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Oh Captain, mein Captain – Moschuskörner

19 Jan

moschus

Im Leben gibt es viele Wege –  zu Wasser, zu Lande oder in der Luft.

Wir bewegen uns auf diesen Wegen fort, mal schneller, mal langsamer, über Berg und Tal, über Umwege und Irrwege und kommen dann doch irgendwann wieder an einen Ort, der uns bekannt vorkommt, an einen Punkt, an dem wir vielleicht schon einmal waren oder es kommt uns nur so vor. Oder wir finden in der Fremde ein neues Zuhause, wo sich die Seele gerne niederlässt.

Sicher ist, dass man niemals dieselbe oder derselbe bleibt. Das Leben ist eine Reise und mit dem Duft der Moschuskörner gehe ich auf Entdeckung.

Sogleich entsteht in meiner Imagination das Bild eines Schiffes, dessen Segel aus Federn besteht, die zart im Wind flattern. Mein Schiff schwebt schwerelos auf hohen Wellen und in der Ferne sehe ich einen Fixpunkt in den Farben des Federkleides meiner gehissten Segel.

Mir wird klar, dass wir, mein Federboot und ich, dorthin in die Ferne segeln werden und dass dies auch ohne mein Zutun geschehen wird.

Ich weiß vielleicht nicht genau, wohin mein Schiff fährt, aber ich weiß ganz sicher, dass ich der Kapitän bin. Oh Captain, mein Captain!

Der Kapitän ist ein Symbol für den inneren Kompass, nun spüre ich ihn ganz deutlich. Eine trockene Note im Duft lässt immer wieder das Bild von trockenem Treibholz, das an einen paradiesischen Strand angespült wurde, entstehen. Mag sein, dass das Boot, zu dem das Treibholz gehörte, Schiffbruch erlitten hat oder es im Sturm an einem Felsen zerschellt ist. Aber dieses eine  Stück hat es doch bis ins Paradies geschafft.

Vielleicht ist es besser ein Stück Treibholz im Paradies zu sein, als ein ganzes Schiff im sicheren Hafen? Zahlreiche Gedanken zum Thema „Lebenswege“ gehen mir durch den Kopf. Der Duft hat auch etwas Fruchtig-Exotisches an sich und schenkt Mut, auch die ungewöhnlichen, speziellen, von der Norm abweichenden Lebensabschnitte zu würdigen.

Es wird immer Leute geben, die den eigenen Lebensweg nicht verstehen, die Zweifel säen oder versuchen, einem ihr eigenes Lebenskonzept überstülpen zu wollen. Da rascheln die Federn meines Zauberschiffes leise im Wind und flüstern: Oh Captain, mein Captain!

Und ja, ganz tief in mir selbst hallt das Echo dieser Worte nach und bringt etwas zum Schwingen. Es ist die Freiheit, den eigenen Weg zu wählen, Schritt für Schritt. Ich selbst kenne mich am besten und deswegen weiß ich auch am besten, wohin ich will.

Lebenswege gibt es viele, nicht nur einen einzigen. Und außerdem segelt mein Schiff sowieso ganz von allein meinem Fixstern entgegen. Ich konzentriere mich auf das Flüstern der bunten Federn im Wind….und lausche dem Echo tief im Inneren….und weiß, dass dies das Einzige ist, was zu tun ist.

Affirmation: „Oh Captain, mein Captain!“

Duft: Hibiscus abelmoschus

Verwendeter Pflanzenteil: Samen

Gewinnung: Wasserdampfdestillation

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Die Sternenprinzessin – Sternanis

2 Jan

Einmal zu den Sternen und zurück. Dort oben am klaren Sternen-himmel, am Firmament aus dunkelblauem Samt, bestickt mit leuchtend funkelnden Diamanten stehen die Tore zum Unbekannten viele Lichtjahre entfernt unendlich weit offen.

Der Duft von Sternanis begleitet mich auf meiner Reise ins Reich der Sternenprinzessin.

