Emotion & Geruch

Die Fähigkeit der Duftwahrnehmung ist jedem Menschen, genau wie eine Reihe von Affekten (Interesse, Freude, Überraschung,Trauer, Wut, Ekel, Angst, Verachtung, Scham, Schuld) angeboren. Das Riechen ist eng mit dem limbischen System verbunden, vereinfacht gesagt dem sogenannten Emotionszentrum im Gehirn.

Die Strukturen des limbischen Systems sind neben der Steuerung des Triebverhaltens, der Verarbeitung von Emotionen, der Erzeugung von Angst auch an der Bildung von Gedächtniseinträgen beteiligt.  Jede wichtige Erfahrung, die wir machen, wird anhand der uns zur Verfügung stehenden Emotionen in „gut“ oder „schlecht“ eingeteilt und als Erinnerung abgespeichert. Dies bildet die Grundlage für Lernprozesse, die langfristig das Überleben sichern sollen. Die enge Verbindung anatomischer Strukturen von „Riechen“ und „Erinnerung“ erklärt auch weshalb lange zurückliegende Erinnerungen durch Düfte sehr lebhaft reaktiviert werden können.

Das olfaktorische System (Riechsystem) ist ein uralter Bereich in der Gehirnarchitektur. Als der Mensch noch lebensbedrohlichen Gefahren ausgesetzt war, trug der Geruchssinn dazu bei, die Fortpflanzung zu sichern, schnell auf Gefahren reagieren zu können und Nahrungsmittel auf ihre Genießbarkeit zu prüfen.

Und da musste es manchmal schnell gehen. So schnell, dass keine Zeit zum Überlegen blieb.  „Steinzeitliche“ Sinne und Reaktionsmuster  wie z.B. das Riechen oder die Stressreaktion mogeln sich an der kognitiven Bewertung, am Verstand oder anders ausgedrückt an der bewussten Wahrnehmung oft zugunsten einiger Nano- und Millisekunden vorbei.

Die Folge ist, dass Düfte sehr gut erlebt werden können, dass Reaktionen auf Düfte stattfinden, dass diese aber ohne entsprechende Übung nicht ausreichend erkannt, benannt und schließlich wertgeschätzt werden. Was „ungeübte Riecher“ mitbekommen ist oft nur die Spitze des Eisbergs, die sozusagen in die bewusste Wahrnehmung hineinragt. Wichtig ist hier zu erwähnen, dass die Düfte trotzdem das Handeln und die Wahrnehmung beeinflussen.

Das Riechen hat also großen Einfluss ohne dass sich der kognitiv geprägte Neuzeitmensch dessen bewusst ist.  Dabei kann es sehr spannend sein, seine Geruchswahrnehmung wieder neu für sich zu entdecken.

Menschen, die eine Aromatherapie machen oder mit Duftübungen beginnen, sind immer wieder verblüfft über die zum Teil heftigen Gefühle, lebhaften Träume und inneren Bilder, die sie erleben.

Hier Näheres zum Nobelpreis 2004 in Medizin/Physiologie für die Entdeckung der Funktionsweise der Riechrezeptoren:

Nobelpreis 2004 Medizin und Physiologie „Entdeckung der Riechrezeptoren“

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