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Ein Sofa im Garten Eden – Römische Kamille

12 Jan

Die römische Kamille ist ein duftendes Potpourri aus frischen Früchten der Saison, etwas Heu, randvoll mit aufgeblüh-ten Blumen, umrankt von wilden Girlanden von Beerensträuchern.

Ein warmer, lauer Sommertag im Garten Eden.

Vor meinem inneren Auge taucht eine wilde Sommerwiese auf. Ein kleiner Pfad führt durch sie hindurch und mittendrin finde ich geschützt in einer Laube aus Kletterpflanzen und wilden Rosen ein riesiges Sofa wie aus dem Märchen, mit riesigen weichen Kissen.

Die voll aufgeblühten Rosen hängen bis auf die Polster herab, so als würden sie sich von ihrer schweren Last erholen wollen.

Die paradiesische Ruhe ist über eine Leiter zu erreichen. Oben angekommen lege ich mich auf das Sofa. Eine weiche dicke Zudecke breitet sich wie von Zauberhand über mir aus. So als sei dies ein Startsignal, sinke ich innerlich nach unten, meine Organe, meine Gliedmaßen, meine Gedanken, alles sinkt nach unten. Ich lasse los, gebe auf, werde weich.

Plötzlich ist alles still, alles gut, der Lärm der Strassen abgestellt, die Gedanken sind mollig warm eingehüllt und während mein Körper in der Weichheit der Matratze versinkt, schlüpft das Nervenkostüm in seinen Schlafanzug und ruht aus.

Dieser Duft hat die außergewöhnliche Eigenschaft, die Nerven zu streicheln, die Flut der Reize zu stoppen und das Hamsterrad anzuhalten. Es geschieht einfach.

Die römische Kamille singt die besten Schlaflieder und mit der Routine eines erfahrenen Hypnotiseurs erzeugt sie mit wenigen Worten diesen einfachen, schwebenden, fast naiven Ruhezustand, in dem man gleichzeitig aus der Fülle schöpft und die Ressourcen wieder auffüllen lernt. Die Fülle der römischen Kamille ist wie ein prall gefüllter Fruchtkorb, einladend, süß duftend und verlockend.

Im Garten Eden ist alles angenehm, dort blüht und gedeiht alles und die Luft ist erfüllt von der Energie der Herrlichkeit.

Die römische Kamille schenkt mir das Gefühl aus Kindertagen: nach einem Tag voller Spiel und Freude, geborgen in einem weichen Federbett einzusinken. Während ich einschlafe, nehme ich noch wahr, wie sich die Engel um mein Bett versammeln und über mich im Schlaf wachen.

Hier haben wir es mit einem sehr zärtlichen, wohlwollenden und umsorgenden Duft zu tun. Sie (der Duft fühlt sich weiblich an) nimmt die Spitzen und die Schärfe aus den Gedanken ebenso wie aus den Eingeweiden. Sie umhüllt aufgeriebene und blank liegende Nerven mit Fürsorge und dreht bei Bedarf ganz heimlich die Sicherung des zentralen Nervensystems heraus, bevor es zu einem Kurzschluss kommt.

Die römische Kamille ist in ihrer Natur freigiebig und besitzt die Kraft der Regeneration. Wer schon einmal auf einem Rasen aus römischer Kamille gelegen oder gestanden hat, wird schon einmal beobachtet haben, dass sich die niedergedrückten, dicht wachsenden Triebe der römischen Kamille zu ihrer ursprünglichen Form aufrichten, so als wäre nichts geschehen.  Nach ein paar Minuten findet man anstatt niedergetrampelter Halme wieder denselben einladend duftenden Rasenteppich vor.

Wenn schweres Gewicht auf der  Seele lastet, ist die römische Kamille daher die Beste, da sie weiß mit schweren Lasten umzugehen. Sie entschärft Situationen der Überreizung und Überforderung und bringt uns für eine gewisse Zeit in den Garten Eden, den Ort der paradiesischen Ruhe.

Dort werfen die Engel dann ihren himmlischen Staubsauger an, ziehen die heiß-glühenden Energien ab und wie im Schlaf verfliegen Stress, Sorgen und Ärger. So einfach geht das!