Zunächst strömt der Sternanisduft mit der typischen Pastis-Note in Form einer intensiven rhyth-mischen Welle durch Nase und Rachen bis in die Magengrube ein.

Nach dem ersten fulminanten Höhepunkt nimmt die Duftintensität nach und nach ab, die Lakritznote verblasst langsam zugunsten einer leicht nussigen, süßen, exotischen und betörenden Duftnote.

Mit der leicht hypnotischen, gleichzeitig beruhigenden und entspannenden Wirkung auf den Körper geht eine wache Leichtigkeit des Geistes einher. Die Seele schillert in ihren natürlichen Farben des Regenbogens und schwebt mühelos empor.

Ebenso wie das Haar der Sternenprinzessin von Sternen und Federn bedeckt ist, so erhält auch mein Seelenkern ein Kleid aus bunten Federn und glänzenden Sternen. Offenen Herzens komme ich in der großen Weite des hell erleuchteten Sternenhimmels, im Raum der Welt an.

Ich breite meine Schwingen aus und gleite laut- und schwerelos über den Nachthimmel. Im scheinbaren Nichts des Weltalls findet sich alles, was die Seele einst auf ihrer Reise ins Menschsein vergessen hat.

Die Kraft der Kreativität entspringt der Schwerelosigkeit des eigenen Seelenkerns. Die laue Luft ist von der Kraft der Inspiration und der Imagination erfüllt.

Zärtlich gehalten im kosmischen Sternennetz stehe ich meinem schöpferischen Selbst im bunten Federkleid gegenüber und beginne mühelos zu erkennen und zu wissen, was für mich wichtig ist.

Die Antworten auf lang gestellte Fragen kommen erst, wenn man sich einmal ganz weit von der Problematik entfernt und den weisen Teil des Selbst aus dem Vogelkäfig und ihn dann fortfliegen lässt. Er wird schon wieder zurückkehren!

Viele geniale Wissenschaftler berichten, dass sie ihre größten Entdeckungen in einem Zustand der losgelösten Inspiration gemacht haben, wie etwa Friedrich August Kekulé, dem sich im Winter 1861 in einem Wachtraum vor dem Kaminfeuer die chemische Struktur des Benzolrings als tanzende Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt, offenbarte.

Auch Albert Einstein betonte immer wieder die Wichtigkeit der Imagination: „Die Logik bringt dich von A nach B, die Imagination bringt dich überall hin.“

Der Duft von Sternanis verbindet mit der Welt der eigenen Vorstellungskraft und den Wissensressourcen, die  ungenutzt in tieferen Schichten des Bewusstseins schlummern.

Außerdem hilft der Duft, sich von stereotypen Mustern der Problemlösung zu entfernen und Zusammenhänge zu erkennen, die zuvor der eigenen Aufmerksamkeit entgangen sind. Der Duft ist sehr gut für Phantasiereisen und Trancen geeignet. Sternanis öffnet den Geist für den Seelenflug und lädt zum Greifen nach den Sternen ein!

Affirmation: „Ich lasse meine Seele fliegen!“

Duft: Illicium verum, Vietnam

Verwendeter Pflanzenteil: Samen

Gewinnung: Destillation

Der Hausgnom – Zimtblätter

15 Dez

Damit die Seele ihre Ruhe findet, braucht sie manchmal das süße Nichtstun und den Müßiggang, manchmal aber das genaue Gegenteil.

Nämlich einen Tritt in den Hintern, um sich um Liegengebliebenes zu kümmern, es anzuschauen und zu sortieren, um dann seinen Verpflichtungen nachzukommen und sich von Altlasten zu befreien.

Etwas abhaken, fertigstellen, aufräumen, abschließen, erledigen –   oder zumindest einmal den Tatsachen ins Auge sehen – das ist zwar persönlich herausfordernd aber gleichzeitig psychisch hochgradig entspannend.

