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Vision Quest – Wacholderbeere

5 Okt

Es ist die Zeit der fallenden Blätter und im Duft der Wacholderbeere erwartet mich ein herb-holziges Ur-Wesen, das mich sodann in die Tiefen meiner Seelen-Landschaft eintreten lässt.

Die Imaginationen sind sehr plastisch und dabei klar, auf das Wesentliche reduziert.

Ich befinde mich auf einer weiten Ebene. Kein Mensch, kein Haus, kein Weg.

Mein Blick gleitet bis zum Horizont und in die Unendlichkeit dahinter. Ich stehe einfach nur da, auf einem Acker und werde gewahr, dass unter mir viele Schichten der Erde aus verschiedenen Zeitaltern liegen und dass vor meiner Zeit andere Menschen hier standen, um das Land fruchtbar zu machen.

Dieser Duft lässt im Inneren eine ganz eigene Melodie, einen fremdartigen Urgesang erklingen, der ein Ur-Wesen in mir anspricht, meine Seele.

Auf dieser weiten Ebene sind die Gefühle klar, gesammelt, windstill, reduziert und auf merkwürdige Weise abstrahiert, so als hätte ich sie am Rastplatz mit all dem anderen Reisegepäck zurück gelassen, wo sie auf mich warten, bis ich wieder komme.

Es gibt diese Momente der Wahrhaftigkeit, in denen man spürt, dass es kein Ausweichen gibt, keinen Aufschub,  kein Warten mehr.

Momente, in denen sich der Schritt verlangsamt bis man es endlich wagt in mutiger, gefasster Geistesgegenwart stehen zu bleiben, sich umzudrehen und dem eigenen Schatten ins Gesicht zu sehen. Stehenbleiben, weil man weiß, dass alles andere keinen Sinn mehr machen würde.

Dies ist das Feld der Desillusion. Ich kam hierher, um die Dinge ins rechte Licht zu rücken. Die weite Ebene dient mir als Spiegel. Einige Tage lang sah ich vor meinem inneren Auge mich selbst auf dieser weiten Ebene in der Begegnung  mit dem eigenen Schatten.

Beim Malen dieser Szene, entstand ganz entgegen meiner Intention eine Figur mit Flügeln auf dem Feld und in dem Moment wurde mir klar, dass die Schatten, die ich im Moment der Wahrhaftigkeit erlebt hatte, selbst die Illusion waren.

Die Dufterfahrung hatte in mir zunächst die Illusion der Schatten erweckt, um mir dann zu zeigen,  dass es eine weite Ebene gibt, auf der nur ich mit mir selbst zurück bleibe. Kein Mensch, kein Haus, kein Weg. Dafür ein paar Flügel – geschenkt.

Vom Duft der Wacholderbeere habe ich gelernt, dass der Meander-Weg der Seele über Illusionen und  Umwege führen kann, dass das, was man für wahr hält ebenfalls eine Illusion sein kann und man daran so lange festhalten darf wie man sie braucht. Jedoch in dem Wissen, dass die Wahrheit nur im Spiegel der individuellen Entwicklung existiert.

Ansonsten ist die Wahrheit eine weite Ebene, ohne Mensch, ohne Haus und ohne Weg. Dafür ein paar Flügel – geschenkt.

Affirmation: „Ich bleibe bei meiner Wahrheit nur so lange ich sie brauche!“ „Die Wahrheit ist eine weite Ebene!“

Duft: Juniperus communis, Bosnien

Verwendeter Pflanzenteil: Frucht

Gewinnung: Destillation

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Vanitas – Heu

24 Jul

Herman Herstenburgh, Still Life

Obwohl ich weiß, dass Heu gestorbenes, verwelktes Gras ist, hatte ich mir insgeheim den Duft von frisch geschnittenem Gras erhofft.

Stattdessen weicht meine Nase vor dem ersten Duftimpuls vehement zurück, zu intensiv und eindringlich. Ich muss mich langsam annähern.

Nach wenigen Minuten wird der Duft weicher, erdiger, tiefer. Er hält mich und umarmt mich ganz fest!

In mir entsteht ein Gefühl von Ausdehnung und Wachstum. Das Empfinden von Tiefe dehnt sich nicht nach unten, sondern  flächendeckend zur Seite hin aus. Plötzlich weiß ich, dass das, was sich dort ausbreitet, meine eigene Existenz ist. In völliger Transparenz werde ich zum gläsernen Menschen und betrachte.

