelholz sicher noch weitere Monate zubringen. Sandelholz ist ein treuer Begleiter, Träger des goldenen Lichts, das im Herzen wohnt, zeitlos im Hintergrund wartend.
Das 12. Kapitel des Märchen-Romans MOMO von Michael Ende bildet verblüffend genau ab, wie ich innerlich den Duft erfahren habe. Das Kapitel heißt „Momo kommt hin, wo die Zeit herkommt.“ Die Zitate oben stammen ebenfalls aus dem Kapitel.
Das wichtigste was ich von diesem Duft gelernt habe, ist , dass die Zeit lediglich ein Maß für Veränderung ist. Wenn man einmal in die eigene Zeit im Mittelpunkt des Herzens eingetaucht ist, wird es ganz still für einen Moment während alle Uhren aufhören zu ticken.

Affirmation: Meine Zeit ist lebendig! Meine Zeit ist heilig!

Duft: Santalum album

Verwendete Pflanzenteile: Holz

Gewinnung: Wasserdampfdestillation

Besuch einer Libanon-Zeder

15 Jul

Neulich war ich in der Nähe von Frankfurt am Main in Bad Homburg im dortigen Schloßpark unterwegs – allein.

Es war ein wunderschöner und heißer Sommertag. Ich bin durch Zufall dorthin gekommen und nachdem ich das Eingangstor durchschritten hatte und mich ein wenig aklimatisiert hatte, da sah ich sie – zwei gigantische Zedern. Soghaft zog mich die starke Ausstrahlung dieser Baumpersönlich-keiten an. Als ich dann unter dem Dach aus Ästen und Zweigen stand, fühlte ich mich geborgen, es war angenehm kühl, draußen schien die Sonne in grellem Licht, aber ich hatte das Gefühl in einer Waldwohnung zu sein, eine dunkelgrüne Herberge zu haben.

Und auch ohne ätherisches Öl konnte ich alle Eigenschaften des Zedernduftes in diesen Bäumen wiederfinden: Ruhe, Standfestigkeit, Zeitlosigkeit, Stabilität, Schutz, Sicherheit und majestätische Souveränität. Und vor allem beeindruckend ist der Schatten, den die Bäume spenden, er legt sich wie ein Samtbezug über den Kiesboden, so schafft die Zeder unter ihrem Dach eine ganz eigene Atmosphäre. Hier möchte man verweilen, nachdenken, bleiben – vielleicht für immer.

Bei näherer Betrachtung und zu meiner großen Überraschung erfuhr ich, dass es sich hier um echte Libanon-Zedern handelt, die im Jahre 1820 als Hochzeitsgeschenk vom Duke of Cambridge für seine Schwester im Schloßpark gepflanzt wurden. Die größere der Zedern ist heute 20 m hoch und die Zweige haben eine Spannweite von über 35 m in Ost-West-Richtung. Also gigantisch…

Die Libanon-Zeder (Cedrus libani) steht heute streng unter Naturschutz. Das ätherische Öl der Zeder wird aus diesem Grund heute aus der Atlaszeder gewonnen. Vor langer langer Zeit begaben sich Sinnsuchende in die weltbekannten libanesischen Zedernwälder auf Pilgerfahrt, um dort im Schatten und in Gegenwart der Zedern in sich zu gehen, Sinn zu finden und Stärke und Mut zu empfangen. Auch unter meiner Zeder habe ich das gespürt!

Weitere Impressionen der Libanon-Zeder:

Für Zedern-Fans eine Reise wert!

Siehe auch meinen Artikel Spiegel aus Holz-Zeder

Infos zum Schloßpark:

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