Das Gefühl, etwas geschafft zu haben, ein Stück Vergangenheit bewältigt zu haben, Altlasten losgeworden zu sein, bringt Freiraum, beruhigt das Über-Ich und lässt erleichtert aufatmen.

Wer sich manchmal einen kleinen Hausgnom wünscht, der so lange auf einen einquatscht, bis man freiwillig all das Aufgeschobene und Aufgehobene erledigt, der sollte einmal am Zimtblätter-Duft schnuppern.

Vor meinem inneren Auge präsentiert sich der intensive, etwas streng riechende Duft als behaarter Gnom, der mir freundlich, aber bestimmt allzeit bereit zu Diensten steht. Oder ist es eher umgekehrt?

Das kleine bullige Kraftpaket drängelt und treibt an, bis es richtig ungemütlich wird. Und so braucht man sich gar nicht mehr zu überwinden, sondern flüchtet freiwillig in die ordnende Aktivität.

Von daher ist dieser Duft bestens geeignet, um Faulheit, Trägheit, Lethargie und (zwanghaftes) Aufschiebeverhalten (Procrastination) zu überwinden und stattdessen Ordnung in das Leben zu bringen.

Manchmal hat man bereits so viel aufgeschoben und aufgehoben, verzögert, gestapelt und gehäuft bis sich im extremsten Fall ein riesiger Berg aus schlechtem Gewissen aufgetürmt hat und die Psyche einer Messie-Bude gleicht.

Du weißt nicht mehr, wo du zuerst anfangen sollst? Der Zimtblätter-Gnom schon. Er legt dir mit seiner schrulligen Art den roten Faden in die Hand und versorgt dich mit dem nötigen Durchhaltevermögen, Tatendrang und einer gewissen Arbeitswut.

Der Duft ist sehr gut zum Ausmisten und Entrümpeln geeignet, in der physischen als auch in der gedanklichen Welt. Auch beim persönlichen Jahresrückblick oder der Bewertung eines Lebensabschnittes ist dieser Duft ein guter Begleiter.

Körperlich fungiert der Zimtblätter-Duft als Lumpensammler, wirkt ausleitend, entgiftend, aktivierend und befreiend.

Und am Ende ist man doch für jeden Millimeter  des wieder gewonnenen Freiraumes dankbar!

Affirmation: „Ich befreie mich von der Last der/des …“ (eigenes Thema einfügen)

Duft: Cinnamomum ceylanicum, Sri Lanka

Verwendeter Pflanzenteil: Blätter

Gewinnung: Destillation

Die klare Linie – Zypresse

17 Jul

Die Zypresse steht für sich selbst und das in kerzengerader Form. Sie ragt als klare Linie in den Himmel. Konsequent, aufrecht, folgerichtig. Sie ist bewundernswert diszipliniert, mini-malistisch und wesentlich. Mein Staunen über die klare Linie dauert nun schon seit über einer Woche an.

Für mich bilden die drei Hölzer Zeder, Sandelholz und Zypresse eine Art Trilogie der heiligen Hölzer. Die Zeder als Spiegel des wahren Selbst, Sandelholz als Hüter der Zeit und die Zypresse als Rahmen für die existenzielle Ordnung des Menschen.

Die wertvollste Eigenschaft dieses Duftes ist das Stiften von Ordnung. Für das eigene Lebensbild bietet die Zypresse bereitwillig ihre Hilfe an, den passenden Rahmen für sich zu finden. Aus den unendlich vielen Möglichkeiten, Prinzipien und Lebensweisen, die einem potenziell zur Verfügung stehen, wird der aktuell passende Entwurf in völliger Klarheit und Strukturiertheit skizziert.

Die Zypresse hilft eine grundlegende Lebensordnung zu entwerfen oder zu festigen. Sie ist das beste Heilmittel für chaotische Verwirrungen, für Sackgassen und komplizierte Verstrickungen. Plötzlich ist alles ganz einfach und man ist in der Lage sich aus dem Chaos zu befreien – wie der Phönix aus der Asche.