Ich trete in den offenen Diskurs über das Werden und Vergehen, Leben und Tod, ein. Und da ist die Vergänglichkeit, Vanitas. Alles geht vorbei, verwelkt, zerfällt und stirbt. Es stört mich nicht. Es ist der natürliche Kreislauf der Welt, Leben und Tod gehören zusammen.

Vanitas, die Vergänglichkeit kann auch etwas Schönes und Befrei-endes haben, wenn man akzeptiert, dass es sie gibt.

Dieser eigentümliche Heu-Duft tut sein Bestes, einem die Angst vor dem Tod zu nehmen und diese mit einem Gefühl von Natürlichkeit zu ersetzen und sich im Rad des Lebens geborgen zu fühlen.

Damit das Leben seinen Lauf nehmen kann, brauchen wir die Vergänglichkeit ganz dringend. Sie ist es, die den Augenblick kostbar macht, Lebensmomente intensi-viert und uns lehrt das Geschenk des Lebens zu schätzen.

Die Integration der Idee des Todes rettet uns; statt uns zu einer Existenz des Schreckens oder des düsteren Pessimismus zu verurteilen, wirkt sie als Katalysator, damit wir in authentischere Modi des Lebens eintauchen können, und sie vergrößert unsere Freude am Leben.“

Irvin D. Yalom, Existentielle Psychotherapie

Die Heu-Essenz bietet einen hoch philosophischen Spaziergang auf dem Weg der großen Denker vor unserer Zeit an und hilft die Vergänglichkeit und den Tod im Alltäglichen zu akzeptieren und als Teil von sich selbst anzunehmen. Der Lohn ist eine tiefgründige und fundamentale Lebensfreude mit einer unvergleichlichen, köstlichen Qualität.

Affirmation: „Vanitas, ich grüße dich!“

Duft: Bergwiesenheu

Verwendeter Pflanzenteil: Kraut

Gewinnung: Co-Destillation

Ceridwen’s Kessel – echter Salbei

30 Mai

Windstille des Herzens gepaart mit großer Achtsamkeit und Vitalität der Gedanken lassen mich in eine heilsame Höhle eintreten. Dort hängt der große, geheimnisvoll blubbernde Kessel Ceridwen’s über dem Feuer.

Einer keltischen Sage nach braute Ceridwen in ihrem magischen Kessel einen Trank, der ihren Sohn zum weisesten aller Wesen machen sollte.

Das Bild des nährenden Kessels, der Weisheit, Inspiration und Nahrung für die Seele schenkt, wird durch das ätherische Salbeiöl sehr schön aufgegriffen.

Der Geist ist angeregt, jedoch nicht aufgeregt, das Herz schlägt gleichmäßig und ist deutlich in der Mitte des Brustkorbs wahrnehmbar. Gedanken, Herzschlag und Atmung bilden eine starke, zentrierende Achse, eine Allianz der wachen Ruhe.

Im Salbeiöl sehe ich eine reife Frauengestalt, eine Heilerin und eine gute, wenn auch strenge und konsequente Lehrerin. Sie verkörpert das alte alchemistische Prinzip Solve et coagula – löse und binde!

Darunter verstehe ich die Analyse, Trennung und Auflösung einer Eigenschaft und das anschließende Zusammenfügen der einzelnen Teile zugunsten eines besseren Ergebnisses.

Im Spiegel höchster Konzentration kommt es zu einem inneren Klärungs- und Reinigungsprozess und zu einem ehrlichen Blick auf das eigene Spiegelbild. Salbei lässt keine Selbsttäuschung zu. Was man bekommt, ist die Wahrheit über sich selbst.

Negative Seelenzustände werden gelöst und erlöst, positive Seelenzustände werden anerkannt und eingeladen zu bleiben. Mit diesem Reifungsprozess stellt sich ein autarkes Gefühl der Souveränität, Authentizität und der inneren Stärke ein.

Mit Salbei lernt man, von sich selbst zu lernen und die eigene Wahrheit, die wie alles im Universum  stetiger Veränderung unterworfen ist, immer wieder im eigenen Spiegelbild zu erkennen.

Salbei ist ein Duft wie ein Fels in der Brandung mit einer sehr starken Duftpersönlichkeit. Nur ein einziger Tropfen reicht für ein ganzes Königreich der Inspiration.

Es ist kein Duft für den Alltag, sondern eher für bestimmte Momente und Phasen der Veränderung und des Lernens, in denen es nötig ist, die eigene Identität zu stärken und sich selbst zu erkennen und wiederzufinden.

