Tag Archives: Angst

Die Schattenkriegerin – Cistrose

26 Jul

Das Betreten des Schattenpfades gehört ebenso zum Leben wie die Suche nach Licht. In fast jedem Menschen gibt es ein Schattenreich, in dem die Dunkelheit die schlimmsten Erlebnisse und die grausamsten Vorstellungen verschluckt.

Manche Menschen werden von den Schatten aus der Vergangenheit verfolgt und manche von Schatten aus der Zukunft.  Diese Schatten konstruieren wir selbst aus unserem Leben heraus und wir füttern sie mit Angst, Furcht und Schrecken. Je mehr man versucht, wegzulaufen, zu vergessen oder sich zu verstecken, umso größer und mächtiger wird das Schattenwesen. Es nimmt wertvolle Energie weg, die einmal uns selbst gehörte.

Die Cistrose ist ein sehr präsenter, mächtiger Duft mit einem sehr eigentümlichen Aroma, das durch Mark und Bein geht. Dieser Duft ergreift tief im Inneren ein Gefühl der Macht und befördert dieses in das Bewusstsein. Es ist die Energie, die die eigenen Ängste einst erzeugt haben, die nun wieder zurückkommt und indem diese Energie wieder in Besitz genommen wird, sie als rechtmäßiges Eigentum erklärt wird, transformiert sich Ohnmacht in Macht.

Die Cistrose ist eine Schattenkriegerin. Sie zeigt, wie man im eigenen Schattenreich die verlorenen Fragmente der Identität wieder zurück gewinnt. Dabei ist sie keineswegs bestrebt, das Licht anzuknipsen, sondern vielmehr will sie uns lehren, den eigenen Dämonen zu begegnen, diese mit Wohlwollen und Akzeptanz zu nähren und ihnen so ihre Macht wegzunehmen bis wir sie uns selbst wieder einverleibt haben und im Vollbesitz unserer seelischen, geistigen und emotionalen Kräfte sind.

„Ein Dämon ist all das, was uns hindert frei zu sein: Ängste, Krankheiten, Sorgen, Süchte und negative Gefühle.“

                                                                          Tsültrim Allione

Diese Einsichten werden begleitet von sehr eindrücklichen Assoziationen, die sich immer wieder in einem Bild verdichten. Ich sehe eine Frau mit markanten Gesichtszügen und schwarzen kurzen Haaren, die eine große Schere in der linken Hand und einen Korb dunkelroter Kirschen in der anderen Hand hält.

Sie trägt einen schwarz glänzenden Anzug und schwarze Stiefel und steht auf einem Steg aus alten Holzplanken. Mit einem dritten Arm holt sie nun ein Brecheisen hervor und beginnt, die Planken herauszureißen bis diese nach und nach beginnen zu zerbersten, so dass die gebrochenen Planken in die Luft ragen. Zum Vorschein kommt eine brodelnde, dickflüssige, blubbernde schwarze Flüssigkeit, wie Lava aus Pech.

Obwohl die Schattenkriegerin selbst auf dem Steg steht, scheint sie keine Angst zu haben, in das schwarze Meer aus glühendem Pech und Schmerz hineinzufallen und darin zu ertrinken. Vielmehr ist sie auf der Suche nach etwas und schlägt den ganzen Steg kurz und klein bis am Ende nur noch eine kleine Holzscheibe übrig bleibt, auf der gerade noch genug Platz ist, um darauf zu stehen.

Aus dem blubberndem Meer aus Pech schnellen nun meterhohe langhalsige, zähnefletschende Wesen auf und greifen an. Die Schattenkriegerin hat genau auf diesen Moment gewartet.

Zunächst füttert sie die Ungeheuer mit ihren Kirschen der Liebe und des Mitgefühls, nimmt dann ihre große Schere und schneidet das Band zwischen den dunklen Monstern und sich durch. Danach schenkt sie jedem als Geste der Erlösung noch eine große schwarz-rote Kirsche.  Dieser Prozess versinnbildlicht für mich das Durchschneiden der Angst wie es Tsültrim Allione in ihrem Buch „Den Dämonen Nahrung geben“ beschreibt.

Im Duft der Cistrose gibt es tatsächlich eine Note, die für mich nach dunklen, fast schwarzen, großen, reifen Kirschen riecht. Ich sehe einen ganzen Korb vor mir. Diese Früchte symbolisieren die Süße des Lebens nach Überwindung von Angst und Schrecken, von Trauma und Dunkelheit. Nach allen Anstrengungen, die dieser Duft einem abverlangt, ist dies die wohlverdiente Speise der Erlösung und des Triumphs.

„Nähre mit liebevollem Geist, noch mehr als ein Kind, die scheinbar existenten feindseligen Götter und Dämonen und umgib dich zärtlich mit ihnen.“

                                                    Machig Labdrön (1055-1145)

Affirmation: „Ich bin im Vollbesitz meiner Macht!“ „Ich gebe meinen Dämonen die Nahrung, die sie zu ihrer Erlösung brauchen!“

Duft: Cistus ladanifer, Marokko

Verwendeter Pflanzenteil: Zweige

Gewinnung: Destillation

Advertisements

Widerstand in der Aromatherapie

25 Mrz

Wenn es um Veränder-ungsprozesse geht, ist ein interessantes Phänomen zu beobachten. Neben dem Wunsch nach Ver-änderung steht gleich-zeitig die Angst vor der eigenen Courage.

Das Wunderwerk Mensch hat für alles vorgesorgt und ist Überlebens-künstler. Dazu gehört auch, sich zu schützen, wenn etwas zu viel wird.