Affirmation: „Ich sinke in friedvolle Geborgenheit!“

Duft: Chamaemelum nobile, Frankreich

Verwendeter Pflanzenteil: Blüten

Gewinnung: Destillation

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Duftende Helfer für Meditation und Innenschau

13 Dez

Ein stilles Plätzchen im botanischen Garten, Berlin, unweit der Schwarzkiefern

Jeder Duft erzählt seine eigene Geschichte, man muss nur aufmerksam lauschen.

Es sind Geschichten ohne Worte, magische Erlebnis-Pakete voller Gefühl, Bilder, Stimmung, Szenarien manchmal jenseits von Zeit und Raum, volle intensive, sinnliche Erfahrungen.

Das Besondere an der Meditation mit Düften ist, dass die Aufmerksamkeit auf bestimmte Themen gelenkt wird, die der jeweilige Duft vermittelt.

Deswegen eignet sich die Innenschau mit Düften besonders, wenn man sich mit einem bestimmten Thema intensiv beschäftigen möchte oder die Meditation energetisch mit einer bestimmten Qualität aufladen möchte. Dies können z.B. die Themen Liebe, Kraft, Schutz oder Freiheit sein.

Die nonverbale Duftbotschaft eignet sich auch wunderbar als Ergänzung zur Rezitation eines Gebets, Segensspruches oder Mantras oder für bewegte Formen der Meditation (Yoga, Geh-Meditation).

Auch die körperlichen Funktionen wie z.B. Blutdruck und Atmung werden durch Düfte ebenso beeinflusst wie der Gehirnstoffwechsel. So kann mit Hilfe verschiedener Düfte der Alltag verlassen und die meditative Entspannung leichter erreicht werden.

In der Stille, wenn man in sich selbst ein großes weites Feld aufmacht und Platz geschaffen hat, dann zeigen sich die Duftpersönlichkeiten in all ihrer Pracht und fungieren häufig als Begleiter, Lehrer und Informationsträger.

Eine Duftmeditation ist im Prinzip mit jedem Duft möglich, es gibt aber einige wunderschöne Düfte, die Ruhe, Weisheit, Kontemplation und Stille fördern und die Verbindung zum eigenen Wesenskern  unterstützen.

Eine kleine Auswahl  habe ich hier exemplarisch aufgelistet. Die Links führen zu den jeweiligen Einträgen im Aroma Journal:

Angelikawurzel: ist das ewige Licht in der Dunkelheit, erhellt Seele und Körper, agiert in der Meditation als Fackelträger, schenkt Mut, Kraft, bietet Schutz und macht Mut.

Vetiver: hilft sich im gegenwärtigen Augenblick fest mit der haltenden Erdenergie zu verbinden, sich zu verwurzeln, um dann nach oben wachsen zu können. Vetiver schenkt das Ur-Vertrauen, die Räume des eigenen Bewusstseins zu erkunden und dort seine Heimat zu finden.

Zeder: zentriert, macht die eigene tragende Achse spürbar, hilft, sich zu seiner vollen Größe aufzurichten und über sich selbst hinaus zu wachsen. Bietet Stabilität im Spiel der Wandlung und dient als fester Bezugspunkt für die wandernde Seele. Vertieft die Atmung, schenkt Ruhe und Umsicht.

Sandelholz: vergoldet das Herz, macht die Herzqualität erfahrbar, schafft Bewusstsein für die eigene Zeit und Zeitlosigkeit, sanfte Stütze auf dem spirituellen Weg, hält seine schützende Hand über den spirituell Suchenden, verbindet mit dem höheren Selbst und dem göttlichen Funken.

Rose: öffnet das Herz, weitet das Bewusstsein für die universelle Liebe, für Miteinander, Mitgefühl und Nächstenliebe, schenkt Herzenswärme, verbindet das eigene Selbst mit dem Kosmos und dem großen energetischen Netzwerk zwischen allen Lebewesen.

Weihrauch: führt in die Stille, befreit vom Lärm der Gedanken, beruhigt und vertieft die Atmung, lenkt Aufmerksamkeit auf die Atempausen, Ruhe dehnt sich aus, tiefes Vordringen zum eigenen Wesenskern möglich.

Narde: weitet die Wahrnehmung, unterstützt Sinnsuche, Auflösung von Dualität, Erfahrung des „All-Ein-Sein“, Spiel mit Raum und Zeit.

Die Beschreibung enthält eine selektive Auswahl einiger, jedoch lange nicht aller Eigenschaften der genannten Düfte, die aus meiner eigenen Erfahrung heraus bei der Duftmeditation eine Rolle spielen. Es kann durchaus sein, dass sich die Duftthemen bei anderen Meditierenden aufgrund der Wahrnehmung und des Lebenshintergrundes etwas anders zeigen, jedoch wird das archetypische Grundthema bestehen bleiben.

Für die Duftmeditation 3-5 Tropfen in die Duftlampe geben und den Duft in Meditationshaltung bewusst einatmen oder einen Tropfen des ätherischen Öls auf einen Wattebausch oder direkt auf die Handflächen geben, diese vor Mund und Nase halten und mehrmals tief einatmen.

 Duftmeditation in Stichworten…

Den Alltag verlassen – eine bequeme Sitz- oder Liegeposition einnehmen – die Augen schließen – ruhig und gleichmäßig (den Duft) einatmen – Sich öffnen – abwarten ohne zu erwarten – konzentriert bei sich bleiben – erleben.

Sesam öffne dich – Elemi

28 Okt

Aus dem Nichts heraus stehe ich plötzlich barfuß in einem wilden, tropi-schen Urwald mit Flechten, Orchideen und viel Grün.

In der ersten Milli-sekunde bewurzeln sich die Fußsohlen fest im Erdboden, so als würde man einen Sicherheits-gurt anschnallen, im nächsten Moment löst sich wie von Zauberhand eine kreisrunde Erdscholle im Radius von 3 Metern um mich herum, um dann wenig später um 180 Grad um die eigene Achse zu wirbeln. Mit einem dumpfen Geräusch schließt sich die Erdoberfläche wieder und alles ist still.

Nur, dass der oberirdische Teil des Urwaldstückes, auf dem ich stand, plötzlich unterirdisch ist und umgekehrt. Meine Welt steht auf den Kopf und ich mit ihr.

Ich fühle mich als wäre ich durch eine geheime Falltür in eine versteckte Schatzhöhle gefallen. Habe ich etwa ohne es zu wissen eine geheime Formel gesprochen, das Sesam-öffne-dich?

Ich nehme an, es handelt sich um eine nonverbale Formel, ein Anschwellen innerer Bereitschaft, sich nach innen zu wenden, für sich zu sein, abzuschalten, sich zu sammeln und nachzusinnen. Und Elemi ist mein Reiseelixier à la Alice im Wunderland.

Meinen inneren Raum habe ich mir immer als Garten vorgestellt und je öfter ich dort war, umso vertrauter wurde der Ort für mich. Und überdies gestaltete ich mir meinen inneren Garten genau so wie ich es wollte, mit üppiger Vegetation, alten Bäumen, bunten Blumen und einem gemütlichen alten Korbsessel mit einer warmen Wolldecke für kühlere Tage. Manchmal gestaltete sich der Garten auch selbst, eigenwillig, und manchmal bekam ich dort auch Besuch.

Der innere Garten wurde zu meinem Wohnzimmer, zu einem Refugium, einem vertrauten Ort, der immer auf mich wartet und den ich immer dabei habe.

Ich glaube, dass es vielen Menschen nicht bewusst ist, dass man in seinem Inneren eine Wohnung einrichten kann, genau wie in der äußeren Welt.

Die Botschaft des Elemiduftes ist, den inneren Raum wahrzunehmen, ihn sich zu eigen zu machen, ihn auszufüllen und zu bewohnen, um sich am Ende darin wohl zu fühlen, Geborgenheit und Schutz und eine Heimat für seine Ideen und Visionen zu finden.

Elemi hilft in einen meditativen Ruhezustand zu gelangen und innere Bilder entstehen zu lassen. Ähnlich wie beim Weihrauch gibt der regelmäßige Atem die Struktur vor, an die man sich halten kann, solange die Bilder im inneren Raum noch kurzlebig und verschwommen sind.

Es ist eine Frage der Übung, bis man die Konzentration so lange halten kann, dass das innere Bild konstant bestehen bleibt. Elemi bereichert die Vorstellungskraft und schenkt Mut und Geduld, die inneren Welten zu erforschen.

Man fragt sich, was dies nun mit der Realität zu tun hat? Und warum sollte man seine kostbare Zeit ausgerechnet damit verbringen, einen imaginären Raum zu erschaffen?

Die Antwort ist ganz einfach: Weil man sich dann auch andere Dinge leichter vorstellen kann, Szenarien vor dem inneren Auge durchspielen kann und damit das visionäre Denken fördert. Der Duft von Elemi katapultiert dich in die Welt, die du innerlich erschaffen willst und ist damit ein toller Duft um auf Visionssuche zu gehen. Und was im Innen lebt kann sich im Außen manifestieren.

If you can dream it you can do it!

Darüber hinaus eignet sich Elemi hervorragend, sich zurück zu ziehen, den Zugang zu den inneren Ressourcen herzustellen, neue Kraft zu tanken und sich in relativ kurzer Zeit zu regenerieren.

Affirmation: „Ich erschließe meinen inneren Raum !“ „Ich baue ein Refugium!“

Duft: Canarium luzonicum, Philippinen

Verwendeter Pflanzenteil: Harz

Gewinnung: Destillation

Ein Kurs in Wundern – Narde

15 Jun

Es muss nicht alles einen Sinn ergeben und man muss auch nicht alles verstehen. Dann gäbe es ja keinen Platz mehr für das Unerklärliche, das Wundersame und das Wunderbare.

Für die wichtigsten persönlichen Angelegenheiten im Leben braucht man sowieso keine Beweise. Der Mensch ist mit sehr feinen Antennen ausgestattet, was die Wahrnehmung seiner Umwelt, seiner Mitmenschen und seiner selbst angeht.  Diese Art der Wahrnehmung scheint beinahe wie ein altes Handwerk auszusterben.

Die Narde führt mich in den ältesten Teil meiner Selbst.  Dorthin wo es keine Gegensätze gibt, wo es keine Zeit gibt,  wo es keine Welt gibt und auch keine Ablenkung.

Es ist der Ort, von dem aus ich meine Beschränkungen betrachten kann und die Illusionen, die meine Gewohnheiten tragen. Vor allem scheint es um die Gewohnheiten der Wahrnehmung zu gehen, um jene allzu menschlichen Automatismen, die zwar das alltägliche Leben vereinfachen und eine gewisse Ordnung herstellen, die aber auch den Blick auf die Realität normieren und eichen. Meine Wahrnehmung erschafft meine innere Welt und meine innere Welt erschafft meine Wahrnehmung.

Vor meinem inneren Auge bewege ich mich auf eine Landschaft zu, eine Gebirgsformation, aus der mehrere Berge aufragen, die gigantisch hoch sind.  Mit einem Satz befinde ich mich plötzlich auf einem der Gipfel. Die Luft, die ich atme, scheint mit Lebensweisheiten durchtränkt zu sein. Ich blicke hinab vom Dach der Welt.

Die Matrix, in der ich mich normalerweise bewege, liegt ausgebreitet vor mir und neben allem, was mich ausmacht und was ich bisher erlebt habe, sind da die Tore, die ich nicht durchschritten habe, die Mauern, die ich nicht eingerissen habe, die Wunder, die an mir vorbei gezogen sind.

Mir wird deutlich, dass es die Tore und Mauern nur in meiner eigenen Wahrnehmung gibt und dass die Wunder in mir und um mich herum existieren und dies schon immer getan haben. Es ist also noch alles da, was für mich vorgesehen ist. Ich habe nichts versäumt. Diese Erkenntnis zaubert ein Lächeln auf mein Gesicht.

Ich komme zu dem Schluss, dass ein Wunder lediglich die Wahrnehmung einer Möglichkeit auf einer höheren Bewusstseinsebene darstellt. Auf dem Dach der Welt eben!

Affirmation: „Meine Wahrnehmung weitet sich!“ „Ich bin von Wundern umgeben!“

Duft: Nardostachys jatamansi, Nepal

Verwendeter Pflanzenteil: Wurzel

Gewinnung: Destillation

Die Wurzelfrau – Vetiver

10 Mai

Die warme, von der Sonne des Sommers aufgeladene Erde ist der Ort, an den mich dieser Duft führt. Sogleich fühle ich mich ruhig und geborgen, zuhause und gut aufgehoben. Heimatgefühle steigen in mir auf.

Vor meinem inneren Auge begegne ich einer Frauengestalt, ihr jugendliches Aussehen scheint sich über Jahrtausende nicht verändert zu haben.

Das Besondere an dieser Frau ist, dass sie mit Haut und Haar mit ihrer Umgebung verwurzelt ist. Ihre Wurzeln reichen ganz tief, ihr Haar ist aus Wurzeln, aber auch aus ihrer Haut reicht ein Wurzelgeflecht in den Raum und den Boden hinein. Die Wurzelfrau erscheint mir wie eine Erdgöttin. Paradoxerweise scheint sie über einem Urgrund aus Fragmenten zu schweben während sie von allen Seiten fest verwurzelt ist und damit gleichzeitig alles zusammenhält. Woher weiß die Frau nur wo sie sich am besten festhält ohne ihre Flexibilität zu verlieren?

Mein erster Gedanke ist, sich nur an den Erfahrungen, Erinnerungen, Orten und vor allem Menschen festzuhalten, die wirklich eine essentielle Bedeutung für das eigene Leben haben. Jeder Mensch hat Wurzeln, manche Menschen bleiben ihr Leben lang am selben Ort und haben im wahrsten Sinn des Wortes „Wurzeln geschlagen“, andere Menschen haben ihre Wurzeln durchtrennt und haben sich auf Wanderschaft begeben. Falls das Thema der eigenen Wurzeln mit Schmerz verbunden ist (Unklarheit, Zerrissenheit, Unzufriedenheit, „Nicht wissen, wo man hingehört“) ist die Wurzelfrau die Helferin der Wahl. Der Rastlose findet Geborgenheit, daher eignet sich der Duft auch sehr gut für die Behandlung bzw. Prävention von Burn-out.

Mein Eindruck ist, dass es sich bei diesem Duft um das „Gefühl der Wurzeln“ handelt. Fast spüre ich an meinen eigenen Füßen die Wurzeln, die gerade dabei sind in den Erdboden zu wachsen. Das ist natürlich nur eine Phantasie, aber damit verbunden ist ein großartiges Gefühl. Verankert, sicher, standhaft. Und natürlich bin ich mit der Erde verbunden und damit mit all ihren wundervollen Eigenschaften: haltend, nährend, heilend.

Sich zu verwurzeln ohne sich anzubinden, seine Wurzeln woandershin mitnehmen und sich neu verankern, das scheint mir eine gute Option um ein tragfähiges Fundament für das eigene Leben zu schaffen. Die eigenen Wurzeln gehören einem selbst, sie sind ein Teil der Persönlichkeit. Vetiver schafft eine kleine Höhle inmitten der Fragmente des eigenen Lebens, wo alles zusammen findet, was einem wichtig ist. Mit dem „Gefühl der Wurzeln“ nimmst du dein Zuhause überall mit hin. Home is where the heart is!

Affirmation: „Ich trage meine Heimat in meinem Herzen!“ „Ich bin mit der Kraft der Erde verbunden!“

Duft: Vetiveria zizanoides, El Salvador

Verwendeter Pflanzenteil: Wurzeln

Gewinnung: Destillation

Meister der Stille – Weihrauch arabisch

19 Apr

Kumbhaka wird im Yoga der Moment zwischen Einatmung und Ausatmung genannt, eine natürliche Atempause, ein kurzer Stillstand in regelmäßigem Rhythmus im großen sich endlos drehenden Rad des Lebens.

Es heißt, wer Kumbhaka meistert, meistert auch sein Leben in Vollkommenheit. Dabei geht es darum, diesen kurzen Moment der Stille beim Atmen auszudehnen ohne den natürlichen Fluss der Atmung zu verlassen und ohne den Atem bewusst kontrollieren zu wollen.

Die Stille mit allen Facetten ist das Thema des arabischen Weihrauchs, das ich seit Tagen immer wieder wahrnehme. Beim Riechen stellt sich sogleich eine tiefe innerliche Ruhe ein und des öfteren habe ich feierlich die Stille genossen – dieses merkwürdige Wesen.

Nichts hören, nichts sehen, nichts sprechen und doch ist da etwas. Geräusche und Empfindungen. Mein Atem, mein Herzschlag, meine innere Stimme, manchmal nichts.  Nur dieser große weite Raum voller Erholung, diese Stille ist heilsam.

Wenn es einfach nur still im Inneren wird bis zur Regungslosigkeit. Still sein und sonst nichts. Kein Bild, keine Gedanken, keine Assoziationen, einfach nur Stille. Es ist ein Gefühl der Schwerelosigkeit, frei flottierend.  Doch diese Momente sind kostbar und dauern nur kurz.

Ich glaube ich habe eine Idee davon bekommen, was mit der Meisterschaft von Kumbhaka gemeint ist und welche Botschaft mir der Duft des Weihrauchs damit überbringen möchte. Es geht um die Ausdehnung der existenziellen Stille und das Wahrnehmen des eigenen Wesens bis man auch dieses hinter sich lassen kann und einfach nur Teil des Lebensflusses ist.

Ein kurzer Moment der Stille ist für viele Menschen noch gut auszuhalten, obwohl ich auch Menschen erlebt habe, die schon bei der Aufforderung, die Augen für einen Moment zu schließen, einen Kontrollverlust erlitten haben. Je länger man in der Stille ist, umso anspruchsvoller wird es – energetisch, emotional, körperlich. Weihrauch stellt immer wieder den Bezug zur Atmung her, als Wegweiser und Fortbewegungsmittel auf dem Pfad der Stille.

Das Ausdehnen der Ruhe und der Stille führt am Ende zum eigenen Wesen und im besten Fall zu einem tiefen und fundamentalen Identiätsgefühl –  dem Einssein mit sich und der Welt.

Affirmation: „Ich mache mich auf den Weg zu meinem Wesenskern!“ „Ich lausche der Stille!“

Duft: Boswellia sacra, Somalia

Verwendeter Pflanzenteil: Harz

Gewinnung: Destillation

Spiegel aus Holz – Zeder

6 Apr

Spiegel aus Holz

Mit dem Duft kommt die tiefe Atmung.  Mit der tiefen Atmung kommt die Ruhe. Mit der Ruhe kommt die Kraft.  Ich sitze und atme, werde schwer und gleichzeitig richte ich mich innerlich auf.  Mit jedem Atemzug entferne ich mich ein wenig weiter von der normalen Zeitrechnung.

Jenseits vom allem, was ich normalerweise bin, ist ein Teil meiner selbst, der unveränderlich mein Fels in der Brandung ist. Mein Baum an den ich mich lehnen kann, in allen Lebenslagen. Es ist mein Seelenkern. Tatsächlich spüre ich für einen Moment in mir diesen unendlichen Anteil.  Stabilität in immerwährender Wandlung.

Mit diesem Gefühl sehe ich in meiner inneren Wahrnehmung, begleitet von tiefer selbstverständlicher Atmung, einen großen Holzrahmen. Es sieht aus wie ein Spiegel, aber auch die Fläche des Spiegels ist aus Holz. Ich blicke darauf aber nichts passiert. Als ich die Augen schließe, taucht derselbe Spiegel wieder auf. Nun sehe ich wie sich die Holzfläche langsam öffnet und sich in ein farbiges Meer aus pulsierenden Spiralen verwandelt.  Das ist der pulsierende Fluss der Lebensenergie. Das Leben ist in mir und umhüllt meinen Seelenkern.  Damit bin ich gekommen und damit werde ich wieder gehen.  Mit dem Öffnen der Augen steht nun wieder der Zauberspiegel mit glatter Holzfläche vor mir.

Ich verstehe, dass die Lebensachse, um die ich mich selbst drehe und die mir Stabilität und Kraft gibt, in mir selbst liegt und dass ich die Verbindung zu meinem Seelenkern nur mit dem Blick nach Innen herstellen kann. Nun weiß ich aber auch, dass ich diesen Seelenkern auch direkt ansprechen und um Unterstützung bitten kann.

Der Duft der Zeder versprüht die nötige Magie, um sich seiner eigenen Kraft bewusst zu werden und sich zu seiner vollen Größe aufzubauen.  Wir Menschen sind aufrechte Wesen, die sich zwischen Himmel und Erde ausrichten. Die Wirbelsäule dient als stützende Achse, der klare Geist als Wegweiser.  Ich blicke in den Spiegel der Zeder und sehe Respekt, Stabilität, Kraft, Ruhe, das Göttliche, die Unendlichkeit und sehe es im selben Augenblick tief in meinem Inneren, denn nur dort kannst du die Botschaft der Zeder empfangen.

„Es kann die Ehre dieser Welt
Dir keine Ehre geben.
Was dich in Wahrheit hebt und hält
Muss in dir selber leben.“                             Theodor Fontane

 

Siehe auch Besuch einer Libanon-Zeder

Affirmation: „Ich spüre meinen Seelenkern!“ „Alle Kraft kommt aus mir selbst!“

Duft: Cedrus atlantica, Marokko

Verwendeter Pflanzenteil: Holz

Gewinnung: Destillation

Meister Hora – Sandelholz

1 Okt

Hier ein Tag und dort ein Jahr

Meine Erfahrung mit Sandelholz begann vor ca. 9 Monaten genau wie alle anderen hier beschriebenen Dufterfahrungen auch. Ich zog einen Duft aus meiner Schatzkiste und ließ ihn meditativ einwirken. Zahlreiche Assoziationen fluteten mein Herz oder besser mein Alles, mein ganzes Sein wurde durchdrungen von goldener Wärme. An jenem Tag und noch oft danach hatte ich den Eindruck, dass mein Herz ganz warm wird, der Herzschlag sich verlangsamt und das Herz nach unten in Richtung der Wirbelsäule sinkt. Gleichzeitig hatte ich immer das Gefühl in einem hellen Schutzraum, etwas entfernt vom Alltag, zu sein. Das Licht war immer gelb, gold, hell. Oft hatte ich die Vorstellung von gelbem Wüstensand unter gleißendem Sonnenschein und der Farbe Gold. Es war mir klar, dass mit dem Gold nicht etwa materieller Reichtum gemeint war, sondern es verwies auf etwas, das größer ist als der Mensch selbst. Etwas ungeheuer Wertvolles, das höchste Gut, die edelste Gesinnung, vielleicht das Gute an sich.
Ich kam mit diesem Duft nicht zum Abschluss, für die ganzheitlich mein Selbst umfassenden Gefühle ließ sich kein Bild finden. Jegliche Abbildung, die ich für das abstrakte Gold aus meiner Vorstellung als Zeichnung, Foto oder Objekt heranzog, schien mir ungenügend. Also wartete ich ab.
Nach mehreren Monaten tauchte dann das Bild des Meister Hora vor meinem inneren Auge auf, der Hüter der Zeit. Im Nirgend-Haus in der Niemals-Gasse teilt er jedem Menschen seine Zeit zu, dort wachsen die Stundenblumen, die sich in den herrlichsten Farben öffnen und wieder vergehen und jede scheint noch herrlicher als die zuvor gesehene zu sein. Was die Menschen mit ihrer Zeit machen, müssen sie selbst bestimmen und sie müssen sie auch selbst verteidigen. Meister Hora sagt: „Denn jeder Mensch hat seine Zeit. Und nur so lange sie wirklich die seine ist, bleibt sie lebendig.“ Und „Denn so wie ihr Augen habt, um das Licht zu sehen, und Ohren, um Klänge zu hören, so habt ihr ein Herz, um damit die Zeit wahrzunehmen. Und alle Zeit, die nicht mit dem Herzen wahrgenommen wird, ist so verloren wie die Farben des Regenbogens für einen Blinden oder das Lied eines Vogels für einen Tauben.“
Der Meister der Zeit führt einen direkt in das eigene Herz, die eigene goldene Mitte und lässt uns die Musik unseres eigenen Herzens hören. Die Botschaft des Duftes wurde mir nun plötzlich sehr deutlich. Lasse dir deine Zeit nicht von denen wegnehmen, die dir Angst machen. Deine Zeit gehört dir, fange etwas mit ihr an, das dein Herz berührt und sei auf diese Weise lebendig.
Die Zeit in diesem Sinn, hat keinen Anfang und kein Ende, sie ist unendlich. Und so könnte ich mit dem Sandelholz sicher noch weitere Monate zubringen. Sandelholz ist ein treuer Begleiter, Träger des goldenen Lichts, das im Herzen wohnt, zeitlos im Hintergrund wartend.
Das 12. Kapitel des Märchen-Romans MOMO von Michael Ende bildet verblüffend genau ab, wie ich innerlich den Duft erfahren habe. Das Kapitel heißt „Momo kommt hin, wo die Zeit herkommt.“ Die Zitate oben stammen ebenfalls aus dem Kapitel.
Das wichtigste was ich von diesem Duft gelernt habe, ist , dass die Zeit lediglich ein Maß für Veränderung ist. Wenn man einmal in die eigene Zeit im Mittelpunkt des Herzens eingetaucht ist, wird es ganz still für einen Moment während alle Uhren aufhören zu ticken.