Ebenso hilft der Duft, alte Narben endgültig zu heilen und zu erkennen, dass  mit bestimmten (schmerzhaften) Lebenserfahrungen eine Einladung zur Veränderung oder Umkehr ausgesprochen wird.

Der einschränkende, klärende und reduzierende Effekt von Salbei kann wohltuenden Durchblick bei unkontrollierbaren Gedanken- und Gefühlswellen bringen.

Affirmation: „Ich trinke aus der Quelle innerer Weisheit!“

Duft: Salvia officinalis, Portugal

Verwendeter Pflanzenteil: Kraut

Gewinnung: Destillation

Hinweise:

Obwohl ich die Eigenschaften von Salvia officinalis sehr schätze, muss auch ich an dieser Stelle zur Achtsamkeit im Umgang mit dem Duft mahnen. Der sehr hohe Monoterpenketongehalt (überwiegend Thujon) regt die Nerventätigkeit stark an und ist für Epileptiker, Kinder und Schwangere tabu.

Sogar und gerade in einer sehr geringen Dosierung (0.5%) kann Salbei seine wohltuenden und erkenntnisfördernden Eigenschaften vollkommen entfalten. In dieser geringen Dosierung sind keine Nebenwirkungen für gesunde Erwachsene bekannt.

Die Warnhinweise sind natürlich berechtigt, trotzdem finde ich es schade, dass dieser wundervolle Duft aufgrund einer undifferenzierten Betrachtungsweise vielerorts gar nicht zur Anwendung kommt.

Point of no Return – Schopflavendel

1 Dez

Der Punkt ohne Wiederkehr, das ist ein Moment, in dem es nur noch in eine Richtung geht, nämlich nach vorne geradewegs hinein in die Zukunft.

Ob es einem gefällt oder nicht, der Rückweg ist versperrt, vielleicht unter Schutt und Asche begraben und die Situation erfordert strukturiertes Handeln oder sogar Krisenmanagement.

In Zeiten der Neuorientierung, wenn Lebensabschnitte schmerzlich zu Ende gehen, wenn der Lebensplan plötzlich eine unerwartete Wendung nimmt, wenn Träume wie Seifenblasen zerplatzen, wenn das Leben aus den Fugen zu geraten droht oder sogar ein Zusammenbruch kurz bevor steht, dann ist der Schopflavendel mit seiner laserscharf gebündelten Energie zur Stelle – Brain Power deluxe.

Dieser powervolle Duft bündelt die mentalen Kräfte wie kein zweiter. Er erhöht die Aufmerksamkeit und die Wachsamkeit, zieht den Fokus und schärft den Verstand in einer Weise, dass man dafür einen Waffenschein braucht.

Der stark nervenwirksame Duft steigt sofort in Kopf und Nase und sorgt auch entlang der Wirbelsäule, sowie in Armen und Beinen für einen (im wahrsten Sinn des Wortes) Nervenkitzel.

Das Gefühl lässt sich in etwa so beschreiben, als ob durch die Spinalnerven der Wirbelsäule eine kühl-prickelnde Ameisenkolonie durch marschiert, die ihre Füße zuvor in Eiswasser getaucht hat. Schopflavendel ist der Duft mit der Gänsehaut-Garantie.

Diese Empfindungen sind einerseits erfrischend, aber auch sehr ungewohnt. Auf jeden Fall führt der Duft aber zu einer befreiten Art des Denkens. Gedanken und Ideen fliegen einem nur so zu und mitunter führt die neu gewonnene mentale Leichtigkeit zu revolutionären Einsichten, was die eigene Situation angeht. Die erzeugte mentale Kraft ist so hoch, dass Blockaden durch Angst, Schock oder Verwirrung zerbrechen und man einen klaren Kopf behält.

Die Aktivierung der Wirbelsäule als Stützpfeiler und tragende Achse des menschlichen Körpers führt auch im psychologischen Bereich zu einem Gefühl der Würde und zu der Einsicht, dass man immer eine Wahl hat, gerade wenn man meint diese nicht zu haben.

Der Schopflavendel ist herausfordernd, unnachgiebig und meint es wirklich ernst.

Von daher sollte der Duft sehr sparsam dosiert werden, Aromaerfahrung sollte unbedingt vorhanden sein. Aufgrund seines hohen Monoterpenketongehalts (40-50% Fenchon) ist der Duft des Schopflavendel sehr intensiv und stark aktivierend und aufgrund seiner Inhaltsstoffe im Handel selten erhältlich.

Und doch: richtig dosiert und angewendet verleiht der Schopflavendel dem Geist Flügel, wenn man es am nötigsten braucht.

Affirmation:  „Ich habe immer eine Wahl!“ „Meine Würde ist unantastbar!“

Duft: Lavandula stoechas, Provence

Verwendeter Pflanzenteil: blühende Pflanze

Gewinnung: Destillation

Die Schattenkriegerin – Cistrose

26 Jul

Das Betreten des Schattenpfades gehört ebenso zum Leben wie die Suche nach Licht. In fast jedem Menschen gibt es ein Schattenreich, in dem die Dunkelheit die schlimmsten Erlebnisse und die grausamsten Vorstellungen verschluckt.

Manche Menschen werden von den Schatten aus der Vergangenheit verfolgt und manche von Schatten aus der Zukunft.  Diese Schatten konstruieren wir selbst aus unserem Leben heraus und wir füttern sie mit Angst, Furcht und Schrecken. Je mehr man versucht, wegzulaufen, zu vergessen oder sich zu verstecken, umso größer und mächtiger wird das Schattenwesen. Es nimmt wertvolle Energie weg, die einmal uns selbst gehörte.

Die Cistrose ist ein sehr präsenter, mächtiger Duft mit einem sehr eigentümlichen Aroma, das durch Mark und Bein geht. Dieser Duft ergreift tief im Inneren ein Gefühl der Macht und befördert dieses in das Bewusstsein. Es ist die Energie, die die eigenen Ängste einst erzeugt haben, die nun wieder zurückkommt und indem diese Energie wieder in Besitz genommen wird, sie als rechtmäßiges Eigentum erklärt wird, transformiert sich Ohnmacht in Macht.

Die Cistrose ist eine Schattenkriegerin. Sie zeigt, wie man im eigenen Schattenreich die verlorenen Fragmente der Identität wieder zurück gewinnt. Dabei ist sie keineswegs bestrebt, das Licht anzuknipsen, sondern vielmehr will sie uns lehren, den eigenen Dämonen zu begegnen, diese mit Wohlwollen und Akzeptanz zu nähren und ihnen so ihre Macht wegzunehmen bis wir sie uns selbst wieder einverleibt haben und im Vollbesitz unserer seelischen, geistigen und emotionalen Kräfte sind.

„Ein Dämon ist all das, was uns hindert frei zu sein: Ängste, Krankheiten, Sorgen, Süchte und negative Gefühle.“

                                                                          Tsültrim Allione

Diese Einsichten werden begleitet von sehr eindrücklichen Assoziationen, die sich immer wieder in einem Bild verdichten. Ich sehe eine Frau mit markanten Gesichtszügen und schwarzen kurzen Haaren, die eine große Schere in der linken Hand und einen Korb dunkelroter Kirschen in der anderen Hand hält.

Sie trägt einen schwarz glänzenden Anzug und schwarze Stiefel und steht auf einem Steg aus alten Holzplanken. Mit einem dritten Arm holt sie nun ein Brecheisen hervor und beginnt, die Planken herauszureißen bis diese nach und nach beginnen zu zerbersten, so dass die gebrochenen Planken in die Luft ragen. Zum Vorschein kommt eine brodelnde, dickflüssige, blubbernde schwarze Flüssigkeit, wie Lava aus Pech.

Obwohl die Schattenkriegerin selbst auf dem Steg steht, scheint sie keine Angst zu haben, in das schwarze Meer aus glühendem Pech und Schmerz hineinzufallen und darin zu ertrinken. Vielmehr ist sie auf der Suche nach etwas und schlägt den ganzen Steg kurz und klein bis am Ende nur noch eine kleine Holzscheibe übrig bleibt, auf der gerade noch genug Platz ist, um darauf zu stehen.

Aus dem blubberndem Meer aus Pech schnellen nun meterhohe langhalsige, zähnefletschende Wesen auf und greifen an. Die Schattenkriegerin hat genau auf diesen Moment gewartet.

Zunächst füttert sie die Ungeheuer mit ihren Kirschen der Liebe und des Mitgefühls, nimmt dann ihre große Schere und schneidet das Band zwischen den dunklen Monstern und sich durch. Danach schenkt sie jedem als Geste der Erlösung noch eine große schwarz-rote Kirsche.  Dieser Prozess versinnbildlicht für mich das Durchschneiden der Angst wie es Tsültrim Allione in ihrem Buch „Den Dämonen Nahrung geben“ beschreibt.