Wenn uns die Sonne blendet können wir die Augen schließen, bei Lärm können wir die Ohren zuhalten und bei Gestank signalisiert uns die Nase, dass wir schnell das Weite suchen sollen. Bei weniger üblen Gerüchen macht die Nase irgendwann dicht und wir „riechen nichts mehr“ (ganz so einfach ist es zwar nicht, aber lassen wir es für dieses Thema dabei).

Ja, und wenn es unserer Psyche zu viel wird, wenn sie zu sehr überrascht oder erschreckt wird, wenn sie zu sehr herausgefordert wird und vor allem wenn es um das Loslassen und Verändern von Gewohnheiten geht, dann weiß auch sie sich zu schützen. Sie bäumt sich auf und holt ihr As aus dem Ärmel.

Das Aufbäumen ist der Widerstand. Das ist ein Moment, in dem die Psyche sagt: „Hey, Moment mal, was ist hier los?  Das geht mir alles ein bisschen schnell. So haben wir aber nicht gewettet!“ In Veränderungsprozessen kann dieser Widerstand überwunden werden. Er steht jedoch in direkter Relation zur Angst, die mit dem Eintreten der Veränderung verbunden ist.

Durch die Arbeit mit Düften entsteht eine besondere Situation, insofern als dass ein Duft das Unbewusste eines Menschen so stark ansprechen kann (siehe hierzu auch Heilimpulse der Düfte) , dass dieser sich plötzlich mit Gefühlen und Erinnerungen konfrontiert sieht, die er eigentlich verdrängt hat. Auch dieser Vorgang wird ihm nicht bewusst, denn bevor es dazu kommt, hat die Psyche schon ihren Colt gezogen und manchmal wird ganz schön scharf geschossen. Welche Gestalt Widerstände in der Aromatherapie annehmen können, habe ich im Folgenden einmal kurz zusammengefasst:

Psychische Widerstände

  • Ablehnung des Verfahren als Ganzes („Man muss halt dran glauben, damit es wirkt!“)
  • Zweifel an den Fähigkeiten des Therapeuten („Von Ihnen hätte ich schon etwas mehr erwartet!“)
  • Zweifel an der eigenen Sensibilität bezüglich der Duftwahrnehmung („Ich bin für Düfte nicht empfänglich!“)
  • Ausblenden der Duftwahrnehmung bei gleichzeitiger äußerlich beobachtbarer Reaktion z.B. Ekelmimik („Ich merk‘ nix“, „Es wirkt nicht“)
  • Verbale Äußerungen über das Missfallen bezüglich des Duftes/der Düfte („Ich dachte Aromatherapie hat was mit Wohlgeruch zu tun!“)
  • Trotzhaltung („Ich mache nicht mehr mit!“)
  • Schaffung von Nebenschauplätzen (z.B. Wehklagen, Sinnkrise)
  • Hinwendung zum Rationalen, Abwendung von der Herzebene („Ich bin halt eher der rationale Typ!“)

Körperliche Widerstände

  • Sofortiges Abwenden des Körpers beim Riechen
  • Ekelmimik und/oder Ekelgefühle
  • Kopfschmerzen, Übelkeit, allgemeines Unbehagen nachdem an einem Duft gerochen wurde
  • plötzlich von Müdigkeit überrollt werden (Gähnen)
  • Bewegungsdrang (Aufstehen, Umhergehen)
  • spontanes Lachen oder Weinen

Formale Widerstände

  • Fernbleiben vom Termin ohne Absprache
  • mehrmalige Absage eines Termins
  • Zuspätkommen
  • Diskussionen über die Höhe des Honorars
  • Kritik an Praxisräumen (zu kalt, zu ungemütlich etc…)

Es ist natürlich berechtigt, wenn ein Klient auf Missstände aufmerksam macht. Sollten diese jedoch plötzlich im Laufe der Behandlung auftreten, könnten kritische Äußerungen auch als Widerstand gedeutet werden, vor allem dann wenn der Klient in früheren Sitzungen  z.B. seine Zufriedenheit geäußert hat. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass der Klient eine Kritik schon von Anfang an anbringen wollte, sich aber nicht getraut hat. Aber auch hier gibt es dann Klärungsbedarf.  Normalerweise werden die Rahmenbedingungen ja vor Behandlungsbeginn abgeklärt.

Widerstände sind zum Schutz des Individuums da. Ein Widerstand führt zwangsläufig zu einem Stopp, zu einem Abkühlen der Intensität, zu einer Verschnaufpause. Es ist der Moment, der anzeigt, dass es „ums Eingemachte“ geht. Natürlich steht es jedem Menschen zu, selbst zu entscheiden, wie weit er gehen möchte und wo für ihn Schluss ist. Meistens braucht der Mensch einfach mehr Zeit, um sich an das aufgeworfene Thema heranzuwagen. Es sind natürlich genau diese Knackpunkte spannend, die Eisberge, die man gemeinsam umschiffen darf oder manchmal sogar direkt darauf zu steuern darf. Und gemeinsam ein Abenteuer zu bestehen, kann auch Vertrauen schaffen. Klar ist, dass man nicht mit jemandem in einer Nussschale aufs weite Meer hinaus fährt, auf den man sich nicht 100% verlassen kann.

In der Aromatherapie ist man zum Glück mit dieser Aufgabe als Therapeut nicht allein. Die Düfte üben ihre eigene Faszination aus, oftmals sind es genau die Düfte, die die größten Widerstände erzeugen, die einen am Ende aus der Reserve locken.

%d Bloggern gefällt das: