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Hüterin des Seelenkerns – Tuberose

20 Apr

Wenn sich die weißen Blüten der Nachthyazinthe öffnen, entströmt ihnen ein narkotischer, süßer und leicht würziger Duft mit einem Hauch von Zimt.

Die Tuberose agiert ähnlich wie Jasmin im Verborgenen, in der Nacht, im Urgrund der Seele. Mit ihr senkt sich der Schleier des narkotischen, tiefen Schlafes und geleitet die Seele durch die archaische Traumlandschaft – auch am Tag.

Mit Bestimmtheit dringt sie bis tief ins Innere vor bis an Orte, die man selbst nur selten besucht hat. Leise, geschmeidig, gleitend.

Über eine Woche hat der Duft der Tuberose Material aus meinen Seelentiefen geborgen und hat mir Zugang verschafft zu meinem emotionalen Gedächtnis. Sie hat eine Schleuse vom Herzen her geöffnet und verschiedene bedeutsame mit Herzblut vermischte Erinnerungen offenbart.

Im Beisein der Tuberose erinnert sich das Herz: gespeicherte Gefühle, die (noch immer) aus dem Unbewussten heraus das Leben im Hier und Jetzt zu beeinflussen wagen, werden aufgegriffen und gezeigt. Interessanterweise werden neben den größten Verlusten  und Enttäuschungen auch die größten Triumphe und Glücksmomente aus dem Seelenleben akquiriert. Die Süße neutralisiert die Bitterkeit!

Nach einigen Traumnächten mit Tuberose fühlt sich mein Unbewusstes plötzlich viel plastischer und vielschichtiger an. Es scheint als seien unter der normalen Traumlandschaft oder dem, was ich normalerweise als Unbewusstes wahrnehme, noch weitere, tiefere Schichten. Während ich tiefer sinke, glätten sich gleichzeitig die Wellen meiner emotionalen Seelenwelt, ein merkwürdiger Vorgang der Abstraktion setzt sich in Gang.

Es ist ein Schwellenbereich in mir, an dem die konkrete Wahrnehmung des Selbst ins Abstrakte übergeht, die Mündung, an der das Seelenschiff aufs offene Meer segelt, um in die unendliche Weite der Schöpfung einzutauchen.

Um mich herum wird es leer und leise, das ICH fühlt sich an wie eine kompakte pulsierende Kugel – mein Seelenkern. Dort spiegelt sich das eigene menschliche Sein in seiner hellsten und reinsten Form. Hüllenlos, bedingungslos, makellos, mühelos, unantastbar.

In den tiefsten Tiefen des Herzens glüht ein geheimer, ewiger Lebensfunke als Urform der eigenen Identität. Die Botschaft der Tuberose ist der Energieerhaltungssatz der Seele: alle Energie bleibt erhalten, nichts geht je verloren, alles wandelt sich und nimmt andere Formen an.

In der Duftlandschaft der Tuberose mag man sich verlieren, um sich am Ende wiederzufinden. Die als verloren geglaubten Splitter der Seele, können im neuem Gewand erkannt und wiedergefunden werden und das ist die zutiefst heilsame Erfahrung mit der Hüterin des Seelenkerns.

The pain of yesterday is the strength of today. Paulo Coelho

Affirmation: „Nichts geht je verloren, alles wandelt sich!“

Duft: Polianthes tuberosa, Indien

Verwendeter Pflanzenteil: Blüte

Gewinnung: Ölextraktion

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Die Sternenprinzessin – Sternanis

2 Jan

Einmal zu den Sternen und zurück. Dort oben am klaren Sternen-himmel, am Firmament aus dunkelblauem Samt, bestickt mit leuchtend funkelnden Diamanten stehen die Tore zum Unbekannten viele Lichtjahre entfernt unendlich weit offen.

Der Duft von Sternanis begleitet mich auf meiner Reise ins Reich der Sternenprinzessin.

Zunächst strömt der Sternanisduft mit der typischen Pastis-Note in Form einer intensiven rhyth-mischen Welle durch Nase und Rachen bis in die Magengrube ein.

Nach dem ersten fulminanten Höhepunkt nimmt die Duftintensität nach und nach ab, die Lakritznote verblasst langsam zugunsten einer leicht nussigen, süßen, exotischen und betörenden Duftnote.

Mit der leicht hypnotischen, gleichzeitig beruhigenden und entspannenden Wirkung auf den Körper geht eine wache Leichtigkeit des Geistes einher. Die Seele schillert in ihren natürlichen Farben des Regenbogens und schwebt mühelos empor.

Ebenso wie das Haar der Sternenprinzessin von Sternen und Federn bedeckt ist, so erhält auch mein Seelenkern ein Kleid aus bunten Federn und glänzenden Sternen. Offenen Herzens komme ich in der großen Weite des hell erleuchteten Sternenhimmels, im Raum der Welt an.

Ich breite meine Schwingen aus und gleite laut- und schwerelos über den Nachthimmel. Im scheinbaren Nichts des Weltalls findet sich alles, was die Seele einst auf ihrer Reise ins Menschsein vergessen hat.