Affirmation: Meine Zeit ist lebendig! Meine Zeit ist heilig!

Duft: Santalum album

Verwendete Pflanzenteile: Holz

Gewinnung: Wasserdampfdestillation

Der geflügelte Bergführer – Rhododendron

9 Dez

Meine heutige Duftwahrnehmung:

Mit diesem Duft geht es hoch hinaus, aber auf ganz spannende Art. Es fühlt sich an als ob der Geist fliegen könnte, aber der Körper still und geerdet in Gelassenheit ruht.
Hohe Berge, massive Gebirgs-massen türmen sich um mich herum auf. Ich stehe auf dem Gipfel eines unglaublich hohen Berges, unter mir befinden sich Nebelschwaden, oben ist es ganz licht und hell, ein besonderer metallischer Schimmer bedeckt die karge Landschaft.
Von oben betrachtet sehen die Dinge anders aus, die Vogelperspektive bietet die Gelegenheit mit Abstand auf die Dinge zu blicken, Distanz zu gewinnen.
Manchmal geraten wir beruflich oder privat in Situationen hinein, die uns abhängig machen oder schädlich sind, was wir dann oft erst nach einiger Zeit ahnen oder bemerken.  Mit diesem Duft gelingt es sich aus den klebrigen Verstrickungen herauszulösen und die Situation zu übersteigen. Es geht darum erste Schritte in die richtige Richtung zu gehen. Das Gefühl, einen riesigen Berggipfel erklimmen zu müssen wird mit diesem Duft leicht erträglich und jeder Schritt macht einen Sinn. Die Verbindung zu unserem höheren Selbst, das den Weg bereits kennt, wird wieder hergestellt.

Affirmation: Mit klarem Falkenblick Schritt für Schritt ins Glück!

Duft: Rhododendron, Rhododendron anthopogon, Nepal

Verwendete Pflanzenteile: Blätter
Gewinnung: Destillation

Wächter der Nacht – Wacholder

8 Dez

vor meinem inneren Auge betrete ich eine Landschaft der Stille. Weit und breit ist nichts zu sehen außer Raum und der Horizont, es ist Nacht, samtene Dunkelheit schmiegt sich um die Sterne und das Nichts.

So müssen sich die magischen Nächte der Beduinen in der Wüste anfühlen. Die Luft ist klar und rein und man ist auf sich selbst zurück geworfen.

Es gibt nichts womit man sich ablenken könnte, aus der Dunkelheit steigen Gestalten heraus und verschwinden wieder. Es ist so still, totenstill, unheimlich und gleichzeitig faszinierend und vertraut.

Dieser Duft öffnet ein Tor zur Schattenwelt, zu den eigenen Wünschen, auf deren Erfüllung man hofft und diese zugleich zu verhindern weiß. Hier wohnt das Widersprüchliche, das Unsagbare, das Geheimnis.
Indem man durch das Tor des Wächters der Nacht schreitet und durch die Schatten hindurch geht erfährt man Klärung und Läuterung, am Ende nichts als Stille und Seelenruhe, tiefe Zufriedenheit und Wissen.
Dieser Duft hat eine starke transformierende Kraft. Wenn ich eines Tages dieser  intensiven Stille nicht mehr entfliehen möchte, werde ich eine weise Frau oder tot sein.

Ich stelle mir vor, dass dieser Duft zur Auseinandersetzung mit Tod, Trauer, tiefer Verzweiflung und den eigenen Schattenseiten ein stabiler und wertvoller Führer sein kann.

Ebenso trägt dieser Duft zur Klärung existenzieller Krisen bei. Er kennt die Abgründe der Menschheit und weiß deshalb auch einen Ausweg.

Auf der körperlichen Ebene wirkt der Wacholder klärend, tonisierend, durchblutungsfördernd und stabilisierend bei Rekonvaleszenz und Entgiftung.

Affirmation: Lebe jeden Tag als sei es dein letzter!

Duft: Wacholder, Juniperus communis, Frankreich
Verwendete Pflanzenteile: Zweige und Frucht
Gewinnung: Destillation
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