Im Duft der Cistrose gibt es tatsächlich eine Note, die für mich nach dunklen, fast schwarzen, großen, reifen Kirschen riecht. Ich sehe einen ganzen Korb vor mir. Diese Früchte symbolisieren die Süße des Lebens nach Überwindung von Angst und Schrecken, von Trauma und Dunkelheit. Nach allen Anstrengungen, die dieser Duft einem abverlangt, ist dies die wohlverdiente Speise der Erlösung und des Triumphs.

„Nähre mit liebevollem Geist, noch mehr als ein Kind, die scheinbar existenten feindseligen Götter und Dämonen und umgib dich zärtlich mit ihnen.“

                                                    Machig Labdrön (1055-1145)

Affirmation: „Ich bin im Vollbesitz meiner Macht!“ „Ich gebe meinen Dämonen die Nahrung, die sie zu ihrer Erlösung brauchen!“

Duft: Cistus ladanifer, Marokko

Verwendeter Pflanzenteil: Zweige

Gewinnung: Destillation

Der Chief – Kampher

27 Jun

Zu diesem Duft entstand zuerst ein Bild. Es zeigt einen Indianerhäuptling, der katzenhafte Züge und einen Kopfputz aus kunstvoll geflochtenem Haar und Federn trägt. Er hat in jeder Hinsicht lediglich das, was er zum Leben braucht und er weiß um die größeren Zusammenhänge zwischen Himmel und Erde und wo das Glück zu finden ist. Sein Schritt ist federnd, leicht und geschmeidig.

Er weiß jede Situation, in die er gerät, weise und richtig einzuschätzen. Wenn sich ihm ein Hindernis in den Weg stellt, so überspringt er dieses mit einem geschmeidigen Satz wie eine Raubkatze. Wenn er sich doch einmal irrt, so stellt er sich blitzschnell auf die neue Situation ein.

Diese Leichtfüßigkeit und Flexibilität ist nur möglich, weil der Chief keinen Ballast mit sich trägt. Hier geht es hauptsächlich um Gefühle, die man mit sich herum trägt, die einen nach unten ziehen, wenn man gerade eben zum Sprung ansetzt…

Sich mit der eigenen Gefühlswelt auseinander zu setzen, bedeutet dem Schmerz ins Auge zu sehen und ihm zu begegnen. Unangenehme wie angenehme Gefühle brauchen eine Ordnung, damit diese ihren Platz im Raum der Tränen, im Raum der eigenen Wahrheit, im Raum der Vergebung oder im Raum des schönsten Tages finden können.

Sich von den eigenen Gefühlen zu distanzieren, so dass diese einfach aus der eigenen Wahrnehmung verschwinden, ist dauerhaft die schlechteste Lösung. Denn der Versuch, die Gefühlswelt mental so kontrollieren zu wollen, verwandelt sich in das genaue Gegenteil.

Die abgespaltenen Emotions-Asteroiden kreisen auf  ihrer Umlaufbahn irgendwo in einer Galaxie fernab des Sonnensystems im menschlichen Körper. Die Weigerung, sich psychisch mit den eigenen Gefühlen zu beschäftigen, führt dazu, dass Energien dieser Art im Endlager abgeladen werden, nämlich im eigenen Körper. Die Folge sind Entzündungen, Verhärtungen, Stoffwechselstörungen oder andere beliebige Symptome, mit deren Hilfe sich der Körper empört aufbäumt um auf sich aufmerksam zu machen.

Mit dem Chief geht es auf die Reise ins Irgendwo und Nirgendwo im eigenen Selbst, in jene Galaxien, in denen die verstoßenen Gefühle wohnen. Wer bis hierhin gekommen ist, dem schenkt der Chief etwas von seiner geschmeidigen Raubkatzenenergie.

Die Blockaden und Panzerungen im Körper werden lokalisiert, der Innenraum starrer Grenzen mit Wärme gefüllt und die Blockade von innen heraus zum schmelzen gebracht. Dies gilt zum Beispiel für Muskeln oder Muskelgruppen, die sich über einen längeren Zeitraum zum Körperpanzer formiert haben.

Gleichzeitig kommen die unterdrückten Gefühle zum Vorschein, es gibt nochmals einen Ruck im Herzen, der Schmerzensmoment, dann ist das Gefühl wieder ein Teil des Selbst und findet seinen Platz.

Affirmation: „Ich bin bereit,  meine verlorenen Gefühle zu finden!“

Duft: Cinnamomum camphora, China

Verwendeter Pflanzenteil: Blatt, Holz

Gewinnung: Destillation

Ein Kurs in Wundern – Narde

15 Jun

Es muss nicht alles einen Sinn ergeben und man muss auch nicht alles verstehen. Dann gäbe es ja keinen Platz mehr für das Unerklärliche, das Wundersame und das Wunderbare.