Die Kraft der Kreativität entspringt der Schwerelosigkeit des eigenen Seelenkerns. Die laue Luft ist von der Kraft der Inspiration und der Imagination erfüllt.

Zärtlich gehalten im kosmischen Sternennetz stehe ich meinem schöpferischen Selbst im bunten Federkleid gegenüber und beginne mühelos zu erkennen und zu wissen, was für mich wichtig ist.

Die Antworten auf lang gestellte Fragen kommen erst, wenn man sich einmal ganz weit von der Problematik entfernt und den weisen Teil des Selbst aus dem Vogelkäfig und ihn dann fortfliegen lässt. Er wird schon wieder zurückkehren!

Viele geniale Wissenschaftler berichten, dass sie ihre größten Entdeckungen in einem Zustand der losgelösten Inspiration gemacht haben, wie etwa Friedrich August Kekulé, dem sich im Winter 1861 in einem Wachtraum vor dem Kaminfeuer die chemische Struktur des Benzolrings als tanzende Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt, offenbarte.

Auch Albert Einstein betonte immer wieder die Wichtigkeit der Imagination: „Die Logik bringt dich von A nach B, die Imagination bringt dich überall hin.“

Der Duft von Sternanis verbindet mit der Welt der eigenen Vorstellungskraft und den Wissensressourcen, die  ungenutzt in tieferen Schichten des Bewusstseins schlummern.

Außerdem hilft der Duft, sich von stereotypen Mustern der Problemlösung zu entfernen und Zusammenhänge zu erkennen, die zuvor der eigenen Aufmerksamkeit entgangen sind. Der Duft ist sehr gut für Phantasiereisen und Trancen geeignet. Sternanis öffnet den Geist für den Seelenflug und lädt zum Greifen nach den Sternen ein!

Affirmation: „Ich lasse meine Seele fliegen!“

Duft: Illicium verum, Vietnam

Verwendeter Pflanzenteil: Samen

Gewinnung: Destillation

Spiegel aus Holz – Zeder

6 Apr

Spiegel aus Holz

Mit dem Duft kommt die tiefe Atmung.  Mit der tiefen Atmung kommt die Ruhe. Mit der Ruhe kommt die Kraft.  Ich sitze und atme, werde schwer und gleichzeitig richte ich mich innerlich auf.  Mit jedem Atemzug entferne ich mich ein wenig weiter von der normalen Zeitrechnung.

Jenseits vom allem, was ich normalerweise bin, ist ein Teil meiner selbst, der unveränderlich mein Fels in der Brandung ist. Mein Baum an den ich mich lehnen kann, in allen Lebenslagen. Es ist mein Seelenkern. Tatsächlich spüre ich für einen Moment in mir diesen unendlichen Anteil.  Stabilität in immerwährender Wandlung.

Mit diesem Gefühl sehe ich in meiner inneren Wahrnehmung, begleitet von tiefer selbstverständlicher Atmung, einen großen Holzrahmen. Es sieht aus wie ein Spiegel, aber auch die Fläche des Spiegels ist aus Holz. Ich blicke darauf aber nichts passiert. Als ich die Augen schließe, taucht derselbe Spiegel wieder auf. Nun sehe ich wie sich die Holzfläche langsam öffnet und sich in ein farbiges Meer aus pulsierenden Spiralen verwandelt.  Das ist der pulsierende Fluss der Lebensenergie. Das Leben ist in mir und umhüllt meinen Seelenkern.  Damit bin ich gekommen und damit werde ich wieder gehen.  Mit dem Öffnen der Augen steht nun wieder der Zauberspiegel mit glatter Holzfläche vor mir.

Ich verstehe, dass die Lebensachse, um die ich mich selbst drehe und die mir Stabilität und Kraft gibt, in mir selbst liegt und dass ich die Verbindung zu meinem Seelenkern nur mit dem Blick nach Innen herstellen kann. Nun weiß ich aber auch, dass ich diesen Seelenkern auch direkt ansprechen und um Unterstützung bitten kann.

Der Duft der Zeder versprüht die nötige Magie, um sich seiner eigenen Kraft bewusst zu werden und sich zu seiner vollen Größe aufzubauen.  Wir Menschen sind aufrechte Wesen, die sich zwischen Himmel und Erde ausrichten. Die Wirbelsäule dient als stützende Achse, der klare Geist als Wegweiser.  Ich blicke in den Spiegel der Zeder und sehe Respekt, Stabilität, Kraft, Ruhe, das Göttliche, die Unendlichkeit und sehe es im selben Augenblick tief in meinem Inneren, denn nur dort kannst du die Botschaft der Zeder empfangen.

„Es kann die Ehre dieser Welt
Dir keine Ehre geben.
Was dich in Wahrheit hebt und hält
Muss in dir selber leben.“                             Theodor Fontane

 

Siehe auch Besuch einer Libanon-Zeder

Affirmation: „Ich spüre meinen Seelenkern!“ „Alle Kraft kommt aus mir selbst!“

Duft: Cedrus atlantica, Marokko

Verwendeter Pflanzenteil: Holz

Gewinnung: Destillation

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