Die Welt befindet sich ja permanent im Wechselspiel von Ordnung und Chaos und wir Menschen bilden im Mikrokosmos eben diesen ewigen Gezeitenwechsel ab.

Mit der Zypresse habe ich gelernt, dass Ordnung unheimlich wohltuend sein kann. Es gibt eine natürliche Ordnung, einen Zustand, in dem alles seinen Platz hat und jedes Gefühl und jeder Gedanke gut aufgeräumt ist. Mit der Zypresse erkenne ich auch immer wieder den Wert der Wenigkeit und der Einfachheit. Im Umkreis der Zypresse existiert kein „Zuviel“ und kein „Über“, kein Überfließen, Überquellen, Überfordern, Übertreten. Keine Massen an Dingen, die man nicht braucht und auch keine Meinungen, nach denen man nicht gefragt hat.

Durch die ordnenden Kräfte der Zypresse werden kleine Zwischenräume frei, die vorher nicht erkennbar waren. Es kann auch gesehen werden, was zwischen den Zeilen steht, der feine, aufmerksame Blick schweift nicht ab. Diese Zwischenräume stehen zu meiner Verfügung, sie verschaffen mir Luft und bilden Freiräume, wo vorher keine waren. Dies ist ein wahrer Segen!

Affirmation: „Ich habe eine klare Linie!“

Duft: Cupressus sempervirens

Verwendeter Pflanzenteil: Zweige

Gewinnung: Destillation

Ein Kurs in Wundern – Narde

15 Jun

Es muss nicht alles einen Sinn ergeben und man muss auch nicht alles verstehen. Dann gäbe es ja keinen Platz mehr für das Unerklärliche, das Wundersame und das Wunderbare.

Für die wichtigsten persönlichen Angelegenheiten im Leben braucht man sowieso keine Beweise. Der Mensch ist mit sehr feinen Antennen ausgestattet, was die Wahrnehmung seiner Umwelt, seiner Mitmenschen und seiner selbst angeht.  Diese Art der Wahrnehmung scheint beinahe wie ein altes Handwerk auszusterben.

Die Narde führt mich in den ältesten Teil meiner Selbst.  Dorthin wo es keine Gegensätze gibt, wo es keine Zeit gibt,  wo es keine Welt gibt und auch keine Ablenkung.

Es ist der Ort, von dem aus ich meine Beschränkungen betrachten kann und die Illusionen, die meine Gewohnheiten tragen. Vor allem scheint es um die Gewohnheiten der Wahrnehmung zu gehen, um jene allzu menschlichen Automatismen, die zwar das alltägliche Leben vereinfachen und eine gewisse Ordnung herstellen, die aber auch den Blick auf die Realität normieren und eichen. Meine Wahrnehmung erschafft meine innere Welt und meine innere Welt erschafft meine Wahrnehmung.

Vor meinem inneren Auge bewege ich mich auf eine Landschaft zu, eine Gebirgsformation, aus der mehrere Berge aufragen, die gigantisch hoch sind.  Mit einem Satz befinde ich mich plötzlich auf einem der Gipfel. Die Luft, die ich atme, scheint mit Lebensweisheiten durchtränkt zu sein. Ich blicke hinab vom Dach der Welt.

Die Matrix, in der ich mich normalerweise bewege, liegt ausgebreitet vor mir und neben allem, was mich ausmacht und was ich bisher erlebt habe, sind da die Tore, die ich nicht durchschritten habe, die Mauern, die ich nicht eingerissen habe, die Wunder, die an mir vorbei gezogen sind.

Mir wird deutlich, dass es die Tore und Mauern nur in meiner eigenen Wahrnehmung gibt und dass die Wunder in mir und um mich herum existieren und dies schon immer getan haben. Es ist also noch alles da, was für mich vorgesehen ist. Ich habe nichts versäumt. Diese Erkenntnis zaubert ein Lächeln auf mein Gesicht.

Ich komme zu dem Schluss, dass ein Wunder lediglich die Wahrnehmung einer Möglichkeit auf einer höheren Bewusstseinsebene darstellt. Auf dem Dach der Welt eben!

Affirmation: „Meine Wahrnehmung weitet sich!“ „Ich bin von Wundern umgeben!“

Duft: Nardostachys jatamansi, Nepal

Verwendeter Pflanzenteil: Wurzel

Gewinnung: Destillation

Meister Hora – Sandelholz

1 Okt

Hier ein Tag und dort ein Jahr

Meine Erfahrung mit Sandelholz begann vor ca. 9 Monaten genau wie alle anderen hier beschriebenen Dufterfahrungen auch. Ich zog einen Duft aus meiner Schatzkiste und ließ ihn meditativ einwirken. Zahlreiche Assoziationen fluteten mein Herz oder besser mein Alles, mein ganzes Sein wurde durchdrungen von goldener Wärme. An jenem Tag und noch oft danach hatte ich den Eindruck, dass mein Herz ganz warm wird, der Herzschlag sich verlangsamt und das Herz nach unten in Richtung der Wirbelsäule sinkt. Gleichzeitig hatte ich immer das Gefühl in einem hellen Schutzraum, etwas entfernt vom Alltag, zu sein. Das Licht war immer gelb, gold, hell. Oft hatte ich die Vorstellung von gelbem Wüstensand unter gleißendem Sonnenschein und der Farbe Gold. Es war mir klar, dass mit dem Gold nicht etwa materieller Reichtum gemeint war, sondern es verwies auf etwas, das größer ist als der Mensch selbst. Etwas ungeheuer Wertvolles, das höchste Gut, die edelste Gesinnung, vielleicht das Gute an sich.
Ich kam mit diesem Duft nicht zum Abschluss, für die ganzheitlich mein Selbst umfassenden Gefühle ließ sich kein Bild finden. Jegliche Abbildung, die ich für das abstrakte Gold aus meiner Vorstellung als Zeichnung, Foto oder Objekt heranzog, schien mir ungenügend. Also wartete ich ab.
Nach mehreren Monaten tauchte dann das Bild des Meister Hora vor meinem inneren Auge auf, der Hüter der Zeit. Im Nirgend-Haus in der Niemals-Gasse teilt er jedem Menschen seine Zeit zu, dort wachsen die Stundenblumen, die sich in den herrlichsten Farben öffnen und wieder vergehen und jede scheint noch herrlicher als die zuvor gesehene zu sein. Was die Menschen mit ihrer Zeit machen, müssen sie selbst bestimmen und sie müssen sie auch selbst verteidigen. Meister Hora sagt: „Denn jeder Mensch hat seine Zeit. Und nur so lange sie wirklich die seine ist, bleibt sie lebendig.“ Und „Denn so wie ihr Augen habt, um das Licht zu sehen, und Ohren, um Klänge zu hören, so habt ihr ein Herz, um damit die Zeit wahrzunehmen. Und alle Zeit, die nicht mit dem Herzen wahrgenommen wird, ist so verloren wie die Farben des Regenbogens für einen Blinden oder das Lied eines Vogels für einen Tauben.“
Der Meister der Zeit führt einen direkt in das eigene Herz, die eigene goldene Mitte und lässt uns die Musik unseres eigenen Herzens hören. Die Botschaft des Duftes wurde mir nun plötzlich sehr deutlich. Lasse dir deine Zeit nicht von denen wegnehmen, die dir Angst machen. Deine Zeit gehört dir, fange etwas mit ihr an, das dein Herz berührt und sei auf diese Weise lebendig.
Die Zeit in diesem Sinn, hat keinen Anfang und kein Ende, sie ist unendlich. Und so könnte ich mit dem Sandelholz sicher noch weitere Monate zubringen. Sandelholz ist ein treuer Begleiter, Träger des goldenen Lichts, das im Herzen wohnt, zeitlos im Hintergrund wartend.
Das 12. Kapitel des Märchen-Romans MOMO von Michael Ende bildet verblüffend genau ab, wie ich innerlich den Duft erfahren habe. Das Kapitel heißt „Momo kommt hin, wo die Zeit herkommt.“ Die Zitate oben stammen ebenfalls aus dem Kapitel.
Das wichtigste was ich von diesem Duft gelernt habe, ist , dass die Zeit lediglich ein Maß für Veränderung ist. Wenn man einmal in die eigene Zeit im Mittelpunkt des Herzens eingetaucht ist, wird es ganz still für einen Moment während alle Uhren aufhören zu ticken.

Affirmation: Meine Zeit ist lebendig! Meine Zeit ist heilig!

Duft: Santalum album

Verwendete Pflanzenteile: Holz

Gewinnung: Wasserdampfdestillation

Der geflügelte Bergführer – Rhododendron

9 Dez

Meine heutige Duftwahrnehmung:

Mit diesem Duft geht es hoch hinaus, aber auf ganz spannende Art. Es fühlt sich an als ob der Geist fliegen könnte, aber der Körper still und geerdet in Gelassenheit ruht.
Hohe Berge, massive Gebirgs-massen türmen sich um mich herum auf. Ich stehe auf dem Gipfel eines unglaublich hohen Berges, unter mir befinden sich Nebelschwaden, oben ist es ganz licht und hell, ein besonderer metallischer Schimmer bedeckt die karge Landschaft.
Von oben betrachtet sehen die Dinge anders aus, die Vogelperspektive bietet die Gelegenheit mit Abstand auf die Dinge zu blicken, Distanz zu gewinnen.
Manchmal geraten wir beruflich oder privat in Situationen hinein, die uns abhängig machen oder schädlich sind, was wir dann oft erst nach einiger Zeit ahnen oder bemerken.  Mit diesem Duft gelingt es sich aus den klebrigen Verstrickungen herauszulösen und die Situation zu übersteigen. Es geht darum erste Schritte in die richtige Richtung zu gehen. Das Gefühl, einen riesigen Berggipfel erklimmen zu müssen wird mit diesem Duft leicht erträglich und jeder Schritt macht einen Sinn. Die Verbindung zu unserem höheren Selbst, das den Weg bereits kennt, wird wieder hergestellt.

Affirmation: Mit klarem Falkenblick Schritt für Schritt ins Glück!

Duft: Rhododendron, Rhododendron anthopogon, Nepal

Verwendete Pflanzenteile: Blätter
Gewinnung: Destillation

Wächter der Nacht – Wacholder

8 Dez

vor meinem inneren Auge betrete ich eine Landschaft der Stille. Weit und breit ist nichts zu sehen außer Raum und der Horizont, es ist Nacht, samtene Dunkelheit schmiegt sich um die Sterne und das Nichts.

So müssen sich die magischen Nächte der Beduinen in der Wüste anfühlen. Die Luft ist klar und rein und man ist auf sich selbst zurück geworfen.

Es gibt nichts womit man sich ablenken könnte, aus der Dunkelheit steigen Gestalten heraus und verschwinden wieder. Es ist so still, totenstill, unheimlich und gleichzeitig faszinierend und vertraut.

Dieser Duft öffnet ein Tor zur Schattenwelt, zu den eigenen Wünschen, auf deren Erfüllung man hofft und diese zugleich zu verhindern weiß. Hier wohnt das Widersprüchliche, das Unsagbare, das Geheimnis.
Indem man durch das Tor des Wächters der Nacht schreitet und durch die Schatten hindurch geht erfährt man Klärung und Läuterung, am Ende nichts als Stille und Seelenruhe, tiefe Zufriedenheit und Wissen.
Dieser Duft hat eine starke transformierende Kraft. Wenn ich eines Tages dieser  intensiven Stille nicht mehr entfliehen möchte, werde ich eine weise Frau oder tot sein.

Ich stelle mir vor, dass dieser Duft zur Auseinandersetzung mit Tod, Trauer, tiefer Verzweiflung und den eigenen Schattenseiten ein stabiler und wertvoller Führer sein kann.

Ebenso trägt dieser Duft zur Klärung existenzieller Krisen bei. Er kennt die Abgründe der Menschheit und weiß deshalb auch einen Ausweg.

Auf der körperlichen Ebene wirkt der Wacholder klärend, tonisierend, durchblutungsfördernd und stabilisierend bei Rekonvaleszenz und Entgiftung.

Affirmation: Lebe jeden Tag als sei es dein letzter!

Duft: Wacholder, Juniperus communis, Frankreich
Verwendete Pflanzenteile: Zweige und Frucht
Gewinnung: Destillation

Gemeinschaft der Blätteraugen – Teebaum

23 Okt

Duftwahrnehmung vor dem inneren Auge:

Dieser Duft hat mich länger als nur einen Tag oder eine Stunde beschäftigt. Beim Riechen erlebe ich den Duft als Waldduft, es riecht nach Bäumen, aber nicht wie in unseren heimischen Wäldern. Weniger erdig und moosig, sondern mehr zitronig, herb.
Ich gehe auf den Waldrand zu und sehe elegante schmale Baumstämme und dazwischen zahllose grüne schmale Blätter in verschiedenen Grüntönen, die vielen feinen Blätter bilden ein vom Sonnenlicht durchbrochenes Blätternetz.
Als ich nur noch weinge Meter vom Wald entfernt bin, fühle ich mich plötzlich gehemmt und muss stehen bleiben, so als hätte ich eine unsichtbare Schwelle überschritten. Als ich im nächsten Moment in den Wald hineinblicke sehe ich, dass alle Blätter ihre Augen geöffnet haben und mich eindringlich ansehen. Ich stehe vor einer Wand aus Augen, die mich alle gleichzeitig ansehen. Es ist fast unerträglich, obwohl die Augen nichts weiter machen als mich ruhig und friedlich anzublicken! Aber es sind so viele Blicke aus so vielen Augen! Jeder Eindringling muss hier aufgeben, aber die Besucher dürfen weiter gehen, so wie ich.
Es ist ein erhebender Moment zusammen mit den Blätteraugen vom Inneren des Waldes nach draußen schauen zu dürfen und gemeinsam mit all diesen Augen sehen zu dürfen. Sie leihen mir ein wenig von ihrem Weitblick, ihren vielfältigen Perspektiven, ihrer Klarheit und ich erkenne dass die vielen einzelnen Augen ihre Sicht der Dinge zusammentragen und so ein großes Ganzes aus der betrachteten Sache wird.

Ich denke an das Symbol des Auges gegen den bösen Blick und an zahlreiche Redewendungen, die mit dem Sehen zu tun haben. Dabei fällt mir folgendes wieder ein: „Schönheit liegt im Auge des Betrachters.“ Wenn man es genau nimmt, dann liegt das ganze eigene Leben im Auge des Betrachters. Und dieser Duft unterstützt dabei, den Standpunkt einmal zu wechseln, sich die Dinge von allen Seiten anschauen zu können und sie mit anderen Augen zu sehen. Der Häuptling der Blätteraugen sagt mir immer wieder einen Satz: Ich bin viele!
In diesem Duft steckt der Sinn von Gemeinschaft und dem Gedanken, dass die Vielfalt stark macht.

Affirmation: Ich sehe die Welt mit anderen Augen! Ich sehe klar und deutlich!

Duft: Teebaum, Melaleuca alternifolia, Australien
Verwendete Pflanzenteile: Blätter
Gewinnung: Destillation

Hinweis: diese Schilderungen sind subjektive Eindrücke einer Dufterfahrung und erheben weder den Anspruch auf Vollständigkeit noch vertreten sie die allgemeine Lehrmeinung.

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