Für die wichtigsten persönlichen Angelegenheiten im Leben braucht man sowieso keine Beweise. Der Mensch ist mit sehr feinen Antennen ausgestattet, was die Wahrnehmung seiner Umwelt, seiner Mitmenschen und seiner selbst angeht.  Diese Art der Wahrnehmung scheint beinahe wie ein altes Handwerk auszusterben.

Die Narde führt mich in den ältesten Teil meiner Selbst.  Dorthin wo es keine Gegensätze gibt, wo es keine Zeit gibt,  wo es keine Welt gibt und auch keine Ablenkung.

Es ist der Ort, von dem aus ich meine Beschränkungen betrachten kann und die Illusionen, die meine Gewohnheiten tragen. Vor allem scheint es um die Gewohnheiten der Wahrnehmung zu gehen, um jene allzu menschlichen Automatismen, die zwar das alltägliche Leben vereinfachen und eine gewisse Ordnung herstellen, die aber auch den Blick auf die Realität normieren und eichen. Meine Wahrnehmung erschafft meine innere Welt und meine innere Welt erschafft meine Wahrnehmung.

Vor meinem inneren Auge bewege ich mich auf eine Landschaft zu, eine Gebirgsformation, aus der mehrere Berge aufragen, die gigantisch hoch sind.  Mit einem Satz befinde ich mich plötzlich auf einem der Gipfel. Die Luft, die ich atme, scheint mit Lebensweisheiten durchtränkt zu sein. Ich blicke hinab vom Dach der Welt.

Die Matrix, in der ich mich normalerweise bewege, liegt ausgebreitet vor mir und neben allem, was mich ausmacht und was ich bisher erlebt habe, sind da die Tore, die ich nicht durchschritten habe, die Mauern, die ich nicht eingerissen habe, die Wunder, die an mir vorbei gezogen sind.

Mir wird deutlich, dass es die Tore und Mauern nur in meiner eigenen Wahrnehmung gibt und dass die Wunder in mir und um mich herum existieren und dies schon immer getan haben. Es ist also noch alles da, was für mich vorgesehen ist. Ich habe nichts versäumt. Diese Erkenntnis zaubert ein Lächeln auf mein Gesicht.

Ich komme zu dem Schluss, dass ein Wunder lediglich die Wahrnehmung einer Möglichkeit auf einer höheren Bewusstseinsebene darstellt. Auf dem Dach der Welt eben!

Affirmation: „Meine Wahrnehmung weitet sich!“ „Ich bin von Wundern umgeben!“

Duft: Nardostachys jatamansi, Nepal

Verwendeter Pflanzenteil: Wurzel

Gewinnung: Destillation

König der Wahrheit – Basilikum

31 Mai

Der Traum ist der Königsweg zur Seele. Die Tore zur Traumwelt stehen jedoch nicht jederzeit offen. Der Duft von Basilikum ist der Schlüssel zu einem Bewusstseinszustand, der normalerweise von Abwehrmecha-nismen der Psyche kontrolliert wird.

Der Duft führt nach innen und lenkt die Aufmerksamkeit direkt auf die Bauchgegend, wo sich das Sonnen-geflecht mit seinem Energiezentrum dem Solarplexus befindet. Eine Reise zum Mittelpunkt des Körpers, zum eigenen Bauchgefühl, zu der Welt, in der man Zugriff auf die eigene Wahrheit hat, direkt aber auch ungeschönt.

Denn, was im Bauchhirn als Tatsache feststeht kommt in unserem Bewusstsein meist nur noch als vage Ahnung an. Die Kraft der Intuition und die damit verbundene Entscheidungsgewalt wird einem wieder vollkommen bewusst und vor allem kann man lernen sich ihrer zu bedienen. Die feinen Antennen werden wieder aktiviert und die Sensibilität für Wahrheit, Echtheit und Authentizität nimmt deutlich zu.

Die Basilikumerfahrung kann sehr inspirierend sein, denn sie zeigt dem Bewusstsein Themen auf, die die eigene Aufrichtigkeit, die Authentizität, die eigenen Ideale betreffen. Im weiteren Sinne geht es um das Übereinbringen des idealisierten Selbst mit dem gelebten Selbst.

Der Basilikumduft spricht sehr ich-nahe Themen an. Die eigene Wahrheit unter die Lupe zu nehmen, wirft oft existenzielle Fragen auf und stimmt ernsthaft. Unter Umständen kann Basilikum ein flaues Gefühl im Magen hervorrufen, falls man sich von der eigenen Wahrheit, dem eigenen Selbstbild zu weit entfernt hat oder falls dieses fremdbestimmt ist.

Auch wenn es in meinen Augen die absolute für jeden gültige Wahrheit nicht gibt, so gibt es doch für jeden einzelnen Menschen eine persönliche individuelle Wahrheit, mit der man im Idealfall gut leben kann.

Dissonanzen zwischen Idealvorstellung und Wirklichkeit müssen in einer Lösung münden, andernfalls werden sie aus ökonomischen Gründen von der Psyche verstaut und für später aufgehoben. Oftmals werden diese mit dem eigenen Ich nicht zu vereinbarenden Inhalte dann zum Geheimnis. Das Verstecken und Verbergen führt dazu, dass sich die betreffende Person von ihrem Wesenskern entfernt.

Die fehlende Integration dieser Inhalte macht sie zu Sperrmüll, der sich im Bauchraum als unverarbeitete und unverdaute Körpererinnerung ablagert.

Das außerordentlich heilende Moment und der große Verdienst von Basilikum ist es, diese unverdauten Brocken aufzuspüren und sie sichtbar zu machen, um sie damit unschädlich zu machen. Basilikum hilft also all das zu verdauen, was einem über kurz oder lang sprichwörtlich im Magen liegen geblieben ist. Auf diese Art von Entgiftung und Entlastung des Organismus führe ich die stark angstlösende Wirkung des Duftes zurück.

Basilikum fördert einen von Träumen bevölkerten Heilschlaf. Wer das Gefühl hat, sich von sich selbst entfernt zu haben oder wer meint, sich selbst nicht mehr im Spiegel ansehen zu können, dem rate ich gemeinsam mit Basilikum eine Lösung zu erträumen.

Affirmation: Ich betrete den Königsweg zu meinem wahren Selbst!

Duft: Ocimum basilicum, Ägypten

Verwendeter Pflanzenteil: Kraut

Gewinnung: Destillation

Meister der Stille – Weihrauch arabisch

19 Apr

Kumbhaka wird im Yoga der Moment zwischen Einatmung und Ausatmung genannt, eine natürliche Atempause, ein kurzer Stillstand in regelmäßigem Rhythmus im großen sich endlos drehenden Rad des Lebens.

Es heißt, wer Kumbhaka meistert, meistert auch sein Leben in Vollkommenheit. Dabei geht es darum, diesen kurzen Moment der Stille beim Atmen auszudehnen ohne den natürlichen Fluss der Atmung zu verlassen und ohne den Atem bewusst kontrollieren zu wollen.

Die Stille mit allen Facetten ist das Thema des arabischen Weihrauchs, das ich seit Tagen immer wieder wahrnehme. Beim Riechen stellt sich sogleich eine tiefe innerliche Ruhe ein und des öfteren habe ich feierlich die Stille genossen – dieses merkwürdige Wesen.

Nichts hören, nichts sehen, nichts sprechen und doch ist da etwas. Geräusche und Empfindungen. Mein Atem, mein Herzschlag, meine innere Stimme, manchmal nichts.  Nur dieser große weite Raum voller Erholung, diese Stille ist heilsam.

Wenn es einfach nur still im Inneren wird bis zur Regungslosigkeit. Still sein und sonst nichts. Kein Bild, keine Gedanken, keine Assoziationen, einfach nur Stille. Es ist ein Gefühl der Schwerelosigkeit, frei flottierend.  Doch diese Momente sind kostbar und dauern nur kurz.

Ich glaube ich habe eine Idee davon bekommen, was mit der Meisterschaft von Kumbhaka gemeint ist und welche Botschaft mir der Duft des Weihrauchs damit überbringen möchte. Es geht um die Ausdehnung der existenziellen Stille und das Wahrnehmen des eigenen Wesens bis man auch dieses hinter sich lassen kann und einfach nur Teil des Lebensflusses ist.

Ein kurzer Moment der Stille ist für viele Menschen noch gut auszuhalten, obwohl ich auch Menschen erlebt habe, die schon bei der Aufforderung, die Augen für einen Moment zu schließen, einen Kontrollverlust erlitten haben. Je länger man in der Stille ist, umso anspruchsvoller wird es – energetisch, emotional, körperlich. Weihrauch stellt immer wieder den Bezug zur Atmung her, als Wegweiser und Fortbewegungsmittel auf dem Pfad der Stille.

Das Ausdehnen der Ruhe und der Stille führt am Ende zum eigenen Wesen und im besten Fall zu einem tiefen und fundamentalen Identiätsgefühl –  dem Einssein mit sich und der Welt.

Affirmation: „Ich mache mich auf den Weg zu meinem Wesenskern!“ „Ich lausche der Stille!“

Duft: Boswellia sacra, Somalia

Verwendeter Pflanzenteil: Harz

Gewinnung: Destillation

Die Regenfrau – Ysop decumbens

8 Apr

Let it rain! Wasser, Wasser, Wasser überall um mich herum, in mir, über mir, unter mir. Ich bin inmitten einer Strömung, einem Strudel, einer Landschaft aus Wasser, einem großen Regen.  Seitdem ich gestern morgen den eher medizinischen Geruch dieses Duftes eingeatmet hatte, war ich von der Wirkung doch sehr überrascht.

Ich spüre die Kraft des Wassers als dynamisches flexibles Element. Wasser fließt um jedes Hindernis herum, es umfließt selbst die größten Felsen und ist doch in sich kraftvoll und zugleich konfrontativ – seinem eigenen Rhythmus folgend. Alle Formen von sich stark bewegenden Wassern sehe ich vor mir. Flüsse, Wasserfälle, heftiger Regenfall, eigentlich bin ich mittendrin. Wasser dringt in jeden Winkel und in jeden noch so dünnen Spalt. Wandlungsfähig vom Nebel bis zum ewigen Eis. Ich kann Wasser atmen und darauf  wandernd ein Meer durchqueren, alles möglich.

Es geht bei diesem Duft weniger um das Element Wasser, sondern diese inneren Bilder sollen mir das Thema des Duftes deutlich machen. Reinwaschen mit dieser fließenden Kraft heißt auch Lösen, Loslassen, Gehen lassen, Ausspucken, durch sich hindurch fließen lassen.  Wasser ist ein sehr rezeptives Medium, das auch subtile Informationen in sich aufnimmt.

Weitere Assoziationen folgen:

Es regnet auf die Menschheit. Ich sehe Menschengesichter in diesem Regen, die von Wasser ganz benetzt sind, die regelrecht rein gewaschen werden. Bei anderen wird förmlich die äußere Fassade abgewaschen, Schicht um Schicht, bis am Ende das wahre Gesicht dieser Menschen zum Vorschein kommt. Und wer einmal das wahre Gesicht eines Menschen erblickt hat, sollte es sich gut merken, denn im nächsten Moment wird vielleicht die nächste Maske zur Täuschung aufgesetzt. Nur die, die reinen Herzens sind, sehen nachher genauso aus wie vor dem großen Regen, den dieser Duft mit sich bringt.

Die große Regenfrau entlarvt die Falschen, die sich Verstellenden, die Darsteller, die Opportunisten, die feigen Kameradinnen, die übernetten Kollegen, die Lästermäuler, die Lügner, die die gute Miene zum bösen Spiel machen. Und versetzt dem Gutgläubigen eine Ohrfeige – wach auf und schau doch!

Reinigungskur, Wahrheitsserum, Enttarnungsmixtur.

In jedem Leben gibt es diese Gesichter, die die eigene Geschichte  kreuzen. Mit dem widerfahrenen Unrecht, den Masken der Niedertracht,  mit Lüge und Betrug kommt oft auch die Verachtung als Schutzwall der eigenen Werte hinzu. Aber Verachtung ist ein Gift, für das man schnell ein Antiserum finden muss.

Warum sollte es nicht dieses Wasser des Ysop sein. Ich stelle mich direkt unter meinen imaginären Wasserfall, das Wasser fließt an allem vorbei, es löst den Stau an Verachtung, kühlt, befreit. Mein Körper fließt im großen Rhythmus des Regens, unaufhörlich. Alles Unrecht geht den Bach hinunter, es ist wie eine Wiedergutmachung.

Die Reinigung der Regenfrau ist sehr befreiend, klärend, erleichternd, würdevoll.  Der Regen hört da auf, wo die eigene Dankbarkeit (wieder) anfängt.

 

„Entsündige mich mit Ysop, dann werde ich rein; wasche mich, dann werde ich weißer als Schnee.“ Psalm 51, 9

 

Duft: Hyssopus officinalis spp aristatus, Spanien

Verwendeter Pflanzenteil:  Kraut

Gewinnung: Destillation

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